Kama Guna, Kama, Kama Raga, Kamaccanda

1. Die Bedeutung der einzelnen Begriffe ist wichtig. Das Niveau der Verunreinigungen steigt in der Reihenfolge von Kāma Guna bis Kāmaccanda .

2. In Kāma Loka erleben wir fünf Arten von physischen Sinneseindrücken: Bilder (rūpa rūpa), Geräusche, Gerüche, Geschmäcke und Körperkontakt. Es gibt innewohnende „Eigenschaften“ für jedes dieser Kāma Guna. Sie hängen aber vom Bhava ab und unterscheiden sich damit von Mensch zu Tier usw.

  • Zum Beispiel erleben wir alle die Säure von Zitrone oder die Süße von Zucker (manche Menschen haben wegen Kamma Vipāka ggf. körperliche Mängel und können z.B. Süße nicht in dem Ausmaß schmecken).
  • Wir alle erleben die Unannehmlichkeit von Donner oder die Gefälligkeit von Musik.
  • Zwar gibt es kleinere Unterschiede, aber grundsätzlich erleben alle Menschen die gleichen grundlegenden „Eigenschaften“ oder Kāma Guna durch die fünf physischen Sinne. Selbst als Arahant ändert sich das nicht.

3. Die 31 Reiche existieren, um verschiedene Ebenen für Kamma Vipāka entsprechend den (Abhi)Sankhara aus früheren Leben zu schaffen.

  • Die untersten vier Reiche in Kāma Loka (Apāya) haben Verhältnisse, die übermäßig Leiden hervorrufen. In den höheren Reichen in Kāma Loka erleben die Wesen via Rūpa Rūpa, Sadda, Gandha, Rasa und Pottabba Rupa zunehmend bessere „Vergnügen“.
  • Die Rūpavācara Loka bieten Rūpavācara Jhāna Vergnügen. Die Brahmas dort haben Kāma Rāga aufgegeben und  kultivierten Rūpavācara Jhana in früheren Menschenleben.
  • Die Wesen in Arūpavācara Loka haben Kāma Rāga und Rūpa Rāga aufgegeben und stattdessen Arūpavācara Jhāna in früheren Menschenleben kultiviert. Aus diesem Grund fehlen Kāma Guna in beiden Brahma Loka.

4. Es gibt also angenehme Dinge in Kāma Loka, die natürlich Sinnesfreuden bieten. Wir alle haben uns in früheren Leben nach Sinnesfreuden gesehnt und dafür Punna Abhisankhāra getan. Apunna Abhisankhāra (unmoralische Taten) führen hingegen in die Apāya.

  • Als Menschen sind wir auf natürliche Weise Kāma Guna ausgesetzt. Wir erleben Sinnesobjekte, die unsere Sinne erfreuen.
  • Wenn man also die drei Merkmale dieser Welt (Tilakkhana) nicht verstanden hat, wird man automatisch an solch „angenehmen Dingen“ anhaften.

5. Wenn eine Person an diesen Sinneseindrücken mit Kāma Guna anhaftet und beginnt darüber nachzudenken (Vaci Sankhara), dann ist das Kāma (auch Sankalpita Rāga genannt). Man erzeugt Sankalpanā zur Verlängerung der samsarischen Reise.

  • Wenn man Kama tut, initiiert man ggf. auch Kāya Sankhara (körperliche Tätigkeiten). Dies ist möglich für jeden normalen Menschen, einschließlich Sotapanna. Dieses bewusste Engagieren in der Sinneserfahrung zur Erzeugung von Vergnügen tut man mit Kāma Rāga.

6. Wird Kāma Rāga bis zu dem Punkt verstärkt, wo man auch unmoralische Taten begeht, ist es Kāmaccanda.

  • Dies kann jedem passieren, solange er/sie kein Sotapanna ist. Kāmaccanda (kāma + icca + anda, mit icca = mögen und anda = blind) bedeutet „durch Verlangen nach Kama geblendet“).
  • Ob ein normaler Mensch Kāma, Kāma Rāga oder Kāmaccanda erzeugt, hängt von der Stärke des Sinneseindrucks, dem Gathi und von Bedingungen ab.

7. Ein Anagami entfernt Kāma Rāga, hat aber noch Kāma, d.h. er/sie mag es ein wenig.

  • Allerdings fehlt dem Anagami ein starkes Kama, was zur Wiedergeburt in Kāma Loka führt, d.h. Abhisankhāra bzgl. Kama sind nicht mehr möglich (z.B. der Wunsch nach Sex).
  • In der Abhidhamma-Sprache fehlen dem Anagami die „vier Gier basierten Citta mit Micca Ditthi verbunden“. Selbst die verbliebenen „vier Gier basierten Citta ohne Verbindung zu Micca Ditthi“ haben das Potential verloren,  Kāma Rāga zu generieren.
  • Die letzte Spur von Kāma wird erst auf der Arahant-Stufe entfernt.

