Mythen über Meditation

Nibbāna braucht keine  Rituale

1. Einmal nahm ich an einem Meditations-Retreat teil. Alle saßen mit gekreuzten Beinen auf dem Boden, aber nach einer Weile konnten viele „den Schmerz nicht mehr ertragen“ und streckten ihre Beine aus oder bewegten sich zumindest. Es war (für mich) offensichtlich, dass sie aufgrund der unangenehmen Haltung an nichts anderes als an Schmerzen denken konnten. Das dauerte zwei Tage. Abgesehen von denen, die lange Zeit meditierten und mit einer Meditationsposition vertraut waren, konnten die Anderen den Rückzug nicht allzu sehr genießen.

  • Solche „Rituale“ sind Teil der falschen Sichtweisen, die man entfernen muss, bevor man die Sōtapanna-Stufe erreicht. Dieses Zwanghafte Sitzen im Lotussitz ist auch „silabbata parāmāsa“ bzw. „ein Ritual ausführen“.
  • Solche Praktiken sind nicht sinnvoll. Das Sitzen im Lotussitz ist keine Voraussetzung für Meditation. Meditation ist Kontemplation. Dies kann in jeder Haltung erfolgen, im Sitzen, Stehen, Gehen oder Liegen.

Wir müssen wissen, worüber wir meditieren sollen!

2. Es ist hilfreich, über das Ziel der Meditation nachzudenken. Das ultimative Ziel ist es, Gier, Hass und Unwissenheit aus dem Geist zu entfernen und Nibbāna zu erreichen. Man muss zuerst die grundlegenden Konzepte von Buddha Dhamma verstehen.

  • Will man sich nur vom Alltagsstress abkühlen, ist das gleiche Konzept anzuwenden. Man muss gierige, hasserfüllte und nutzlose Gedanken aussortieren. Je mehr wir das tun, desto entspannter wird der Geist.
  • Viele Menschen assoziieren „Atemmeditation“ automatisch mit „buddhistischer Meditation“. Sie verbringen Jahre damit und werden entmutigt. Siehe diesen sehr persönlichen Bericht (engl.): Meditation-Experience-of-Paññobhāsa-Bhikkhu-2.
  • Korrekte Ānapānasati Bhāvanā ist KEINE Atemmeditation. 
  • Die Reinigung des Geistes ist der Weg, um Erleichterung für den Geist zu erreichen. Auf lange Sicht erlangt man damit die Arahantschaft. Es gibt niemanden, der den Fortschritt einer anderen Person überwacht. Es ist der eigene Geist, der den Fortschritt im Auge behält.
  • Wenn man eine „formale Meditation“ macht, sollte man in einer bequemen Position sitzen. Es könnte die Lotus-Position sein, wenn man damit zurecht kommt. Man kann mehrere Stunden so verbringen, wenn man gut darin ist. Für die meisten Menschen tut es auch ein Stuhl, der nicht allzu bequem ist, damit man wach bleibt.

Nicht ALLE Gedanken entfernen

2. Boshafte Gedanken sollte man stets loswerden. Der Buddha sagte: „bhāvanāya bahuleekathāya.“ bzw. „meditiere so viel wie möglich, wann immer möglich“. Und das geschieht in allen möglichen Körperhaltungen: Sitzen, Stehen, Gehen, Liegen.

  • Ananda ist die einzige bekannte Person, welche Arahantschaft erlangte, während sie sich in keiner dieser vier Stellungen befand. Vor dem ersten Dhamma Sangāyanā (Buddhistischer Rat) bemühte er sich nach Kräften, Arahant zu werden. Nur Arahants konnten daran teilnehmen. Aber Ananda war der Einzige, der den gesamten Sutta Piṭaka auswendig gelernt hatte. Er musste am Sangāyanā teilnehmen. In der Nacht vor dem Sangāyanā war er nach großer Anstrengung erschöpft. Aber er dachte noch immer über ein Dhamma-Konzept nach, als er ins Bett ging. Er setzte sich aufs Bett und hob die Beine, um sich hinzulegen. Bevor sein Kopf das Kissen berührte, wurde ihm dieser bestimmte Punkt klar und Arahant phala citta wurde realisiert.
  • Eine andere Geschichte aus dem Tipitaka, die gegen den Glauben an Rituale spricht, handelt von einem Minister des Königs von Kosala namens Santati. Er erlangte Arahantschaft, als er einen einzigen Vers vom Buddha hörte: Dhammapada Vers 142.

