Udayavaya Ñāna – Bedeutung des Cittaja Kaya

1. In den vorigen Beiträgen dieser Serie betrachteten wir Kabalinkā Ahara für den physischen Körper und drei Arten von Ahara für den „geistigen Körper“ (Manomaya Kaya oder Gandhabba): Phassa Ahara, Mano Sancētanā Ahara, Viññāna Ahara.

  • Der Manomaya Kaya besteht aus drei Komponenten: Kammaja Kaya, Cittaja Kaya, Utuja Kaya. Der Kammaja Kaya erhält seine Energie am Anfang des Bhava und erfordert kein externes Ahara. Der Utuja Kaya wird kontinuierlich aufrechterhalten, indem feine Rupa durch Kammaja Kaya und Cittaja Kaya produziert werden.
  • Die obigen drei Ahara-Arten für den Manomaya Kaya werden alle vom Cittaja Kaya verbraucht. Der Cittaja Kaya ist nichts anderes als der Gedankenstrom.
  • Nebenbei bemerkt: Manchmal atmet die Gandhabba „Aroma“ oder Gandha (Kabalinkā Ahara) ein und hat einen feinen (nebligen) physischen Körper. Daher kommt der Name Gandhabba, mit „abbha“ = „inhalieren“. Solche „solideren“ Gandhabbas können manche Leute sehen oder sogar mit der Kamera erfassen.

2. Nun können wir einen Schritt zurücktreten und auf das große Bild schauen, was eine sehr aufschlussreiche Ansicht freigibt. Dieses „große Bild“ könnte sehr hilfreich für das Verständnis der Anicca-Natur sein. Natürlich ist dies nicht die einzige Art, die Anicca-Natur zu erfassen.

  • Der physische Körper, den wir so sehr schätzen und als „ich“ betrachten, ist nur eine vorübergehende Hülle. Genau wie alles Materielle in dieser Welt wächst der Körper, bleibt für eine Weile augenscheinlich stabil und geht dann über zum Verfall bis hin zum Tod. Nach dem Tod des physischen Körpers kommt die Gandhabba heraus und wartet auf die nächste passende Gebärmutter, um einen neuen Körper zu bauen. Siehe Bhava und Jathi – Existenz und Geburt oder Gandhabba – Nur im Menschen- und Tierreich.
  • Dies ist ein wichtiger Faktor, der zum Konzept eines „Selbst“ (Athma) im Hinduismus beitrug. Hindu Yogis, die Abhiññā-Kräfte kultivierten und eine endliche Zahl von früheren Leben sehen konnten, sahen auch die Gandhabba, wie sie wiederholt als Mensch geboren wurde.
  • Sie konnten jedoch nicht weit genug zurück sehen, um auch Geburten als Tier oder schlimmer zu erkennen.

3. Den physischen Körper bei Menschen und Tieren können wir mit einem Panzer (oder einem anderen Fahrzeug) vergleichen, der von der Gandhabba gesteuert wird. Ohne Gandhabba ist der physische Körper leblos, d.h. ein toter Körper. Es ist die Gandhabba, die den Körper steuert. Siehe Ghost in the Machine – Synonym für den Manomaya Kaya?.

  • Die Gandhabba wiederum entsteht aufgrund von Kamma aus früheren Leben. Kammaja Kaya repräsentiert diese Energie, die mit der Zeit langsam abgebaut wird. Der Begriff  Kammaja Kaya  kommt von Kamma + Ja (Geburt oder Herkunft) + Kaya (Körper). Kammaja Kaya ist also der „Körper aufgrund von Kamma“.
  • In ähnlicher Weise entsteht Cittaja Kaya durch Citta (grob als Gedanken übersetzt).
  • Utu bedeutet „Veränderung/Wechsel“. Der Utuja Kaya ist ein Teil der Gandhabba, der durch Umwandlung der Energie aus Kammaja Kaya und Cittaja Kaya  (javana) entsteht .

4. Jetzt können wir die entscheidende Bedeutung von Citta sehen. Kammaja Kaya selbst entsteht aufgrund früherer Kamma, d.h. durch Citta in einem früheren Leben. Javana in diesen Citta stellt die Energie für ein neues Bhava bereit, was zum Kammaja Kaya führt. Siehe Javana eines Citta – Wurzel der geistigen Kraft.

  • Kammaja Kaya ist nur ein Ergebnis. Wir können nichts daran ändern, außer man tut ein anatariya Kamma. Dann wird das aktuelle Bhava verkürzt. Damit haben wir die Kontrolle nur über Cittaja Kaya. Dies ist von entscheidender Bedeutung. Wir sind zur Essenz eines Lebewesens vorgedrungen.
  • Aus diesem Grund sagte der Buddha: „Mano pubbangamā Dhamma …“. Der Ursprung von allem kann auf den Geist (Gedanken) zurückgeführt werden. Hier sehen wir die Wahrheit der obigen Aussage in Bezug auf Lebewesen. Das ist die Geschichte in der Agganna Sutta. Aber wir sollten Schritt für Schritt vorgehen.