8. Zucker hat ein Kāma Guna der Süße. Das gilt für jeden, von einer normalen Person bis zum Arahant.

  • Eine schöne Frau wird von einer normalen Person bis zum Arahant erkannt.
  • Ein normaler Mensch kann Kāma Kāmaccanda für diese Frau erzeugen.
  • Ein Sotapanna kann Kāma oder Kāma Rāga erzeugen.
  • Ein Anagami kann nur Kāma erzeugenAber es gibt kein Kāma Rāga Anusaya in ihm/ihr, was darüber hinausgeht.
  • Ein Arahant erzeugt nicht mal Kāma.

9. Der Anblick einer solchen Frau ist Kamma Vipāka.

  • Bei „Interesse“ erzeugt  man Kāma Sankalpanā bzw. Vaci Sankhara. Dann könnte es zu Kāya Sankhara führen, z.B. den Kopf nach ihr drehen und mit Kāma Rāga oder Kāmaccanda schauen. Das ist dann neues Kamma.
  • Ein Sotapanna hat immer noch Kāma Rāga Anusaya und ist darum nicht frei von Kāma Loka. Er wird als Mensch oder Deva wiedergeboren.
  • Ein Sakadagami ist zwischen Sotapanna und Anagami und wird nur in Deva Loka wiedergeboren.

10. Unmoralische Handlungen mit Kāmaccanda können zur Wiedergeburt in den Apāya führen.

  • Ein Sotapanna erzeugt nur Kāma Rāga. Damit ist er/sie frei von den Apāya, aber nicht von Kāma Loka. Ein Sotapanna ist unfähig, apāyagāmi Taten zu begehen.

11. Wer im Menschenreich geboren wird, hat Kāma Guna passend für Menschen, denn er/sie hat „Menschen-Sankhara“ kultiviert. Wir alle mögen im Grunde ähnliche Dinge, nur in verschiedenen Variationen. Das basiert auf den Unterschieden in den Haupt-Sankhara.

  • Wenn es um Tiere geht, kann die Variation von Kāma Guna viel weiter auseinander gehen.
  • Schweine fressen sehr unangenehme Dinge, einschließlich Kot. Tiger oder Löwen fressen gern rohes Fleisch. Kühe mögen kein Fleisch, aber Gras. Die Variationen sind ziemlich offensichtlich. Das kann auch an den Sankhara liegen, die man als Mensch kultiviert hatte, und das Bhava (und Jathi) entspricht solchen Sankhara wegen Paticca Samuppada.
  • In den Brahma Loka sind die Wesen nicht Kāma Guna ausgesetzt. Sie wurden in diesen Reichen geboren, weil sie jhānische Vergnügen bevorzugen und Verlangen nach Sinnesfreuden in Kama Loka abgelegt haben.

12. In diesem Zusammenhang sollten wir im Kopf behalten, dass von Menschen erzeugte (Abhi)Sankhara viel Javana (Kraft) haben und damit zu unterschiedlichem Bhava und Jati führen. Tiere können keine Citta mit großer Javana erzeugen. Tiere zahlen nur das Kamma aus der Vergangenheit ab, bis die kammische Energie erschöpft ist.

  • Auch Deva oder Brahma schwimmen nur „mit dem Strom“, d.h. sie genießen ihr Kāma bzw. jhānische Freuden, die zur Geburt führten.
  • Nur die Deva und Brahma, die zumindest Sotapanna Anugāmi sind, streben ggf. nach Magga Phala, obwohl es sicher wenig Anreiz dafür in den höheren Reichen gibt.

13. Daher sind es meist Menschen, die Abhisankhāra (beide Typen) kultivieren und damit Bedingungen für die zukünftige gute oder schlechte Geburten schaffen. Das ist der Schlüssel in der Agganna Sutta.

  • Alle Tiere, die wir sehen, waren schonmal Menschen. Die Wesen mit schlechtem Gathi wurden als Tiere wiedergeboren, während sich die Erde entwickelte und passende Bedingungen für die Tierwelt hervorbrachte.
  • Aber es ist noch nicht die richtige Zeit, um den Anfang zu diskutieren. Ich weiß, dass viele Menschen sofort Zweifel an dieser Idee hegen, da sie das komplette Gegenteil von Darwins Evolutionstheorie bedeutet. Aber ich erinnere daran, dass erst vor 500 Jahren die damals „moderne Wissenschaft“ annahm, dass die Erde im Mittelpunkt nicht nur unseres Sonnensystems steht, sondern auch im Mittelpunkt des ganzen Universums! In jedem Fall sorgen Sie sich nicht zu viel um diese „akademischen“ Dinge, da sie nicht relevant für die „Abkühlung“ bzw. Nibbàna sind. Sie werden allmählich klar, wenn man tiefere Aspekte erfasst.

