Nibbana „existiert“, aber nicht in dieser Welt

1. Missverständnisse über Nibbana entstehen, weil die wahre Bedeutung viele Jahrhunderte verborgen war. Die vorherigen Beiträge dieser Serie beschrieben, was Nibbana ist.

  • Viele Menschen fragen: „Was passiert mit einem Arahant nach dem Tod?“. Man wird einfach nicht wiedergeboren in den 31 Reichen dieser Welt. Es heißt Parinibbana (pari + Nibbana “ = „vollständiges Nibbana“).
  • Bis zum Parinibbana lebt ein Arahant wie ein normaler Mensch und ist Kamma Vipaka unterworfen; während dieser Zeit heißt es Saupadisesa Nibbana, d.h. Nibbana ist nicht vollständig.

2. Es ist nicht möglich,  Nibbana (oder genauer gesagt, was nach Parinibbana geschieht) mit der Terminologie dieser Welt zu „beschreiben“. Kein einziges Wort, das wir verwenden, kann Nibbana beschreiben.

  • Wir haben einfach keine „Daten“ oder „Begriffe“ oder „Terminologien“, die sich auf Nibbana beziehen, weil diese für uns in dieser Welt total fremd wären.
  • Eine grobe Analogie wäre, einem Fisch zu erklären, wie das Leben außerhalb des Wassers ist: wie man Luft statt Wasser einatmen muss.
  • Man könnte auch versuchen, jemandem, der eine Zeitreise aus der weit entfernten Vergangenheit zu uns macht, zu erklären, wie ein Radio oder ein Fernsehgerät funktionieren. Er hätte nicht genügend „Daten“, um verstehen zu können, wie ein Radio oder ein TV funktioniert.

3. Aber Nibbana „existiert“, weil man es erreichen kann. Aber es existiert nicht in dieser Welt mit 31 Reichen.

  • Es gibt vier Suttas in der Udana Sektion des Anguttara Nikaya, die Nibbana erklären (Udana 8.1 bis 8.4); siehe Pāli Suttas: Khuddaka Nikāya (KN): Udāna
  • Die Übersetzungen für Schlüssel-Pali-Wörter sind häufig falsch, wie es auf vielen Webseiten der Fall ist. Aber zumindest kann man die korrekte Pali Version sehen.

4. Sehen wir uns die erste Sutta an (Paṭhama Nibbāna Paṭisaṃyutta Sutta). Es wird gesagt: „Atthi, bhikkhave, tadāyatanaṃ, yattha neva pathavī, na āpo, na tejo, na vāyo, na ākāsānañcāyatanaṃ, na viññāṇañcāyatanaṃ, na ākiñcaññāyatanaṃ, na nevasaññānāsaññāyatanaṃ, nāyaṃ loko, na paraloko, na ubho candimasūriyā ..“.

  • Betrachten wir den ersten Teil: „atthi, bhikkhave, tadayatanan„. Hier bedeutet „atthi“ „existieren“ und „tadayatana“ ist ein anderes Wort für Nibbana. Tadayatana kommt von „tath“ + „ayatana„, wobei „tath“ „perfekt“ meint und „ayatana“ bedeutet „Fähigkeiten“. Phonetisch ist das kombinierte Wort „tadayatana„.
  • So ist die Übersetzung „Bhikkhus, Nibbana existiert (wo alles perfekt ist“).   
  • Der Rest des Verses ist, „dort ist kein Patavi, Apo, Tejo, Vayo (Satara Maha Bhuta); es gibt kein Akāsānañcāyatana, kein Viññāṇañcāyatana, kein Akiñcaññāyatana, kein Nevasaññānāsaññāyatana. Außerdem gibt es nicht „diese Welt (die wir erleben), es gibt keine Paralowa (wo Gandhabbas leben); und der Mond oder die Sonne gehen dort nicht auf (Canidimasuriya steht für „Chandra“ oder der Mond und Suriya ist die Sonne).
  • Nichts, was wir erfahren (oder durch Kultivierung von Jhanas erfahren können), gibt es nach Parinibbana, wie in Nr. 2 oben diskutiert. Unsere Terminologie gilt dort einfach nicht.

