Unsere zwei Welten: Materie und Geist

1. Rūpa in Buddha Dhamma kann nicht nur als „Materie“ übersetzt werden. Unser Geist kann sehr feine Rūpa erzeugen (Energie in unseren Gedanken oder Mano Rūpa). Der Geist kann auch solche Mano Rūpa, die in der Geist-Ebene sind, erkennen.

  • Im Buddha-Dhamma werden diese sehr feinen Rūpa als Dhamma bezeichnet (natürlich wird das Wort „Dhamma“ auch in anderen Kontexten verwendet, wie in Buddha Dhamma). Sie werden „anidassanan, appatighan“ genannt, was bedeutet, dass sie nicht von unseren fünf physischen Sinnen erkannt werden können
  • Die mit den fünf physischen Sinnen erkannt werden können, bestehen aus der kleinsten Einheit der Materie in Buddha Dhamma, genannt Suddhāshtaka. Ein Suddhāshtaka ist eine Milliarde mal kleiner als ein Atom in der heutigen Wissenschaft. Die 28 Arten von Rūpa bestehen aus diesen „dichten Arten von Rūpa
  • Diese feinsten Rūpas (Dhamma) werden in der Regel nicht Rūpa genannt, sondern Mano Rūpa, um sie zu unterscheiden. Diese werden nur von der Mana Indriya oder Dhammayatana erfasst: „anidassanan, appatighan, dhammayatana pariyapanna rūpan„. Sie werden auch Nāmarūpa genannt.

2. Es ist wichtig zu beachten, dass Nāmarūpa in mindestens zwei Arten unterschieden wird:

  • Wenn als zwei Worte geschrieben, bezieht sich Nāma auf geistige Attribute und Rūpa bezieht sich auf Materie. Also bezieht sich Nāma Rūpa auf Geist und Materie.
  • Mit Viññana (Bewusstsein) verbindet sich Nāma mit Rūpa und erschafft Nāmarūpa – (Abbild für zukünftige Wiedergeburten), die schließlich zu vollgeformten Lebewesen führen. Nāmarūpa sind sehr feine Rūpa unterhalb der Suddhāshtaka-Stufe und sie sind Teil von Dhamma. Damit unterscheiden sie sich von den Rūpa, das wir mit den fünf physischen Sinnen wahrnehmen.
  • Hier sprechen wir über Nāmarūpa, was sich auf geistige Bilder bezieht. 

3. Unsere „Menschen-Welt“ besteht aus zwei Arten von Welten: die materielle Welt (Lebewesen und tote Objekte, Klänge, Gerüche, Geschmäcke und Körperwahrnehmung), die wir mit den fünf physischen Sinnen wahrnehmen und die geistige Welt, die wir mit unserem Geist wahrnehmen.

  • Diese beiden Welten existieren nebeneinander. Alle 31 Reiche teilen die geistige Welt. Die geistige Welt ist wie ein feiner Stoff, der alle Lebewesen verbindet. Es ist nur so, dass wir die geistige Welt nicht „sehen“ können, während wir den größten Teil der materiellen Welt sehen. Es gibt viele Dinge, die wir nicht sehen können, aber wir wissen es. Zum Beispiel wissen wir, dass Radio- und Fernsehsignale um uns herum sind, aber wir können sie nicht „sehen“. Die geistige Welt ist ebenso.
  • In den vier Reichen des Arūpa Lōka fehlt die aus Suddhāshtaka gebildete Materie (außer der Hadaya Vatthu der Arūpa Brahmas). Wesen im Arūpa Lōka erleben nur Näma Dhammä (oder einfach Dhamma). Sie haben keinen der fünf physischen Sinne, sondern nur den Geist (Hadaya Vatthu).

Two-Types-of-Loka

  • So ist die „materielle Welt“ nur den Lebewesen in Kama Lōka und Rūpa Lōka zugänglich.
  • Arūpa Lōka bedeutet, dass es keine „kondensierten Rūpa“ gibt (wie die in Kama Lōka und Rūpa Lōka), aber natürlich ist Dhamma da (die Arūpa-Wesen können denken und sich an vergangene Ereignisse erinnern wie wir).

