Sechs Ursachen – Loka Samudaya (Entstehen der Welt) und Loka Nirodhaya (Nibbāna)

Bei Lōka Samudaya geht es nicht um die „Erschaffung einer neuen Welt“. Wenn jemand stirbt und wiedergeboren wird, ist das für diese Person das „Entstehen einer neuen Welt“. Das Ende des Wiedergeburtsprozesses ist Lōka Nirōdhaya, was mit Nibbāna identisch ist.

Bedeutungen von Samudaya und Nirōdhaya

1. Lōka Samudaya (san+udaya) bedeutet „(wieder)auftauchen in dieser leidvollen Welt“. Lōka nirōdhaya (nir+udaya) bedeutet „das Ende des Auftauchens in diese Welt“. „Diese Welt“ sind die 31 Reiche.

  • Die Bedeutungen von Wörtern muss im Kontext verstanden werden. Bei Lōka Samudaya geht es also nicht um die „Erschaffung einer völlig neuen Welt oder eines Universums“.

Ein Beispiel

2. Angenommen, ein Deva stirbt und wird als Brahma wiedergeboren. Die Welt des Deva unterscheidet sich sehr von der Welt des Brahma. Ein Deva hat alle 6 Sinnesfähigkeiten, aber ein Brahma kann nichts schmecken, nichts riechen und nichts körperlich fühlen. In Brahma Loka gibt es keine Nahrung, keinen Geruch und keine festen Körper. Wenn also ein Deva stirbt, ist dies das Ende der erlebten „Deva-Welt„. Es entsteht für ihn eine Brahma-Welt.

  • Der Tod als Deva bedeutet also nicht das Ende, weil dieser Lebensstrom genug kammische Energien (kamma bija) angehäuft hat, um viele weitere Bhava zu initiieren. Stirbt später der Brahma, kann er in einem anderen Reich wiedergeboren werden, einschließlich des Tierreichs. Im Vergleich zu ein paar Milliarden Menschen gibt es auf dieser Erde weit mehr Tiere (schon die Zahl der Ameisen geht in die Billionen).
  • Dieses Beispiel veranschaulicht: (i) Innerhalb von Sansara endet die Welt eines Lebensstroms in einem Reich. Aber das ist nicht das Ende, denn mit genug Bhava-Energien gründen sich immer neue Existenzen in vielen Reichen endlos weit in die Zukunft. (ii) Dieser Prozess wird NUR dann stoppen, wenn Avijjā (taṇhā) spurlos verschwinden, d.h. mit dem Erreichen der Arahant-Stufe.
  • Die meisten Wiedergeburten erfolgen in den unteren vier Reichen (apāyā). Deshalb enthält der Wiedergeburtsprozess netto Leiden.
  • Lōka Samudaya bedeutet die Ansammlung von neuem Bhava. Lōka Nirōdhaya bedeutet Nibbāna.

Ursache und Wirkung im Buddha DhammaPaṭicca Samuppāda

3. Das obige Beispiel zeigt eine langfristige Sicht auf das „Leben“. Die meisten Menschen machen sich keine Gedanken darüber, was nach dem Tod passiert. Das große Weltbild des Buddhas unterscheidet sich von zwei anderen Weltanschauungen: (i) Alle anderen großen Religionen sagen, dass es einen Ort des dauerhaften Glücks nach dem Tod gibt (Himmel). (ii) Materialisten (oder Atheisten) glauben, dass der Tod das Ende sei und es keine Notwendigkeit gibt, Nibbāna zu suchen.

  • Aber Budha Dhamma basiert auf Ursachen und deren Wirkungen. Solange es Ursachen (hētu) für das Entstehen der Welt für ein bestimmtes Lebewesen gibt, wird dieses Lebewesen wiederholt geboren.
  • Mit Beseitigung der Ursachen (lōbha, dōsa, mōha) wird Sansara enden und man wird frei vom Leiden (Nibbāna).

