Bhava and Bhavaṅga – einfach erklärt!

1. Die beiden Schlüsselwörter Bhava und Bhavaṅga werden häufig falsch verwendet. Mit den richtigen Bedeutungen lassen sich aber viele Konzepte im Buddha Dhamma besser verstehen. Selbst in aktuellen Theravada-Texten gibt es Verwirrung über den Unterschied zwischen Bhava und Jāti. Siehe Bhava und Jāti.

2. Bhava bedeutet „Existenzpotential“ entweder in einem der 31 Reiche ODER als ein bestimmter Geisteszustand innerhalb des aktuellen Lebens.

  • In der ersten Kategorie gibt es Menschen-Bhava, Tier-Bhava, Tusita-Deva Bhava, Peta Bhava, Abhassara Brahma Bhava usw. Für jedes Lebewesen gibt es viele mögliche Bhava. Am Ende des gegenwärtigen Bhava wird ein neues Bhava basierend auf den relativen Energien für verschiedene Bhava (kamma bīja) ergriffen, welche man in der Vergangenheit kultiviert hat.
  • Selbst während eines Lebens durchleben wir verschiedene Existenzen, basierend auf Lebensereignissen. Das ist die zweite Kategorie. Zum Beispiel kann man während eines Fußballspiels sein gewohnheitsmäßiges Fußball-Bhava vor dem Fernseher erleben oder beim Tod eines geliebten Menschen für Tage in einem „Zustand der Trauer“ verweilen. Beides sind Bhava.

3. Bhavaṅga (bhava + anga, mit anga = „Teil“) bedeutet daher einen „Geisteszustand“, der innerhalb einer Existenz untrennbar ist.

  • Wenn der Geist nicht durch einen starken externen Sinneseindruck (über die fünf physischen Sinne oder Mana Indriya) gestört wird, befindet er sich in seinem natürlichen Bhavaṅga-Zustand, der zu Beginn des Menschen-Bhava vorhanden war. Der Bhavaṅga-Zustand jeder Person ist unterschiedlich und basiert auf dem im Patisandhi-Moment wahrgenommenen Sinnesobjekt. Es fühlt sich für jede Person irgendwie „neutral“ an. Wenn man zum Beispiel im Tiefschlaf ist oder „nur in die Luft starrt“, befindet sich der Geist wahrscheinlich im natürlichen Bhavaṅga, was wir mit B kennzeichnen.
  • Wenn andererseits der Geist von einem Ereignis wie oben genannt tief betroffen ist, geht der Geist in ein „vorübergehendes Bhavaṅga“, was diesem Ereignis entspricht („Spielbesessenheit“ oder „Trauer“). Wir kennzeichnen das mit BT.

4. Nun kann dieser „Geisteszustand“ (ob B oder BT) durch einen Citta Vithi unterbrochen werden, ausgelöst durch einen Sinneseindruck.

  • Wenn zum Beispiel ein Freund kommt, um dem Toten Respekt zu zollen, kann der Geist der traurigen Person für ein paar Minuten freudig reagieren. Dann erinnern sich die beiden Hinterbliebenen vielleicht an vergangene glückliche Zeiten mit dem Toten und beide gehen in ihr jeweiliges Trauer-Bhavanga. Nach Tagen fällt der Geist allmählich zurück zum natürlichen Bhavaṅga B.
  • Bei weniger starken Lebensereignissen hält dieser vorübergehende Geisteszustand nur Minuten oder Stunden an.
  • Wenn man zum Beispiel einen alten Freund auf der Straße trifft, kann der Geist temporär glücklich werden, während man aufgeregt miteinander spricht. Verabschiedet man sich nach einer Weile, kann dieser BT-Zustand schnell verklingen und andere Denkprozesse treten in den Vordergrund.

5. Daher kann der Geist innerhalb eines Tages in mehrere BT-Zustände geraten und immer wieder zurück zum B-Zustand fallen.

  • Der natürliche BhavaṅgaZustand kann als Uppatti Bhavaṅga bezeichnet werden. Der temporäre BhavaṅgaZustand kann als Pavutti Bhavaṅga bezeichnet werden. Die Bezeichnungen werden jedoch im Tipitaka nicht verwendet. Die Verbindung soll nur gezeigt werden.

6. Wichtig ist zu beachten, dass Bhavaṅga ein Geisteszustand ist, und kein Citta Vithi, d.h. Bhavanga ist ohne Gedanken.

  • Während Bhavaṅga hat der Geist entsprechendes Gati. Wenn man zum Beispiel in einen „BT mit Wut“ gerät, hat man während dieser Zeit natürlich überwiegend „wütendes Gati“. Mit wütendem Gati kommt man auch leicht in „wütende BT„.

7. In einem „BT mit Wut“ erzeugt man auch leichter wütende Gedanken. Das liegt an Annantara und Samanantara Paccaya: Dieser „wütende Geisteszustand“ ist empfänglicher für wütende Gedanken. Man sollte den Geist durch Fokus auf ein anderes Gedankenobjekt vom wütenden Bweglocken und die kreisenden Gedanken der Wut stoppen.

  • Die obigen Grundideen kann man anhand von Beispielen aus dem eigenen Leben betrachten.

