Jāti – Verschiedene Typen von Geburt

Bevor man Paṭicca Samuppāda verstehen kann, müssen die enthaltenen Begriffe klar sein. Ein kritisches Wort ist jāti. Je nach Kontext hat es unterschiedliche Bedeutungen.

Drei Hauptbedeutungen von Jāti

1. Die häufig verwendete Bedeutung von jāti ist Geburt mit einem menschlichen Körper. Wir feiern „Geburtstage“ basierend auf dem Tag, an dem jemand „geboren“ wurde. Wie wir unten sehen, hat jati im Buddha Dhamma je nach Kontext weitere Bedeutungen.

  • Im Uppatti Paṭicca Samuppāda bedeutet jāti die Geburt in einem neuen Reich. Zum Beispiel kann ein Lebewesen als Mensch, Tier, Deva, Brahma usw. geboren werden, was Geburt innerhalb der entsprechenden Existenz bedeutet.  Siehe akusala mula PS.
  • Andererseits kann man im Idappaccayātā Paṭicca Samuppāda in einem bestimmten Leben in unzähligen „Zuständen geboren“ werden. 
  • Die obigen zwei sind die Hauptbedeutungen von jāti im Buddha Dhamma. Wenn man die Konzepte verstanden hat, kann man denselben Begriff verwenden, der auf eine bestimmte Situation passt.

„Geburt eines Babys“ ist die weltliche Version von Jāti 

2. Die weltliche Bedeutung von „Geburt“ als Geburt eines Menschen- oder Tier-Babys ist alles, was wir mit unseren physischen Augen „sehen“ können.

  • Es braucht einen Buddha, um die wahre Natur dieser komplexen Welt zu verstehen. Die beiden anderen möglichen Bedeutungen von jāti erfordern ein grundlegendes Verständnis der „größeren Welt“.
  • Das bedeutet mögliche Geburten innerhalb der 31 Reiche im Wiedergeburtsprozess. Aber es bedeutet NICHT das „Wiedererscheinen einer Seele“ (wie in abrahamitischen Religionen) oder eines Atman (im Hinduismus, Reinkarnation).

„Geburten“ während eines Lebens – eine wichtige Art von Jāti

3. Diese Art von jāti kommt während eines Lebens vor. Siehe Idappaccayātā Paṭicca Samuppāda. Zum Beispiel kann man wütend werden und für kurze Zeit in einem „wütenden Bhava“ und „wütenden Jāti“ geboren werden. Eine Stunde später kann man von einer großen Beförderung erfahren und glücklich sein. Dann wird man in einem „glücklichen Jāti“ geboren.

  • Noch bevor man Geburten (jāti) im Wiedergeburtsprozess versteht, sollte man solche vorübergehenden Jāti verstehen. Der Buddha beschreibt es u.a. in der Avijjā Sutta (AN 10.61). Diese Sutta erklärt, dass man sich mit „guten Menschen“ assoziieren sollte und gute Gewohnheiten pflegen und auf seine Handlungen achten muss. Auf diese Weise wird man wahrscheinlich ein Leben lang „in guten Jāti geboren“. Das ist die Grundlage für gute Wiedergeburten in Saṃsāra.

Die primäre Bedeutung von Jāti  – Geburt in einem der 31 Reiche

4. In der Saccavibhaṅga Sutta (MN 141) erklärt Sariputta den Inhalt der Dhammacakkappavattana Sutta (SN 56.11) etwas ausführlicher. Es wird gesagt: “Katamā cāvuso, jāti? Yā tesaṃ tesaṃ sattānaṃ tamhi tamhi sattanikāye  jāti sañjāti okkanti abhinibbatti khandhānaṃ pātubhāvo āyatanānaṃ paṭilābho, ayaṃ vuccatāvuso: ‘jāti’.”