5. Wir haben mit dem Cittaja Kaya die Kontrolle über das eigene Schicksal. Ich kann nicht genug diese entscheidende Bedeutung des Cittaja Kaya betonen. 

  • Deshalb müssen wir die Aufmerksamkeit auf etwas lenken, was wir unserem Gedankenstrom als Ahara liefern. Aber wir haben die Kontrolle nur über Gedanken, die wir initiieren.

6. Es gibt zwei Arten von Gedanken. Einige Citta entstehen durch Kamma Vipāka. Zum Beispiel können wir in den Genuss einer schmackhaften Mahlzeit kommen (gutes Kamma Vipāka) und während wir essen, fühlen wir Jivhā Viññāna, d.h. durch den Geschmackssinn wahrgenommen. Das sind keine Abhisankhāra. Siehe auch: Vedana (Gefühle).

  • Es gibt eine weitere Art von Citta, die wir initiieren. Basierend auf dem leckeren Essen fangen wir an, Vaci Sankhara zu erzeugen (wie gut das Restaurant ist; ob wir in Zukunft wieder herkommen; ob wir das Essen ggf. zu Hause auch kochen; usw.) Dies können Abhisankhāra sein. Die schlimmste Art wäre Apunnābhisankhāra, wenn wir über die Möglichkeiten nachdenken, das Essen auf unmoralische Weise zu bekommen, z.B. durch Diebstahl oder Raub.
  • Wenn es nur Essen ist, was den Hunger stillt, erzeugen wir keine weiteren Sankhara basierend auf den Vipāka Citta.
  • Wir sehen Millionen Dinge am Tag (über Vipāka Citta), erzeugen aber nur wenige Abhisankhāra.

7. Der Buddha sagte, „kammā vipākā vaddanthi, vipākā kamma sambhavō, tasmā punabbhavō hōti, ēvam lōkō pavattati„.

  • Das bedeutet: „Wegen Kamma Vipāka  erleben wir Sinneseindrücke; basierend darauf initiieren wir neues Kamma (Abhisankhāra) und das führt wiederum zu  Vipāka in der Zukunft; so entwickelt sich die Welt (und der Wiedergeburtprozess wird fortgesetzt)“.
  • Der kritische Teil ist das Erzeugen neuer Abhisankhāra. Dies wird mit Javana Citta getan. Wir betrachten das im Detail im Abhidhamma-Abschnitt unter dem Thema Citta Vithi. Jetzt wollen wir nur wissen, wie diese Javana Citta zu kontrollieren sind.

8. Javana Citta sind zu schnell, um sie direkt zum Zeitpunkt des Entstehens zu kontrollieren. Im Geist laufen jede Sekunde Milliarden Cittas durch. Wie können wir sie kontrollieren? Wir können sie nicht unmittelbar kontrollieren, während sie entstehen.

  • Diese Javana Citta entstehen aufgrund von Gathi! Das ist der Schlüssel.
  • Zum Beispiel wird ein Arahant von keinem attraktiven Sinneseindruck verführt. Er hat alle Asavas (Verlangen) entfernt und deshalb sprudeln keine Anusaya an die Oberfläche. Er/sie hat das „Edle Gathi eines Arahant“.
  • Auf der anderen Seite wird ein Sotapanna ggf. von attraktiven Sinneseindrücken verführt. Er hat nicht alle Asavas (Verlangen) entfernt; aber Gathi für die Apāyas ist nicht vorhanden: Javana Citta für hochgradig unmoralische Handlungen wird nicht entstehen.
  • Die Asavas (oder Gathi) sind analog zum Schmutz auf dem Boden eines Brunnens. Wenn das Brunnenwasser gestört wird, kann etwas Schmutz an die Oberfläche kommen (Anusaya), d.h. wenn ein Sinneseindruck passend zum Gathi ins Spiel kommt, werden die zugehörigen Gedanken automatisch erzeugt. Siehe 3. Die zweite Ebene – Schlüssel zur Reinigung des Geistes.
  • Wenn man die Sotapanna-Stufe erreicht, werden die schlimmsten Arten von „Dreck“ entfernt. Der Rest wird in drei weiteren Stufen entfernt (Sakadagami, Anagami, Arahant).

9. In einem normalen Menschen funktioniert das auch so mit einer Ausnahme. Wenn ein bestimmter Sinneseindruck attraktiv ist (d.h. zu den Asavas passt), dann kann die Person höchst unmoralische Handlung automatisch einleiten, um die Sinnesbefriedigung zu ereichen. Normale Menschen handeln mit Micca Ditthi.

