3. Die zweite Ebene

1. Gehen wir zurück zum Beispiel des verlassenen Brunnens. Nun haben wir eine ordentliche Arbeit geleistet und das schmutzige Wasser teilweise gereinigt, das seit langer Zeit dort war. Zumindest haben wir einige der wichtigsten unmoralischen Handlungen, die Großen Acht, reduziert.

  • Jetzt müssen wir sicherstellen, dass die Dinge nicht in den Brunnen fallen, während wir versuchen, das Wasser noch sauberer zu machen. Wenn es keine Barriere gibt, kann sich bei Regen Schlamm im Brunnen sammeln. Wie beim Brunnen müssen wir sicherstellen, dass wir diese GROSSEN ACHT so weit wie möglich aus dem Geist fernhalten. Dies ist Sila oder moralisches Leben.

2. Um sicherzustellen, dass wir nicht auf die alten Wege zurückdriften, müssen wir moralische Achtsamkeit (Sati) kultivieren: Wir müssen auf der Hut sein und alle Versuchungen der GROSSEN ACHT durchbrechen. Aber man muss verstehen: schlechte Gewohnheiten und Verlangen (Gathi und Asavas), stammen nicht nur aus diesem Leben, sondern wahrscheinlich auch aus früheren Leben.

3. Wiederum können wir den alten Brunnen als ein Beispiel verwenden: Wenn wir das Wasser aus dem Brunnen abgelassen haben, füllt sich das Brunnenloch mit sauberem Wasser, das durch Risse sickert.

  • Wenn sich jedoch am Boden des alten Brunnen noch Schlamm befindet, wird dieses reine Wasser kontaminiert. Unsere schlechten Gewohnheiten und Verlangen (Gathi und Asavas) sind wie der Schmutz am Boden des Brunnens.

4. Das Wasser im alten Brunnen wird nun relativ klar aussehen, wenn es ungestört ist, d.h. wenn wir das Wasser ruhig stehen lassen. Dies ist der Effekt einer Atemmeditation oder allgemein einer Samatha-Meditation. Wenn jemand auf die GROSSEN ACHT verzichtet, ist es relativ einfach den Geist zu beruhigen. Man geht zu einem ruhigen Ort, schließt die Augen und fokussiert dann einen Gegenstand, z.B. den Atem.

  • Solche Meditationen sind Anariya Meditationen. Sie bieten vorübergehende Erleichterung. Man könnte auch auf diese Weise mit viel Übung in Anariya Jhanas eintauchen, besonders wenn man ein abgeschiedenes Leben führt. Die alten Yogis, die ein moralisches Leben führten und sich in Wäldern von anderen Menschen fernhielten, konnten höhere Jhanas erreichen.
  • Die fünf Hindernisse werden dabei unterdrückt. Es ist wie das faule Zeug ungestört am Boden des Brunnens zu lassen.
  • Wenn man einen langen Stab nimmt und den Brunnen umrührt, beginnen diese Verunreinigungen hochzukommen.

5. Wenn jemand von diesem ruhigen Ort zurückkommt, wird er auf gleiche Weise von externen Sinnes-Reizen „gestört“ (d.h. ein starkes Sinnes-Objekt taucht auf). Für jemanden mit viel Lust könnte es ein Bild einer attraktiven Person sein. Wenn jemand Hass hat, dann können hasserfüllte Gedanken an die Oberfläche kommen, nur weil jemand den Namen einer bestimmten Person erwähnt.

  • Dieses „Aufsteigen schlechter Dinge an die Oberfläche“ heißt Anusaya. Um solche Anusaya zu stoppen, müssen Gathi und Asava schrittweise entfernt werden.
  • Deshalb läßt die sehr ruhige und friedliche Erfahrung in einem Meditationszentrum im hektischen Alltagsleben allmählich nach. Es war eine vorübergehende Lösung. Was wir hier im Sinn haben, ist eine dauerhaftere Lösung. Aber dieser Ansatz braucht etwas mehr Zeit.

6. Wie reinigen wir nun wirklich den Brunnen? Es reicht nicht aus, die Masse auf den Boden sinken zu lassen. Der Schlamm muss vom Boden des Brunnens entfernt werden. Ist kein  Schlamm da, kann das frische Wasser nicht verunreinigt werden. Wenn sich der Brunnen füllt, müssen wir nur sicherstellen, dass die Dinge nicht zurückfallen, um den Brunnen zu kontaminieren.

