Lobha, Raga und Kamaccanda, Kamaraga

Es gibt in Pali verschiedene Namen für Gier. Jeder hat eine andere Bedeutung und die Unterschiede sind signifikant.

1. Zuerst zum Unterschied zwischen Lobha und Rāga.

Lobha ist der stärkere Begriff der beiden. In tieferen Sinn ist Lobha der Hauptgrund für das Entstehen der materiellen Welt (lo + bha, mit lo = lokaya oder „Welt“ und bha = bihiveema oder „entstehen“).

Lobha  ist die extreme Form von Gier, was auch Papa Kamma erzeugt (siehe Kusala und Akusala Kamma, Punna und Papa Kamma), was zur Wiedergeburt in den Apāyas führt. Lobha hat man auf zwei Arten:

  1. Man wünscht für sich alle „Schätze“ und nichts für die anderen (vielleicht hat man schon genug, will aber mehr).
  2. Man ist nicht bereit, mit anderen zu teilen, nicht mal mit der eigenen Familie.

Es ist schwer zu quantifizieren, aber die Idee von Lobha ist eine übermäßige Anhaftung an weltliche Dinge.

  • Lobha ist eins von 52 Cetasika (geistige Faktoren). Es wird in Stufen entfernt. Kāmaccanda wird auf der Sotapanna-Stufe entfernt. Es bedeutet „von Verlangen nach Sinnesvergnügen geblendet“ (Kāma = Sinnesvergnügen + icca = mögen + anda = geblendet). Kāma Rāga wird auf der Sakadagami-Stufe reduziert und auf der Anagami-Stufe beseitigt. Rūpa Rāga und Arūpa Rāga werden erst auf der Arahant-Stufe entfernt.

3. Raga (ra = Verlangen, ga = berühren oder binden) bedeutet den Glauben, dass der Aufenthalt in Sansara Vergnügen einbringt und somit möchte man weltliche Freuden genießen.

  • Wenn man reich geboren wird (oder Reichtum erwirbt) und das Leben genießt, ist das nicht Lobha, es ist aber Rāga. Eine solche Person schadet nicht anderen, um Sinnesfreuden zu genießen. Sie könnte aber trotzdem auch Lobha haben. Denn egal wieviel man schon hat, man könnte noch mehr verlangen.
  • Mit Lobha handelt man sehr unmoralisch (auch wenn man reich ist). Wenn man bereit ist zu töten, zu stehlen, zu lügen, um etwas Ersehntes zu bekommen, dann erwirbt man apāyagami Kamma. Man muss nicht unbedingt verbal oder körperlich handeln, es reicht darüber in unmoralischer Weise nachzudenken und akusala Abhisankhara zu erzeugen (d.h. planen oder solche Gedanken genießen). So kann selbst die ärmste Person Lobha haben.
  • Selbst die Devas in Deva Loka haben Rāga. Sie mögen Sinnesfreuden, aber sie sehnen sich nicht nach Besitz anderer; sie haben kein Lobha.

4. Dann unterscheidet man noch zwischen Kāmaccanda und Kāma Rāga, wiederum in abnehmender Reihenfolge der Bindung an Kāma Loka. Kama ist die Anhaftung an Sinnesfreuden in Kāma Loka.

  • Kāmaccanda (Kāma + icca + anda) ist die höchste Stufe der Anhaftung. Hier ist man bereit, abscheuliche Taten zu begehen (Töten, Raub, Vergewaltigung, usw.). Mit Kāmaccanda ist man sich der schlimmen Folgen eigener Handlungen nicht bewusst. Man verliert sozusagen den Verstand, wenn man von Gier nach Sinnesbefriedigung geblendet ist. Rationales Denken setzt aus.
  • Man muss darauf achten, dass Kāma Raga nicht zu Kāmaccanda wird.

5. Mit Kāma Rāga mag man Sinnesfreuden genießen, aber nicht auf Kosten der Anderen. Sexuelle Aktivität zwischen Ehemann und Ehefrau basiert auf Kāma Rāga.

  • Unangemessene sexuelle Aktivität (außerhalb der Ehe sowie Vergewaltigung) wird mit Kāmaccanda getan, d.h. geblendet von Kāma.

6. Diese verschiedenen Ebenen der Gier werden auf den Stufen zu Nibbana entfernt.

  • Ein Sotapanna hat Kāmaccanda und schlimmste Formen von Lobha dauerhaft entfernt. Er/sie wird sich nicht in apāyagami Handlungen betätigen, um Sinnesfreuden zu gewinnen. Ein Sotapanna hat noch immer Kāma Rāga.
  • Ein Sakadagami hat Kāma Rāga weiter reduziert.  Darum wird er noch ein weiteres Mal in Kama Loka wiedergeboren (aber nicht mehr als Mensch).
  • Ein Anagami hat Kāma Rāga entfernt und wird nicht mehr in einem der 11 unteren Reiche von Kāma Loka geboren. Er/sie wird in Rūpa Loka (Reich 23-27) wiedergeboren und erreicht dort Nibbana.
  • Ein Anagami  kann immer noch Sinnesfreuden genießen (aber nicht daran anhaften), d.h. er/sie hat noch Kāma. Dies ist ein subtiler Punkt. Ein Anagami erzeugt noch immer die „vier Gier basierten Citta ohne Micca Ditthi“. Das ist Kāma. Diese vier akusala Citta werden erst auf der Arahant-Stufe verhindert.

7. Einige könnten den Wunsch nach Sinnesvergnügen in Kāma Loka aufgeben, aber andererseits jhanische Vergnügen mögen. So haben sie Rūpa Rāga und Arupa Rāga (d.h. die Vorliebe für den Gedankenstrom in Rūpa Loka und Arūpa Loka). Rūpa Rāga und Arūpa Rāga werden erst auf der Arahant-Stufe entfernt.

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