Was sind Dhammā? – Eine Analyse

1. Dies ist ein anspruchsvolles Thema. Eine einfachere Version findet sich hier: Was sind Rupa? – Beziehung zu Nibbana.

  • Im Gegensatz zum Berühren, Riechen oder Schmecken können wir die Außenwelt (Materie) nicht direkt mit den Augen, Ohren oder dem Geist „berühren“.
  • Während wir die Außenwelt mit den fünf physischen Sinnen erleben, interagieren wir mit dem Geist durch Wahrnehmung und Gefühl.
  • In diesem Text werden wir uns ansehen, was Dhammā in Bezug auf den Geist bedeutet. Dhammā sind Rūpa unterhalb der Suddhāshtaka-Stufe. Dhamma wie in Buddha Dhamma oder Abhidhamma bezieht sich auf Buddhas Lehre.
  • Wie in Abhidhamma – Einführung erwähnt, soll Abhidhamma für jeden verständlich werden. Buddha Dhamma ist der Wissenschaft (Quantenmechanik) weit voraus im Verständnis zur materiellen Welt. Die Wissenschaft hat noch nicht einmal begonnen, den Geist zu erforschen.

2. Die Existenz in dieser Welt wird durch Anhaftung an „Dinge“ dieser Welt aufrechterhalten. Diese „Dinge“ sind immer Rūpa.

  • Wenn der Geist diese externen Rūpa „berührt“, werden kurzweilige Sinnesfreuden generiert (assāda). Siehe Assada, Ādīnava, Nissarana. Da wir diese Sinneskontakte als angenehm empfinden (und die Leiden für deren Erlangen ignorieren), wünschen wir uns solche Sinnesfreuden immer wieder.
  • Rūpa ist jedoch unerwarteten Veränderungen (viparināma) und schließlich Verfall und Zerstörung unterworfen, was die Grundlage der anicca-Natur bildet.

3. Rupa haben unterschiedliche Textur- bzw. Festigkeitsebenen.

  • Rupa, welche wir im Menschenreich (und in den Reichen darunter) erfahren, sind die dichteste Form, Dhātu genannt. Die Deva-Reiche enthalten feinere Dhātu, die wir nicht sehen können. In Rūpalōka haben Rūpi Brahma noch feinere Rūpa, genannt Mahā Bhūta. Im Arūpalōka gibt es nur Spuren von Bhūta (nur Hadaya Vatthu), was aus der kleinsten Einheit der Materie namens Suddhāshtaka besteht, und natürlich noch feinere Gathi. Siehe Was sind Rūpa? (Beziehung zu Nibbana), Ursprung der Materie – Suddhāshtaka .

4. Mit den fünf physischen Sinnen erleben wir die Außenwelt.

  • Aber ist das alles, was wir erleben? Ein gutes Beispiel ist die Bestrafung durch Einzelhaft: Man wird stundenlang in einer völlig isolierten dunklen Zelle festgehalten.
  • Erlebt ein Mensch die Außenwelt trotzdem? Natürlich. Er/sie kann über alle möglichen Dinge nachdenken, sich an vergangene Ereignisse erinnern und über die Zukunft nachdenken. Tatsächlich tun wir das jeden Tag.

5. Sinneseindrücke außerhalb der fünf physischen Sinne kommen über den sechsten Sinneseingang: den Geist. Man ist sich der Außenwelt nur dann völlig unbewusst, wenn man bewusstlos ist oder traumlos schläft.

  • Mit dem Geist wahrgenommene Rūpa sind Dhammā! Auf Pali: manañca paṭicca dhammē ca uppajjati manōviññāṇaṃ bzw. „Kontakte von Dhammā mit Mana Indriya führen zu Manō Viññāna“.

