Unterschied zwischen “Aufgeben von Wertvollem” und “Verlust des Interesses an Wertlosem”

1. Solange man etwas als wertvoll erachtet, ist es nicht leicht, darauf zu verzichten. Man wird sich Mühe geben um sicherzustellen, dass es einem erhalten bleibt.

  • Wenn der Geist sieht, dass etwas nutzlos oder wertlos ist, warum sollte man es dann erhalten? Man wird es bereitwillig aufgeben.
  • Die Wahrnehmung der „Welt da draußen“ und „was wertvoll ist und was nicht“ hängt vom Geist ab. Auch wenn wir als Menschen einen Haufen Kot mit Abscheu betrachten, würde ein Hund oder ein Schwein es genüsslich essen. Ein Hund hat kein Verlangen nach Gold und schönen Kleidern.
  • Während einige Menschen mit Vergnügen Tiere quälen, sind die anderen angewidert davon. Es hängt von der Ebene des Verstehens ab. Ein gereinigter Geist sieht die Dinge aus einer besseren Perspektive.

2. Das übliche Denken über Buddhismus geht etwa so: „Der Buddha sagte, dass dieser Wiedergeburtsprozess voller Leiden ist und um das zu stoppen, müssen wir alles in dieser Welt aufgeben. Aber das ist nicht so einfach. Ich mag so viele Dinge und genieße das Leben. Vielleicht erreiche ich Nibbana lieber in einem zukünftigen Leben“.

  • Das ist eine falsche Interpretation von Buddhas Botschaft. Der Buddha sagte, dass „dieser Wiedergeburtsprozess voller Leiden ist“. Er forderte von niemandem alles aufzugeben. Sein einziger Rat war, „die wahre Natur dieser größeren Welt mit 31 Reichen zu verstehen, die durch anicca, dukkha, anatta charakterisiert wird, und die damit verbundenen Gefahren“.
  • Wenn man wirklich die wahre Natur der Welt versteht, wird der Geist die Sinnlosigkeit weltlicher Dinge sehen. Nekkhamma oder „Aufgeben“ passiert nicht mit Gewalt. Es geschieht automatisch, wenn man die wahre Natur „dieser Welt“ begreift.

3. Wenn man die obigen wenigen Zeilen versteht, dann weiß man mehr über Buddha Dhamma als 90% der „Buddhisten“. Selbst viele Theravada Bhikkhus sagen: „Mögest du Nibbana nach dem Genuss zukünftiger Leben in Deva-Lokas erreichen”, oder „Mögest du viele weltliche Vergnügungen haben und Nibbana erreichen, wenn der nächste Buddha [Maitreya (Sanskrit), Metteyya (Pali)] in der Welt erscheint“. Sie verstehen offenbar nicht die Gefahren des Wiedergeburtsprozesses.

  • Dies steht im krassen Gegensatz zu Buddha Gotamas letzten Worten, „appamadena sampadeta“ bzw. „strebt fleißig und begreift San (und erreicht Nibbana)“, weil dieser Wiedergeburtsprozess unvorstellbare Gefahren birgt. Auch wenn wir ein vollkommen moralisches Leben führen, wissen wir nicht, welches Kamma zur Wirkung kommt und somit gibt es keine Möglichkeit, eine gute Wiedergeburt zu garantieren.
  • Das Leben als Mensch mit vielleicht 100 Jahren ist nur ein Augenblick im Vergleich zu Billionen Jahren in zukünftigen Leben (es sei denn, man erreicht Nibbana). Aber es ist auch unvorstellbar wertvoll, weil wir sehr selten als Mensch geboren werden und die meisten Lebewesen in den untersten vier Reichen leben. Siehe Wie der Buddha die Chance der Wiedergeburt im Menschen-Reich beschrieb.

4. Buddha Dhamma dreht sich um die Reinigung des Geistes, damit man die wahre Natur dieser Welt begreifen kann. Die einzigen Dinge, die man tun muss, sind ein moralisches Leben zu führen, die zehn Verunreinigungen zu vermeiden (Dasa Akusala) UND Dhamma zu lernen, insbesondere das Verstehen der drei Merkmale anicca, dukkha, anatta. Alles andere wird sich dann finden.

  • Wenn man seinen Geist reinigt, wird man klar erkennen, dass die wertvoll geglaubten Dinge überhaupt nicht wertvoll sind und das Verlangen danach viel Leid in der Zukunft bringt. Aber man kann nicht diesen Rat selbst von einem Buddha annehmen und mit Gewalt umsetzen. Der Geist muss es sehen.
  • Man kann Sicherheitsvorkehrungen treffen, um ein „Juwel“ zu schützen, den man als wertvoll erachtet. Aber wenn der Edelstein von einem Experten als wertlos befunden wird, verliert man die Anhaftung sofort. Aber solange man das Juwel als wertvoll wahrnimmt, wird man sich nicht davon trennen.