  • Aber der Schlüssel ist, dass selbst die schlimmsten unmoralischen Javana Citta immer noch unterdrückt werden können, wenn man Satipattana (oder Anapana) gelernt hat. Das Unterdrücken kann noch vor der eigentlichen Handlung (Vaci oder Kaya Sankhara) erfolgen. Extrem unmoralische Taten, wie Mord, können die meisten Menschen auch ohne Kenntnis von Satipattana kontrollieren. Aber je mehr man Dhamma lernt und versteht, umso mehr wird man die Folgen verstehen und auch kleine Vergehen erkennen und kontrollieren.
  • Darüber hinaus ändert sich auch das Gathi zum Besseren. Das ist der andere Schlüssel! Siehe 9. Schlüssel zu Anapanasati – Wie man Gewohnheiten und Charakter verändert (Gathi).

10. Ein  großer Teil des unmoralsichen Gathi wird nur über Verstehen von anicca, dukkha, anatta auf der Sotapanna-Stufe entfernt. Insbesondere wird das Gathi für die Apāyas entfernt. Dies wird „dassanèna pahäthabbä“ genannt, d.h. Entfernen durch korrekte Sichtweise.

  • Somit werden hochgradig unmoralische Javana Citta von einem Sotapanna nicht mehr ausgelöst. Genau wie ein Brunnen, der vom groben Schmutz am Boden gereinigt wurde, nicht durch Rühren stark getrübt wird, hat ein Sotapanna den „groben Dreck“ aus seinem Geist entfernt.
  • Um aber anicca, dukkha, anatta zu verstehen, muss der Geist zu einem gewissen Grad gereinigt werden. Allmähliche Veränderung des eigenen Gathi muss mit Anāpāna Bhavana (oder Satipattana Bhavana) getan werden (noch vor der Sotapanna-Stufe). Dann setzt man das fort bis zur Arahantschaft.

11. Der Schlüssel zu Nibbāna liegt im Udayavaya Nana: Zukünftige Wiedergeburten entstehen (udaya) aufgrund von Abhisankhāra (oder Cetana) in unseren Javana Citta. Durch Kontrolle der unmoralischen Gedanken via Entfernen der Asavas (schlechtes Gathi), können wir das Entstehen von Abhisankhara schließlich beenden.

  • Dies wird durch stete Wachsamkeit über moralische oder unmoralische Gedanken erreicht. Das ist Satipattana. Siehe Maha Satipattana Sutta. Wenn der Gedanke moralisch ist, pflegen wir ihn (ana); wenn er unmoralisch ist, stoppen wir ihn (pana), bevor es schlechte Sprache oder Handlung wird. Das ist Anapana; siehe 7. Was ist Anapana?.
  • Je mehr man den Geist reinigt, desto mehr wird man verstehen. Insbesondere das Verstehen von anicca, dukkha, anatta erfordert einen gewissen gereinigten Geist.
  • Dies ist eine Rückkopplung: jedes Mal, wenn man die Schleife durchläuft, macht man Fortschritte (d.h. Satipattana  ausführen, um den Geist zu reinigen; Anapana, um tieferes Dhamma zu begreifen und zurück an den Anfang, um Satipattana zu verbessern).

12. Dieser Effekt wird stark verstärkt, wenn man schließlich die Tilakkhana erfasst: Man erfasst die Sinnlosigkeit im Wiedergeburtsprozess zu bleiben (anatta), denn alles, was wir mit viel Mühe erwerben, kann nicht zur eigenen Zufriedenheit auf lange Sicht erhalten werden (anicca) und führt schließlich zu Leiden (dukkha). Auch kann man deutlich die Notwendigkeit sehen, die Asavas zu entfernen. Das führt zur Sotapanna-Stufe.

  • Mit dem Udayavaya Nana kann man wirklich den Pfad zur Sotapanna-Stufe bereiten.
  • Dann werden die restlichen Asavas mit drei weiteren Stufen entfernt (āsavakkhaya): Sakadagami, Anagami, Arahant folgt durch Fortsetzung des Prozesses (Anapana und Satipattana). Letztlich erreicht man Nibbàna, dauerhaftes Glück bzw. die Beseitigung aller zukünftigen Leiden.

13. Schließlich möchte ich die Verbindung zu Konzepten aus anderen Beiträgen zeigen. Die Gandhabba verbraucht drei Arten geistiger Nahrung: Phassa Ahara, Mano Sancētanā Ahara und Viññāna Ahara.

  • Alle drei Arten geistiger Nahrung werden vom Cittaja Kaya verbraucht (Ahara (Nahrung) im Udayavaya Nana). Unsere anfänglichen Sinneseindrücke können Javana Citta via Phassa auslösen. Die Sinneseindrücke sind anfänglich nur Kontakte. Aber basierend darauf können wir neues Kamma akkumulieren (Abhisankhāra), indem wir zu Samphassa wechseln; siehe  Vedana (Gefühle).
  • Mano Sancētanā Ahara (was Abhisankhāra sind) kommen während Samphassa ins Spiel. Wir „machen Pläne“ und schauen uns den Sinneseindruck nochmal an. Wiederholte Auslöser eines Sinneseindrucks (Samphassa) liefern Ahara für dieses Viññāna. Siehe 2. Vinnana (Bewusstsein) hat viele Arten und Formen.

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