5. Der Inquisitor Vaccagotta (im Vaccagottavagga des Samyutta Nikaya gibt es eine ganze Reihe von Suttas über seine Fragen an den Buddha) fragte den Buddha, was mit einem Arahant nach dem Tod geschieht: „Wo würde er/sie hingehen?“.

  • Der Buddha zeigte ihm ein brennendes Feuer und fragte ihn: „Wenn dieses Feuer erloschen ist, kannst du sagen, wohin es ging?“ Vaccagotta verstand. Wenn das Feuer erloschen ist, ist es einfach nicht mehr da. Das ist alles, was man sagen kann. Auf die gleiche Weise, wird ein Arahant nicht wiedergeboren und kann daher nicht irgendwo in den 31 Reichen „gefunden“ werden.
  • Auf der anderen Seite kann jemand mit Abhinnakräften (mit Cutupapada Nana) sehen, wo eine normale Person nach dem Tod wiedergeboren wird. Dieser Lebensstrom existiert irgendwo in den 31 Reichen.

6. Der Buddha konnte uns nur erklären, wie wir Nibbana erreichen können, indem wir unser Verlangen nach weltlichen Dingen aufgeben, die auf der unbefriedigenden Natur (der Anicca-Natur) dieser Welt beruhen.

  • Er sagte: „ragakkhayo Nibbanan, dosakkhayo Nibbanan, mohakkhayo Nibbanan„, d.h. man erreicht Nibbana, indem man Raga, Dosa, Moha aus dem Geist entfernt. Die Reinigung des Geistes ist der einzige Weg zu Nibbana.
  • Es ist jedoch nicht möglich, mit „Rāgakkhaya“ zu beginnen, bis man zur Sōtapanna-Stufe kommt. Rāgakkhaya wird teilweise auf der Anāgami-Stufe (durch Entfernen von Kāma Rāga) und vollständig auf der Arahant-Stufe (durch Entfernen von Rūpa Rāga und Arūpa Rāga) erreicht. Ein Sōtapanna hat Dōsa auf Patigha-Niveau und Mōha auf Avijja-Niveau reduziert.
  • Im Abschnitt Dhamma leben diskutieren wir diese Punkte und beginnen von einem Grundniveau, auch ohne auf tiefere Konzepte wie Wiedergeburt zu verweisen.

7. Der Punkt ist, dass Nibbana in Stufen verstanden werden kann.

  • Die erste Stufe besteht darin, die ersten Stadien von Nibbana oder „Niveema“ oder „Abkühlung“ zu erleben. Dies geschieht bereits vor der Sotapanna-Stufe. Tatsächlich ist es nicht möglich zur Sotapanna-Stufe zu gelangen, indem dieser Schritt übersprungen wird.
  • Um die Sotapanna-Stufe zu erreichen, MUSS man die Anicca-Natur dieser Welt einigermaßen erfassen. Damit der Geist dieses Konzept begreifen kann, muss er frei von den „groben Befleckungen“ bzw. den Pancanivarana bzw. den fünf Hindernissen sein.
  • Dieser Mensch MUSS ein moralisches Leben führen, Buddha Dhamma kontemplieren und die „Abkühlung“ erfahren, die daraus resultiert.

8. Viele Menschen versuchen Nibbana zu erreichen oder zu verstehen, indem sie tiefe Konzepte darüber lesen. Es gibt viele Bücher, die erklären, was Nibbana ist, von Menschen, die nicht einmal die grundlegende „Abkühlung“ bzw. Niramisa Sukha erfahren haben.

  • Sie versuchen Konzepte wie Sunyata oder „Leere“ und Bodhicitta zu erklären. Das ist völlige Zeitverschwendung, denn wie wir oben gesehen haben, ist es nicht möglich, Nibbana mit Worten zu beschreiben, die wir kennen.
  • Vielmehr beginnt man, Nibbana in Stufen zu erleben. Man kann beginnen, die Erholung oder Abkühlung zu erfahren. Das beginnt mit einem moralischen Leben und dem schrittweisen Aufgeben der DASA AKUSALA.
  • Außerdem ist es wichtig zu verstehen, dass man nicht auf dem Pfad beginnt, indem man zuerst die Anicca-Natur versteht. Diese wird erst allmählich klar werden.
  • Der Buddha erklärte deutlich die Wichtigkeit eines allmählichen Pfades in der Maha Chattarisaka Sutta (Diskurs über die Großen Vierzig).
  • Sogar eine Person, die nicht an eine Wiedergeburt glaubt, kann von dieser Ebene aus anfangen.

