Buddhismus und Evolution – Aggañña Sutta (DN 27)

Einführung

1. Aggañña Sutta ist eine von mehreren komplexen Suttā, die einer langen Erklärung bedürfen. Um die Sutta zu verstehen, muss man gutes Hintergrundwissen zum Buddha Dhamma haben. Ich war sehr zurückhaltend, diesen Text zu schreiben, da bei vielen Menschen ohne Hintergrundwissen zu viele Fragen aufkommen.

  • Agga bedeutet „am höchsten“ und aggañña bedeutet „höchstes Wissen“, in diesem Fall über unsere Welt.
  • Der Buddha lehrte die Aggañña Sutta zwei Brahmanen (Vāseṭṭha und Bhāradvāja), um die „Ursprünge des Menschen“ zu erklären.
  • Ich weise darauf hin, dass einige Merkmale im Widerspruch zu bestehenden „wissenschaftlichen Theorien“ stehen. Bitte vergleichen Sie nicht das hier Erklärte mit dem aktuellen Wissensstand der Forschung. Auch deshalb habe ich diesen Text nur ungern geschrieben. Zumindest kann man aber sehen, wie selbstkonsistent Buddha Dhamma ist.

Überblick zur Aggañña Sutta

2. Zusammenfassung:
(i). Das Universum hat keinen erkennbaren Anfang, genau wie das Leben.
(ii). Das Universum enthält Cluster bzw. Gruppen von Sternen. Unser Sonnensystem ist eines von 10.000 Systemen (cakkavāla bzw. Planetensystem/Sonnensystem, chakrawāta in Singhalesisch). Es gibt unendlich vieler solcher Cakkavāla im Universum.
(iii). Wenn in wenigen Milliarden Jahren ein Stern in der Nähe unserer Sonne explodiert, zerstört diese Explosion 10.000 weitere Sonnensysteme in der Nachbarschaft. So eine „Sternenexplosion“ nennt die Wissenschaft Supernova (Plural: Supernovae).
(iv). Solche Cluster explodieren von Zeit zu Zeit im Universum. Wissenschaftler beobachten jedes Jahr solche Supernovae.
(v). Diese zerstörten Sonnensysteme formieren sich über Milliarden Jahre erneut.
(vi). Nicht alle 31 Reiche eines Sonnensystems werden in einer Supernova zerstört. Höher liegende Brahma-Reiche überleben (in denen gibt es nur sehr wenig „zerstörbare Materie“). Dort überleben alle Lebewesen dieser Erde.
(vii). Wie alle Lebewesen in diese Brahma-Reiche gelangen, ist eine lange Geschichte für sich.
(viii). Wenn sich die Erde neu formiert, werden diese Brahmā am Ende ihres Lebens in diesen Reichen zunächst als Menschen mit sehr leichten Brahma-ähnlichen Körpern wiedergeboren.
(ix). Ab dann entwickelt sich das Leben auf der Erde hin zu anderen Lebensformen. Es ist eine „umgekehrte Evolution“ im Vergleich zur bekannten „Evolutionstheorie“, die derzeit von der Wissenschaft akzeptiert wird. Nach Milliarden von Jahren wird alles Leben in den Reichen unterhalb vom Ābhassara Brahma Reich wieder zerstört. Nach weiteren Milliarden Jahren reformiert sich die Erde erneut.
(x). Das ist der Kreislauf des Lebens. Es passiert zu jeder Zeit im ganzen Universum. Aus diesem Grund beobachten Wissenschaftler jedes Jahr mehrere Supernovae, sogar in unserer Galaxie (die Milliarden Cakkavāla enthält).

Modell des Universums

3. Leben existiert in einer unendlichen Anzahl von Sonnensystemen, in denen ein Stern die Energie für Leben bereitstellt. In unserem Sonnensystem existiert Leben in 31 Reichen, ausgerichtet auf die Erde (im Inneren, auf der Oberfläche und in den Weltraum reichend). Natürlich ist die „Sonne“ unser Stern.

