Tanha – Wie wir via Gier, Hass und Ignoranz anhaften

1. Tanha bedeutet “Verschmelzen mit einem Ort, einer Sache oder einer Person (alles in dieser Welt) über Gier, Hass und Ignoranz”, kurz: Anhaftung.

  • Hier sehen wir, wie das gemäß dem natürlichen Paticca Samuppada Prozess geschieht.

2. In der Cha Chakka Sutta wird es auch dargestellt. Aber in konventionellen Übersetzungen kommt die wahre Bedeutung nicht rüber. Siehe Cha Chakka Sutta (MN 148).

Wir erfahren die Außenwelt über sechs Wege:

  • wir sehen Vanna Rūpa (Sichtbares) mit den Augen.
  • wir hören Sadda Rūpa (Laute) mit den Ohren.
  • wir riechen Gandha Rūpa (Gerüche) mit der Nase.
  • wir schmecken Rasa Rūpa (Geschmack) mit der Zunge.
  • wir berühren Pottabba Rūpa (berührbare Dinge) mit dem Körper.
  • wir denken über Dhamma (Erinnerungen, Konzepte) mit dem Geist nach.

Das nannte der Buddha „sabba“ oder ALLES. Unsere ganze Welt erfahren wir mit diesen sechs Sinnen. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit zum Nachdenken. Gibt es noch etwas anderes „in dieser Welt“ als die Sechs genannten?

3. Diese anfänglichen Sinneseindrücke kommen zu uns als Kamma Vipāka. Basierend auf unseren Asava/Anusaya (bzw. Gathi) handeln wir ggf. mit Avijja  und verfolgen den Sinneseindruck weiter, d.h. wir bilden neues Kamma.

  • Alle gierigen, hasserfüllten oder ignoranten Gedanken entstehen, wenn wir einen oder mehrere Kontakte mit der Außenwelt haben. Die anfänglichen Sinneseindrücke sind Kamma Vipāka. Aber nicht alle Sinneseindrücke führen zum Handeln mit Avijja. (Bitte nehmen Sie sich Zeit, diese Konzepte zu durchdenken. Es ist wichtig, die Idee zu erfassen, um dann Details zu verstehen.)
  • Diese wichtige Tatsache wird deutlich, wenn wir nicht in Kategorien von „Selbst“ oder „Nicht-Selbst“ denken. Es gibt keine „Person“, die ständig Avijja hat. Avijja entsteht durch Asava/Anusaya abhängig vom Sinneseindruck.

4. Wie haften wir nun an? Nehmen wir als Beispiel eine Person, die einen neuen Song hört. In diesem Fall wird der Ton (Sadda) im Ohr ankommen (Sota) und Hör-Bewusstsein erzeugen (Sota Vinnana). Mehrere Dinge laufen im Bruchteil einer Sekunde ab. Diese sehr schnelle Sequenz wird so angegeben:

(i) „sōtanca paticca sadda, uppaddati sōta viññānam“, mit uppaddati = “entstehen”. Paticca bedeutet hier nur die Tatsache, dass der Ton vom Ohr aufgenommen wird, und nicht pati + icca oder „bereitwillig gebunden”.

  • „Aufgrund von Ton, der vom Ohr empfangen wird, entsteht Hör-Bewusstsein“.
  • Der Geist ist daran nicht beteiligt.

Um Interesse zu haben, müssen wir eine gewisse Zuneigung haben. Jeden Tag erleben wir Millionen Bilder, Geräusche, usw., aber wir erinnern uns nur an eine begrenzte Anzahl. Nur dafür entwickeln wir Tanha. Diese „Auswahl gemäß den Interessen” beginnt im nächsten Schritt:

(ii) „Tinnan san gati phassaō”

Hier müssen wir die Begriffe erklären: san bedeutet “Verunreinigungen” bzw. “Treibstoff für die sansarische Reise” (siehe Was ist “San”?) und gati sind Gewohnheiten; also sind san gatisansarische Gewohnheiten”. Phassa bedeutet “Kontakt” und tinnan bedeutet “drei”.