5. Da ist ein weiterer Aspekt zum gewaltsamen Aufgeben von Wertvollem. Neben der Tatsache, dass man unter Stress gerät, wenn man versucht das zu tun, kann man auch schlechtes Kamma Vipaka ansammeln, wenn man verantwortungslos handelt. Zum Beispiel entscheidet man sich vielleicht, ein Bhikkhu zu werden und verlässt deshalb seine Kinder und seine Frau. Das wäre eine unkluge Entscheidung.

  • Wir müssen achtsam und mit Weisheit handeln um sicherzustellen, dass wir nicht uns, unsere Familie oder sonst jemanden verletzen. Es ist die Absicht und die Begeisterung Gutes zu tun. Darauf kommt es wirklich an.
  • Man kann den ganzen Pfad bis zur Anagami-Stufe gehen und dabei ein Haushälter bleiben, d.h. seine Verantwortung als Ehemann/Ehefrau erfüllen, die Kinder und Eltern versorgen, usw. Auch wenn man für wohltätige Zwecke spenden sollte, muss man trotzdem sicherstellen, dass genug für die eigene Familie übrig bleibt. Auch ist es unmöglich in Ruhe zu meditieren, wenn man sich um die nächste Mahlzeit oder einen Platz zum Wohnen sorgen muss.

6. Während man Fortschritte macht, geschieht das “Aufgeben” automatisch entsprechend dem Niveau des Verstehens. Man muss keine Pläne im Voraus machen, was als nächstes aufzugeben ist: „Dhammo ha ve rakkati dhamma cari“ oder „Dhamma begleitet und schützt die auf dem Pfad“. Wird der Geist frei von den fünf Hindernissen, trifft man bessere Entscheidungen.

7. Über 20 Jahre nachdem der Buddha die volle Erleuchtung erlangte, musste er Vinaya-Regeln für die Bhikkhus einführen. Als Buddha Dhamma aufblühte, begannen viele skrupellose Menschen als Bhikkhus „ein gutes Leben“ zu genießen. Der Buddha mahnte, dass solche Bhikkhus viel schlechtes Kamma akkumulieren, da sie sich bei den Menschen verschulden, die Dana wegen ihres Glaubens geben (Saddhä).

  • Vinaya (vi + naya, mit naya = Schulden) bedeutet “frei von Schulden bleiben”. Die Bhikkhus können das tun, indem sie fleißig auf Nibbana hinarbeiten und auch mit Dhamma-Vorträgen für die Menschen, wobei darauf zu achten ist, das privilegierte Leben nicht zu missbrauchen, wo sie für diese Taten geehrt werden.

8. Sich zu verschulden, ist auch für Laien schlecht. All unsere Verpflichtungen haben ihren Ursprung in der Vergangenheit, wo wir anderen gegenüber verschuldet wurden. Es kann eine Weile dauern, dies zu begreifen, aber wir zahlen sogar Schulden an unsere Kinder zurück. Und wenn wir keinen guten Job machen, werden wir in Zukunft dafür zahlen. Jede andere Beziehung funktioniert in gleicher Weise; siehe Kamma, Schulden und Meditation.

  • Einmal teilte ein Bhikkhu seine Nahrung vom Almosengang mit seinen Eltern. Andere Bhikkhus beschwerten sich beim Buddha. Der Buddha stellte ihn zur Rede und er antwortete, seine Eltern seien Bettler geworden und er wolle sie unterstützen. Der Buddha lobte den Bhikkhu und führte das als offizielle Vinaya-Regel ein, dass Bhikkhus die Pflege ihrer Eltern übernehmen können, wenn Notwendigkeit besteht. Auch als Bhikkhu ist man seinen Eltern verpflichtet.

9. Wenn jemand Hilfe bekommt, ist es die Pflicht des Empfängers, Dankbarkeit für den freundlichen Akt zu zeigen, indem man Pattidana tut bzw. „Verdienste schenkt“. Siehe Übertragung von Verdiensten (Pattidana) – Wie funktioniert das?. Wenn der Hilfsempfänger in der Lage ist, die Schulden zurückzuzahlen, sollte er das auch tun.