6. Das Entstehen von Viññāna aufgrund verschiedener Arten von Sinneseindrücken wird im Abhidhamma beschrieben (auch in der Cha Chakka Sutta (MN 148)):

cakkhuñca paṭicca rūpē ca uppajjati cakkhuviññāṇaṃ“,

sōtañca paṭicca saddē ca uppajjati sōtaviññāṇaṃ“,

ghānañca paṭicca gandhē ca uppajjati ghānaviññāṇaṃ “,

jivhañca paṭicca rasē ca uppajjati jivhāviññāṇaṃ”,

kāyañca paṭicca phōṭṭhabbē ca uppajjati kāyaviññāṇaṃ”, 

manañca paṭicca dhammē ca uppajjati manōviññāṇaṃ

  • Manō Viññāna entsteht, wenn Dhammā Kontakt mit der Mana Indriya hat. Andererseits entsteht Cakku Viññāna (Seh-Bewusstsein), wenn (vanna) Rūpa bzw. Licht Kontakt mit dem Cakku Indriya hat (Auge).
  • Kāya Viññāna resultieren aus den gröbsten Kontakten (pottabba bzw. Berührung aufgrund von Dhātu).

7. Die sechs Arten von Kontakt mit der Außenwelt kann man nach der „Grobheit“ der Kontakte kategorisieren.

  • Körperkontakte (Berührung), Geschmack und Geruch sind die gröbsten Kontakte. Sie beinhalten direkte Berührung (pottabba) und feste Partikel (Geschmack und Geruch).
  • Zum Sehen gehören Lichtteilchen (Photonen), die mit dem physischen Auge interagieren. Licht wurde nicht als Teilchen angesehen, bis Einstein, Compton und andere das in den frühen 1920er Jahren bewiesen.
  • Physikalisch handelt es sich bei Schall um Phononen, die noch weniger Energie als Lichtphotonen haben, d.h diese sind „noch weicher“.

8. Die Sinneselemente im Körper sind auch in dieser Reihenfolge immer weniger grob. (Das Sinnesorgan „Ohr“ ist nicht das Ohr, was wir sehen, sondern nur ein empfindlicher Bereich tief im Inneren.)

  • Laut Buddha Dhamma (und wissenschaftlich bestätigt) reagieren zwei Dinge aufeinander und halten bei starker Beanspruchung länger stand, wenn sie ähnliche Dichten haben. Wenn aber bspw. ein Stahlstab auf einem Holzstab reibt, nutzt sich der Holzstab bald ab. Aber zwei Stahlstangen (oder zwei Holzstangen) kann man lange aneinander reiben.
  • Gleichsam gehören zu den groben externen Rupa (z.B. phōṭṭhabbē) auch grobe interne Rupa (z.B. kāyañca). Die feinsten externen Rupa sind Dhammā. Sie können nur von Mana Indriya wahrgenommen werden (manañca).

9. Der feinste Sinneseingang ist Mana Indriya, was sich im Gehirn befindet. Es ist wahrscheinlich eines der folgenden: Thalamus, Amygdala oder Hippocampus. Laut Buddha Dhamma befindet sich Mana Indriya im Gehirn und ist analog zu Augen oder Ohren.

  • Im Sprachgebrauch gibt es auch das „dritte Auge“. Das ist Mana Indriya. Es soll sich hinter der Stirn befinden.
  • Rūpa, die mit Mana Indriya in Kontakt kommen, sind feiner als Suddhāshtaka und befinden sich auf Gathi-Stufe. Sie werden dhammā genannt. Diese dhammā sind nicht grob genug, um selbst mit abhiññā-Kräften „gesehen“ zu werden.  Sie sind auch nicht mit den anderen fünf (groben) Sinnen erkennbar. Daher nennt man sie auch “anidassan appatighan dhammāyatana pariyāpanna rūpan“.
  • Übersetzt: anidassana = „nicht zu sehen“ und appatigha = „nicht mit dem feinsten Instrument aufzuspüren“. Dhammayatana pariyāpanna rūpan bedeutet „kann nur mit dem Dhammāyatana bzw. Mana Indriya Kontakt haben“.