Das Entfernen ALLER Gedanken führt zu Geburten im Asaññā-Reich

3. Ich habe Meditationsübungen gesehen, die Nibbana als das Entfernen aller Wahrnehmung beschreiben (sanna).

  • Manche „Gurus“ raten fälschlicherweise, dass man ALLE Gedanken entfernen muss, um Nibbana zu erreichen. Einmal drückte eine Deva dem Buddha die gleiche Idee aus: „Ist Nibbana nicht erreicht, indem man alle Gedanken entfernt?“. Der Buddha antwortete: „Nein. Nibbana wird realisiert, indem man gierige, hasserfüllte und unwissende Gedanken entfernt.“ Dieser Wortwechsel findet sich in der Mannivarana Sutta (SN 1.24).
  • Andere sagen, wenn ein Gedanke in den Sinn kommt (z.B. über einen geliebten Menschen, einen Ort oder irgendetwas Materielles), soll man sich sagen, „das existiert nicht“. Dann soll man es vergessen. Nur weil der Buddha sagte, dass sich alles schnell ändert, meinte er nicht, dass Phänomene nicht existieren. Die Dinge existieren nicht für die Ewigkeit, weil sie sich ständig ändern. Buddha lehnte sowohl „Selbst“ als auch „nicht Selbst“ ab.  Paṭicca Samuppāda erklärt alle Phänomene. Alle Dinge entstehen aufgrund von Ursachen. Ohne Ursachen keine Phänomene. Zudem würde die falsche Sichtweise genährt, dass die Welt nicht existiert (natthi ayaṃ loko).
  • Wenn man asaññā-Meditation kultiviert (durch Entfernen aller Gedanken, die in den Sinn kommen), kann man damit Geburten im asanna brahma loka bewirken. In diesem Reich entstehen keine Gedanken. Man bleibt dort für sehr lange Zeit, nur um dann zum Menschen-Reich zurückzukehren und weiter in Samsara zu kreisen.
  • Die genannten Meditationstechniken sind gefährlich. Wenn man sie entwickelt, kann man vergesslich werden. Die Wahrnehmung (sanna) ist ein aber universeller geistiger Faktor, um externe Objekte zu erkennen. 

Nibbana ist das Entfernen von Gier, Hass und Unwissenheit

4. Ein Arahant hat nicht die Fähigkeit zu denken oder wahrzunehmen verloren. Ein Arahant hat Gier, Hass und Unwissenheit beseitigt (über die vier edlen Wahrheiten). Gedanken entstehen weiterhin via sanna, d.h. er/sie kann Menschen, Dinge, Konzepte, Ideen identifizieren. Auch die anderen Sinne arbeiten unvermindert (hören, schmecken, riechen, berühren).

  • Der einzige Unterschied ist, dass ein Arahant keine gierigen, hasserfüllten oder unwissenden Gedanken über irgendetwas hervorbringt.
  • Das Konzept von Nibbana ist einfach: „rāgakkhayō Nibbānam, dōsakkhayō Nibbānam, mōhakkhayō Nibbānam

Man nähert sich Nibbana mit dem Entfernen gieriger, wütender und unkluger Gedanken 

5. Man erlebt „Abkühlung“, wenn man Fortschritte bei der Beseitigung von Gier, Hass und Unwissenheit macht, noch vor der Sotapanna-Stufe. Anstatt vergesslich zu werden, wird der Geist schärfer und wacher. Man wird sich besser und  nicht schlechter an Dinge erinnern können. Man wird zufrieden, nicht düster oder deprimiert. Es ist für gewöhnliche Menschen schwer zu ergründen, wieviel Stress mit einem Geist verbunden ist, der mit Gier, Hass und Unwissenheit kontaminiert ist.