9. In dem Beitrag Die große vereinheitlichte Theorie – Einführung sehen wir, dass alles EXISTIERENDE in vier ultimative Bestandteile (paramatta dhamma) eingeteilt werden kann.

  • Gedanken (Citta)
  • Gedankenqualitäten oder mentale Faktoren (Cetasika)
  • Materie (Rupa)
  • Nibbana

Die ersten drei existieren in „dieser Welt“. Nibbana existiert nicht innerhalb der 31 Reiche, aber es existiert, d.h. es kann erreicht werden.

10. Lassen Sie uns schließlich einige relevante Merkmale eines Arahants diskutieren, d.h. jemand der Nibbana erreicht hat. Er kann keine nibbanische Glückseligkeit erfahren, (Erleben von Nibbana), es sei denn, er geht in Nirodha Samapatti (für maximal 7 Tage).

  • Wenn ein Arahant in Nirodha Samapatti ist, fließen keine Citta oder Gedanken durch seinen Geist. Der Arahant atmet nicht und unterscheidet sich nicht sehr von einem toten Körper. Der Punkt ist, dass ein Arahant uns nicht die „Erfahrung von Nibbana“ erklären kann. In unserer Terminologie kann er nur sagen, dass er/sie keine „weltlichen Gedanken“ erlebt hat.
  • Zu anderen Zeiten wird ein Arahant wie ein normaler Mensch „diese Welt“ erleben: er wird Menschen, Dinge, Geräusche, Gerüche etc. erkennen. Die einzige Ausnahme ist, dass Gedanken nicht mit Raga, Dosa, Moha belastet sind: weder sobhana (schön) oder asobhana (nicht-schön) Cetasika sind mit diesen Gedanken verbunden.
  • Aber er/sie wird mit punna Kriya (verdienstvolle Taten wie Dhamma-Diskurse) beschäftigt sein, genau wie der Buddha. Dies sind nur „Taten“ und keine Abhisankhara.

11. Hier ist ein weiterer interessanter Punkt: Einige Arahants können beim Tod kammische Energie für das „menschliche Bhava“ übrig haben. Trotzdem wird es für den Arahant keine Wiedergeburt geben.

  • Der Grund dafür ist, dass der „Status der Arahantschaft“ nur von einem dichten menschlichen Körper getragen (oder gehalten) werden kann. Zum Beispiel, wenn er/sie als Mensch wiedergeboren werden soll, dann muss eine menschliche Gandhabba aus dem toten menschlichen Körper kommen. Aber der feine Körper (thrija kaya) der Gandhabba kann die mit einem Arahant verbundene Energie nicht „tragen“. Auf die gleiche Weise können das die feinen Körper von Devas oder Brahmas auch nicht.
  • Wir können die folgende Analogie betrachten um deutlich zu machen, was passiert. Wenn eine Heizspirale in Wasser getaucht ist, kann sie den Strom, der durch sie fließt, „tragen“, auch wenn das Wasser kocht. Aber wenn wir die Heizspirale aus dem Wasser nehmen, wird sie durchbrennen. Die Heizspirale kann den Strom, der durch sie fließt, nicht „tragen“, es sei denn, sie ist in Wasser getaucht.
  • Auf die gleiche Weise kann die Arahantschaft nur mit einem festen menschlichen Körper „getragen“ oder „aufrechterhalten“ werden. Sobald die Gandhabba aus diesem Körper herauskommt – nach dem Tod des physischen Körpers – kann die Arahantschaft nicht von diesem sehr feinen Körper „getragen“ werden. Tatsächlich kann auch die Arahantschaft nicht länger als 7 Tage von einem Laien „getragen“ werden. Sobald man die Arahantschaft erreicht, muss man innerhalb von 7 Tagen ein Bhikkhu werden oder man wird sterben.
  • Deshalb wird es beim Tod eines ArahantsParinibbana“ genannt: „Nibbana ist vollständig“. Das singhalesische Wort ist „Pirinivana„, wobei „nivana“ für Nibbana steht und „pirinu“ für „voll“ oder „vollständig“.

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