Pabhassara Citta, strahlender Geist, Bhavaṅga

Ein „Gedanke“ ist das Ergebnis von Milliarden Citta

1. Eine Milliarde Citta kann jede Sekunde entstehen und vergehen. Was wir erleben, ist die kumulative Wirkung dieser Citta, was wir „Gedanken“ nennen. Beginnen wir mit dem Grundzustand eines Citta (frei übersetzt  „Gedanke“, was aber nicht stimmt). Jedes Citta enthält 7 universelle Cētasika.

  • Diese 7 Cētasika sind: phassa (Kontakt), saññā (Wahrnehmung), vēdanā (Gefühl), cētanā (Absicht), ekaggata (Einspitzigkeit), jivitindriya (Lebensfähigkeit), manasikāra (Erinnerung). Dies ist der „Grundzustand“ eines Citta.
  • Dann können weitere Cētasika (gute oder schlechte) hinzukommen. Doch betrachten wir den einfachen Fall, wo keine anderen Cētasika enthalten sind.
  • Selbst dieses einfache Citta ist für normale Menschen verunreinigt, durch Vēdanā und Saññā Cētasika.

Jedes Citta durchläuft neun Stufen!

2. Jedes einzelne Citta durchläuft während seiner Existenz 9 Stufen! Nur ein Buddha kann solch einen schnellen Prozess sehen.

  • Am Ende der 9 Stufen ist es gereift und von der Gesamtheit des Viññāṇakkhandha (einschließlich vergangener Viññāṇa) beeinflusst.
  • Ein unreines Citta wird Viññāṇa genannt.
  • Vēdanā auf der Basisebene ist das „Bewusstsein über das Objekt“ (veema + danaveema bzw. „වීම දැනවීම“ auf Singhalesisch). Weitere „Gefühle“ werden einbezogen, während sich das Citta entwickelt.

Schon das erste Citta ist kontaminiert

3. Das andere kritische universelle Cētasika ist Saññā. Hier die Aussprache:

  • Saññā liefert die Wahrnehmung über ein bestimmtes Ereignis, das zum Entstehen des Citta führte. Wenn wir zum Beispiel ein Objekt sehen, geht die Identifikation dieses Objekts durch die 9 Stufen (und Vēdanā entwickelt sich entsprechend).

Die Verunreinigung eines Citta beruht auf Anusaya 

4. Jedes Citta wird in 9 Stufen durch Anusaya verunreinigt, die als Āsava (bzw. āsaya) an die Oberfläche kommen, was mit dem Gati zusammenhängt.

  • Die 9 Stufen der Verunreinigung während der Lebenszeit des Citta heißen citta, mano, mānasaṃ, hadayaṃ, paṇḍaraṃ, mano manāyatanaṃ, manindriyaṃ, viññāṇaṃ, viññāṇakkhandho.
  • Das wird im Paṭiccasamuppāda Vibhaṅga, in Abschnitt 2.5.1 erklärt, Akusalacitta: “Tattha katamaṃ saṅ­khā­ra ­pac­cayā viññāṇaṃ? Yaṃ cittaṃ mano mānasaṃ hadayaṃ paṇḍaraṃ mano manāyatanaṃ manindriyaṃ viññāṇaṃ viññā­ṇak­khan­dho tajjā­mano­viñ­ñā­ṇa­dhātu—idaṃ vuccati “saṅ­khā­ra­pac­cayā viññāṇaṃ”.
  • Diese 9 Stufen sind auch im Originalkommentar aufgeführt, Abschnitt 1.3.5.3. Tatiyacatukkaniddesa in 1.3. Ānāpānassatikathā des Patisambhidamaggapakarana (oder Teil I, S. 360 des Buddha Jayaṃati Tipiṭaka):  “..yaṃ cittaṃ mano mānasaṃ hadayaṃ pandaraṃ manomanāyatanaṃ manindriyaṃ viññāṇaṃ viññāṇakkhandho..”. Ich vertraue nur den drei Kommentaren im Tipiṭaka: Patisambhidamagga, Petakopadesa, Nettippakarana.
  • Alle anderen Kommentare wurden später geschrieben und sind nicht zuverlässig. Siehe Buddhaghosa und Visuddhimagga – eine Analyse.
  • Tatsächlich erleben wir viññāṇakkhandha. Doch selbst nach Durchlauf der 9 Stufen wird es der Einfachheit halber immer noch Citta genannt. Siehe auch Zeitliche Entwicklung eines Gedankens.