14. Die Nibbedhika Sutta (AN 6,63) listet die fünf Kāma Guna auf:

..Pañcime, bhikkhave, kāmaguṇā—cakkhuviññeyyā rūpā iṭṭhā kantā manāpā piyarūpā kāmūpasaṃhitā rajanīyā, sotaviññeyyā saddā … ghānaviññeyyā gandhā … jivhāviññeyyā rasā … kāyaviññeyyā phoṭṭhabbā iṭṭhā kantā manāpā piyarūpā kāmūpasaṃhitā rajanīyā. Api ca kho, bhikkhave, nete kāmā kāmaguṇā..

Übersetzt: „.. Bhikkhus, es gibt fünf Arten mit Eigenschaften von Sinnlichkeit (kāma guna). Welche fünf? Formen erkennbar mit den Augen – annehmbar, angenehm, charmant, sympathisch, Lust auslösend, verlockend; Klänge erkennbar mit den Ohren … Geruch erkennbar mit der Nase … Geschmack erkennbar mit der Zunge … Körperempfindungen erkennbar mit dem Körper – annehmbar, angenehm, charmant, sympathisch, Lust auslösend, verlockend. Aber, ihr Mönche, das sind keine Sinnlichkeiten (kāma) …“.

  • Guna ist hier als „Eigenschaften“ übersetzt, aber es könnte auch „Qualitäten“ heißen.

15. Dann sagt der nächste Vers der Sutta, was Kāma ist: „Saṅkapparāgō purisassa kāmō, nete kāmā yāni citrāni lōkē..“.

Übersetzt: „Das Kāma einer Person ist das Anhaften und Nachdenken (sankappa rāga) über diese erfreulichen Dinge in dieser Welt (citrani loke).“ Citra bedeutet „erfreuliches Bild“; citrāni loke bedeutet hier „eine Welt voller schöner Dinge“.

Um zu betonen: Es gibt viele erfreuliche, herrliche, verlockende Dinge in Kāma Loka. Nur das Erleben dieser Dinge ist nicht Kāma. Jemand, der die wahre Natur verstanden hat, wird nicht daran anhaften. Jedoch wird man ohne Verständnis der Anicca-Natur die Dinge in Kāma Loka schätzen, begehren und Zufriedenheit daraus ziehen (Kāma Assada), indem man darüber nachdenkt und spricht (Kāma Sankalpanā oder Vaci Sankhara). Das ist Kāma.

  • Bewusstes Denken oder „zu sich selbst sprechen“ ist Vaci Sankhara. Natürlich können diese Vaci Sankhara wiederum zu Kāya Sankhara führen. Dafür braucht man Kāma Rāga Anusaya. Manche Menschen gehen einen Schritt weiter und begehen Akusala Kamma, um solche Wünsche zu erfüllen. Dazu braucht es Kāmaccanda.

16. Mit der Tendenz für angenehme Sinneseindrücke wird man natürlicherweise in Kāma Loka geboren.

  • Dieses Verlangen gibt man dauerhaft auch nur mit dem Verständnis der wahren Natur dieser Welt auf (anicca, dukkha, anatta), d.h. man erkennt die schlechten Folgen.
  • Auf der Sotapanna-Stufe versteht man die Gefahren der Kāma Assada, aber man ist noch nicht frei davon, weil man sie mindestens zum Teil noch immer mag. Doch ein Sotapanna begeht nie unmoralische Handlungen, um diese Sinnesfreuden zu erleben.
  • Um Kāma Assada loszuwerden, muss man die Gefahren betrachten (Adīnava). Das ist Asubha Bhavana.

17. Oft wird Asubha Bhavana falsch interpretiert als die Betrachtung der Fäulnis von Leichen oder anderen unangenehmen Dingen. Doch solche Meditationen führen nur zu Patigha bzw. „Reibung des Geistes“.

  • Stattdessen muss man erkennen, dass Anhaftung an diese erfreulichen sinnlichen Dingen tatsächlich zu zukünftigem Leiden führt. So sind die eigentlichen asubha (schädlich) Dinge diese für die Augen gefälligen Dinge, für die Ohren gefälligen Klänge, … in Kāma Loka. Man muss die schlechten Konsequenzen betrachten, wenn man daran anhaftet. Daher ist es nicht möglich, die Asubha Bhavana korrekt zu tun, solange man nicht Sotapanna ist.
  • Es ist natürlich gut, die Sinnesfreuden zu begrenzen oder einzuschränken, schon wenn man zur Sotapanna-Stufe strebt. Es macht den Geist ruhig und fähig, tiefere Konzepte zu erfassen. Extreme Sinnesfreuden sind eine Last für den Geist und das ist Teil des Leidens. Das moderate Genießen führt hingegen zu einem einfachen, gesunden und friedlichen Leben.

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