8. Wenn man beim Lesen/Hören von Buddha Dhamma einen ruhigen Geisteszustand hat, ist es relativ einfach, mitfühlende Gedanken über andere Wesen zu erzeugen. Daher ist es wichtig, den „Hintergrund“ sorgfältig auszuwählen, wenn man mit einer wichtigen Aufgabe beginnt.

  • Aus diesem Grund gehen Menschen zu einem buddhistischen Tempel, spenden Blumen und sprechen Gåthå (Verse), bevor sie sich hinsetzen, um die Desana eines Bhikkhu zu hören. Der Geisteszustand ist wichtig. Man kann tiefes Dhamma nicht verstehen, wenn der Geist in Wut oder Trauer feststeckt. Siehe Buddhistischer Gesang.

9. Eine weitere wichtige Anwendung für Annantara/Samanantara Paccaya: in einem Menschen-Bhava kann nur Kamma Vipāka zur Wirkung kommen, was mit dem Bhava und dem Gati als Mensch „kompatibel“ ist.

  • Selbst wenn man Kamma Bīja hat, was für hartes Vipāka in den Apāyā geeignet ist, kann man dieses Vipāka nicht erleben, solange man in einem Menschenkörper lebt. Auf der anderen Seite kann man auch angenehmes Vipāka passend zum Deva Bhava nicht als Mensch erleben.
  • Ein Tier lebt oft mit Angst um sein Leben. Das ist Teil von Bhavaṅga. In ähnlicher Weise hat ein Tihetuka-Mensch ein natürliches angenehmes Verhalten (Geburt mit allen drei guten Wurzeln). Ein Ahetuka-Mensch kann hingegen nur sehr einfach denken. Dazwischen liegt ein Dvihetuka-Mensch (zwei gute Wurzeln).

10. Ein wichtiger Geisteszustand sind die Stunden vor dem Tod, wenn ein neues Bhava näher rückt (wenn im aktuellen Bhava kein Jāti mehr möglich ist) .

  • Hier wird die Kamma-Energie über Mana Indriya verschiedene Gedanken in den Geist bringen, die mit starken passenden Kamma Bīja kompatibel sind (Kamma-Samen). Jemand, der im Begriff ist, ein neues Bhava in der Hölle (niraya) zu erfassen, wird sich an angst- ode hasserfüllte Ereignisse erinnern (auch aus früheren Leben), und der Geist kann zu einem „ängstlichen vorübergehenden Bhavaṅga“ neigen. Dann kommen immer mehr solche ängstlichen Ereignisse in den Sinn.
  • Einige Sterbende zeigen diese Angst in ihren Augen, selbst wenn ihr Körper nicht mehr reagiert. Manche Menschen beginnen vor Angst zu schreien, wenn sie ein besonders unangenehmes Bhava auf sich zukommen sehen. Kurze Sequenzen der kommenden Existenz tauchen im Geist auf. Sie sehen zum Beispiel sich oder andere in der Hölle brennen oder von scharfen Waffen durchbohrt, spüren Hitze usw.
  • Auf der anderen Seite bleiben Menschen ruhig mit einem angenehmen Gesichtsausdruck, auch wenn der Körper nicht mehr reagiert. Einige lächeln, wenn sie eine glückliche Umgebung oder verstorbene Verwandte und Freunde wahrnehmen. Dazu gibt es auch viele Nahtod-Erfahrungen.

11. Bhavaṅga Citta werden dvāramutta citta oder „Citta ohne Sinnestür“ genannt.

  • Wenn wir etwas hören, kommt der Ton durch die Ohren zum Gehirn, von dort weiter zur Hadaya Vatthu (Sitz des Geistes) und viele Citta Vithi werden an der Manodvara (Geistestür) erzeugt, nachdem Sotadvara Citta Vithi initiiert wurde.
  • Das sind sehr schnelle Prozesse. Wenn kein Citta Vithi arbeitet, fällt der Geist zurück zum Bhavaṅga (B oder BT).
  • Alles, was wir sehen, hören, schmecken, riechen oder berühren, wird mit Citta Vithi bearbeitet. Auch vom Geist erzeugte Gedanken benötigen Citta Vithi.
  • Im Gegensatz dazu kommt ein Bhavaṅga-Zustand NICHT durch eine der fünf physischen Sinnestüren oder durch Mana Indriya. Deshalb wird es dvāramutta citta genannt, Citta die keine Sinnestür erfordern.
  • Daher ist Bhavaṅga eine Art „stationärer Geisteszustand“, auf den der Geist zurückfällt, wenn kein Citta Vithi vorhanden ist. Siehe Citta Vitthi.

12. Citta Vitthi laufen nicht ohne Unterbrechung. Nur die kammische Energie läuft während der Reise durch Samsara ohne Unterbrechung.

  • Wird man zum Beispiel im Asanna-Reich geboren, wird für 500 Mahā Kappa kein Citta erzeugt. Ein Mahā Kappa entspricht Milliarden Jahren! Während dieser Zeit wird der Körper des Wesens im Asanna-Reich durch Kamma für dieses Bhava am Leben erhalten, und Bhavaṅga ist während dieser Zeit aktiv.

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