Beispiel zu den neun Stufen eines Citta

5. Betrachten wir als Beispiel das Sehen der eigenen Mutter. Auf der anfänglichen cittaStufe besteht die einzige Wahrnehmung darin, dass eine Person da ist. Auf der manōStufe (was für „Kalibrieren in Bezug auf andere Personen“ steht) wird erkannt, dass die Person eine Frau ist.

  • In der dritten Stufe (mānasaṃ) kommt San ins Spiel und es werden zusätzliche Informationen (die individuell sind) aufgenommen. Nun identifiziert man die Person als die eigene Mutter.
  • Übrigens kann man nicht in dieser Welt leben, ohne zumindest  mānasaṃ-Stufe zu erreichen. Andernfalls kann man eine Person nicht erkennen.
  • Die tatsächliche Verunreinigung des Citta beginnt auf der nächsten Stufe: hadayaṃ, man erkennt, ob diese Person „dem eigenen Herzen nahe ist“ und ob man sich angezogen oder abgestoßen fühlt. Im Beispiel erkennt man die Person als „die eigene Mutter“ und natürlich entsteht auch entsprechendes Vēdanā der Anhaftung.

Citta eines Arahants verunreinigen nicht über Mānasan hinaus

6. Die Citta eines Arahants entwickeln sich nicht weiter als mānasaṃ. Der Buddha war also in der Lage, Menschen zu erkennen, aber er hatte keine Anhaftung/Abneigung auf Basis des Erkennens.

  • Das wird in der Karaniyamatta Sutta gesagt: „…mānasaṃbhāva ye aparimānaṃ…“. Man soll mānasaṃ so weit wie möglich kultivieren, aber das Citta nicht darüber hinaus verunreinigen. Aparimāna bzw. appramāna bedeutet „unbegrenzt“.
  • Das kann man nur erreichen, indem man das schlechte Gati reduziert und schließlich beseitigt.

7. Der nächste Schritt nach hadayaṃ ist paṇḍaraṃ, was „mehr Kraft hinzufügt“ , d.h. der Geist wird auf vergangene Ereignisse zurückblicken (innerhalb einer Nanosekunde!), sich daran erinnern, wie liebevoll sie war, und „mehr anhaften“. Das geschieht automatisch durch Manasikāra Cētasika.

  • So wird das Citta mehr und mehr verunreinigt, je weiter es zur viññāṇaStufe fortschreitet. So ist Viññāṇa eigentlich ein Citta, was aufgrund von Anusaya, Āsava und Gati verunreinigt wurde.
  • Schließlich wird es Teil von viññāṇakkhandha, was 11 Arten von Viññāṇa umfasst: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, nah, fern, fein (sukuma), grob (ōlārika), Vorliebe (paneeta), Abneigungen (appaneeta), intern (ajjatta) und extern (bahiidda).
  • Viññāṇakkhandha enthält nicht nur Anusaya, Āsava und Gati, sondern auch Erinnerungen und Zukunftshoffnungen.

8. Nun können wir uns der Frage nach dem pabhassara Citta zuwenden. Doch was ist mit „pabhassara gemeint?

  • Das Wort setzt sich so zusammen: pa bedeutet „wieder und wieder“, bha steht für „bhava“, sara oder chara bedeutet auf Singhalesisch „sarisareema“ bzw. „teilnehmen“. Somit ist ein „pabhasara citta“ mit nur einem „s“ im Wort (NICHT pabhassara) ein verunreinigtes Citta, was zur sansarischen Reise beiträgt.
  • Das Gegenteil von pa+bha+sara ist pa+bha+assara, wobei assara für „nicht teilnehmen“ steht. Das reimt sich auf pabhassara, also „nicht an der sansarischen Reise teilnehmen.

Pabhassara Citta ist nur am Anfang der neun Stufen vorhanden

9. Daher ist ein pabhassara Citta der Basiszustand bzw. der reine Zustand eines Citta, BEVOR es über 9 Stufen der Verunreinigung geht. Es enthält nur die 7 universellen Cetasika.