4. Lassen Sie uns kurz die in der obigen Tabelle dargestellten Hauptpunkte erörtern. Alles in dieser Welt besteht aus 6 Dhatu (Teilchen): Patavi, Apo, Thejo, Vayo, Akāsa und Vinnana. Fünf von ihnen bilden die „materielle Welt“ und Vinnana Dhatu stellt die „geistige Welt“ dar.

  • Übrigens ist Akāsa nicht nur „leerer Raum“. Wir werden dies später besprechen.
  • Der Grundbaustein für die materielle Welt ist Suddhāshtaka. Vor nicht allzu langer Zeit dachten die Wissenschaftler, dass Atome die Bausteine wären, aber jetzt sagen sie, dass selbst die noch kleineren Elementarteilchen eine Struktur haben. Ein Suddhāshtaka ist viel feiner als jedes Elementarteilchen .
  • In der geistigen Welt (oder der mentalen Ebene) gibt es die geistigen Vorläufer zu Suddhāshtaka: Dhamma, Gathi und Bhava. Basierend auf unserem Charakter (Gathi), erzeugen wir Suddhāshtaka mit unseren Javana Citta.

5. Wir haben fünf Sinne, um die materielle Welt wahrzunehmen: Augen, Ohren, Zunge, Nase und Körper. Diese übergeben die Sinneseindrücke an die fünf Pasada Rūpa, die sich in der Gandhabba bzw. dem Monomaya Kaya befinden

  • Auf der geistigen Seite haben wir eine Mana Indriya im Gehirn, um die geistige Welt wahrzunehmen.
  • Auf Grundlage dieser fünf physischen Sinneskontakte mit der materiellen Welt und den Kontakten der Mana Indriya mit der geistigen Welt entstehen Gedanken in der Hadaya Vatthu (diese ist auch Teil der Gandhabba).
  • Das ist eine sehr kurze Beschreibung der obigen Grafik. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn das alles noch nicht ganz sinnvoll erscheint. Das ändert sich mit der Zeit, wenn man daran interessiert ist, die relevanten Beiträge zu lesen.

6. So ist es wichtig zu verstehen, dass es zwei Arten von Rūpa in unserer Menschen-Welt gibt:

  • Zum einen haben wir greifbare Materie in der materiellen Welt, die wir mit Hilfe der fünf physischen Sinne erleben.
  • Dann gibt es nicht sichtbare, immaterielle (anidassana, appatigha) Gedanken, Wahrnehmungen, Pläne, Erinnerungen (die eingeteilt werden können in Dhamma, Mano Rūpa, Gathi, Bhava, Nāma Gotta). Diese werden mit Hilfe der Mana Indriya im Gehirn wahrgenommen.
  • Beide Arten von Rūpa werden schließlich vom Geist wahrgenommen und erlebt (Hadaya Vatthu). Die Hadaya Vatthu befindet sich nicht im Gehirn, sondern im Körper der Gandhabba und überlappt die physische Herzregion des physischen Körpers.
  • Das Verständnis dieses „größeren Bildes“ kann ein wenig Aufwand erfordern. Die Welt ist komplex und die größte Komplexität ist mit dem Geist verbunden, der nicht im Gehirn, sondern im feinen Körper (Manomaya Kaya) der Gandhabba sitzt.

