Pattana Dhamma – Verbindung zu Ursache und Wirkung (Hethu Phala)

1. Das Wort pattana kommt von patta + ana. Hier bedeutet ana Import oder Hereinholen wie in Anapana Bhavana. Patta in Pali oder Singhalesisch bedeutet die Schicht eines Baumstammes unter der äußersten Schicht bzw. Rinde –  bestehend aus Phloemzellen, die Nährstoffe zwischen Wurzeln und Blättern transportieren. (Die Rinde wird poththa in Singhalesisch genannt).

  • Pattana vermittelt die Idee, dass neben den Wurzeln (mülika hethu) Patta eine wichtige Rolle für das Überleben und das Wachstum des Baumes spielt. Pattana Dhamma beschreibt die Bedingungen, unter denen Hethu bzw. Ursachen zu Effekten führen.
  • Patta ist essentiell für das Überleben des Baumes. Man kann einen Baum einfach durch „Ringelung“ töten , siehe Ringelung.
  • Der Buddha verwendete häufig Analogien mit Bezug zum Baum. Mula heißt „Wurzel“ in Pali oder Singhalesisch, „mulika héthu“ bedeutet „Grundursache“ (root cause in engl.). Somit hängt das Überleben des Baumes nicht nur von seinen Wurzeln ab, sondern auch von Patta, was die Phloemzellen enthält.
  • Pattana Dhamma beschreibt also BEDINGUNGEN, die genau so wichtig sind wie die Grundursachen (Lobha, Dosa, Moha  für akusala Kamma und Alobha, Adosa, Amoha für punna Kamma).

2. Pattana in Satipattana bedeutet „Bereitstellung von Nahrung“ oder patta+ana, um Sati bzw. Achtsamkeit zu kultivieren.

  • Das Wort Pattana Dhamma wurde nicht so viel in Englisch/Deutsch besprochen. Buddhaghosa betrachtete es nicht, weil er Paticca Samuppada offensichtlich nicht verstand und als Folge davon sind selbst viele Menschen, die dem Theravada-Buddhismus folgen, nicht mit Pattana Dhamma vertraut. Der ehrenwerte Ledi Sayadaw in Burma und der ehrenwerte Rerukane Chandawimala in Sri Lanka sind klare Ausnahmen. Sie haben Pattana Dhamma diskutiert, siehe die Referenzen unten. Jedoch interpretierten sie die Tilakkhana nicht korrekt.

3. In der Funktionsweise von Lebewesen (einschließlich Pflanzen) und insbesondere in geistigen Prozessen sind die Mechanismen, wie Ursachen zu Wirkungen führen, viel komplexer im Vergleich zu materiellen Erscheinungen, wo nur leblose Objekte beteiligt sind.

  • Bei Beteiligung des Geistes müssen viele Bedingungen erfüllt werden, zusätzlich zu hinreichenden Ursachen.
  • Oft sind solche kritischen Bedingungen nicht erfüllt, auch lange nachdem die Ursachen erzeugt wurden. Es gibt normalerweise eine Zeitverzögerung zwischen Ursache und Wirkung, d.h. zwischen Kamma und Kamma Vipaka.
  • Daher ist es schwer, die Gültigkeit von Ursache und Wirkung (hethu phala) zu  erkennen, wenn Lebewesen und vor allem der Geist beteiligt sind. Dies wird in Paticca Samuppada mit Hilfe von Pattana Dhamma beschrieben.

4. Alle notwendigen Ursachen zur Entstehung eines Baumes liegen eingebettet in einem Samen. Ein Samen ist die Ursache für die nachfolgende Entstehung eines Baumes. Dennoch kann ein Samen nicht keimen, wenn keine geeigneten Bedingungen vorhanden sind. Hält man einen Samen an einem kühlen, trockenen Ort, wird er einfach nur da liegen ohne zu keimen, sogar für hunderte von Jahren.

  • Wenn man jedoch den Samen in den Boden pflanzt, wo Sonnenlicht, Wasser und Nährstoffe zur Verfügung stehen, wird er keimen und ein Baum wächst heran.
  • Die Grundursache zur Existenz eines Baum liegt eingebettet in einem Samen. Das nennt man annantara Paccaya. Geeignete Bedingungen für das Keimen des Samens nennt man samanantara Paccaya. Daher müssen annantara UND samanantara Paccaya erfüllt sein, um einen Baum entstehen zu lassen; siehe Annantara und Samanantara Paccaya.
  • Zu welchem Zeitpunkt der Samen keimt, wird also von samanantara Paccaya bestimmt (fruchtbarer Boden, Sonnenlicht, Wasser …). Anantara Paccaya (Vorhandensein eines Samens) ist nicht ausreichend.

5. Eine weitere Bedingung für Paccaya kommt ins Spiel, wenn der gekeimte Samen zu einem Baum wachsen will: Ahara Paccaya (Nahrungsbedingung). Wenn Wasser, Sonnenlicht und Nährstoffe nach dem Keimen nicht zur Verfügung stehen, kann der Keimling nicht weiter wachsen.

  • Eine sehr wichtige Ahara-Art ist die „Nahrung für Vinnana“. Wenn man schlechte Gedanken über eine andere Person hat, wächst das Vinnana solange man über diese Person nachdenkt. Vinnana Ahara sind Mano Sancetana.

