Anulōma Patilōma Paticca Samuppāda – Udana 1.1/1.2

1. Kurz vor seiner Erleuchtung fand der Buddha heraus, wie Lebewesen aufgrund ihrer eigenen Denkweise endlos wiedergeboren werden. Dieses Wissen steckt in Paticca Samuppāda, übersetzt als „bedingtes Entstehen“.

  • Es beschreibt die Ursprünge verschiedener Arten von Lebewesen entsprechend ihren eigenen Denkprozessen (Saṅkhāra), basierend auf dem vorhandenen Niveau von Avijjā (Unkenntnis der wahren Natur dieser Welt).
  • Anuloma Paticca Samuppāda beschreibt den Fortschritt von Ereignissen, die letztendlich zu Leiden führen. Patiloma Paticca Samuppāda beschreibt den Prozess des Entfernens von Leiden.  Tatsächlich muss man Avijjā entfernen, um das Entstehen zukünftigen Leidens zu verhindern.
  • Der Begriff anuloma wird als “vorwärts” und patiloma wird als “rückwärts” übersetzt.

2. Die beiden Sutta Paṭhama Bodhi Sutta (Udāna 1.1) und Dutiya Bodhi Sutta (Udāna 1.2) beschreiben, wie der Buddha Anulōma und Patilōma Paticca Samuppāda in der Nacht seiner Erleuchtung erkannte. Die deutschen Übersetzungen von K.Seidenstücker (1920) führen eher in die Irre. Ich lasse sie besser weg und gebe oben nur den Pali-Originaltext an.

  • Das Leiden entsteht durch die Bildung von Saṅkhāra aufgrund der Unkenntnis der Vier Edlen Wahrheiten (avijjā paccayā saṅkhārā, saṅkhāra paccayā viññānam …”, endend bei „.. evametassa kevalassa duk­khak­khan­dhassa samudayo hotī’ti” bzw . “der ganzen Masse des Leidens”.

3. In der Udana 1.2 zeigt der Buddha, wie Leiden verhindert werden kann, in dem die Ursachen verhindert werden. Das ist die “Rückwärts-Version” von Paticca Samuppada. Dazu mus man Paññā kultivieren: “avijjānirodhā saṅ­khā­ra­nirodho, saṅ­khā­ra­nirodhā viññāṇanirodho, viññāṇanirodhā nāmarūpa­nirodho, nāmarūpa­nirodhā saḷāya­tana­nirodho, saḷāya­tana­nirodhā phassanirodho, phassanirodhā vedanānirodho, vedanānirodhā taṇhānirodho, taṇhānirodhā upādānanirodho, upādānanirodhā bhavanirodho, bhavanirodhā jātinirodho, jātinirodhā jarāmaraṇaṃ soka­pari­deva­duk­kha­do­manas­supāyāsā nirujjhanti. Evametassa kevalassa duk­khak­khan­dhassa nirodho hotī’ti.

  • Durch das Stoppen von Jāti am Ende ist es möglich, das Leiden am Entstehen zu hindern. Jetzt gehen wir einfach rückwärts: Jati (Geburten) endet mit dem Ende von Bhava, was wiederum gestoppt wird durch das Verhindern von Upādāna, Taṇhā, Vedanā, Phassa, Saḷāyatana, Nāmarūpa, Viññāṇa und Saṅkhāra. Saṅkhāra kann man nicht verhindern, ohne Avijjā zu eliminieren und somit ALLE Gati auszulöschen.
  • Wenn man wirklich über diesen Prozess nachdenkt, kann man tiefe Einsichten gewinnen.

4. Um „die ganze Masse des Leidens“ zu stoppen, muss man jeden dieser 10 Faktoren stoppen (Jāti, Bhava, Upādāna, Taṇhā, Vedanā, Phassa, Saḷāyatana, Nāmarūpa, Viññāṇa, Saṅkhāra).

  • Der immer wieder auftauchende Begriff Nirōdha bedeutet “das Entstehen stoppen”.
  • Man kann auch sehen, dass dies NUR mit Entfernen von Avijjā erreicht wird, was dem Kultivieren von Paññā gleichkommt. Dazu braucht es den Achtfachen Pfad.

5. Bei den  obigen 10 Faktoren scheinen einige Begriffe keinen Sinn zu ergeben, wenn man bedenkt, dass ein Arahant die Entstehung dieser Faktoren gestoppt hat. Inbesondere ist die deutsche Übersetzung geradezu katastrophal.