  • Der ständige Stress in einem durchschnittlichen Geist entsteht durch Gier, Hass und Unwissenheit. Deshalb suchen Menschen Sinnesvergnügen, um etwas Erleichterung zu bekommen. Aber das Problem ist, dass solche Erleichterung nur vorübergehend wirkt. Darüber hinaus tun viele Menschen unmoralische Dinge, um solche Freuden zu haben. Es kann also in der Folge noch viel schlimmer kommen. Man bekommt nicht nur keine dauerhafte Entlastung, sondern man zahlt auch für das schlechte Kamma, angehäuft durch unheilsame Taten (Lügen, Stehlen, sexuelles Fehlverhalten usw.).
  • Deshalb spürt man die Erleichterung sofort, wenn man ein „einfaches, ehrliches Leben“ führt. Das sollte die „Basis“ für den Beginn der Meditation sein. Es ist unmöglich, Fortschritte zu machen, egal wie viel Zeit man „meditiert“, wenn man einen unmoralischen Lebenswandel  führt bzw. sich auf der „falschen Seite“ engagiert. Siehe Dasa Akusala.
  • Was der Buddha verkündete, war einfach, aber tiefgründig. Befreit man den Geist von den fünf Hindernissen (pancanivarana) durch ein einfaches, ehrliches Leben und beginnt man, die richtige Ānāpānasati Bhāvanā zu tun, wird sich der Fortschritt mit der Zeit beschleunigen, weil der Geist beginnt, klarer zu sehen. Man wird schnell in der Lage sein, die wahre Bedeutung von anicca, dukkha, anatta zu erfassen.

Entstehen und vergehen alle Dinge in einem Augenblick und entstehen sie dann wieder?

6. Eine weitere Serie von „Desana„, die ich hörte, beschrieb, wie ein fortgeschrittener Meditierender tatsächlich „Enstehen und Vergehen“ der materiellen Welt „sehen“ konnte. Diese Person sagt, dass man die „Unbeständigkeit“ sehen könne, die in der „großen einheitlichen Theorie des Dhamma“ beschrieben wird. Er erklärte, wie er so viel Angst bekam, als die „Welt“ kurz vor der Neuformierung verschwand!

  • Eine Citta entsteht nie als einzelner Gedanke. Es erscheint in einem Citta Vithi (eine Serie von citta), was in der Regel 17 Citta enthält, wenn der Citta Vithi aufgrund eines externen Sinneseindrucks entsteht (panca dvara citta vithi). Es entstehen viele Milliarden Citta bzw. Gedankenmomente pro Sekunde. Allerdings kann nur ein Buddha so schnelle Prozesse tatsächlich „sehen“.
  • Der Buddha beschrieb Sariputta solche winzigen Details in zusammengefasster Form, und es dauerte mehrere hundert Jahre, um eine detaillierte Beschreibung der mentalen/physischen Phänomene auf der Grundlage solcher Informationen vom Buddha fertigzustellen. Der Abhidhamma-Pitaka wurde erst beim dritten Dhamma Sangyana vollendet.
  • Sogar in vielen Lehrbüchern über Abhidhamma wird manchmal gesagt: „.. Rupa sind sehr kurzlebig – sie dauern nur 17 Gedankenmomente, was entsteht, vergeht fast unmittelbar.“ Das ist falsch! Die obigen 17 Gedankenmomente umfassen die Lebenszeit eines hadaya rupa. Hadaya-Rupa werden an der Hadaya Vatthu durch ein Sinnesereignis erzeugt (panca dvara citta vithi). Während der Lebensdauer eines Hadaya-Rupa, wird ein äußerer Sinneseindruck in 17 Gedankenmomenten erlebt. (Während dieser kurzen Zeit erfasst der Geist einen Eindruck von einem äußeren Rupa). Siehe Existiert ein Objekt (Rupa) nur für 17 Gedankenmomente?

