Phassa paccayā Vedanā … bis Bhava

1. Im vorhergehenden Beitrag betrachteten wir den Unterschied zwischen Phassa und Samphassa.

  • Ein Arahant wird immer Phassa haben, egal ob es wegen Kamma Vipāka ist oder ob er/sie die Sinnesfähigkeiten für einen bestimmten Zweck einsetzt. Hier ist Phassa reiner geistiger Kontakt: nur Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten oder einfach nur willkürliche Gedanken ohne eigene Vorlieben/Abneigungen.
  • Ein gewöhnlicher Mensch erlebt auch Phassa, wenn Sinneseindrücke als Kamma Vipāka auftauchen. Weckt der Sinneseindruck aber das Interesse, werden die Folgehandlungen mit Samphassa getan, was wiederum zu mehr Kamma führt.
  • Damit beinhaltet der akusala-Mula Paticca Samuppada eigentlich Salāyatana paccayā Samphassa, obwohl es in der Regel Salāyatana paccayā Phassa geschrieben wird.

2. Phassa ist der reine geistige Kontakt. Samphassa ist geistiger Kontakt, der auch eigene Vorlieben/Abneigungen für den Sinneseindruck enthält, d.h. der Kontakt ist verunreinigt.

  • Der Unterschied zwischen Indriya und Ayatana wurde auch schon besprochen. Hier nur der Hinweis: Diese sechs Indriya unterscheiden sich auch von den fünf geistigen Indriya, genannt Panca Indriya: Sati, Samādhi, Saddhä, Viriya, Paññā. Dies sind die fünf geistigen Führer.

3. Im akusala-Mula PS kommen die Indriya als Salāyatana ins Spiel, d.h. Nāmarūpa paccayā Salāyatana. Wir verwenden hier unsere Sinnesfähigkeiten als Ayatana.

  • Daher ist der nächste Schritt Salāyatana paccayā Samphassa. Konventionell wird Salāyatana paccayā Phassa verwendet, weil es sich besser reimt auf diese Weise. Man sollte wissen, dass eigentlich Samphassa gemeint ist.

4. Für den Fall des Teenagers, der innerhalb einer Gruppe zum Alkoholgenuss und weiteren schlechten Aktivitäten tendiert, folgen die nächsten Schritte im PS Zyklus wie folgt:

  • Er verwendet alle sechs Sinnesfähigkeiten als Ayatana, um die Gruppenaktivität zu optimieren und Spaß zu haben: Nāmarūpa paccayā Salāyatana. Unvermeidlich werden die Sinneseindrücke auf solche Aktivitäten abgestimmt: Salāyatana paccayā Phassa. Die meisten seiner Sinneskontakte sind mit Gier, Hass und Ignoranz verunreinigt.
  • Dementsprechend werden die meisten Gefühle mit solchen verunreinigten Sinneskontakten verbunden: Er wird wütend im Umgang mit rivalisierenden Banden, hat Freude an Schlägereien, bekommt Lust auf Trinken und Drogen usw. Damit folgt (Sam)phassa paccayā Vedanā.

5. Jetzt wird er mehr und mehr absorbiert in Aktivitäten der Gruppe, er hat Freude daran. Gruppen-Aktivitäten werden zur regelmäßigen Gewohnheit. Damit hat er Anhaftung über Gier und Hass. Das ist Vedanā paccayā Tanha; siehe Tanha – Wie wir via Gier, Hass und Ignoranz anhaften.

6. Solche starken Bindungen führen zu Upadanaupa + adanà, mit  upa = „nah“ und adanà = „ziehen“ oder „anziehen“. Gruppen-Aktivitäten ziehen den Teenager jetzt an und er denkt, spricht, lebt es den ganzen Tag: Tanha paccayā Upadana.

7. Dies führt zur Vorbereitung künftiger „Existenz“ oder Bhava. Angenommen, seine Lieblingsaktivität sind Schlägereien mit Gegnern seiner Gruppe. Er kann damit die Geisteshaltung eines aggressiven Tieres erwerben. Er wird sich leicht aufregen und schnell in Wut geraten.

Das ist Upadana paccayā Bhava.

  • Sein Bhava ändert sich manchmal drastisch von einem unschuldigen Teenager zu einem gewaltsamen Tier.

8. Dieser Prozess von Avijja paccayā Sankhara bis Upadana paccayā Bhava geschieht nicht in linearer Abfolge.

Einige Schritte laufen vor- und rückwärts. Zum Beispiel: Avijja paccayā Sankhara wird zwangsläufig auch rückwärts ablaufen, also Sankhara paccayā Avijja, d.h. je mehr er falsche Dinge tut, umso mehr wird auch seine Ignoranz gestärkt. Genießt er diese unmoralischen Handlungen, wird er auch glauben, dass ihm das zukünftig Glück bringt. Sein Geist wird mehr und mehr überdeckt mit Kamachanda  (starke Gier) und Vyapada (starker Hass), die beiden Hauptkomponenten der fünf Hindernisse.