Was ist Nibbāna?

4. Die ultimative Antwort liegt in der folgenden Beschreibung im Abhidhamma. Reduziert auf die „ultimativen Realitäten“ bleiben nur die vier: Citta, Cetasika, Rupa, Nibbāna.

  • Die ersten Drei gehören zu „dieser Welt der 31 Reiche“. Nibbāna hat nichts, was zu dieser Welt gehört.
  • Die Abwesenheit von ALLEM von dieser Welt in Nibbāna wird in vielen Suttā deutlich. Einzelheiten in Nibbāna „existiert“, aber nicht in dieser Welt.

Das Leben in den 31 Reichen entsteht aufgrund von sechs Grundursachen

5. Es gibt sechs Grundursachen (mūlika hētu), die zur Entstehung der Welt führen: bha (Gier), Dōsa (Hass), Mōha (zehn Arten von Miccā Diṭṭhi) und Alōbha (Nicht-Gier), Adōsa (Nicht-Hass), Amōha (Abwesenheit von mōha). Die letzteren Drei sind nur „oberflächlich“ und somit weltliche Versionen von Alōbha, Adōsa, Amōha.

  • Taten mit bha, Dōsa, Mōha erzeugen Kamma Bīja (kammische Energie) für Wiedergeburt in den vier „elenden Reichen“ oder Apāyās.
  • Taten mit weltlichem Alōbha, Adōsa, Amōha erzeugen Kamma Bīja für Wiedergeburt in den „guten Reichen“.

In der ultimativen Realität gibt es keine „guten Reiche“

6. Aber auch die „guten Reiche“ sind NICHT frei von Leiden. Alter und Tod sind mindestens unvermeidlich.

  • Die beiden Gruppen mit je 3 Grundursachen sind wie die zwei Seiten einer Münze. Es ist nicht möglich, nur eine Seite der Münze loszuwerden. Die Münze selbst ist Moha.
  • Erst wenn man die vier edlen Wahrheiten wirklich versteht, erkennt man die Sinnlosigkeit und die Gefahren von Wiedergeburt in JEDEM Reich.

Lōbha, Dōsa, Mōha führen zu Apāya-Geburten – weltliches Alōbha, Adōsa, Amōha zu Geburten in guten Reichen

7. Lōbha, Dōsa, Mōha sind Nahrung (āhāra) für die Apāyās. Deshalb werden sie Kilēsa oder „Unreinheiten“ genannt. Sie nähren die Kamma Bīja für dugati-Geburten.

  • Weltliches Alōbha ist Nahrung für Menschen-Reich (manussa) und Devaloka.
  • Weltliches Alōbha und Adōsa sind Āhāra für Brahmaloka.
  • Sowohl Alōbha als auch Adosa beinhalten ein gewisses Maß an Amoha, aber nicht notwendigerweise Paññā (Weisheit aus dem Verständnis der edlen Wahrheiten). Allerdings ist Amōha kein Cētasika. Auf dem edlen Pfad kultiviert man Paññā Cētasika.

Alle sechs Ursachen mit weltlichem Amoha erhalten den Wiedergeburtsprozess 

8. Alle sechs Grundursachen lassen Sansara fortbestehen. Man muss jedoch nur daran arbeiten, die drei „schlechten Ursachen“ zu stoppen (und Paññā kultivieren): „rāgakkhayo dosakkhayo mohakkhayo-idaṁ vuccati nibbānan’ti.“ Siehe Sāmaṇḍaka Sutta – SN 39.1.

  • Der Pfad zu Nibbāna beinhaltet die Reduzierung der drei unmoralischen Wurzeln und die Kultivierung der drei weltlichen moralischen Wurzeln UND Paññā.
  • Um Nibbāna zu erlangen, MUSS man sich in einem guten Reich befinden. Daher ist das erste Ziel: Geburten in den Apāyā vermeiden.
  • Sobald man in einem guten Reich (insbesondere dem Menschenreich) geboren wird, kann man die edlen Wahrheiten von einem edlen Menschen (Ariya) erlernen und verstehen. Damit erhebt sich weltliches Amoha allmählich zu Paññā.

