Vier Stufen zu Nibbana

1. Die 31 Reiche sind in drei Hauptkategorien unterteilt, die auf den vorhandenen Sinnesfakultäten und dem Leidensniveau basieren:

  • Die untersten 11 Reiche gehören zu “Kämaloka“, wo alle fünf physischen Sinne vorhanden sind; “Käma” bedeutet Genuss von Sinnesfreuden via die fünf sinnlichen Fakultäten.
  • Wesen in den nächsten 16 Reichen haben nur zwei physische Sinne: Auge und Ohr. Sie haben weniger dichte Körper, und diese Untergruppe der Reiche heißt Rüpa Loka. In Rüpa Loka gibt es vor allem jhanische Freuden, die den ersten vier weltlichen Jhanas entsprechen, die auch von Menschen erreichbar sind. Es gibt relativ wenig Leiden in den Rupa Lokas.
  • Die höchsten 4 Reiche entsprechen den höheren arupa jhanischen Zuständen (Jhana 5 bis 8), die auch im menschlichen Reich erreichbar sind. So gibt es vor allem jhanische Glückseligkeit in diesen Reichen und relativ wenig Leiden. Diese Reiche sind allgemein bekannt als Arupa Loka, weil die Wesen sehr feine Körper ohne physische Sinne und nur den Geist haben.

2. Die Lebenszeiten der Wesen in Rupa Loka sind sehr lang, und in den Arupa Loka noch länger. Die Lebenszeit in den höchsten Arupa Lokas ist so lang, dass man es kaum erfassen kann (84.000 Äonen bzw. Maha Kalpas).

  • Das ist der Grund, warum die alten Yogis fälschlicherweise dachten, dass solche Reiche Nibbana entsprechen. Aber der Buddha (oder vielmehr Siddhartha Gautama), der das achte Jhana innerhalb von Monaten erreichte, nachdem er den Palast verlassen hatte und Asket wurde, erkannte, daß dieses Reich auch der vorübergehenden Existenz unterworfen ist, d.h. nicht dauerhaftem Glück entspricht. Auch diese lange Zeit ist in der sansarischen Zeitskala unbedeutend (siehe Sansarische Zeitskala).

3. Im menschlichen Reich kann man jhanische Vergnügen sowohl der Rupa als auch der Arupa Lokas erleben, indem man solche jhanischen Zustände über die Samatha-Meditation erreicht.

  • Darüber hinaus ist es möglich, in der nächsten Geburt Zugang zu Rupa und Arupa Lokas zu bekommen, indem man die entsprechenden Jhanas entwickeln und beim Tod in einem jhanischen Zustand ist. Wie ich verstehe, ist dies das Ziel der meisten hinduistischen Praktiken.

4. Der Buddha sagte, dass selbst der höchste jhanische Zustand vergänglich ist, und sobald die kammische Energie erschöpft ist, wird man in einem der anderen 31 Reiche wiedergeboren. Es ist sogar unvermeidlich, irgendwann in der Zukunft wieder in einem der niedrigsten Reiche geboren zu werden, wenn man nicht wenigstens die Sotapanna-Stufe erreicht.

  • Er sagte, dass viele Wesen (d.h. wir alle) wahrscheinlich in den höheren Arupa Lokas sowie im niedrigste Reich (Niraya) in der Vergangenheit geboren wurden. Sansara dauert schon so lange.

5. Aus dieser Diskussion ist klar, dass das meiste Leiden in den Kamalokas zu finden ist. Aber das Problem ist, dass die Wesen während ihrer endlosen Reise in Sansara die meiste Zeit in Kamaloka verbringen.

  • Der Buddha gab ein Gleichnis, um diese Situation zu beschreiben. Wir verlassen unser zu Hause nur kurz oder etwas ausgedehnter für eine Reise. Aber wir kommen immer wieder nach Hause. Der Buddha sagte, dass die vier niedrigsten Reiche (die Apayas) das Zuhause für die meisten Lebewesen sind.

 

Leiden in Kamaloka

1. Das Leiden in Kamaloka reicht von unergründlichem Leiden im niedrigsten Reich, der Niraya (Hölle), bis hin zu relativ wenig Leiden und höchsten Sinnesvergnügen in den Deva Lokas (die höchsten 6 Reiche in Kama Loka).

  • Gerade unterhalb der Deva Lokas gibt es das Menschen-Reich mit Leiden und Sinnesfreuden auf etwa gleichem Niveau.
  • Unter dem Menschen-Reich gibt es Preta Loka (hungrige Geister), Asuras, Tierreich und die Nirayas. Das Niveau des Leidens erhöht sich in dieser Reihenfolge.

2. Die niedrigsten vier Reiche in Kama Loka werden zusammen die Apayas genannt (die unerwünschten oder elenden Reiche). Mehr als 99% der Wesen sind in diesen vier Reichen gefangen. Wenn man jedoch einmal in einem dieser vier Reiche geboren ist, ist es fast unmöglich wieder rauszukommen.