  • Im Text 31 Reiche der Existenz sind diese 31 Reiche aufgeführt. Die Informationen dort stammen von mehreren Suttā. Insbesondere die Dhammacakkappavattana Sutta nennt viele dieser Reiche. Die meisten Übersetzungen der Sutta überspringen diesen Abschnitt. Hier eine PDF-Datei mit dem vollständigen Text: Dhammacakkappavattana-Sutta

4. Ein Buddha erscheint nur in einem Cakkavāla aus dieser Gruppe mit 10.000 Cakkavāla. Das ist unsere Erde. Brahmā und Deva aus diesen 10.000 Sonnensystemen (dasa sahassi lokadhātu) können herkommen und Buddha Dhamma hören.

  • Natürlich haben Menschen in den anderen Cakkavala keinen Zugang zum Buddha Dhamma. Es ist also extrem selten, dass ein Mensch Zugang zum Buddha Dhamma hat. Es gibt viele Mahā Kappā, ohne dass ein einziger Buddha erscheint!

Modell des Sonnensystems (Cakkavāla)

5. Die Dauer eines großen Äons (Mahā Kappa) ist unvorstellbar lang. Der Buddha gab das folgende Gleichnis: In dieser Zeit kann ein Mensch einen Berg aus massivem Granit abtragen (1 Yojanā bzw. 11 km umlaufend und 1 Yojanā hoch), indem er/sie den Berg alle 100 Jahre einmal mit einem Seidentuch streichelt.

6. Ein Mahā Kappa besteht aus 4 Antakkappa (oder einfach Kappā), wie in der Kappa Sutta (AN 4.156) erklärt:

Cattārimāni, bhikkhave, kappāsa asaṅkhyeyyāni. Katamāni cattāri? Yadā, bhikkhave, kappo saṃvaṭṭati,..kappo saṃvaṭṭo tiṭṭhati,..kappo vivaṭṭati,..kappo vivaṭṭo tiṭṭhati, ..”

  • „Es gibt vier unkalkulierbare Kappā. Die Zerstörung dauert ein Kappa, dann bleibt es für ein Kappa in diesem Zustand (leer), die Neuformierung dauert ein Kappa und es existiert dann in diesem Zustand für ein Kappa.“
  • In dieser letzten Phase befindet sich die Erde gerade.

7. Die Erde und das gesamte Sonnensystem durchlaufen diesen zyklischen Prozess, der ungefähr 40 Milliarden Jahre pro Zyklus dauert, d.h. ein Mahā Kappa.

  • Das Sonnensystem wird voraussichtlich für weitere 5 Milliarden Jahre bestehen. Somit dauert das letzte Kappa vor der Zerstörung ungefähr 10 Milliarden Jahre.
  • Die anderen drei Kappā dauern auch jeweils 10 Milliarden Jahre. Das ergibt die Zeit für einen vollständigen Zyklus von grob 40 Milliarden Jahren.
  • Dieser Zyklus wiederholt sich immer wieder. Es gab keinen „Urknall“ (was die Wissenschaft heute aber annimmt).

Migration von Lebewesen bei Zerstörung/Neuformierung der Erde

8. Die Sonne wird sich zum Ende dieses Kappa in ein paar Milliarden Jahren aufblähen und der Erde sehr nah kommen bzw. die Erde verschlucken. Lange vorher wird alles Leben auf der Erde zerstört sein.

  • Was passiert mit all den Lebewesen? Menschen und Tiere leben an der Erdoberfläche. Wesen der anderen drei unteren Reiche leben an der Oberfläche oder darunter. All diese Lebewesen werden zugrunde gehen. Es ist eine lange Erklärung notwendig, aber all diese Wesen bewegen sich in höhere Reiche, wenn sich die Erde unaufhaltsam aufheizt.

9. Deva- und Brahma-Reiche liegen über der Erdoberfläche. Aber die „Dichte“ dieser Reiche liegt weit unter der vom Menschenreich oder den Apaya. Deva-Körper sind weit weniger dicht als Menschenkörper. Brahma-Körper sind noch „luftiger“.

  • Von der Wissenschaft lernen wir, dass „dichtere Dinge“ zuerst brennen. Zum Beispiel kann man in einer Müllverbrennungsanlage alles verbrennen, was dicht genug ist. Aber Gase wie Stickstoff lassen sich nicht so leicht verbrennen. Sie zersetzen sich nicht so einfach.
  • In den Deva- und Brahma-Reichen gibt es praktisch nicht viel von dem, was wir „feste Materie“ nennen. Was auch immer da ist, es wird allmählich zerfallen und durch „feinere Materie“ ersetzt. Natürlich haben alle Wesen in diesen Reichen lange, aber endliche Lebensdauern.
  • Alle Reiche ab dem Ābhassara Brahma-Reich aufwärts werden in der Zerstörungsphase nicht zerstört. Deshalb sind die Lebenszeiten einiger Brahmā viele Mahā Kappā.