10. Suddhāshtaka werden vom Geist mit Ursprung in vier grundlegenden Gathi des Menschen geschaffen, die aufgrund von Avijja entstehen: thada gathiya (Grobheit, entspricht patavi), bandena gatiya (Zusammenbinden, entspricht āpo), thējas gatiya (feurig oder energetisch, entspricht tējo), salena gatiya (Bewegung, entspricht vāyo).

11. Bevor sich diese acht untrennbaren Einheiten zu dem verfestigen, was wir „Materie“ nennen, gibt es die Vorstufe Gathi: Die Kultivierung von Gathi führt zu Bhūta, die sich im Suddhāshtaka-Stadium befinden. Die weitere Verdichtung von Bhūta führt zu Mahā Bhūta. Die feinen Rūpa eines Brahma bestehen aus Mahā Bhūta.

  • Die Gathi-Stufe von Rūpa wird auch manō rūpa genannt: Das sind unsere geistigen Vorstellungen. Wir können Szenen aus der Vergangenheit visualisieren. Wenn wir Gathi kultivieren, denken wir häufig über zugehörige Dinge nach. Das sind manō rūpa.

12. Mahā Bhūta wird nach weiterer Verdichtung zu Dhātu. Die Körper von Deva bestehen aus feineren Dhātu. Menschen-Körper ebenso wie alle materiellen Dinge, die wir Menschen sehen, bestehen aus dichten Dhātu.

  • Daher ist der Ursprung aller Materie Gathi! Aber Gathi (von normalen Menschen) erzeugen keine signifikanten Mengen von Suddhāshtaka. Es ist also noch ein langer Weg, bis wir die Enstehung fester Objekte in unserer Welt erklären können, wie in der Agganna Sutta beschrieben.

13. So wie das Auge nur visuelle Informationen empfängt, empfängt Mana Indriya nur Dhammā. Und Dhammā sind viel feiner als Licht. Tatsächlich erfassen alle fünf physischen Sinne nur Signale, die über erstarrte Partikel aus Suddhāshtaka übertragen werden. Aber Dhammā sind nur Energien, die unterhalb der Stufe liegen, die wir „Materie“ nennen.

  • Auch ein einzelnes Lichtteilchen (Photon) besteht aus einer sehr großen Anzahl von Suddhāshtaka.
  • Suddhāshtaka werden vom Geist gemacht. Dhammā kann man als Vorstufe von Suddhāshtaka ansehen. Es sind kammische Energiepakete, die vom Geist in Javana Citta produziert werden und aufgrund unserer Gathi entstehen. Das ist die eigentliche Verbindung zwischen Geist und Materie! Der Geist geht der Materie voraus.

14. Alle sechs Sinne erlauben uns, mit der Welt zu interagieren. Wir interagieren eigentlich mit zwei Welten: mit der materiellen und mit der geistigen Welt (bzw. manō thalaya).

  • Verschiedene Arten von Rūpa (varna, gandha, rasa, ōja, pottabba) in unserer physischen Welt (rūpalōka) werden mit Suddhāshtaka gebaut. Dhammā bzw. kamma beeja (in manōlōka) sind „Energiepakete“, die sich noch nicht zum Zustand eines Suddhāshtaka verfestigt haben.
  • Der Pancakkhandha eines Lebewesens enthält „Komponenten“ aus beiden Welten. Rūpakkhandha enthält die geistigen Aufnahmen der materiellen Welt (geistige Aufzeichnungen). Siehe Pancakkhandha – Ein falsch verstandenes Konzept. Die anderen vier Khandha (Vedana, Sanna, Sankhara, Viññāna) sind unsere geistigen Eindrücke von der Geistwelt.
  • Jedes Lebewesen ist mit seinem eigenen Pancakkhandha verbunden, weil man seine eigenen mentalen Eindrücke hinterlässt. Der Buddha sagte, dass man ein Lebewesen nicht mit weniger als fünf Khandhā definieren kann.
  • Pancakkhandha ist nicht der Körper eines Menschen, wie oft gedacht. Er ist nicht einmal physisch. Es sind die Aufzeichnungen der materiellen Welt im Geist Pancupādānakkhandha – Es ist alles geistig.