  • Jedes Citta beginnt als pabhassara Citta, wird aber in unterschiedlichem Maße verunreinigt, abhängig von der Persönlichkeit und dem Fortschritt auf dem (edlen) Pfad.
  • Sogar die Citta eines Arahants sind keine pabhassara Citta. Sie werden bis zur mānasaṃ-Stufe verunreinigt. Jedoch ist das Phala Citta eines Arahants ein pabhassara Citta.
  • Ein Arahant in Arahant phala samapatti weiß, dass er/sie am Leben ist, hat aber kein Bewusstsein über äußere Ereignisse. Dies wird animitta, appanihita, suññata samādhi genannt. Das unterscheidet sich von nirōdha samāpatti, wo der Citta-Fluss stoppt.
  • Im Buddha Dhamma werden geistige Verunreinigungen mit „dunkel“ assoziiert, und reine Zustände mit „hell“ bzw. „strahlend“. Wir könnten also pabhassara Citta als „strahlende Citta“ bezeichnen und einen Geist, der solche Citta erzeugt UND aufrechterhält, als „strahlenden Geist“.
  • Solch einen strahlenden Geist hat nur ein Arahant in Arahant phala samapatti, wobei Arahant phala citta kontinuierlich fließen.

Pabhassara Sutta (AN 1.51)

10. Der Prozess der Verunreinigung eines Citta wird in der Pabhassara Sutta (AN 1.51) beschrieben: „Pabhassaramidaṃ, bhikkhave, cittaṃ. Tañca kho āgantukehi upakkilesehi upakkiliṭṭhaṃ. Taṃ assutavā puthujjano yathābhūtaṃ nappajānāti. Tasmā ‚assutavato puthujjanassa cittabhāvanā natthī’ti vadāmī ti„.

  • Zunächst: „pabhassaramidaṃ“ ist „pabhassara+idaṃ“. Wie schon oft gesagt, werden manchmal Wörter kombiniert oder sogar ein wenig verändert, damit sie sich reimen. Also sagt der erste Satz: „Bhikkus, Citta (die erste Stufe) ist pabhassara bzw. trägt nicht zum Wiedergeburtsprozess bei„.
  • Der nächste Satz sagt, wie es verunreinigt wird: „āgantuka“ bedeutet „eingeführt“. Was eingeführt wird, ist upakilēsa bzw. „Verunreinigungen“ (also gati, anusaya, āsava). Das führt zu upakilitta bzw. „Kontamination“. Also wiederum Unreinheiten. Kiliti bedeutet in Pāli und Singhalesisch „schmutzig“.
  • Der nächste Satz lautet: „Puthujjano, die dies nicht verstehen, können die Wirklichkeit (yathābhūta) nicht begreifen“. Mit Puthujjana ist hier ein durchschnittlicher Mensch gemeint, der das Buddha Dhamma nicht kennt, d.h. einer, der die Tilakkhana nicht versteht. Der letzte Satz lautet: „Deshalb empfehle ich den Puthujjanos keine Citta Bhavana„.

Anidassana Viññāṇa ist kein Pabhassara Citta

11. Ein weiteres Zitat aus der Kevaṭṭa Sutta (DN 11) im Digha Nikāya: „Viññāṇaṃ anidassanaṃ anantaṃ sabbatō pabhaṃ…„. Das kann als „Viññāṇaṃ anidassanaṃ, anantaṃ, sabbatō pabhaṃ…“ geschrieben werden, um es in drei Teile zu zerlegen.

  • Hier bedeutet anidassana „unsichtbar“. Viññāṇa ist mehr als nāma dhammā und hat kammische Energie. Aber es ist unterhalb der sichtbaren Rūpa. Siehe Anidassana, Appaṭigha Rupa aufgrund von Anidassana Viññāṇa.
  • Das Wort ananta bedeutet „unendlich“. Viññāṇa dhatu ist unendlich. Sabbatō bedeutet „in jeder Weise/für alle“.
  • Wie oben besprochen bedeutet pabha „wiederholtes Bhava“ (pabham kommt davon).
  • Daher bedeutet der obige Vers: „Viññāṇa ist unsichtbar, unendlich, und führt zum Wiedergeburtsprozess für alle.“ Dabei ist Viññāṇa natürlich ein verunreinigtes Citta.
  • Wir alle erleben Viññāṇa, also keine reinen Citta. Allerdings nennen wir „Gedanken“ trotzdem salopp „Citta“.
  • Man stoppt den Wiedergeburtsprozess, indem man seine schlechten Gati, Āsava, Anusaya entfernt und Citta nicht über mānasaṃ hinaus verunreinigen lässt.