10. Schließlich werden alle Reiche unterhalb des Ābhassara Brahma-Reichs zerstört. Zu diesem Zeitpunkt sind alle Lebewesen dieser unteren Reiche in das Ābhassara Brahma-Reich „gewandert“.

  • Wie wandern all diese Lebewesen, einschließlich der Wesen in den Apāyā, in höhere Reiche? Es hängt mit der Tatsache zusammen, dass all die Objekte, welche die Sinne erfreuen, beim Aufheizen der Erde im Laufe der Zeit zerstört werden. Die Lebewesen werden immer weniger „Sinnesfreuden“ haben und somit wird ihr Geist vorübergehend frei von upādāna (ergreifen und nah bei sich halten).
  • Auch das bedarf einer detaillierten Erklärung, aber mit dem Verstehen von Paṭicca Samuppāda kann man sich das zumindest im Ansatz vorstellen.

11. Wenn sich etwa 30 Milliarden Jahre nach der Zerstörung eine neue Erde formt, werden diese Brahmā in die dann neu gebildeten tieferen Reiche zurückkehren.

  • Das muss auch erklärt werden. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass mit der Zeit alte Gati/Asava auftauchen und den „Abwärtspfad“ in Form von Paṭicca Samuppāda-Zyklen sicherstellen.

Konflikte mit aktuellen wissenschaftlichen Theorien

12. Jetzt stoßen wir sofort auf Schwierigkeiten in Bezug auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse der Erdgeschichte. Nach heutigem Verständnis erschienen die ersten Menschen erst vor grob 2 Millionen Jahren.

  • Daher ist das, was wir oben beschrieben haben, eine „umgekehrte Evolution“ im Gegensatz zur bekannten „Evolutionstheorie“.
  • Bisher hat Buddha Dhamma solchen „Widersprüchen“ standgehalten. Siehe Dhamma und Wissenschaft.

13. Zum Beispiel war vor 500 Jahren die akzeptierte „Weltanschauung“, dass sich die Erde im Zentrum des Universums befindet und alle Sterne in eine „Himmelskugel“ eingebettet sind.

  • Galileo Galilei verbrachte den Rest seines Lebens im Hausarrest, nachdem er Beweise dafür vorgelegt hatte, dass sich die Erde um die Sonne dreht.
  • Heutzutage wird man nicht mehr strafrechtlich verfolgt, wenn man eine wissenschaftliche Theorie vorschlägt. Doch diese Theorie wird von der wissenschaftlichen Gemeinschaft ggf. nicht ernst genommen.
  • Experimente/Beobachtungen liefern neue Beweise und ändern eine bisher akzeptierte wissenschaftliche Sichtweise. Zum Beispiel fand die obige Änderung des Weltbildes nach der Erfindung des Teleskops durch Galileo statt. Damit machte die Wissenschaft Fortschritte.
  • Wenn man jedoch Buddha Dhamma versteht, kann man die Welt besser verstehen.

Die Seltenheit von Buddha Dhamma

14. Es gab bisher vier Buddhas in diesem Mahā Kappa, und es wird erwartet, dass ein weiterer Buddha noch vor der Zerstörung dieser Erde und des Sonnensystems erscheint.

  • Nach weiteren ca. 30 Milliarden Jahren wird eine neue Erde in diesem zyklischen Prozess existieren (nicht dieselbe Erde).

15. In der Vepullapabbatta Sutta (SN 15.20) gibt der Buddha die Namen der drei Buddhas vor ihm bekannt (in diesem Mahā Kappa): Kakusandha, Koṇāgama, Kassapa. Er beschreibt, wie ein bestimmter Berg zur Zeit des jeweiligen Buddha verschiedene Namen und Höhen hatte.