15. Die Erzeugung von Dhammā durch den Geist beginnt zunächst mit der Stärkung des Gathi. Es wächst, je mehr man Aktivitäten in Bezug auf ein bestimmtes Gathi durchführt. Siehe Asēvana Paccaya.

  • Das Anwachsen eines Gathi bedeutet in Wirklichkeit die Ansammlung von Kamma Beeja (Kamma-Samen), was im Kamma Bhava in der Geistebene gespeichert wird. Das sind wirklich dhamma, die in „manañca paṭicca dhammē ca uppajjati manōviññāṇaṃ sind.
  • Dhammā bzw. Kamma Beeja können zum Geist zurückkehren, wenn der Geist für solches Gathi empfänglich ist. Somit handelt es sich um eine selbstspeisende Rückkopplungsschleife.
  • Dies ist ein wichtiger Punkt, über den man nachdenken sollte. Daher kommt für einen Alkoholiker der Drang, wieder zu trinken, und für einen Spieler, wieder ins Casino zu gehen. Menschen ohne solches Gathi werden das nicht tun.
  • Übrigens kann man solche „schlechten Gathi“ durch eine zweistufige Methode reduzieren und schließlich beseitigen: (i) Stoppen der Aktivität und bewusster Gedanken darüber, sobald man sich während der schlechten Handlung dessen bewusst wird, (ii) Buddha Dhamma lernen, um zu verstehen, wie dieser Prozess tatsächlich abläuft. Ein wesentlicher Aspekt ist, über die schlimmen Folgen solcher Handlungen/Gedanken nachzudenken.

16. Dhammā entstehen also aufgrund von Kamma, was wir tun. Je mehr Kamma wir machen, desto größer wird das entsprechende Dhammā und damit Gathi.

  • Dhammā bedeutet „tragen“. Man trägt, was man mag und worauf man sich einlässt.
  • Wenn man „Hunde-Gathi“ kultiviert, ist es das, was man trägt. Und genau das kann im Moment des Cuti-Patisandhi wieder auftauchen und zum nächsten Bhava und damit zur Geburt (jati) als Hund führen.

17. Die Schaffung eines Suddhāshtaka erfordert jedoch Billionen Citta Vithi, die kontinuierlich ablaufen. Daher kommen bei einem normalen Menschen keine signifikanten Mengen zusammen. Es erfordert nicht nur Jhāna, sondern auch Samāpatthi. Mit abhiññā Kräften kann man relativ schnell zu Samāpatthi gelangen.

  • Im Jhāna können Citta zwischenzeitlich noch auf die fünf physischen Sinne zugreifen. Im Jhāna kann man zum Beispiel externe Geräusche hören.
  • Im Samāpatti können Jhāna Citta für lange Zeit ununterbrochen fließen. Es kommt zwischendrin kein Pancadvāra Citta Vithi, d.h. man ist sich der äußeren Umgebung nicht bewusst.
  • Außerdem fließen im Samāpatti die Jhāna Citta ununterbrochen und das stärkt die aufeinander folgenden Javana Citta mit Asēvana Paccaya. Man kann mit dem Bild einer Blume im Geist beginnen und dann immer mehr Suddhāshtaka damit erschaffen.  In kürzester Zeit entsteht eine echte Blume!

18. Dhamma im Nāma Lōka ist dasselbe wie Viññana im Kamma Bhava. Das ist ein subtiler Punkt. Siehe Vinnana II (Bewusstsein).

  • Dhamma bzw. Viññana werden anidassana, appatigha rūpa genannt (d.h. Rupa, die nicht gesehen und nicht berührt werden können). Es sind Energien, die unterhalb der Suddhashtaka-Stufe liegen.

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