7. Ein weiterer Teil von Nāma Lōka bzw. der geistigen Welt ist die Traumwelt.

  • Wenn wir träumen, sehen wir Menschen und materielle Gegenstände. Aber wir können nicht sagen, wo sie sich befinden. Sie haben keinen physischen Standort, sie sind in Mano Lōka. Und wir sehen diese Träume nicht mit unseren Augen, sondern mit der Mana Indriya.
  • Wenn wir schlafen, funktionieren unsere fünf physischen Sinne nicht, aber Mana Indriya im Gehirn schon. Die Wissenschaft bestätigt, dass das Gehirn während des Schlafes aktiv ist.
  • Was in Arūpa Lōka erlebt wird, soll Träumen ähnlich sein. Natürlich hat man die Möglichkeit, in Arūpa Lōka zu kontemplieren. Da man dort jedoch nicht in der Lage ist, die Tilakkhana (anicca, dukkha, anatta) von einer edlen Person zu lernen (in Kama Lōka und Rūpa Lōka geschieht dies durch die Verwendung von Augen und Ohren), kann man im Arūpa Lōka nicht die Sotapanna-Stufe erreichen.  Aber wenn man die Sotapanna-Stufe in Kama-Loka erreicht hat, kann man in Arupa Loka meditieren und höhere Stufen von Nibbana erreichen.

8. Es gibt eine andere Art die Sinneserfahrungen zu betrachten. Lebewesen sind an diese Welt gebunden, weil sie erhoffen, Freude/Glück in dieser Welt zu gewinnen. Diese Freuden werden durch Kontakt mit Rūpa gewonnen, die es in verschiedener Dichte gibt.

  • Körperliche Freuden werden durch die stärksten Kontakte (Berührung) erreicht. Dann kommen Geschmack, Geruch, Sehen, Hören, immer weniger dicht in dieser Reihenfolge.
  • Der weicheste Kontakt ist via Dhamma. Das ist die geistige Welt. Wir denken und planen für die Zukunft, erinnern uns an Dinge aus der Vergangenheit, etc. Das tun wir die ganze Zeit und überall. Eine andere Möglichkeit ist zu sagen, dass wir uns in Mano, Vaci und Kaya Sankhara verwickeln.
  • So stellen die Kontakte von Mana Indriya mit Dhamma im Mano Lōka einen bedeutenden Teil der Sinneserfahrung dar. Das beinhaltet Mano Rūpa (Dhamma, Gathi, Bhava, Nāma Gotta) in der Geist-Ebene.

9. Die Art wie ein lebendiges Wesen erlebt und genießt (oder leidet), ist in den drei Hauptkategorien der Existenz anders: Kama Lōka, Rūpa Lōka und Arūpa Lōka.

  • Die meisten „rauen“ bzw. olarika Sinneskontakte stehen nur in Kama Lōka zur Verfügung. Auch hier sind sie am härtesten in der Niraya (das niedrigste Reich) und reduzieren sich im Allgemeinen in ihrer Rauheit in Richtung des Menschen- Reiches, das Fünfte. Die 6 Deva-Reiche sind deutlich „weicher“ als das Menschen- Reich. Deva Körper sind viel feiner (ähnlich denen von Gandhabba) und ein normaler Mensch kann sie nicht sehen.
  • Die rauesten Sinneskontakte (Berührung, Geschmack und Geruch) fehlen in Rūpa Lōka. Nur visuelle und hörbare Kontakte stehen den Brahmas in den 16 Rūpa Lōka zur Verfügung, zusätzlich zum Geist.
  • Die Arupi Brahmas in den 4 Arūpa Lōka haben nur den Geist, mit dem sie nur feine Mano Rūpa (Dhamma) wahrnehmen, die unterhalb der Suddhāshtaka-Stufe liegen.
  • Die Brahmas in Rupi und Arupi Lōka haben die Gefahren von Kama Assada gesehen, die in Kama Lōka (zumindest vorübergehend) zur Verfügung stehen. Vor ihrer Geburt in Rupa oder Arupa Loka haben sie in Kama Loka jhanische Freuden genossen und schätzen diese mehr als die rauen Sinnesfreuden. Sie haben zumindest vorübergehend das Verlangen nach den rauen Sinnesfreuden aufgegeben, die über Berührung, Geschmack und Geruch reinkommen.

