Gewichtung von verschiedenem Kamma

Im vorigen Artikel Zehn unmoralische Taten (Dasa Akusala) betrachteten wir die zehn verschiedenen Arten von Handlungen, die schlechte kammische Folgen haben. Hier werden wir die relativen Gewichte der verschiedenen Kamma besprechen und einige Missverständnisse ausräumen.

1. Das stärkste Akusala von allen ist Micca DitthiDas einzige Akusala, dass ein Sotapanna vollständig entfernt hat, ist Micca Ditthi. Damit hat der Sotapanna eine unvorstellbar große Menge an Verunreinigungen entfernt. Siehe Was ist das einzige Akusala, was ein Sotapanna entfernt hat?.

  • Ein kritisches Problem, was viele Menschen haben, ist der Versuch der Vermeidung von relativ harmlosen kammischen Konsequenzen, während sie unwissentlich Dinge tun, die viel stärkere kammische Folgen haben. Lassen Sie uns ein Beispiel ansehen: Angenommen, wir haben einen großen Wassertank, der Wasser durch viele Löcher verliert. Einige Löcher sind winzig, einige sind ein wenig größer und es gibt ein paar Löcher, die schnell und viel Wasser entweichen lassen. Offensichtlich würde man zuerst die großen Löcher stopfen. Dann würde man die mittelgroßen Löcher abdichten und zuletzt die winzigen Löcher.

2. Wir können sehen, dass viele Akusala gegen andere Wesen gerichtet sind und gedanklich oder mit verbalen oder körperlichen „Handlungen“ getan werden. Im Prinzip kann ein Wesen in irgendeinem der 31 Reiche sein (siehe Die große vereinheitlichte Theorie).

  • Die Folgen jeder Untat (d.h. Kamma Vipaka), wo ein anderes Wesen involviert ist, hängt stark von der „Ebene der Existenz“ des Lebewesens ab, also ob im untersten Reich (Niraya) bis zum höchsten Reich (das vierte Arupa Loka). Alle Ariya bzw. Edlen Personen (die eine der vier Stufen von Nibbana erreicht haben) sind auf den höchsten Ebenen unabhängig vom Reich. Ein verletzendes Wort gegen einen Ariya bringt tausendfach schlechtes Kamma Vipaka im Vergleich zum Töten tausender Ameisen.
  • Es ist augenscheinlich schwer zu erkennen, ob ein bestimmter Mensch ein unmoralischer Mensch oder ein Arahant ist. Das Menschen-Reich ist in vielerlei Hinsicht einzigartig.

3. So können wir versuchen, die kammischen Folgen einer gegebenen unmoralischen Tat einzuordnen, und zwar in Bezug auf das Bewusstseins-Niveau des Wesen, gegen das die Tat begangen wurde:

  • Unabhängig von dem Reich sind die höchsten vier Ebenen Arahant, Anagami, Sakadagami und Sotapanna. Der Mensch kann alle vier Ebenen erreichen.
  • Von den 31 Reichen können wir nur Menschen- und Tier-Reich direkt erleben. Deshalb müssen wir normalerweise Handlungen bewerten, die andere Menschen und Tiere betrifft.
  • Da jedes Tier im Vergleich zum Menschen minderwertig ist, müssen wir besondere Aufmerksamkeit darauf lenken, wie wir mit anderen Menschen interagieren.
  • Insbesondere ist es nicht möglich zu beurteilen, ob ein bestimmter Mensch einen Nibbanischen Zustand erreicht hat. Auch durch verletzende Worte gegenüber einem Ariya (jemand, der zumindest die Sotapanna-Stufe erreicht hat) kann man tausendfach mehr schlechtes kammisches Potenzial erwerben im Vergleich zu verletzenden Worten gegen einen normalen Menschen.
  • In manchen Fällen weiß auch die betreffende Person selbst nicht, dass er/sie ein Sotapanna ist. Es gibt Jati Sotapannas, welche die Sotapanna-Stufe in einem früheren Leben erreicht haben und damit als Sotapanna geboren werden, es aber nicht wissen.
  • Daher müssen wir im Umgang vor allem mit Menschen sehr vorsichtig sein.

5. Wenn wir sagen, Töten ist unmoralisch, impliziert dies das Töten eines jeden Lebewesens. Aber einen Mensch zu töten, hat kammische Folgen, die viel schlimmer sind als im Vergleich zum Töten eines Tieres. Bei der Schwere der Konsequenzen bzgl. eines Ariya steigert es sich von Sotapanna bis Arahant.  Einen Arahant zu töten hat schwerste Folgen und ist gleich auf mit dem Töten eines Elternteils (ein anantariya Kamma, was eine Geburt in einem Apaya schon im nächsten Leben bewirkt).

6. In ähnlicher Weise haben andere unmoralische Handlungen Konsequenzen, die zur „Bewusstseinsebene“ des Lebewesens passen. Es ist nicht eine Frage des Empfindens, d.h. ob ein bestimmtes Lebewesen gefühlt „besser“ ist als ein anderes.