Übersetzt: „Was ist jāti? Es ist die Geburt von Wesen in den verschiedenen Reichen mit einer oder mehr der folgenden Stufen: jāti sañjāti okkanti abhinibbatti khandhānaṃ pātubhāvo āyatanānaṃ paṭilābho. Das nennt man Geburt.“

Geburten im Brahma– und Deva-Reich haben nur den ersten Schritt – Jāti

5. Bei Opapatika-Geburten (unmittelbare Geburt) im Deva– und Brahma-Reich ist jāti die EINZIGE Phase. Brahma oder Deva werden augenblicklich mit „allen Körperteilen“ geboren.

  • Hier bezieht sich „Körper“ auf den mentalen Körper und den physischen Körper, der aus den vier großen Elementen besteht (satara maha bhuta). Die physischen Körper der Brahma bestehen nur aus wenigen Einheiten von Suddhāṭṭhaka. Deva haben „festere Körper“, sind aber für das menschliche Auge noch immer unsichtbar. Weitere Details unter Manomaya Kaya (Gandhabba) und physischer Körper.

Menschen und Tiere haben weitere Stufen von „Geburt“

6. Menschen und Tiere haben diese anderen vier Stufen wie folgt. 

(i) Ein Mensch wird zu Beginn des Menschen-Bhava mit nur 3 „Paketen“ aus Suddhāṭṭhaka „geboren“ (vatthu dasaka, kaya dasaka, bhava dasaka). Das ist die Jāti-Stufe.

(ii) Innerhalb von Sekundenbruchteilen werden 4 weitere Dasaka hinzugefügt (4 pasada rupa: cakkhu, sota, ghana, jivha), was die Sañjāti-Stufe ist. Es entspricht Gandhabba bzw. Manomaya Kaya. Gandhabba besteht für die Dauer der Existenz als Mensch (bhava). Dieser Geistkörper wird hin und wieder durch kammische Energie in einen Mutterleib gezogen, um „mit einem physischen Körper geboren“ zu werden.

(iii) Gandhabba verschmilzt im Mutterleib mit einer Zygote, und das ist okkanti.

(iv) Dann wächst dieser Embryo im Mutterleib, was abhinibbatti bedeutet.

(v) Wenn alle Körperteile ausgebildet sind, ist das khandhānaṃ pātubhāvo, und ein Baby wird geboren. Nur diese letzte Phase nennen wir gewöhnlich „Geburt“.

(vi) Die sensorischen Fähigkeiten beginnen nach der Geburt des Babys als ayatana zu arbeiten. Das entspricht āyatanānaṃ paṭilābho.

Wiederholte „Geburten“ im Menschen- und Tier-Bhava

7. Stirbt der physische Körper, ist das nicht unbedingt das Ende eines „Menschen-Bhava“. Gandhabba entsteigt dem toten Körper und wartet auf einen neuen Mutterleib. Wir nennen dies auch „wiederholte Geburt“ innerhalb eines Menschen-Bhava. Siehe Bhava und Jāti – Existenz und Geburt. Die Bedeutung von jati müssen wir passend zum Kontext verstehen.

  • Erschöpft sich die kammische Energie für das Menschen-Bhava, stirbt die Gandhabba. Es kommt zur neuen Existenz, meist in den unteren Reichen.
  • Ein Mensch kann also hunderte oder tausende Jahre lang im Gandhabba-Zustand verbleiben. Gleiches gilt für Tiere. Eine Fliege lebt nur einige Tage mit einem sichtbaren „Fliegenkörper“, aber das „Fliegen-Bhava“ kann sehr viel länger andauern. Das sind „wiederholte Geburten“ innerhalb eines bestimmten Bhava

Es gibt weitere Arten von Jāti!

8. Wenn man tiefer in Buddha Dhamma eintaucht, kann man sehen, dass alles in dieser Welt aufgrund von Ursachen und Wirkungen „geboren“ wird. Ein Baum wird aus einem Samen „geboren“. Ein Auto wird in einer Fabrik „geboren“. All dies beschreibt Paṭicca Samuppāda.

