Einführung 2 – Die drei Merkmale der Natur

1. Im vorhergehenden Beitrag betrachteten wir zwei der drei Möglichkeiten des Leidens: Viparināma Dukkha (Leiden aufgrund von Veränderung und Zerfall von Dingen, die wir mögen) und Sankhara Dukkha (Leiden aufgrund von Anstrengung um angenehme Dinge zu erhalten oder unangenehme Dinge zu ertragen oder loszuwerden). Beide Arten werden in diesem Leben erfahren, aber wenn wir uns keine Zeit nehmen und darüber nachdenken, sind wir uns dessen nicht bewusst.

  • Wir können nicht viel tun, um Viparināma Dukkha zu vermeiden. Wir können gesund leben, Sport treiben und unseren Geist trainieren. Jedoch ändern sich alle Dinge/Personen und Angelegenheiten mit der Zeit auf unvorhersehbare Weise.
  • Wir können Sankhara Dukkha durch allmähliche Reduzierung unserer Anhaftung an weltliche Dinge verringern. Dies geschieht automatisch, wenn man beginnt die drei Merkmale der Natur zu erfassen.

2. Die dritte Kategorie des Leidens entsteht direkt: durch körperliche Verletzungen wie Verbrennungen, Schläge, Stiche usw. Wesen in den Apayas erfahren davon sehr viel, für Wesen in der Niraya (niedrigstes Reich) ist das die Haupterfahrung. Wenn eine Person viel Geld verdient, indem sie eine andere Person tötet oder ausraubt, führt sie äußerlich vielleicht ein gutes Leben, wird aber viel Leid in den kommenden Geburten unterzogen werden. Dies ist die schlimmste Kategorie von Leiden, d.h. Dukkha Dukkha, was zur Wiedergeburt in den vier unteren Reichen führen kann.

  • Daher entsteht die dritte Kategorie von Leiden, Dukkha Dukkha, im Wesentlichen durch unmoralische Handlungen. Die Schwere des Leidens hängt natürlich von der Schwere der Ursache ab. Wir besprechen dies im Detail in Paticca Samuppada (pati+ichcha führt zu sama+uppāda).

3. Alle unsere Handlungen (einschließlich Sprache und Gedanken) sind Sankhara, deshalb entsteht Dukkha Dukkha aus den schlimmsten Formen von  Sankhara, die wir unmoralische Handlungen nennen.

Alles geschieht aufgrund von Ursachen. Wenn man eine gute Tat tut, wird das zu guten Ergebnissen führen. Schlechte Taten führen zu schlechten Ergebnissen. Dies ist die Grundlage der Wissenschaft und der Natur. „Jede Aktion hat eine Reaktion“; das ist garantiert, früher oder später.

  • Aus diesem Grund ist Wiedergeburt eine Wirklichkeit der Natur. Es gibt Menschen, die verschwenderisch mit Geld aus unmoralischen Taten leben; die Folgen werden in künftigen Wiedergeburten realisiert werden.
  • Es erklärt auch, warum verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Startbedingungen geboren werden (Gesundheit, Reichtum, Schönheit, usw.) und warum es unzählige Arten von Tieren mit verschiedenen Ebenen des Leidens gibt.

Die drei Merkmale

4. Die meisten Menschen können zwischen moralischen und unmoralischen Handlungen unterscheiden. Unmoralische Handlungen sind Töten, Stehlen, unangemessenes sexuelles Verhalten, Lügen, Verleumden, leere Rede, harte Rede, und Rausch mit Drogen, Alkohol, Reichtum, Ruhm, Macht, etc. (Die GROßEN ACHT werden im Abschnitt Meditation besprochen).

  • Wenn wir auch die falschen Ansichten und Hass hinzufügen, sind es zehn, was man die zehn Verunreinigungen oder Dasa Akusala nennt. Diese Handlungen sind nicht nur ungeeignet, sondern sie haben auch negative Folgen für das Wohlergehen. Gesellschaften können nicht gut funktionieren, wenn die Menschen unmoralisch handeln.