  • Die obige Zeile sagt: diese drei Dinge (Ton, Ohr und Hörbewusstsein) haben Kontakt mit den eigenen sansarischen Gewohnheiten und der Geist wird sofort vom Thema (in diesem Fall der Song) angezogen, wenn es zum Gathi passt. Nach ein paar Zeilen des Songs wird der Teenager „süchtig“ und sein Geist wird im Hörerlebnis völlig absorbiert.
  • Es ist wirklich dieser Schritt, wo der Teenager interessiert wird und anhaftet (via pati + icca), weil der Song zu seinem Gathi passt.

Dann kommt die nächste Zeile:

(iii) „samphassa jā vedanā“ bedeutet “dieser Kontakt mit San Gati führt zu Gefühlen”.

  • Mit dem passenden Gathi ergeben sich die entsprechenden Gefühle automatisch. Wir können es nicht verhindern, zumindest nicht die anfänglichen Citta  bzw. Gedanken. Aber wir können aufhören, darauf “zu drehen” und z.B. schlecht zu reden oder unmoralisch zu handeln.
  • Schlechtes Gathi muss man loswerden. In der Satipattana Sutta wird beschrieben, wie man zum Sampajannō wird. Siehe Kayanupassana – Abschnitt zu Gewohnheiten (Sampajanapabba).

Dies ist ein sehr wichtiger Schritt. Das Gefühl hängt davon ab, ob jemand vom Objekt via Gier oder Hass angezogen wird. Wenn es Gier (oder Zuneigung) wie im Fall des Jugendlichen ist, der einen Song hört, hat man Sukha Vedanā (glückliche Gefühle). Wäre es ein Heavy Metal Song, den sein Großvater hören muss, könnte der Großvater sofort eine Form von Dukha Vedanā  (unglückliches Gefühl) erleben, falls er eine Abneigung gegen Heavy Metal hat. Verschiedene Menschen nehmen das gleiche „Ereignis“ (Bild, Klang, Geruch, Geschmack, Berührung, Dhamma) anders wahr.

Ein weiteres Beispiel:

Der Teenager könnte an einer lauten Straße entlanggehen. Wenn er den Song wirklich mag, hört er nicht einmal den Lärm rundherum. Er wird vom Song absorbiert und anhaften. Auch später denkt er vielfach an den Song: er will mehr über den Sänger rausfinden, das neue Album komplett hören, einem Freund davon erzählen, usw. Dies ist das „sansarische Kreisen“, siehe Nibbana – schwierig zu verstehen?.

Der Teenager haftet an (entwickelt Tanha), wie im nächsten Schritt gezeigt:

(iv) „vēdanā paccayā tanhā, tanhā paccayā upādāna, upādāna paccayā bhava, …“

Der Song wurde seine Existenz oder Bhava (d.h. seine totale Aufmerksamkeit). Er will den Song nicht nur einmal hören, sondern immer wieder und auch andere Alben des Sängers. Das ist Tanha, er wird daran gebunden. Aus diesem Grund verlangt er nach mehr. Sein Geist verbringt viel Zeit mit dem „Kreisen“ bzw. Nachdenken über das Thema. Sein Bhava wird der Song.

(v) In  (iv) oben endet die Sequenz mit einer weiteren Stärkung „seiner Neigung (gati)“, diese Art von Musik zu hören. Das ist Tanha. Dies ist ein wichtiger Punkt. Wir haften an Dingen, wofür eine tief verwurzelte Vorliebe besteht. Mehr Anhaftung stärkt die Zuneigung bzw. das Gathi. Das ist das Gesetz der Anziehung (siehe Das Gesetz der Anziehung, Charakter (Gathi) und Verlangen (Asavas)). So wird es ein Teufelskreis. Gewohnheiten zu brechen, ist schwierig.

5. Am besten man kontempliert eigene Situationen, um zu sehen, wie Tanha via Gier und Hass entsteht.

  • Ein Arahant kann nur unter schlechtem Kamma Vipāka leiden, denn er/sie erzeugt keinen Schmerz oder Glück über den Mechanismus Paticca Samuppada. Vedanā wird nicht mehr via Samphassa jā Vedanā erzeugt.
  • Normale Wesen (Anariya) erzeugen „selbstinduziertes“ Leid und Glück über diesen Mechanismus. Das Problem ist, dass auch jedes Glück nicht lange haltbar ist.

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