  • Die Natur der Existenz in diesen Reich ist jedoch so, dass man gezwungen ist, apunnabhi Sankhara oder schlechte Handlungen zu begehen. Zum Beispiel müssen Tiere zum Überleben töten. In der Niraya ist praktisch jeder Gedanke von Hass erfüllt, wegen des unaufhörlichen Leidens.
  • Wenn wir Abhidhamma analysieren, werden wir sehen, dass die Javana der Cittas von Tieren viel weniger potent ist und somit die kammische Energie dieser Handlungen im Vergleich zur kammischen Energie solcher Handlungen durch Menschen relativ klein ist. Das ist ein wichtiger Punkt, den ich in Zukunft diskutieren möchte.

3. So wie es wahrscheinlich ist, dass wir in den höheren Rupa Lokas in der Vergangenheit geboren wurden, ist es noch sicherer, dass wir alle in den Apayas waren. Zum Glück erinnern wir uns nicht an die vergangenen Leben.

  • Aber in gewissen Reichen (besonders dem Preta-Reich) erinnern sich die Wesen an ihre vergangenen Leben und das erhöht das Leidensniveau.

 

Warum wir uns jetzt anstrengen müssen

1. Aus der obigen Diskussion ist klar, das größte Leiden findet sich in den vier untersten Reichen. Grundsätzlich gibt es relativ wenig Leiden oberhalb des Menschen-Reichs, nämlich in den Deva Loka (den höchsten Reichen innerhalb Kama Loka).

2. Obwohl das Leiden in den unteren vier Reichen am höchsten ist, sind die Wesen dort hilflos, etwas dagegen zu tun. Ihre begrenzten Geiste sind nicht fähig, die Ursachen für das Leiden zu erfassen.

  • Viele Menschen glauben fälschlich, dass man Leiden fühlen muss, um es zu verstehen und einen Anreiz zu haben Nibbana zu suchen. Aber wenn man wirklich leidet (z.B. wenn man alt wird) ist es nicht möglich, die tiefen Konzepte des Dhamma klar zu kontemplieren.
  • Die Wahrheit über das Leiden muss mit Weisheit (Panna) gesehen werden, nicht über Gefühle (Vedana), d.h. durch das Verstehen der vollständigen Weltanschauung und der drei Charakteristiken dieser “größeren Welt”: anicca, dukkha, anatta.

3. Wesen in den Reichen oberhalb des Menschen-Reiches (ab den Deva-Reichen) fühlen nicht einmal viel Leid. Das ist das andere Extrem: es gibt keinen Anreiz für sie, sich wegen Leiden zu sorgen. Das einzig wirkliche Leiden dort erfahren sie gegen Ende ihrer Lebenszeit: sie erkennen, dass sie sterben und werden traurig.

4. So ist man im menschlichen Reich dem Leiden ausgesetzt, wenn auch nicht viel. Darüber hinaus ist der menschliche Geist am besten geeignet, die wahre Natur “dieser Welt mit 31 Reichen” zu erfassen, d.h. die drei Charakteristiken (siehe Anicca, Dukkha, Anatta). Deshalb hat der Buddha gesagt, dass ein Mensch diese Gelegenheit nicht verpassen sollte Nibbana zu erreichen.

 

Die vier Stufen zu Nibbana

1. Die erste Stufe von Nibbana wird durch das “Sehen” (nicht nur lesen, sondern tatsächlich erfassen) der wahren Natur der Existenz erreicht: Anicca, Dukkha, Anatta.

  • Man muss zuerst von jemandem lernen (wie von dieser Webseite): die Natur des Seins mit den 31 Reichen, das ziellose Wandern eines Wesens durch endlose Wiedergeburten (Sansara), die Gründe für die Wiedergeburt usw.
  • So müssen die wichtigsten Themen verstanden werden: die drei Merkmale, die vier edlen Wahrheiten und der edle Achtfache Pfad. Niemand außer ein Buddha ist fähig diese zu finden und deshalb ist es wichtig das REINE DHAMMA kennenzulernen.

2. Auf der ersten Stufe (Sotapanna oder Stromeintritt) versteht man teilweise die Gültigkeit der Weltanschauung des Buddhas. Das nennt man Samma Ditthi (Beseitigung von Verunreinigungen durch klare Sicht). Samma Ditthi muss zu einem erheblichen Maß vorhanden sein. Ein Sotapanna versteht die “wahre Natur” des Daseins: Wichtigkeit und wahre Bedeutung der drei Charakteristiken des Daseins (siehe Anicca, Dukkha, Anatta).

3. Die Erkenntnis, dass es sich nicht lohnt und sinnlos ist, in irgendeinem der 31 Reiche auf lange Sicht zu bleiben, führt zu einem moralischen Leben. Der Geist trifft die Entscheidung, dass es sich nicht lohnt oder nützlich ist, jene unmoralischen Handlungen zu tun, die zur Geburt in den unteren vier Reichen führen.