5. Die meisten Religionen lehren ein moralisches Leben, mit wenigen Ausnahmen z.B. bzgl. des Tötens von Tieren. Grundsätzlich rufen alle Religionen zum „Aufbau besserer Gesellschaften“ auf. Daher sind Moral und moralische Gesetze allen Kulturen und Religionen gemeinsam.

  • Ohne diese moralische Grundlage ist es schwer, die tieferen Aspekte zu begreifen, welche wir als nächstes besprechen werden.
  • Allerdings ist es wichtig zu erkennen, dass man von den Dasa Akusala nur auf der Arahant-Stufe frei ist. Die fünf konventionellen Gebote sind ein guter Anfang.
  • Wenn man auf dem Pfad beginnt, wird man hin und wieder die Gebote brechen. Ein Kind, das laufen lernt, fällt viele Male. Viele Leute sind entmutigt, wenn sie gelegentlich eine unmoralische Tat begehen. Aber schon das Erkennen eines Fehlers und das es den Geist stört, bedeutet Fortschritt.

6. Die Einzigartigkeit in Buddha Dhamma liegt im Verstehen, dass bessere Gesellschaften (d.h. ein moralisches Leben) auf lange Sicht im Wiedergeburtsprozess nicht genug sind. In dieser weiteren Weltsicht kann jeder überall in den 31 Reichen geboren werden, einschließlich in den gefürchteten unteren vier Reichen, die auch das Zuhause aller Wesen sind. Es ist eine viel größere Welt als wir normalerweise wahrnehmen.

  • Selbst wenn man in diesem Leben nicht eine einzige unmoralische Tat  begehen würde, vermeidet man nicht die Wiedergeburt in den Apayas. Wir alle haben unzählige unmoralische Taten in früheren Leben getan. Was wir in der Vergangenheit getan haben, bleibt als Kamma-Samen erhalten bis das kammische Potential erschöpft ist oder bis man Nibbàna erreicht. Auch das ist Teil des größeren Weltbildes.

7. Bis man zumindest die Sotapanna-Stufe erreicht, ist man nicht frei von den vier unteren Reichen.

  • Wir können es auch auf diese Weise betrachten: Auch wenn wir ein gutes, moralisches Leben in diesem Leben führen, wissen wir nicht, unter welchen Bedingungen wir im nächsten Leben geboren werden, selbst wenn es sich um ein menschliches Leben handelt. Wenn wir in eine unmoralische Familie geboren werden, oder unmoralische Freunde haben, können wir Handlungen begehen, die zur Geburt in den Apayas führen.
  • Daher müssen wir zur Sotapanna-Stufe in diesem Leben streben.

8. Dies ist in den drei Merkmalen „dieser weiteren Welt“ mit 31 Reichen eingebettet. Wir werden vielleicht im höchsten Brahma-Reich geboren, fallen aber eines Tages unweigerlich wieder in die Apayas. Der Buddha sagte: „Es gibt keine Zuflucht“ irgendwo in diesen 31 Reichen.

9. Im vorherigen Beitrag erkannten wir, warum wir „keinen Teil unseres physischen Körpers zu unserer Zufriedenheit erhalten können“. Wenn wir durchdenken, wie Dukkha Dukkha entsteht, können wir sehen, dass „wir auf lange Sicht nichts zu unserer Zufriedenheit erhalten können“, nirgendwo in diesen 31 Reichen. Das ist das erste Merkmal „dieser Welt“: anicca. Nur ein Wort sagt alles.