  • Aus unserem Geist müssen wir die schlechten Gathi/Asavas entfernen, die über unzählige vergangene Leben angesammelt und in diesem Leben verstärkt wurden. Wenn wir Hass in unserem Geist haben, kann dieser leicht getriggert werden. Deshalb sind manche Menschen mehr „aufbrausend“ als andere. Wenn wir extreme Gier haben, können wir versucht sein, unmoralisch zu handeln, um unser Verlangen zu befriedigen.
  • Obwohl die meisten schlechten Gewohnheiten irgendeine Form von Gier und Hass enthalten, gibt es unzählige Kombinationen (wenn sie mit Ignoranz einhergehen). Deshalb sehen wir bei den Menschen unzählige Gewohnheiten/Persönlichkeiten/Tendenzen. Keine zwei Personen sind gleich, auch keine eineiigen Zwillinge.

7. Bezüglich der fünf Hindernisse sind die Hauptschuldigen natürlich Gier, Hass und Vicikicca bzw. die Tendenz unklug zu handeln. Die anderen beiden Hindernisse helfen, diese zu unterstreichen: Der „faule Geist“ wird sich nicht bemühen, schlechte Gedanken zu unterdrücken, der „ruhelose Geist“ ist zu zerstreut um sich zu konzentrieren und klar zu denken. All dies ist eng mit den Gewohnheiten verbunden (Gathi /Asavas).

  • Wenn man alle Gathi/Asavas entfernen kann, erreicht man Nibbana. Der Buddha erkannte das Asavakkhaya Nana kurz vor dem Erreichen der Buddhaschaft. Asavakkhaya ist asava + khaya oder das Entfernen des Verlangens, khaya =entfernen (von San). Siehe Was ist „San“?.
  • Zu diesem Zeitpunkt versuchen wir einige Gewohnheiten zu entfernen oder zumindest die Großen zu reduzieren. Die gute Nachricht ist, dass wir die Erleichterung oder „Abkühlung“ oder Niveema jedes Mal erleben können, wenn wir entweder eine kleine schlechte Gewohnheit entfernen oder die Schwere der Größeren verringern. Wir müssen nicht ALLE schlechten Gewohnheiten und Sehnsüchte entfernen, um die „Abkühlung“ zu erleben.

8. Nachdem wir uns verpflichtet haben, so weit wie möglich von den GROßEN ACHT abzusehen, müssen wir unsere schlechten Angewohnheiten beseitigen.

  • Machen Sie eine Liste mit kleinen Dingen an der Spitze und die Ernsteren nach unten folgend. Wir alle haben Gier und Hass; das sind die „Großen“. Wir versuchen, leicht identifizierbare kleinere schlechte Angewohnheiten zu entfernen; z.B. explosive Laune, Geiz, Gier nach viel Sinnesfreuden (z.B. Alkohol, Drogen, Essen im Übermaß).
  • Es ist wichtig die Obersten (die Einfachen) loszuwerden. Das wird einen Anreiz bieten weiterzumachen. Wenn man versucht, die Großen sofort anzugehen, kann man entmutigt werden und die ganze Anstrengung aufgeben.

9. Natürlich ist die Konzentration auf die GROßEN ACHT sehr wichtig. Wenn man Tiere zum Vergnügen tötet (z. B. beim Angeln), dann muss das gestoppt werden. Wenn jemand seinen Lebensunterhalt durch Diebstahl verdient, muss das gestoppt werden. Wenn jemand mit anderen verheirateten Menschen sexuell aktiv ist, muss das gestoppt werden usw.

  • Das ist gesunder Menschenverstand. Wenn man seine Handlungen betrachtet und sieht, dass es sich UND ANDEREN Schaden zufügt, muss man dies reduzieren und schließlich stoppen.

10.  Wie am Anfang betont, muss man sich bemühen. Sogar der Buddha konnte nur den Weg zeigen. Wir müssen durchdenken, was er vorschlug, und den Sinn erkennen. Dann wird der Geist mitmachen, besonders wenn er beginnt die Vorteile zu sehen

  • Der Schlüssel ist anzufangen. Wenn man nur ein kleines Ziel erreicht, bekommt man davon den Antrieb weiterzugehen.

11. Man könnte und sollte die vier Grundlagen der geistigen Kraft (Satara Iddhipada) bei der Verwirklichung dieser Ziele verwenden. Bewältigen Sie ein Ziel nach dem anderen. Wenn Sie mehr und mehr Ziele erreichen, werden auch die Iddhipada (Chanda, Citta, Viriya, Vimansa) wachsen. Das sind die kritischen Faktoren, mit denen die Yogis weltliche (anariya) Jhanas kultivieren und außergewöhnliche mentale Kräfte erlangen.

