Pañca Nīvaraṇa und Sinnesvergnügen (Kāma)

Pañca Nīvaraṇa (fünf Hindernisse) sind Verunreinigungen, die „den Geist bedecken“ und aufgeregt oder träge und anfällig für schlechte Entscheidungen machen. Das Verlangen nach Sinnesfreuden ist die Hauptursache für die Bedeckung des Geistes.

Warum werden sie „Hindernisse“ genannt?

1. Die fünf Hindernisse sind Indikatoren für „mentale Zustände“. Werden sie erhöht, kann man leicht „schlechte Entscheidungen“ treffen. Darüber hinaus ist es für den Geist schwierig, sich auf ein Thema zu konzentrieren oder neue Konzepte zu verstehen, wenn die fünf Hindernisse auf hohem Niveau sind.

  • Pañcanīvaraṇa bedecken nicht ständig den Geist. Sie können unter dem Einfluss von Sinnesobjekten/Versuchungen ausgelöst werden.
  • In solchen Fällen kann man versucht sein, sich je nach Ausmaß auf Dasa Akusala einzulassen. Man kann sogar stark unmoralische Taten (pāpa kamma) tun, was Wiedergeburt in den Apāyā bewirkt.
  • Die Pañcanīvaraṇa verschwinden dauerhaft, wenn man die Sotapanna-Stufe erreicht. Deshalb ist ein Sotapanna frei von Geburten in den Apāyā.
  • Dafür muss man jedoch sehen (und verstehen), dass das Verlangen nach Sinnesfreuden (kāma) die Hauptursache allen Leidens ist. Natürlich wird ein Sotapanna auch mit der korrekten Sichtweise (d.h. entfernen der falschen Sichtweisen) immer noch Sinnesfreuden genießen, weil die falsche Wahrnehmung (saññā vipallasa) mindestens z.T. noch vorhanden ist.

Was ist das „zuvor ungehörte Dhamma“?

2. Der Buddha erklärt in seiner ersten Lehrrede, dass seine Lehren der Welt zuvor nicht bekannt waren (in Abwesenheit eines anderen Buddha). Dies ist die Bedeutung des Verses „Idaṃ dukkhaṃ ariyasaccan’ti me, bhikkhave, pubbe ananussutesu dhammesu.“ bzw. „Bhikkhu, das ist die edle Wahrheit des Leidens, die zuvor nicht bekannt war.“ Der oben hervorgehobene Teil des Verses erscheint 12 Mal in der Sutta (jeweils 3 Mal für jede der vier edlen Wahrheiten)!

  • Die „bisher ungehörte Lehre“ besagt, dass Sinneserfahrungen zwar kurzlebige Freuden bereiten können, aber langfristig immer  zu Leiden führen.
  • Die Hauptursache für dieses Leiden ist die falsche Sichtweise/Wahrnehmung eines „ich“ bzw. Sakkāya Diṭṭhi. Diese Sichtweise/Wahrnehmung entsteht wiederum aufgrund der wahrgenommenen „Freuden“ durch Sinneskontakte.
  • Wir haften an weltlichen Freuden (mit icchā/taṇhā) aufgrund dieser falschen Sichtweise UND Wahrnehmung, weil wir glauben, dass sie dauerhaftes Glück einbringen. Aber der Buddha erklärte, dass in diesen Freuden verborgenes Leiden steckt.
  • Als der Buddha die Buddhaschaft erlangte, konnte er die Gedankenströme unzähliger Lebewesen sehen und wurde zunächst entmutigt, weil die meisten von ihnen seine Lehren nicht verstehen würden. Dann erkannte er, dass einige die Fähigkeit haben, sein tiefes Dhamma zu erfassen.

Kāmato Jāyatī SokoKāma ist eine Ursache für Leiden

3. Dhammapada 215:

Kāmato jāyatī soko,                    Aus Verlangen entsteht Kummer,
kāmato jāyatī bhayaṃ;              Aus Verlangen entsteht Angst,
Kāmato vippamuttassa,             Vollkommen frei von Verlangen,
natthi soko kuto bhayaṃ.          ist kein Kummer, wie kann da Angst sein?

  • Die Verse 4 bis 8 im Link oben sind dieselben Verse mit synonymen Wörtern für kāma: piya, pema, rati, taṇhā. Wie auch im Deutschen finden sich verschiedene Wörter für die gleiche Bedeutung. So ist auch icchā synonym für taṇhā.
  • Das Verlangen nach Sinnesfreuden ist kāma. Dieser Wunsch kennt keine Grenzen. Wenn die Versuchung groß genug ist, kann eine Person auch extrem unmoralisch handeln, um dem eigenen Wunsch nachzukommen. Aber das bringt schlechte Folgen.

Was sind Pañca Nīvaraṇa?

4. Pañcanīvaraṇa sind: Kāmacchanda, Vyāpāda (auch Byāpāda), Thina-Middha, Uddhacca-Kukkucca, Vicikicchā. Siehe  Āvaraṇanīvaraṇa Sutta (SN 46.38).

  • In der Sutta benutzt der Buddha zwei Wörter, um die fünf zu benennen: āvaraṇā und nīvaraṇā. Das Wort āvaraṇā bedeutet „den Geist bedecken“. Wenn der Geist bedeckt ist, kann er Buddhas Lehren nicht erfassen, und somit wird Nibbana verhindert. „Hindernis“ ist die Bedeutung von nīvaraṇā.
  • Wenn der Geist „bedeckt“ ist, kann man die Konsequenzen seiner Handlungen nicht klar sehen. Es ist wie im Nebel sehen. Man weiß nicht, was vor einem liegt.
  • Das Entfernen der Pañcanīvaraṇa ist wie das Lichten des Nebels. Man sieht dann mit viel Klarheit weit voraus.