  • Wegen anicca werden wir schließlich Leiden begegnen, vor allem in den vier unteren Reichen. Wir leiden immer unter Viparināma Dukkha und Sankhara Dukkha (beide sind in den scheinbaren Sinnesfreuden versteckt), und wir können nicht Dukkha Dukkha verhindern ohne die Sotapanna-Stufe zu erreichen.
  • Somit führt anicca zum zweiten Merkmal: dukkha .
  • Solange wir uns nach Existenz und Sinnesfreuden „in dieser Welt“ sehnen, sind wir auf lange Sicht wirklich hilflos und ohne Kontrolle. Dies ist das dritte Merkmal: anatta. Es gibt „keine Zuflucht“ in dieser Welt der 31 Reiche.

10. Zunächst ist es schwierig zu verstehen, warum diese drei Merkmale eine so große Sache sind. Sie sind der Schlüssel um die Ursachen des Leidens zu stoppen.

  • Nur die Erkenntnis, dass es schädlich und unfruchtbar ist an Dingen in dieser Welt zu haften, führt zur ersten Stufe von Nibbāna (Sotapanna). Buddha Dhamma ist eine vollständige Beschreibung der Natur. In der Lage zu sein, die Unfruchtbarkeit der Anhaftung an weltliche Dinge zu begreifen (und auch Abneigung, was aus Anhaftung entsteht), ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Edlen Achtfachen Pfad: Samma Ditthi oder „klares Verständnis“.

11. Loslösung von weltlichen Dingen ist nicht durch Zwang möglich. Wenn jemand sein Vermögen verschenkt, ohne wirklich die Vorteile zu sehen, wird das wahrscheinlich später zu Reibung oder Reue führen, was negative Auswirkungen haben kann.

  • Es kann schwierig sein zu glauben, aber das wirkliche Glück ENTSTEHT, wenn man die wahre Bedeutung von anicca, dukkha, anatta erkennt und realisiert, dass es möglich ist, alle drei Formen des Leidens zu stoppen. Es ist ein ständiges Gefühl der Erleichterung, nicht wie ein Gefühl von Vergnügen von kurzer Dauer.
  • Wenn wir durch die Schritte in Paticca Samuppada gehen, wird die Bedeutung von anicca, dukkha, anatta klarer werden. Man kann und sollte auch andere verwandte Beiträge lesen. Irgendwann passen die Stücke zusammen und dann wird es einfacher.

12. Das Fehlen dieses Wissens (oder besser Weisheit oder Panna), heißt Ignoranz (Avijja). Der ganze Paticca Samuppada Zyklus beginnt mit Avijja und erklärt, wie das zu Dukkha führt. Es gibt einen weiteren Paticca Samuppada Zyklus, der erklärt, wie Dukkha gestoppt werden kann. Wir werden beide betrachten. So führt Avijja nicht nur zu unmoralischen Handlungen, sondern auch zu unfruchtbaren Handlungen. Unmoralische und unfruchtbare Taten sind in Sankhara enthalten.

13. Ich weiß, dass ich immer mehr Pali-Worte verwende, während wir fortfahren. Aber jetzt sollten wir in der Lage sein, die Bedeutung dieser Schlüsselworte zu erfassen. Es ist umständlich diese langen Wortgruppen zu benutzen. Stattdessen kann man das passende einfache Pali-Wort verwenden. Keine andere Sprache kann kurz und bündig den Zustand der „ganzen Welt“ in nur drei Worten zusammenfassen: anicca, dukkha, anatta.

  • Wie wir oben gesehen haben, hat Dukkha viel tiefere Bedeutung als das „Gefühl von Beschwerden oder Schmerzen“.
  • Auch Avijja und Panna haben keine passenden Worte in Deutsch, um die genaue Bedeutung zu vermitteln.
  • Mein Ziel ist zuerst diese Pali-Wörter in einfachem Deutsch zu beschreiben und sie dann in den nachfolgenden Beiträgen zu verwenden, während ich von anderen Pali-Wörtern fernbleibe, die für das Verständnis der Kernbotschaft des Buddha nicht kritisch sind.

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