 6. Ein weiteres Beispiel für Paccaya ist äsevana Paccaya. Asevana bedeutet „sich verbinden mit“.

  • Ein Beispiel ist die Assoziation mit schlechten Freunden oder „schlechte Gesellschaft“. Ob es sich um ein Kind oder einen Erwachsenen handelt, das Verhalten wird beeinflusst durch die Umgebung. Siehe Das Gesetz der Anziehung, Charakter (Gathi) und Verlangen (Asavas).
  • Es gibt 24 solcher Bedingungen in Pattana Dhamma. Sie sollen in diesem Abschnitt Pattana Dhamma in einer Reihe von Beiträgen betrachtet werden.
  • Mentale Phänomene sind sehr komplex. In vielen Fällen müssen eine Reihe solcher Bedingungen erfüllt sein, damit eine Ursache (hethu) zu entsprechenden Wirkungen führt (phala).

7. In gleicher Weise verschwinden nicht die kammischen Energien aus unseren Handlungen. Eine gegebene Tat erzeugt einen Kamma-Samen mit Energie, um Früchte zu tragen. Es ist wie ein Samen, der auf die passenden Bedingungen wartet, um zu keimen und zu wachsen.

8. Aber es gibt einige starke Kamma, die Vipaka ohne Ausnahme einbringen. Dies schließt anantariya papa Kamma ein. Sie sind so stark, dass sie keine passenden Bedingungen erfordern. Das Vipaka  folgt meist im Moment des Sterbens, d.h. beim Tod des physischen Körpers. Es gibt keine Verzögerung bis zum Cuti-Patisandhi-Moment, nur die Verzögerung bis zum Tod (Jathi-Ende).

  • Einige Leute erben unerwartet Reichtum, andere sterben bei Unfällen. Dies sind auch starke Kamma Vipaka, wenn auch keine anantariya papa Kamma.

9.  Dieses Wissen bzw. Verstehen wie Kamma und Kamma Vipaka funktionieren, wird Kammassagatha Samma Ditthi genannt, und ist eine Voraussetzung zum Erreichen von weltlichem Samma Samadhi. Wenn man das vollständig erfasst, wird man auch leicht den Wiedergeburtsprozess verstehen und erkennen, dass er eine logische Grundlage hat.

  • Man wird deutlich sehen, dass die meisten Kamma bzw. Handlungen entsprechende Vipaka oder Ergebnisse zur Folge haben, WENN geeignete Bedingungen erscheinen.
  • Wenn man also geeignete Taten für Geburten in den Apayas tut, kann man auch dort geboren werden, bis man die Möglichkeit für solche Bedingungen entfernt. Wenn man die Sotapanna-Stufe erreicht, werden die Bedingungen für Geburten in den Apayas nicht mehr realisiert. Dies erfordert einen weiteren Schritt jenseits von Kammassagatha Samma Ditthi: das Verstehen der Tilakkhana.

10. Wir kennen vielleicht Menschen, die unmoralische Dinge tun, ohne das sich entsprechende Konsequenzen zeigen. Aber das bedeutet nicht, dass sie schadlos davon kommen. Diese Taten können ihre Früchte in zukünftigen Leben bringen.

  • Es gibt zwei Möglichkeiten Kamma Vipaka zu vermeiden. Kamma-Samen verlieren ihre Energie mit der Zeit; sie können höchstens 91 Äonen überdauern. Wie gewöhnliche Samen verlieren sie ihre Potenz zum Keimen mit der Zeit.
  • Der andere Weg ist alle vier Stufen von Nibbana zu erreichen und damit die Möglichkeit für jegliches Kamma Vipaka dauerhaft zu entfernen.

11. Bedingungen bzw. Paccaya spielen eine entscheidende Rolle in Paticca Samuppada. Wenn wir sagen „avijja paccaya sankhara“, bedeutet das, „wir tun Sankhara mit Ignoranz, wenn hinreichende Bedingungen vorliegen„.

  • Wir tun unmoralische Handlungen oder apunnabhi Sankhara nicht die ganze Zeit. Wenn wir von irgendwas angezogen oder abgestoßen werden (das ist ein Beispiel für Arammana Paccaya), so können wir Verlangen oder Abneigung erzeugen und dann kann das zu unmoralischen Handlungen bzw. apunnabhi Sankhara führen.
  • Kamma ist nicht deterministisch. Nur weil man Avijja hat, bedeutet es nicht, dass man zwangsläufig unmoralische Dinge tut (apunnabhi Sankhara). Wenn wir Satipattana kultivieren, können wir die schlechten Folgen von unmoralischen Taten betrachten und Handlungen, Rede oder Gedanken stoppen.
  • Damit ändert sich das Gathi zum Besseren und der automatische Drang zu  unmoralischem Verhalten wird allmählich verblassen, Avijja reduziert sich. Aus diesem Grunde ist Satipattana so wichtig.

Referenz

  1. The Manuals of Dhamma von Ledi Sayadaw (1999), S.. 31-57.
  2. Abhidharma Margaya  (in Sinhala) von Rerukane Chandawimala (2010), S.. 247-278.

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