  • Chanda ist der Wunsch das Ziel zu erreichen. Citta ist der Entschluss, den man macht und Viriya ist die Anstrengung, um das Ziel zu erreichen. Vimansa prüft sorgfältig, welche Vorteile ein Bruch dieser Gewohnheit hat und was die möglichen Folgen der Beibehaltung der Gewohnheit sind. Während die vier Iddhipada wachsen (mit der Erfüllung von mehr und mehr Zielen), wächst besonders die Vimansa-Fähigkeit. Das ist ein Aspekt der Weisheit (Panna).

12. Beim Versuch eine schlechte Angewohnheit zu beseitigen, achtet man besonders auf die negativen Folgen (Adeenava) dieser Aktivität. Nehmen wir als Beispiel die schlechte Angewohnheit, in Wut zu geraten:

  • Denken Sie an das unangenehme Gefühl, in einem Moment der Wut „aufgeheizt“ zu werden. Natürlich kann es im Moment der Wut tatsächlich Spaß machen: In extremen Fällen werden deshalb Menschen mit vielen Stichwunden tot aufgefunden, obwohl nur ein paar Stiche schon zum Tod führen können. Das ist die Gefahr in Wut zu geraten. Man fühlt sich erst später danach schlecht. Dann ist es zu spät.
  • Noch schlimmer sind die sansarischen Konsequenzen: Wenn die Wut zum dominierenden Charakter der Persönlichkeit gehört, ist es möglich, dass man das im Augenblick des Todes ergreift und eine Geburt „ähnlicher Art“ entstehen kann, d.h. Geburt in einer brennenden Hölle. Das ist das Prinzip von Paticca Samuppada: „pati + ichcha“ führt zu „sama + uppada„.

13. Nehmen wir ein paar Beispiele, wie man schlechte Angewohnheiten angehen kann:

  • Viele Menschen haben schlechte Laune (die sich zu Hass entwickeln kann), was ein Ergebnis von Vyapada ist. Dies ist eine sansarische Gewohnheit und im Gegensatz zu vielen anderen Gewohnheiten ist diese schwer zu kontrollieren, wenn sie ausgelöst wird. Sie muss behandelt werden, wenn die Wut fehlt. Das Beste ist die Metta Bhavana. Wir werden die Ariya Metta Bhavana später zeigen. Vorläufig könnte man die Augen zu einer ruhigen Zeit schließen und aufrichtig sagen: „Mögen alle Wesen frei von Leid, frei von Beschwerden, frei von Zorn und glücklich sein.“ Wenn Sie eine bestimmte Person haben, gegenüber der Sie abgeneigt sind, wiederholen Sie Ihren Namen. Wir können nicht die Wut im Kopf dieser Person entfernen. Wir können nur die Wut in uns selbst entfernen. Tun Sie dies ein paar Mal am Tag, und wenn Sie es aufrichtig tun, wird es zu Ergebnissen führen (für Ihren inneren Frieden).
  • Wenn Sie eine Person mit Sehnsucht nach Sinnesfreuden sind (ich meine nicht Notwendigkeiten), wird Ihr Geist wahrscheinlich häufig nach solchen Dingen suchen. Versuchen Sie, solche Aktivitäten einzuschränken und versuchen Sie auch mehr zu geben. Spenden Sie an Wohltätigkeitsorganisationen, geben Sie einem Obdachlosen ein paar Euro. Wenn es mit dem Herzen getan wird, fühlt man Piti (Freude). Auch wenn Sie Ihr Leben vereinfachen, wird die Belastung für Ihren Geist geringer sein. Sie werden eine andere Art von Freude erfahren. Das ist „Niveema“ bzw. „Abkühlung“ bzw. Niramisa Sukha.
  • Alkohol- oder Zigarettensucht ist ein weiteres Beispiel. Statt zu versuchen, solch eine Gewohnheit sofort zu stoppen, ist es besser allmählich zu reduzieren. Aber man muss Disziplin haben (die Wichtigkeit der Kultivierung der Iddhipada kommt zuerst), um am Plan festzuhalten und nicht zurückzugehen. Es hilft auch Ersatz zu finden (mit einem weniger starken Getränk oder Kaugummi usw.). Ein wichtiger Iddhipada ist hier Citta oder Entschlossenheit.

14. Jetzt sind wir an einem Punkt, wo man die wahre Anapanasati Bhavana angehen kann, die vom Buddha beschrieben wurde.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s