  • Diese Erkenntnis führt zu einem Sotapanna Phala Citta (ein Gedankenmoment der Realisierung der Sotapanna-Stufe). Wenn das erreicht ist, wird man nie wieder in den unteren vier Reichen wiedergeboren werden (“frei von Leiden in den Apayas für immer”)

4. In diesem Stadium hat man die erste Edle Wahrheit des Leidens (Dukkha) erkannt, und man beginnt ernsthaft auf dem Edlen Achtfachen Pfad. In diesem Stadium hat man immer noch Gier und Hass in abgeschwächter Form (Rage, Pathiga). Auf der nächsten Stufe (Sakadagami) verliert man noch mehr von der Kraft solch gieriger oder hasserfüllter Gedanken.

  • Ein Sakadagami ist nicht vollständig aus dem Kama Loka befreit, da er/sie im Deva Loka wiedergeboren wird (aber nicht im Menschen-Reich).
  • Im Deva Loka (und in den Brahma-Reichen darüber, wo ein Sakadagami später geboren werden kann) sind die Körper keinen Krankheiten ausgesetzt. Deshalb soll ein Sakadagami “gesund für immer” sein (das taucht später in der Edlen Form von Metta Bhavana wieder auf).

5. Wenn die dritte Stufe Anagami (Nicht-Wiederkehrer) erreicht ist, verliert der Geist jeden Wunsch in Kama Loka geboren zu werden. Man ist nicht fähig irgendwelche gierigen oder hasserfüllten Gedanken des Kama Loka zu erzeugen (man soll “glücklich und friedlich für immer” sein) und man wird nur noch einmal in einer höheren Brahma-Welt geboren, die für die Anagamis reserviert ist.

6. Durch alle diese drei Stufen wird Avijja oder Ignoranz allmählich reduziert. Aber sie wird erst auf der Arahant-Stufe völlig entfernt

  • Sobald die Arahant-Stufe erreicht ist, wird der Geist total rein (anidassana Vinnana oder Panna wird erreicht) und man ist unfähig, irgendetwas “in dieser Welt mit 31 Reichen” zu begehren. Es gibt  keine Wiedergeburt mehr und man erreicht das vollkommene Glück, den Gipfel von Niramisa Sukha.

 

Warum ein moralisches Leben nicht verhindert, in den vier unteren Reichen geboren zu werden

1. Wir klammern uns verzweifelt an “Dinge in dieser Welt”, weil wir die Wahrnehmung haben, dass dauerhaftes Glück erreicht werden kann. Wir begehren die Sinnesfreuden. Wie bereits erwähnt, gibt es nichts oder niemand, der uns in dieser Welt von 31 Reichen hält. Wir klammern uns an die Existenz in diesen Reichen wie ein Oktopus, der seine Beute mit allen acht Beinen ergreift.

2. Auch einige Buddhisten würden gern ein bisschen länger in dieser Welt bleiben. Sie erkennen nicht das Niveau des Glücks, das mit der nibbanischen Glückseligkeit verbunden ist.

  • Ein bekannter Segen, der von einigen buddhistischen Mönchen gegeben wird, geht auch heute noch so: “Mögest du in wohlhabenden (Deva oder Menschen) Reichen wiedergeboren werden und dann Nibbana erreichen”. Auch sie verstehen nicht das ständige Glück verbunden mit Nibbana oder die Möglichkeit des viel größeren Leidens schon in der nächsten Geburt.

3. Die Gefahr in solch einem Denken beruht auf folgendem Grund: Wir alle haben sowohl gute als auch schlechte Taten im Leben begangen und haben unzählige Kamma-Samen (sowohl gut als auch schlecht) erworben. Beim Tode ist es für jeden dieser Samen möglich, dass er Früchte trägt: Wenn es ein guter Kamma-Samen ist, bekommt man eine gute Geburt, aber wenn es ein schlechter Kamma-Samen ist, bekommt man eine schlechte Geburt.

4. Unsere zukünftigen Geburten sind nicht zwangsläufig dadurch bestimmt, wie wir dieses Leben führen, weil wir in früheren Leben unzählig gutes und schlechtes Kamma gemacht haben.

  • Aus diesem Grund hat der Buddha gesagt, dass selbst wenn man ein vollkommen moralisches Leben lebt, er nicht sagen kann, dass man eine gute Wiedergeburt haben wird. Ein Sotapanna hat all diese schlechten Kamma-Samen, die eine schlechte Geburt ergeben könnten, unwirksam gemacht.
  • Der Buddha sagte auch, dass selbst wenn man unmoralisch lebt, das auch nicht unbedingt zu einem schlechten Leben in der nächsten Geburt führt, es sei denn, ein anantariya Kamma (ein extrem schlechtes Kamma wie das Töten der Eltern) wurde begangen. Doch diese schlechten Taten werden in der Zukunft Früchte tragen. Es ist nur so, dass es viele gute sowie schlechte Samen in jedem Lebensstrom gibt.
  • So sollte das Ziel dieses Lebens sein, wenigstens die Sotapanna-Stufe von Nibbana zu erreichen.

 

 

 

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