  • Der Buddha erklärte dies Vāseṭṭha in der Vāseṭṭha Sutta (MN 98). Es besteht jedoch keine Notwendigkeit, zu Beginn auf diese Aspekte einzugehen.
  • In dieser Sutta sagt der Buddha jedoch, dass Menschen entsprechend der gebräuchlichen Konventionen unterschieden werden. Jemand, der stiehlt, wird als Dieb „geboren“. Jemand, der Kühe hält, wird als Bauer „geboren“. Weiterhin sagt der Buddha: „Ich nenne niemanden einen Brahmanen (hohe Kaste), basierend auf der Mutter oder dem Mutterleib, von dem er/sie stammt.“ Darüber hinaus kann sich auch eine unmoralische Person ändern, um „als moralische Person mit gutem Charakter geboren zu werden“. Das sind auch „Arten von Jāti„.

Jātidhammā  unterscheidet sich von Jāti

9. Jātidhammā bedeutet etwas anderes als jāti.

  • Wie in der Saccavibhaṅga Sutta (MN 141) erklärt, sind Jātidhammā solche Dhammā, die für Jāti verantwortlich sind. In ähnlicher Weise sind jarādhammā, byādhidhammā, sokaparidevadukkhadomanassupāyāsadhammā weitere Dhammā, verantwortlich für Alter, Krankheit und alle anderen Leiden, die mit Jāti verbunden sind: Trauer (soka), Wehklage (parideva), Leiden (dukkha), Elend (domanassa).

Zusammenfassung

10. Der Begriff jāti (Geburt) muss im Kontext einer bestimmten Situation verstanden werden.

  • Wenn jemand sagt: „Ich wurde vor 30 Jahren geboren“, bezieht sich dies auf die Geburt mit dem gegenwärtigen physischen Körper. Diese Person würde nicht wissen, wann sie zum ersten Mal im Menschenreich „geboren“ wurde. Daher deuten wir Geburt normalerweise als „mit einem menschlichen Körper geboren“. Wir sagen dasselbe bezogen auf ein Tier, z.B.: „dieser Hund ist 2 Jahren alt.“
  • In der buddhistischen Terminologie bezieht sich Geburt (jāti) jedoch auf zwei Hauptkategorien, wobei  die erste Art innerhalb eines Lebens oft vorkommt („in einen Zustand geboren werden“).
  • Die zweite Art von Jāti ist der Moment des Erscheinens in einem bestimmten Reich. Ein Lebewesen könnte als Deva, Brahma, Mensch, Tier usw. geboren werden.
  • Nach dem Parinibbāna eines Arahants stoppt Geburt dauerhaft. In der Dhammacakkappavattana Sutta (SN 56.11) erklärt der Buddha: „ayamantimā jāti“ bzw. „dies ist meine letzte Geburt“. Beim Parinibbāna (Verschmelzen mit Nibbāna) stoppt das Leiden ohne jede Spur.
  • Solange es Jāti gibt, endet es IMMER im Tod. Deshalb enden alle Paṭicca Samuppāda-Zyklen mit Verfall (jarā) und Tod (marana). Sogar die kusala-mula-Version von Paṭicca Samuppāda endet mit „jāti paccayā jarā maraṇaṃ“. Siehe Kusala-Mula Paṭicca Samuppāda. So wird auch eine edle Person auf dem Weg zu Nibbāna dem Tod begegnen. Natürlich gibt es keinen weiteren Tod nach Parinibbāna.
  • Der akusala-mulaPS enthält „jāti paccayā jarā, marana, soka-paridēva-dukkha-dōmanassupāyasā sambhavan’ti“. Da sind dann weitere Arten von Leiden beteiligt. Siehe Akusala-Mūla Uppatti Paṭicca Samuppāda.

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