  • Diese Buddhas lebten auf dieser Erde zu Zeiten, die weit auseinander lagen. Wenn man bedenkt, dass das Alter der Erde ungefähr 4,5 Milliarden Jahre beträgt, ist anzunehmen, dass sie ungefähr je eine Milliarde Jahre voneinander entfernt lebten.
  • Ein Beweisstück zu früheren Buddhas findet sich im Tipitaka in der Māgandhiya Sutta (MN 75). Dort erklärt der Buddha dem Māgandhiya Brahmin, dass ein bestimmtes Zitat vom Buddha Kassapa zuvor gelehrt wurde. Es war dem Māgandhiya Brahmin von seinem Lehrer bekannt, der es aus den vedischen Texten kannte (mit oberflächlichen Bedeutungen). Es geht hier bei um das Gātha (Zitat): arōgyā paramā lābhā...

16. Die Existenz von Buddha Kassapa vor Buddha Gōtama hilft dabei, viele Fragen zu klären, die zum Zusammenhang zwischen vedischen und buddhistischen Begriffen bestehen. Beispiele sind Kamma (Karma), Bhikkhu (Bhikshu), Paññā (Pragnā), Jhāna (Dhyāna) und so weiter.

  • Nach dem Ende des Kassapa Buddha Sāsana wurden seine Lehren als vedische Lehren weitergegeben, natürlich ohne die tiefen Bedeutungen.
  • Ein gutes Beispiel ist Ānāpāna Bhāvanā, was als „Atemmeditation“ übertragen wurde.
  • Nachdem Buddha Kassapas Interpretationen während der Zeit des Buddha Gotama wiedererlangt wurden, hat sich aktuell die vedische Deutung abermals durchgesetzt. Das wird hoffentlich in den kommenden Jahren überarbeitet. Trotzdem wird später auch die korrekte Interpretation wieder verschwinden und erst in der fernen Zukunft durch Buddha Maitreya wiederentdeckt werden.

17. In den letzten 91 Mahā Kappā gab es nur 7 Buddha. Siehe Mahapadana Sutta (DN 14).

  • Vor dem aktuellen Mahā Kappa gab es 30 Mahā Kappā ohne einen einzigen Buddha. Das sind 1200 Milliarden Jahre bzw. 1,2 Billionen Jahre!
  • Selbst in diesem Kappa wird das Gōtama Buddha Sāsana nur 5000 Jahre andauern, eine vernachlässigbare Zeit in Relation zu einem Kappa. Deshalb sollten wir diese seltene Gelegenheit nicht verpassen.

Ursprung der Welt – Grenzen der Untersuchung

18. Der Geist ist natürlich neugierig. Wir wollen alles wissen, besonders über diesen wundersamen Ort namens Universum. Es ist umwerfend und aufregend gleichzeitig. Als ich aufwuchs, verbrachte ich viel Zeit damit, das Universum und seine Ursprünge zu verstehen.

  • Moggallāna, der mit seinen psychischen (abhiññā) Kräften gleich nach dem Buddha kam, wollte das Universum erkunden und selbst sehen, wie weit er gehen konnte. Dabei ging er verloren! Der Buddha musste zu seiner Rettung kommen.
  • Dann gibt es den Bericht über den Yogi Rohitassa, der Abhiññā-Kräfte entwickelt hatte. Er wollte das Ende der Welt sehen und machte sich auf die Suche, ging auch verloren und starb. Er wurde als Deva wiedergeboren, besuchte den Buddha und erzählte dem Buddha von seiner Suche. Siehe Rohitassa Sutta.

19. Kosmologie ist eines der vier Dinge, die der Buddha als „undenkbar“ (acinteyya) bezeichnete. Siehe Acinteyya Sutta (AN 4.77):

„Es gibt diese vier Dinge, über die man keine Vermutungen anstellen sollte und die jedem, der spekuliert, Angst und Wahnsinn bringen. Welche vier? (i) die Fähigkeiten eines Buddha, (ii) die Fähigkeiten im Jhānā, (iii) detaillierte Kenntnisse über Kamma/Kamma Vipāka, (iv) Ursprünge der Welt (Kosmologie).

  • Man kann ein Leben lang in die Details dieser Themen schauen und nirgendwo ankommen.
  • Wie oben gesehen, kann man jedoch Erkenntnisse gewinnen, wenn man eine grobe Vorstellung von diesen Themen hat. Man gerät jedoch in Schwierigkeiten, wenn man alle Details finden will.

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