Paññā ist nicht weltliches Amoha, sondern das Verstehen der edlen Wahrheiten

9. Weltliches Amoha ist nur die Abwesenheit von Lobha und Dosa. Das transzendente (lokottara) Amoha ist Paññā, das Verstehen der vier edlen Wahrheiten.

  • Wenn man die vier edlen Wahrheiten begreift, wird man auch den Wunsch verlieren, in den „guten Reichen“ wiedergeboren zu werden. Das ist dasselbe wie „die anicca-Natur sehen“.
  • Mit optimalem Paññā auf der Arahant-Stufe wird der GEIST kein Upādāna für irgendein Bhava haben.
  • Die Vollendung der achten Stufe des edlen Pfades endet für den Arahant mit zwei weiteren Stufen: sammā Ñāna und sammā Vimutti (Befreiung von dieser Welt), d.h. dasa aṅgehi samannāgatō Arahant.

Moha und weltliches Amoha können in jedem durchschnittlichen Menschen entstehen (puthujjano)

10. Gedanken können im Geist entweder mit moralischen Wurzeln (basierend auf weltlichem Amoha) ODER mit unmoralischen Wurzeln (basierend auf Moha) entstehen.

  • Moralische Taten (puñña kamma) tut man mit weltlichem Amoha (via puññābhisaṅkhara). Unmoralische Taten (pāpa kamma) tut man mit Moha (via apuññābhisaṅkhara).
  • Puñña Kammā machen den Geist freudig und bringen gutes Vipāka. Pāpa Kammā stressen den Geist und bringen schlechtes Vipāka.
  • Für einen durchschnittlichen Menschen bleibt Avijjā als Anusaya (verborgen), sogar mit weltlichem Amoha. Deshalb ist puñña Kamma eines Durchschnittsmenschen kein kusala Kamma. Es sind Puññābhisaṅkhara, getan im akusala mula PS mit „avijjā paccayā saṅkhāra„.

Kusala-Mula Paccayā Saṅkhāra“ im Kusala-Mula Paṭicca Samuppāda

11. Wenn jemand beginnt, dem edlen Pfad zu folgen, wird Avijjānusaya stufenweise entfernt. So wird zumindest ein Teil der puñña Kamma effektiv zu kusala Kamma, weil mit Verstehen getan.

  • Kusala-mula Paṭicca Samuppāda startet mit „kusala-mula paccayā saṅkhāra„.  Das Wort kusala kommt von ku + sala, d.h. „Unreines entfernen“. Kusala Kammā beinhalten die drei „guten Wurzeln“ Alōbha, Adōsa, Amōha UND das Verstehen der edlen Wahrheiten.
  • Wie wir wissen, kommt puññābhisaṅkhara unter „avijjā paccayā saṅkhāra“ im akusala-mula Paṭicca Samuppāda. Siehe Nr. 6 von „Saṅkhāra – Was es wirklich bedeutet.“
  • Durch die Arahantschaft wäre alles puñña Kamma automatisch kusala Kamma, aber da ein Arahant keine Verunreinigungen mehr hat, gibt es nichts mehr zu entfernen. Daher ist jedes puñña Kamma eines Arahants schlicht puñña kriyā (eine gute Tat ohne kammische Folgen).

Der Unterschied zwischen Puñña Kammā und Kusala Kamma

12. Puñña Kammā sind verdienstvolle Taten, die zur Wiedergeburt in den höheren Reichen führen KÖNNEN. Wenn man jedoch puñña Kammā ohne Verständnis der edlen Wahrheiten tut, ist Avijjā indirekt involviert. Das wird upanisa paccayā genannt, was einen eigenen Text  wert wäre. Auch wenn es mit weltlichem Amoha geschieht, trägt Avijjā indirekt zu puñña Kammā bei.