Falsche Lehren sind nicht auf Mahayana beschränkt

7. Probleme mit den Mahayana-Lehren werden durch Fortschritte in Wissenschaft und Technik offensichtlich. Siehe Probleme mit der Mahāyāna Lehre.

  • Einige der „falschen Lehren“ stammen jedoch aus Theravada-Ländern, insbesondere aus Sri Lanka. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, das reine Dhamma zu finden und zu lernen.
  • Wie kann man dem Pfad des Buddha folgen, ohne den eigentlichen Pfad zu kennen? Bhāvanāya pahātabbā“ (Entfernen von Verunreinigungen durch Meditation) kommt erst nach „dassanena pahātabbā“ (Entfernen von Verunreinigungen durch korrekte Sichtweise). Darum kommt auf dem edlen Pfad auch Samma Ditthi zuerst und Samma Samadhi zuletzt.

„Sich besser fühlen“ bedeutet nicht unbedingt, auf dem richtigen Weg zu sein

8. Beim „Aussieben“ der falschen Ansätze ist ein wichtiger Punkt zu wissen, nämlich dass es viele Möglichkeiten gibt, sich „besser zu fühlen“. Ein Drogensüchtiger entspannt sich sofort, wenn er sich die Droge spritzt. Bei klarem Blick weiß man um die vorübergehende Natur dieses „Lösungsansatzes“ und um die schrecklichen Folgen. 

  • Süchtig nach anariya (bzw. nicht-buddhistischen) Meditationen wie Atem- oder Kasinameditation zu sein, ist nur etwas besser. Viele werden süchtig, weil sich keine negativen Folgen in diesem Leben einstellen. Auch wenn das wahr sein mag, hat man seine kostbare Zeit im Menschen-Leben mit etwas verschwendet, was nicht auf Dauer hilft.
  • Sich besser fühlen, ist also nicht zwingend die Lösung. Deshalb muss man sich die Basis dieses Ansatzes ansehen. Ich bin auf mehrere Gruppen gestoßen, in denen man von „Techniken“ überzeugt ist, weil man sich „besser fühlt“. 
  • Die einzige Möglichkeit, jede „Theorie“ oder jeden „Ansatz“ zu beurteilen, besteht darin, kritisch zu untersuchen, ob die Realität gut genug erklärt wird. Kann die Theorie bzw. der Glaube erklären, warum Menschen anders geboren werden, warum manche unter so schlechten Verhältnissen geboren werden, warum manche ihr Leben mit Krankheiten verbringen, warum Tiere offensichtlich Schmerzen haben, warum es Tiere gibt, usw.? Nur das reine Buddha Dhamma kann all dies und mehr erklären.

Formale und informelle Meditation

9. Schließlich kann Meditation “ formal“ oder „informell“ sein. Um sich der formalen Meditation zu widmen, sucht man sich ein Zeitfenster und einen Ort:

  • Konventionelle Sitz- oder Gehmeditation wäre möglich. 
  • Einen Dhamma-Diskurs hören, von einem Ariya vorgetragen, ist eine weitere formelle Form.
  • Lesen (und Nachdenken) über Dhamma-Konzept, ist auch formale Meditation. Wenn man im ruhigen Geisteszustand liest/hört, wird man mehr erfassen.

10. Informelle Meditation ist jederzeit und überall möglich.

  • Nur über Dhamma-Konzepte nachzudenken oder zu versuchen, ein Dhamma-Konzept zu klären, ist Meditation. Das kann jederzeit passieren: während man im Bett liegt, in der Arztpraxis wartet, im Bus fährt usw. Anstatt zu träumen oder gierige, hasserfüllte und nutzlose Gedanken zu erzeugen, kann man über Buddha Dhamma nachdenken.

Unterdrückung oder Entfernen von fünf Hindernissen bringt Samadhi

11. In all diesen Fällen kann man aufgrund der Unterdrückung der fünf Hindernisse eine beruhigende Wirkung erfahren. Das führt zu tieferem Samadhi, wenn man sich auf das Dhamma-Konzept konzentriert. Siehe Die fünf Hindernisse.

 

 

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