10. Wir können eine Vorstellung von solchen „weichen“ und „rauen“ Sinnes-Kontakten mit dem folgenden Beispiel bekommen. Angenommen, eine Großmutter beobachtet ihr lachendes und tanzendes Enkelkind.

  • Zuerst kann sie aus der Ferne zusehen und den Anblick des kleinen Kindes, das Spaß hat, genießen.
  • Dann geht sie und umarmt das Kind. Es ist nicht genug nur aus der Ferne zu schauen. Sie muss das Kind anfassen.
  • Wenn das Kind sich weiter bewegt und tanzt, könnte die Großmutter das Kind küssen. In manchen Fällen kann die Großmutter das Kind stärker festhalten ohne es zu merken. Das Kind schreit vielleicht vor Schmerzen.
  • Dieses letzte Szenario ist ein Beispiel dafür, wie das Verlangen nach extremen Sinnvergnügen stattdessen zum Leiden führen kann. Natürlich ist es das Verlangen nach rauen Sinnesfreuden, das zum größten Leid führt.
  • Aber Leiden gibt es auch in den Rupi und Arupi Reichen. Sogar auf der Ebene der Arupi Brahmas – wo die Anhaftung nur für weichestes Rūpa (Dhamma) vorhanden ist – gibt es letztlich unvermeidliches Leiden. Spätestens wenn sie diese Existenz aufgeben und wieder ins Menschen-Reich zurückfallen.

11. Daher entspricht das Niveau des unvermeidlichen Leidens der „Dichte“ der Sinnkontakte.

  • Schmerzen und Krankheiten gibt es nur in den unteren 5 Reichen (einschließlich Menschen-Reich), wo es dichte physische Körper gibt. In den höheren Reichen fehlen diese. Das ist der Preis, den auch die Menschen für die Möglichkeit zahlen, „raue“ Sinnesfreuden wie eine Körpermassage, Sex, Essen und Geruch zu erleben.
  • Wir Menschen in Kama Lōka mögen „raue“ Sinnesfreuden. Darüberhinaus möchten wir diese Dinge „besitzen“, die Sinnesvergnügen bieten. Zum Beispiel mögen die Leute „eigene“ Ferienwohnungen. Es ist nicht genug, ein Haus an einem schönen Ort nur für den Besuch zu mieten.
  • Diese Tendenz zu „eigenen“ lustvollen Dingen geht auch in höheren Reichen zurück. Es gibt in Brahma Lōka weniger materielle Dinge zu besitzen, vor allem in den Arupi Brahma Reichen.

12. Während man höhere Stufen von Nibbana erreicht, geht das Verlangen nach „rauhen“ Sinnesfreuden, sowie der Wunsch nach „eigenen“ Sachen zurück.

  • Ein Sotapanna hat die Gefahren von Kama Assada nur „gesehen“. Er/sie genießt sie noch.
  • Ein Sakadāgami kann noch Kama Assada genießen, hat aber keine Lust, die Dinge zu besitzen, die Freude machen. Es ist genug in einem netten Mietshaus zu leben und es gibt keinen Wunsch ein schönes Haus zu besitzen. Ein Sakadagami kann deutlich die Last von „Besitz“ sehen.
  • Ein Anāgāmi hat kein besonderes Interesse daran Kama Assada zu genießen. Er/sie isst, um den Hunger zu stillen (wird aber leckere Speisen essen, wenn angeboten) und wird keiner Sinnesfreude den Vorrang geben, wenn er „Freude am Dhamma“ haben kann (Dhamma bedeutet hier Buddha Dhamma). Er/sie liebt auch jhanische Freuden und wird so in den für die Anāgāmis reservierten Rūpa-Reichen geboren.
  • Ein Arahant hat keine Lust auf jhanische Freuden und wird in keinem der 31 Reiche nach dem Tod wiedergeboren.

Jedes bewohnbare Planetensystem (Chakrāwāta) hat alle 31 Reiche der Existenz, auch wenn wir nur zwei Reiche (Mensch und Tier) in unserem sehen können.

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