  • Vielmehr ist die Frage, wie wertvoll das „Niveau“ ist bzw. wie schwierig es ist, dieses „Niveau“ zu erreichen. Man wird als Mensch geboren wegen der Verdienste aus früheren Leben. Es ist extrem schwierig eine menschliche Geburt zu erreichen. Siehe Wie der Buddha die Chance der Wiedergeburt im Menschen-Reich beschrieb.
  • Man wird ein Sotapanna durch moralisches Verhalten und durch Reinigung des Geistes. Damit ist das Leben eines Sotapanna viel wertvoller im Vergleich zu einem normalen Menschen.

7. Selbst unter den Menschen, die keinen Nibbanischen Zustand erreicht haben, gibt es „verschiedene Ebenen des Bewusstseins“: Manche sind mehr weise als andere. Das höhere Niveau der Weisheit entspricht einem höhren Wert des Bewusstseins.

  • Hier bedeutet Weisheit nicht Buchwissen, sondern Wissen über Dhamma, d.h. Verständnis der wahren Natur „dieser Welt“ bzw. anicca, dukkha, anatta. Somit ist die Wahrscheinlichkeit für das Erreichen einer Stufe von Nibbana höher.

8. Eine weitere wichtige Sache ist sich nicht vor Dingen zu fürchten, über die man keine Kontrolle hat. Jeden Tag töten wir unbeabsichtigt viele kleine Tiere,. d.h. zertreten sie beim Gehen, bei der Reinigung im Haus oder beim Kochen.

  • Wir müssen uns daran erinnern, dass Kamma Absicht ist. Man kocht nicht, um zum Spaß oder aus Hass unsichtbare Lebewesen zu töten, sondern um Essen herzustellen oder um Krankheiten vorzubeugen (in tropischen Gegenden kocht man Wasser ab, um gefährliche Keime abzutöten).

9. Es ist nicht einmal möglich „in dieser Welt“ zu leben ohne andere Wesen unabsichtlich zu schädigen. Wir sollten uns aber bewusst sein, dass unsere Handlungen zur Vernichtung vieler Leben führen.

  • Ein Bhikkhu hatte Abhinna-Kräfte entwickelt und wollte ein Glas Wasser trinken. Mit seiner Fähigkeit zu „sehen“ erkannte er im Wasserglas zahlreiche mikroskopisch kleine Wesen. Er versuchte sie herauszufiltern, aber sie waren zu klein. Der Buddha erklärte ihm dann, dass es nicht möglich ist, in dieser Welt zu leben ohne andere Wesen zu schädigen. Man muss sein eigenes Leben erhalten, um Nibbana zu erreichen.
  • Man kann eine Verletzung haben. Würde man nichts tun, kann das zum Tod führen. Also reinigt man die Wunde, wobei wiederum zahlreiche mikroskopische Lebewesen getötet werden.
  • Auf Gras gehen tötet viele Insekten. Aber wir können unser Leben nicht leben, ohne uns fortzubewegen. Was zählt, ist unsere Absicht. Wenn man nur geht, gibt es keine Absicht Lebewesen zu töten.

10. Wir müssen darauf achten, nicht mit  Hass oder Gier anderen Lebewesen zu schaden (auch nicht den kleinsten Kreaturen). Es ist die Absicht bzw. der Geisteszustand, der zählt.

  • Es gibt diese Geschichte über eine alte Frau, die sehr vorsichtig war keines der fünf Gebote zu brechen. Aber sie war extrem gierig und ziemlich geizig, gab nicht viel für wohltätige Zwecke und versteckte ihr ganzes Geld unter dem Kopfkissen. Wegen dieser Gier wurde sie als Peta wiedergeboren (hungriger Geist).
  • Es ist relativ einfach die fünf Gebote einzuhalten. Es ist dagegen schon schwieriger seinen Geist von gierigen, hasserfüllten und ignoranten Gedanken zu reinigen. Dies kann man mit Anapanasati Bhavana erreichen; siehe Was ist Anapana? .
  • Auch wenn wir in diesem Leben nicht gierig oder voller Hass sind, so könnten wir aber in früheren Leben schlechtes Kamma erworben haben. Aus diesem Grund garantiert ein moralisches Leben keine gute Wiedergeburt, solange man nicht die Sotapanna-Stufe erreicht.
  • Buddha Dhamma betrachtet den Geist. Die Reinigung des Geistes ist der Schlüssel, nicht das Befolgen von Regeln. Vorschriften einzuhalten ist nicht genug.

11. Hass ist schlimmer als Gier. Übermäßiger Hass führt zu Wiedergeburten im untersten Reich, der Niraya. Übermäßige Gier führt zur Wiedergeburt hauptsächlich als Peta (hungriger Geist).

  • Eine Mischung von Hass und Gier führt zu Wiedergeburten in allen vier unteren Reichen, den Apayas. Selbst wenn hasserfüllte oder gierige Gedanken nicht zu verbalen oder körperlichen Handlungen führen, zählen die Gedanken trotzdem, besonders wenn man oft solche Gedanken generiert.
  • Aus diesem Grunde ist es wichtig, gute Meditationsgewohnheiten zu entwickeln; siehe Bhavana (Meditation). Ein Geist frei von Hass und Gier ist weniger aufgeregt und abgelenkt, aber er wird ruhig, was letztlich zu Weisheit führt (Panna).

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