  • Seine Fähigkeit, klar zu denken, wird durch die fünf Hindernisse unterdrückt und Moha (Ignoranz) wächst; Sankhara paccayā Avijja wird auch stattfinden.
  • Es können sich viele weitere Verbindungen entwickeln, die den abwärts gerichteten Fortschritt des Teenager stärken.

9. Lassen Sie uns das Konzept von Bhava detaillierter betrachten. Da viele Menschen die Begriffe Bhava und Jati durcheinander bringen, ist eine klare Vorstellung wichtig.

  • Jedes Mal, wenn wir ein Sankhara tun (mit dem Körper, der Sprache, den Gedanken), wird ein entsprechendes Kamma gebildet. In Buddha Dhamma hat jede Aktion eine Reaktion wie in der Physik, aber bei geistigen Phänomenen kann die Reaktion viel später erfolgen (Kamma Vipāka), manchmal viele Leben später. 
  • Aus diesem Grund hat die Wissenschaft noch keinen Weg gefunden, geistige Phänomene zu behandeln. Da die meisten „Reaktionen“ später in diesem Leben oder in zukünftigen Leben folgen, ist es nicht einfach, die Beziehung zwischen Aktion und Reaktion zu sehen.

10. Nicht alle Kamma sind gleich. Einige Kamma (und entsprechende Sankhara) sind harmlos, d.h. sie sind nicht potent. Jeder, der in dieser Welt lebt (auch ein Arahant bis zum Tod), tut Sankhara um zu leben: Ein Arahant muss auch gehen, sprechen, essen, denken. In einigen Fällen werden diese Sankhara als kriya bezeichnet.

  • Beinhalten die Kamma jedoch Gier, Hass und Ignoranz, sind sie potent. Sie können signifikante Ergebnisse bzw. Kamma Vipāka einbringen.
  • Diese starken Kamma (Sankhara) werden Kamma Patha genannt (oder  Abhisankhāra). Töten der Eltern ist ein Kamma Patha. Da es unmoralisch ist, wird es Apunnabhisankhara genannt (apunna + abhisankhāra). Es wird zu sehr schlechten Folgen führen (Kamma Vipāka).
  • Das Leben eines Menschen zu retten, ist auch ein Abhisankhāra. Da es moralisch ist, wird es Punnabhisankhara genannt (punna + abhisankhāra). Es wird zu sehr guten Folgen führen.

11. Die Reaktionen aus Handlungen (Sankhara) beinhalten das Konzept des Bhava, was auch Kamma Beeja oder Kamma-Samen heißt.

  • Je mehr man das Gleiche tut, umso mehr wächst das Potential (oder die Energie) aus der Handlung. Solche Handlungen bereiten ein Bhava oder eine Existenz entsprechend dem Kamma vor.
  • Führt der Teenager immer wieder Gewalttaten aus, erzeugt er damit Bhava oder Kamma-Samen, die angemessene Folgen bringen.
  • Während einer Lebenszeit führen diese Bhava zu Umgebungen geeignet für ähnliche Handlungen. Es wird sein „Zustand der Existenz“. Er handelt weiter gewalttätig und sogar wie ein Tier. Sein Tier-Gathi wird wachsen.
  • Dieses Bhava wird Kamma-Bhava genannt. Der Teenager kann in dieser Existenz viele Male während der Lebensdauer „geboren“ werden.

12. Dieser ganze akusala-Mula PS Zyklus kann mehrmals am Tag ablaufen.

  • Solche Taten sollte man deshalb früh stoppen. Wenn man Anāpāna oder Satipattāna richtig gelernt hat, wird man solche Handlungen leicht erkennen und stoppen.
  • Deshalb spielt die Umgebung (Eltern, Familie, Freunde, Lehrer, etc.) eine so große Rolle im Leben eines jungen Menschen. Wir alle haben gute und schlechte Tendenzen aus früheren Leben mitgebracht. Welche dann weiter wachsen, hängt ab von den Bedingungen und die kann man positiv beeinflussen. Wenn man alt ist, kann man natürlich auch sein Gathi ändern, mit mehr Anstrengung vielleicht.

13. Ein gegebenes Kamma Bhava kann zu uppatti Bhava werden, d.h. der Kamma-Samen ist jetzt stark genug, um ein Patisandhi-Moment zu erzeugen (Wiedergeburt), wenn das aktuelle Bhava als Mensch endet. Der Cuti Patisandhi-Übergang erfolgt im letzten Citta Vithi der menschlichen Existenz.

  • Wir alle haben viele gute und schlechte potente Kamma-Samen in unseren früheren Leben erworben. Von all den guten und schlechten Kamma-Samen rückt der Stärkste in den Vordergrund des Geistes beim Tod (wenn die kammische Energie für das aktuelle Bhava als Mensch aufgebraucht ist).

 

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