Bhavaṅga Citta ist kein Pabhassara Citta

12. Einige Kommentare sagen, dass Bhavaṅga Citta den pabhassara Citta entsprechen. Das ist falsch. Alle Lebewesen haben Bhavaṅga Citta, die vom Bhava abhängen, siehe Bhava und Bhavaṅga – einfach erklärt.

  • Bhavaṅga kommt von bhava + anga, wobei anga „ein Teil“ bedeutet. Es bedeutet also: „mit einem bestimmten Bhava verbunden“.
  • Bhavaṅga ist natürlich für verschiedene Bhava unterschiedlich. Auch ein Tier hat Bhavaṅga. Aber deshalb hat es keinen „strahlenden Geist“.

13. Genaugenommen ist es nicht korrekt, von „Bhavaṅga Citta“ zu sprechen. Bhavanga ist ein „Geisteszustand“, währenddessen kein Citta Vithi vorkommt.

  • Ein Lebewesen im Asañña-Reich erlebt keine Gedanken. Es gibt absolut keine Citta Vithi, die während der gesamten Lebenszeit dort laufen. Der Körper wird jedoch durch Bhavaṅga aufrechterhalten, was diesem Bhava entspricht.

Kein Pabhassara Citta unterhalb der Arahant-Stufe

14. Der Punkt hier ist also, dass die Gedanken solange verunreinigt sind, bis man Avijjā entfernt hat.

  • Anfängliche Gedanken beim Auftauchen eines Objektes kann man nicht kontrollieren: ein Citta wird in einer Nanosekunde bis zur viññāṇa-Stufe verunreinigt, was unvorstellbar schnell ist. Deshalb sagte der Buddha, dass ein Citta das schnellste Ding der Welt ist.
  • Wir können nur Avijjā reduzieren (und damit all die damit verbundenen Gati), indem wir Dhamma lernen und dann Anāpāna und Satipaṭṭhāna praktizieren.
  • Während man auf dem Pfad fortschreitet, wird das akusala Gati abnehmen und die Citta werden reiner und heller.

Verunreinigung eines Citta hängt von Ārammaṇa und Gati ab

15. Nicht alle Citta werden auf der gleichen Ebene verunreinigt. Ein Citta entsteht, wenn eine der sechs Sinnesfähigkeiten einen Sinneskontakt herstellt, und der Grad der Verunreinigung des Citta hängt entscheidend davon ab, was dieser sensorische Input ist.

  • Wenn wir köstliches Essen schmecken oder ein attraktives Objekt sehen, können lustvolle Gedanken aufkommen. Aber wir wissen, dass wir nicht alle das gleiche Verlangen haben. Bestimmte Lebensmittel sind für den einen anziehend, für den anderen abstoßend. Eine bestimmte Person wird von einigen gemocht, von anderen aber nicht.
  • In vielen Fällen erzeugen wir keine unreinen Gedanken. Milliarden von Citta fließen während einer Autofahrt  durch den Geist. Die vorbeiziehende Landschaft betrachten wir meist neutral, aber dennoch bis zu einem gewissen Grad verunreinigt. Siehe Entstehen der fünf Aggregate aufgrund von Ārammaṇa.

Ein neugeborenes Baby hat kein Pabhassara Citta

16. Manche meinen, dass die Citta eines Babys pabhassara seien. Doch Anusaya bleiben immer mit dem Lebensstrom verbunden, egal ob Baby, Tier oder Brahma, bis dieser Lebensstrom die Arahant-Stufe erreicht.

  • Das Gehirn eines Babys ist noch nicht entwickelt, so dass es die Welt nicht wie ein Erwachsener erlebt. Aber die Citta eines Babys sind auch verunreinigt, weil es Anusaya hat.
  • Nur wenn man Magga Phala erlangt, wird ein Teil der Anusaya (und Samyojana) dauerhaft entfernt. Siehe Bedingungen für die vier Stufen von Nibbāna.

17. Von Sōtapanna bis Arahant nimmt Avijjā ab (und damit akusala Gati, Anusaya, Āsava, Tanha, etc.).

  • Die Gedanken eines Sōtapanna werden nicht über ein bestimmtes Maß hinaus verunreinigt. Er/sie erzeugt keine starken akusala Citta.
  • Als Anāgāmi hat man alle Kāmāsava (kāmā āsava) beseitigt und wird von keinem sinnlichen Objekt in Kāmālōka angezogen.
  • Auf der Arahant-Stufe ist Avijjā vollständig beseitigt, was Wiedergeburt unmöglich macht.

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