  • Insbesondere könnte man einwenden, dass ein Arahant noch immer Vēdanā, Phassa, Viññāna und Saṅkhāra hat. Jedoch werden diese Begriffe in der Uddēsa-Version verwendet (d.h. sie werden nur genannt, ohne Erläuterung). Siehe Sutta – Einführung. Betrachten wir kurz ein paar dieser Begriffe.

6. Grundsätzlich bieten alle aktuellen Übersetzungen nur Wort-für-Wort-Übersetzungen dieser Uddēsa-Version, ohne jegliche Erklärung. Zum Beispiel heißt es in der deutschen Übersetzung Udana 1.1: “… wenn—(organische)—Prozesse da sind, ist Bewußtsein; wenn Bewußtsein da ist, ist der körperliche Organismus; wenn der körperliche Organismus da ist, sind die sechs Gebiete; wenn die sechs Gebiete da sind, ist Berührung; wenn Berührung da ist, ist Empfindung; wenn Empfindung da ist, ist ‚Durst; …usw.“

  • Entsprechend der zweiten Sutta Udana 1.2 sollten all diese Faktoren (organische Prozesse, Bewusstsein, körperlicher Organismus, Berührung, Empfindung) in einem Arahant nicht auftauchen!
  • Außerdem ist nicht klar, was unter „Werden“ (für Bhava) zu verstehen ist, was zu Jāti (Geburten) und damit zu „dieser gesamten Leidensmasse“ führt.

7. Zum Beispiel sollte der Schritt avijjā paccayā saṅkhāra eigentlich avijjā paccayā abhisaṅkhāra heißen.

  • Ein Arahant erzeugt Saṅkhāra, aber NICHT Abhisaṅkhāra. Nur Abhisaṅkhāra erzeugen zukünftigen Geburten und damit zukünftiges Leiden!

8. Der nächste Schritt ist in den Sutta als saṅkhāra paccayā viññāna genannt und das ist die Uddēsa-Version.

  • Gemeint ist abhisaṅkhāra paccayā viññāna, wobei viññāna das „verunreinigtes Bewusstsein“ bedeutet. Ein Arahant hat jedoch “gereinigtes Viññāna“. Siehe Vinnana II.

9. Ein weiterer verwirrender Schritt wäre nāmarūpa paccayā salāyatana, wobei salāyatana bzw. „sechs Ayatana“ normalerweise als „sechs Sinnesfähigkeiten“ übersetzt wird. Natürlich hat ein lebender Arahant gute Sinnesfähigkeiten (Indriya).

  • Diese sechs Indriya (Sinnesfähigkeiten) werden zu Salāyatana, wenn man mit Avijjā handelt und sie verwendet, um San anzusammeln. Siehe Nāmarūpa paccayā Salāyatana.

10. Im nächsten Schritt salāyatana paccayā phassa ist eigentlich Samphassa gemeint („Kontakt mit verunreinigtem Geist”, san + phassa). Siehe Unterschied zwischen Phassa und Samphassa. Ein Arahant hat nur Phassa, nicht aber Samphassa.

11. Wenn nun diese Sinneseindrücke mit einem verunreinigten Geist bewertet werden, erzeugt man „geistgemachtes Vēdanā“ bzw. „samphassa jā vēdanā“. Das ist Vedana mit Gier, Ärger, Eifersucht, Verlangen ….

  • Ein Arahant erzeugt jedoch aufgrund der Kontakte mit den sechs Indriya auch Vēdanā. Wenn der Arahant zum Beispiel von einer Biene gestochen wird, fühlt er den Schmerz. Verdorbene Milch würde bitter schmecken und ein Stück Kuchen würde süß schmecken usw. Aber ein Arahant würde keine schlechten Gedanken erzeugen, weil ihm verdorbene Milch angeboten wurde. Siehe Vēdanā (Gefühle).

12. Die nächste Verwirrung könnte der Schritt bhava paccayā jāti sein, der in der deutschen Übersetzung heißt: “…wenn Werden da ist, ist Geburt …”. Siehe  Bhava und Jāti – Existenz und Geburt.

13. Nach einiger Kontemplation über die Dinge oben sollte man eine gute Vorstellung davon bekommen, wie verschiedene Typen von Jāti via Abhisaṅkhāra entstehen. Jedoch bringt keine Geburt in den 31 Reichen einen dauerhaften Glückszustand. Auch jede Deva- oder Brahma-Existenz kommt zu einem Ende und dann kann eine quälend lange Zeit in einer Apāyā folgen.

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