Vedana (Gefühle)

In diesem und den folgenden Beiträgen werden wir fünf Arten von Vedana (Gefühle) besprechen. Es gibt weitere Arten von Vedana, aber diese fünf sind wichtig für die Sotapanna-Stufe. Drei davon entstehen durch Kamma Vipaka und die beiden anderen entstehen durch Sankhara (verunreinigte Gedanken).

  • Vedanā kommt von + danä und heißt in Singhalesisch veema  danaveema, d.h. wenn wir etwas über unsere sechs Sinne wahrnehmen, werden wir uns dessen bewusst. Das ist Vedana.

Vedana, die in dieser Welt nicht zu vermeiden sind, sind folgende drei Arten: Sukha Vedana (angenehmes oder freudiges Gefühl), Dukha Vedana (unangenehmes oder schmerzhaftes Gefühl) und Adukkhama Asukha Vedana (nicht unangenehm, nicht freudig, nur neutral). Dieses Adukkhama Asukha Vedana wird gemeinhin als  Upekkha Vedana bezeichnet.

  • Es ist darauf hinzuweisen, dass Upekkha für einen der Saptha Bojjanga bzw. der sieben Erleuchtungsfaktoren reserviert ist. Es ist ein Zustand des Geistes (Neutralität, Gleichmut) und muss kultiviert werden. Meistens wird Upekkha  falsch als neutrales Gefühl übersetzt, aber das ist kein zentrales Problem.

Dann gibt es zwei weitere Arten von Vedana, deren Entstehung verhindert werden kann: somanassa (angenehme) und domanassa (unangenehme) Vedana. Sie entstehen ausschließlich im Geist aufgrund unreiner Gedanken (Sankhara). Die Details werden im Folgenden erörtert.

Vedana können auf zwei Arten entstehen

  1. Als Folge von Kamma (d.h. Kamma Vipaka). Das Kamma bzw. Sankhara kann viele Leben vorher getan sein.
  2. Als direkte Folge von Sankhara (während einer laufenden Handlung).

Vedana entsteht aus Kamma Vipaka

Kamma Vipaka kann jedem passieren, auch Arahants. Während man manches Kamma Vipaka vermeiden kann, gibt es andere starke Kamma, die unvermeidbar sind.

  • Zum Beispiel hatte der Buddha selbst körperliche Beschwerden später in seinem Leben als Kamma Vipaka. Moggallana Thero wurde wegen eines schlechten Kamma erschlagen, das er viele Leben zuvor beging.
  • Allerdings passieren Kamma Vipaka nicht mit Sicherheit. Einige können in der Stärke reduziert werden (wir werden dies unter Vinaya und Metta Bhavana besprechen), alle werden mit der Zeit in ihrer Stärke reduziert und einige werden ausgelöscht, wenn sie nicht innerhalb von 91 Maha Kalpas zum Tragen kommen. Viele Kamma Vipaka können durch das Verhindern von Bedingungen vermieden werden. Siehe Sankhara, Kamma, Kamma Beeja, Kamma Vipaka.

Vedana entsteht aus Sankhara

Dies sind die Vedana, die Arahants nicht fühlen. Da sie keine Abhisankhara begehen (Sankhara mit Gier, Hass und Ignoranz getan), vermeidet ein Arahant automatisch jedes Gefühl, das durch Abhisankhara entsteht. Einige Beispiele:

  1. Drei Leute gehen zusammen die Straße entlang. Der eine hat eine ultra-rechte politische Einstellung (A), der Zweite hat eine ultra-linke Einstellung (B), und der Dritte ist ein Arahant, der keine besonderen Gefühle für irgendwen hat (C). Sie alle sehen einen berühmten linken Politiker. Selbstverständlich sieht A den Politiker mit Unmut und bei B sind angenehme Gefühle zu erwarten. Der Arahant wird keine Freude und keine Abneigung empfinden. Obwohl alle drei die gleiche Person sehen, generieren sie verschiedene Arten von Gefühl. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Gefühle von A und B jeweils selbst erzeugt werden. Sie stammen nicht vom Politiker.
  2. Zwei Freunde gehen auf Schatzsuche und finden einen Edelstein. Sie sind beide überglücklich. Der Stein sieht wirklich wertvoll aus und der eine tötet seinen Freund, damit er das ganze Geld allein einstecken kann. Doch als er versucht, den Stein zu verkaufen, findet er heraus, dass dieser nicht so wertvoll ist. Seine Freude wird im nächsten Augenblick zu Trauer. Nichts hat sich am Objekt geändert. Was sich ändert, ist die Wahrnehmung davon (Sanna).
  3. Ein Liebespaar lebt seit vielen Jahren ohne Probleme und ist glücklich. Bei einem Streit schlägt der Mann seine Frau. Der körperliche Schmerz durch den Schlag selbst dauert nicht länger als ein paar Minuten. Aber wie lange wird die Frau geistig leiden? Auch der Mann, der keinen körperlichen Schmerz erlitt, kann viele Tage leiden, wenn er seine Frau wirklich liebt. In beiden Fällen ist der eigentliche Schmerz mit der Anhaftung zueinander verbunden. Der Frau könnte etwas auf den Fuß fallen und sie würde etwa die gleiche Menge an körperlichen Schmerzen erleiden. Aber sie würde damit keine anhaltenden psychischen Schmerzen verbinden.
  4. Wenn der Buddha Dukha in der Dhammacakka Pavattana Sutta beschreibt, sagt er: “jathi pi dukkha, jara pi dukkha, maranan pi dukkha…….”. Die Meisten übersetzen dies fälschlicherweise als „Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden, Sterben ist Leiden, ….“. Obwohl das Wort „pi“ für den Vers verwendet wird, muss es entweder in Form von „pi“ (mögen) oder „api“ (nicht mögen) verwendet werden. So bedeutet „jathi pi dukkha“ stattdessen „Geburt von etwas, was man nicht mag, ist Leiden für einen selbst“. „Jara pi dukkha“ bedeutet „Zerfall von etwas, was man mag, ist Leiden“ und „maranan pi dukkha“ bedeutet “Tod eines Geliebten ist Leiden”. Das Gegenteil ist auch wahr: „Zerfall von etwas, was man hasst, bringt Glück“ und „Tod einer verhassten Person bringt Glück“. Sie können sich jedes Beispiel durchdenken. Es ist immer wahr. Viele Menschen waren froh über den Tod von Bin Laden, außer seine eigenen Leute.
  5. Der Buddha verdeutlichte das im nächsten Vers: „piyehi vippayogo dukkho, appiyehi sampayogo dukkho“, was bedeutet „es bringt Leiden, wenn ein geliebter Mensch stirbt, und es bringt auch Leiden, wenn man mit einer unliebsamen Person zusammen ist“.

Alle diese Gefühle entstehen durch Gier, Hass oder Ignoranz. Sie alle entstehen aus (Abhi)Sankhara. Die Gefühle sind in einem selbst. Sie kommen nicht von außen. Wir verwenden äußere Dinge, um Glück oder Leiden durch unseren eigenen Willen zu verursachen.

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