  • Wenn wir mit Menschen im Alltag zu tun haben, sind wir unbewusst mit der Rückzahlung von Schulden beschäftigt. So sollte man seine Aufgaben nach bestem Wissen erfüllen. Dies gilt für die meisten alltäglichen Dinge, die wir tun. Unsere Verantwortung in der Arbeitswelt muss nach besten Kräften erfüllt werden. Wenn wir unsere Verantwortung nicht überall erfüllen, bleiben wir verpflichtet und mehr Schulden sammeln sich mit Zinsen an.
  • Wenn wir Transaktionen unternehmen, müssen wir sicherstellen, dass jeder angemessen bedacht wird. Andernfalls fallen solche Schulden in der Zukunft an. Hier sind wiederum Absicht und Geisteszustand die entscheidenden Faktoren: Wir können andere Menschen täuschen, aber nicht den eigenen Geist.
  • Wir haben Feinde, weil wir schon zuvor im Konflikt standen. Jemand muss diesen Teufelskreis durchbrechen. Der Dhammapada-Vers sagt es: „na hi verena verani….“ oder „Hass endet nicht durch Hass, sondern durch Liebe allein“. Dies ist ein ewiges Gesetz.

10. Wesen in den unteren vier Reichen haben keinen fortgeschrittenen Geisteszustand, um ihre Zukunft selbst kurzfristig zu beeinflussen, d.h. in diesem Leben. Sie zahlen einfach Schulden zurück, die aus unmoralischen Handlungen in der Vergangenheit stammen. Sie schwimmen nur „mit dem Strom“ und verbrauchen angesammelte kammische Energie.

  • Auf der anderen Seite kann der Mensch seine Zukunft ändern: in diesem Leben (weltlicher Fortschritt) und in zukünftigen Leben. Will man die Niraya (Hölle) vermeiden, muss man die Ursachen zur Wiedergeburt dort beseitigen, d.h. tiefen Hass. Will man die Wiedergeburt als hungriger Geist vermeiden (Peta Loka), muss man die Ursachen dafür entfernen, d.h. übermäßige Gier. Will man nicht als Tier wiedergeboren werden, muss man sowohl Gier und Hass entfernen. Um Geburten als Asura zu vermeiden, muss man sich um sich selbst kümmern können und nicht in Abhängkeit von anderen leben.

11. Buddha Dhamma ist eine vollständige Theorie über die Existenz. Alles kann in systematischer Weise erklärt werden. Wenn jeder die grundlegende Botschaft des Buddhas erfassen könnte, wäre diese Welt viel sicherer.

  • Wenn ein Baum wächst, müssen wir nur Wasser und Nährstoffe zur Verfügung stellen, um Früchte zu ernten. Keine Gebete oder Wünsche werden zu mehr Früchten führen. In gleicher Weise werden die Dinge zusammenpassen, wenn wir nur dem Pfad korrekt folgen. Es besteht keine Notwendigkeit, zu beten oder zu wünschen.
  • Diese Welt spielt trotz all der Nachteile nach Regeln. Dinge passieren nicht einfach so, sondern aus Ursachen. Wenn man die Ursachen für schlechte Ergebnisse versteht, kann man daran arbeiten, solche Ursachen zu verhindern und damit schlechte Ergebnisse vermeiden. Das ist die Bedeutung von Nirodha (nir + udä, mit nir = “stoppen” und  udä = “entstehen”, somit “das Entstehen stoppen”).

12. Die eigentliche Botschaft des Buddha ist, dass weltlicher Fortschritt auf der sansarischen Zeitskala wirklich unbedeutend ist. Warum ein ganzes Leben für eine tolle Position vergeuden oder eine Milliarde Dollar verdienen, wenn man am Lebensende alles wieder verliert? Wir haben sowas unzählige Male immer und immer wieder getan. Dieser Wiedergeburtsprozess kann noch viele Billionen Jahre in die Zukunft führen und diese größere Welt mit 31 Reichen birgt unvorstellbare Gefahren.

  • Die ultimative Lösung ist, diesen Prozess zu stoppen (d.h. die Ursachen für zukünftige Wiedergeburten zu beseitigen) und den Geist vom materiellen Körper zu befreien, der so viel Leiden einbringt.
  • Die zentrale Botschaft des Buddhas war, „das nicht Leid behaftete Nibbana durch die Beseitigung der Ursachen für Wiedergeburt zu erreichen: Gier, Hass und Ignoranz“.
  • Aber diese Botschaft selbst kann nur durch Reinigung des Geistes bis zu einem gewissen Grad verstanden werden, d.h. durch das Lernen über die wahre Natur der Existenz: anicca, dukkha, anatta.

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