13. Daher kann man puñña Kamma tun, ohne Avijjā zu entfernen, d.h. ohne Paññā zu kultivieren. Viele Menschen engagieren sich moralisch mit Geben, Hilfsbereitschaft, haben Mitgefühl, usw. Doch auf lange Sicht löst man nicht das Problem der Wiedergeburt.

  • Jeder Mensch, der irgendein micchā Diṭṭhi hat, hat Mōha NICHT beseitigt und somit NICHT mit der Kultivierung von Paññā begonnen. Eine solche Person kann gute Taten vollbringen, die Javana sind jedoch nicht hoch im Vergleich zu jemandem ohne micchā Diṭṭhi.
  • Übrigens steigt die Javana (Kraft) von kusala Citta weiter an, wenn man beginnt, die Tilakkhaṇa zu verstehen. In der Sprache des Abhidhamma ist Javana im ñāṇa sampayutta Citta hoch, wobei ñāna für Wissen/Weisheit steht (paññā). Paññā wächst mit zunehmendem Verständnis der edlen Wahrheiten.

Zwei achtfache Pfade

14. Bevor man den edlen achtfachen Pfad erreicht, muss man den weltlichen achtfachen Pfad gehen. Siehe Mahā Cattārisaka Sutta (Diskurs über die Großen Vierzig).

  • Daher werden „gute Taten“ auf zwei Ebenen getan: Auf dem weltlichen achtfachen Pfad tut man puñña Kamma, auf dem edlen Pfad werden sie zu kusala Kamma.
  • Mit anderen Worten, puñña Kamma sind bis zu einem gewissen Grad „verunreinigt“. Kusala Kamma tragen nicht zu Kammabhava bei, sie entfernen aber Verunreinigungen. Siehe Kanha/Sukka Kamma und Kammakkhaya.

Bis zum Erkennen der edlen Wahrheiten setzen alle Kamma den Wiedergeburtsprozess fort

15. Es ist unvermeidlich, dass selbst die moralischste Durchschnittsperson (puthujjano) entweder in diesem Leben oder in einem zukünftigen Leben „schlechte Abhisaṅkhāra“ tun wird, bis Lōbha, Dōsa, Mōha durch Verstehen der Tilakkhaṇa entfernt sind. Bis dahin bleiben sie als Anusaya bestehen und kommen unter geeigneten Bedingungen zur Oberfläche.

  • Zum Beispiel kann man ein verlockendes Objekt sehen und Gier (lōbha) kommt auf.
  • Aber zu einem anderen Zeitpunkt sieht man eine hungrige Person und spendiert ihr eine Mahlzeit mit weltlichem Alōbha, Adōsa, Amōha.
  • Ein Arahant hat alle sechs Grundursachen beseitigt. Aber er/sie kann einer hungrigen Person mit Paññā eine Mahlzeit geben bzw. das Angemessene tun.

Nibbāna – Vollständige Beseitigung von Lōbha, Dōsa, Mōha

16. Die Unterdrückung oder vorübergehende Abwesenheit von Lōbha, Dōsa, Mōha führt zu den weltlichen Ebenen von Alōbha, Adōsa, Amōha. Zu diesem Zeitpunkt kann man die vier edlen Wahrheiten begreifen und Paññā kultivieren.

  • Sobald man die Vergeblichkeit und die Gefahren des Verbleibs in Sansara begreift, wird man Gutes tun, ohne etwas als Gegenleistung zu erwarten.
  • Alle Bemühungen mit der Erwartung von Glück innerhalb dieser Welt sind Illusion, weil mit Avijjā verbunden.

Zusammenfassung

17. Dies war ein langer Text. Es sollten möglichst viele wichtige Punkte rein.

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