Kāmacchanda ist Haupthindernis

5. Kāmacchanda ist stärker als Kāmarāga. Es ist wie Lōbha, aber mit Fokus auf Kāma.

  • Kāmacchanda ist die höchste Ebene der Anhaftung. Hier ist man bereit, abscheuliche Taten wie Mord und Vergewaltigung zu tun, um seine Wünsche zu befriedigen.
  • Wenn Kāma auf Kāmacchanda-Niveau steigt, ist man sich der schlechten Folgen seiner Taten nicht bewusst. Das Wort kāmacchanda kommt von kāma + icchā + anda bzw.  „geblendet von sensorischen Anziehungskräften“. Hier ist icchā „mögen/wünschen“ und anda bedeutet „blind“.
  • Es wird gesagt, dass „man den Verstand verliert“, wenn man durch Anhaftung an Sinnesfreuden geblendet ist, d.h. man kann nicht rational denken.

Vyāpāda ist eine Folge von Kāmacchanda

6. Vyāpāda entsteht aufgrund von Kāmacchanda. Es ist eine andere Manifestation bzw. eine andere Seite der selben Medaille. Statt lustvoll wird man hasserfüllt und wütend.

  • Diese Wut entsteht, wenn man den Wunsch nach Sinnesfreuden nicht befriedigen kann. Patigha (Missfallen/Reibung) ist eine niedrigere Stufe von Vyāpāda und kein Nīvaraṇa. Mit Patigha tut man keine apāyagāmi-Taten.
  • Dosa (auch dvesha in Sanskrit oder Singhalesisch) ist der Zorn/Ärger, welcher aufgrund von Lōbha entsteht. Hier kommt Dvesha von devana + vesha – දෙවන වේශය – bzw. von der zweiten Manifestation von Lōbha. Wir werden wütend, wenn jemand unserem Wunsch im Weg steht. Siehe Lōbha, Dōsa, Mōha und Rāga, Paṭigha, Avijjā.
  • Die Bedeutung von Vyāpāda ist vaya + pāda bzw.  „abwärts gerichtet“. Man ist auf dem Weg nach unten.

Die anderen drei Nīvaraṇa haben ebenfalls Wurzeln in Kāmacchanda

7. Mit Anhaftung an Sinnesfreuden wird der Geist stumpf (Pali-Wort ist thina). Der Geist bleibt stecken (middha).

  • Thina-Middha bezieht sich auf einen Geist, der träge und festgefahren ist. Ein solcher Geist kann sich nicht konzentrieren und Konzepte erfassen. Ein Beispiel ist die Sucht nach langen Fernsehabenden und Sportereignissen. Solche Menschen hängen rum und stecken fest.
  • Mit Uddhacca-Kukkucca wird man „hochmütig“ (uddhacca), z.B. durch wahrgenommenen Reichtum oder Macht und man tut vielleicht erniedrigende Dinge (kukkucca). Zum Beispiel kann ein mächtiger Politiker oder eine wohlhabende Person sich bestechen lassen.
  • Ein Geist ist anfällig für Verlangen nach Sinnesfreuden, weil er keinen wahren Glauben an Buddha Dhamma hat. Ein solcher Geist ist nicht sicher, ob die Konzepte im Buddha Dhamma korrekt sind. Zum Beispiel gibt es Zweifel über Kamma oder Wiedergeburt. Solche Zweifel zu haben ist Vicikicchā. Mit Verstehen der vier edlen Wahrheiten verschwindet Vicikiccha.

Edle Wahrheit über das Leiden – Kāma ist Ursache für Leiden

8. Die zweite edle Wahrheit beschreibt die Ursache für unser Leiden: Kāma (Verlangen nach Sinnesfreuden).

  • Es ist eingebettet in den Vers, der die Grundursache des Leidens beschreibt: „yampicchaṃ na labhati tampi dukkhāṃ“ (yam pi icchaṃ na labhati tam pi dukkhaṃ).
  • yam pi icchaṃ“ bedeutet „was man auch immer mag oder begehrt„; „na labhati“ bedeutet „nicht bekommen“; „tam pi dukkhaṃ“ bedeutet „das führt zu Leiden“.
  • Deshalb heißt der Vers einfach: „Wenn man nicht bekommt, wonach man sich sehnt oder was man mag, führt das zu Leiden.“
  • Kāma entsteht wegen icchā.

Micchā Diṭṭhi loswerden

9. Micchā Diṭṭhi hat zwei Ebenen. Nicht zu wissen, dass Kāma die Ursache des Leidens ist, ist die tiefere Ebene.

  • Zuerst muss man die 10 falschen Sichtweisen loswerden. Siehe Micca Ditthi (falsche Sichtweisen). Die tiefere Ebene wird beseitigt, wenn man Sotapanna wird und erkennt, dass Anhaftung an weltliche Dinge nur zu Leiden führen kann, d.h.  verstehen der vier edlen Wahrheiten. Dann werden alle fünf Nīvaraṇa dauerhaft entfernt.
  • Ein durchschnittlicher Mensch (puthujjano) denkt genau umgekehrt, nämlich dass man für Sinnesfreuden leben sollte. Deshalb ist es so schwer, diese tief verwurzelte Denkweise zu ändern. Aber es unterscheidet sich nicht wesentlich von der Denkweise eines Fisches, der den leckeren Köder sieht und die versteckten Gefahren nicht kennt.

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