Unterschied zwischen Jhana und Stufen von Nibbana

1. Es gibt viele Missverständnisse über die Beziehung zwischen Jhana und Magga Phala (die vier Stufen von Nibbana). Einige glauben, dass Jhanas notwendig sind um Magga Phala zu erlangen, und andere glauben, dass man Magga Phala erlangt hat, wenn man in Jhanas kommt.

  • Die erste Annahme ist falsch, und die zweite ist wahr, wenn man Ariya Jhanas erreicht hat.
  • Wir können diese Probleme lösen, indem wir untersuchen, was mit Jhana und Magga Phala gemeint ist. Auch müssen wir den Unterschied zwischen Anariya und Ariya Jhana verstehen.

2. Man erreicht Magga Phala (verschiedene Stufen von Nibbana), indem man Gier, Hass und Ignoranz (über die Natur dieser Welt bzw. die Tilakkhana) dauerhaft beseitigt: „Ragakkhayo Nibbanan, Dosakkhayo Nibbanan, Mohakkhayo Nibbanan„.

  • Man kann auch sagen, dass man „7 Anusaya entfernen“ muss oder äquivalent „10 Samyojana„, um volles Nibbana zu erreichen. Auf der Sotapanna-Stufe entfernt man 2 Anusaya und 3 Samyojana; siehe Vier Bedingungen für Sotapanna Magga Phala.
  • Die am häufigsten verwendete Aussage ist, dass ein Sotapanna die drei Samyojana Sakkaya Ditthi, Vicikicca und Silabbata Paramasa entfernt hat.
  • Daher ist ein erster kritischer Schritt zur Erlangung von Magga Phala die korrekten Interpretationen von Anicca, Dukkha und Anatta kennenzulernen; siehe Anicca, Dukkha, Anatta – falsche Deutungen.
  • Der zweite Schritt ist natürlich, die Anicca (und Dukkha und Anatta) Sanna zu einem gewissen Grad zu erfassen; siehe Sanna (Wahrnehmung).

 3. Das Jhäna (manchmal geschrieben als „dyäna„) kann glückselige Körperempfindungen liefern. Diese entstehen durch die „Reinigung des physischen Körpers und des Nervensystems“, hervorgerufen durch „reine“ Gedanken.

  • Auch dieses zweite Phänomen des Jhana liegt völlig außerhalb der modernen Wissenschaft. Wissenschaftler können jhanische Phänomene nicht erklären, aber bald werden sie diese nicht mehr als „Halluzinationen“ ignorieren können, weil immer mehr Menschen Jhanas erreichen.

4. Es gibt zwei Hauptfaktoren, die bei der Kultivierung von Jhanas eine Rolle spielen.

  • Einige Leute haben in ihren vergangenen Leben Jhanas kultiviert und können sehr schnell in Anariya Jhanas gelangen. Für ein paar kommt es ohne jede Anstrengung, z.B. nur ruhig auf dem Bett liegend (übrigens kann dies jede Person sein, die ein moralisches Leben führt, ob sie Buddha-Dhamma kennt oder nicht).
  • Der zweite Faktor beinhaltet die „Reinigung des physischen Körpers“, wie wir weiter unten diskutieren werden.

5. Mein verstorbener Edler Lehrer Waharaka Thero gab das folgende Gleichnis, um diesen „Reinigungsprozess“ zu erklären und den Hauptunterschied zwischen  Jhana und Magga Phala zu beschreiben.

  • Ich hoffe, Sie haben zumindest mal eine alte Öllaterne mit einem Glasgehäuse gesehen, wo der Docht mit Öl oder Benzin getränkt ist, das aus einem eingebauten Speicher durch den Docht aufsteigt.
  • Wenn das Benzin verunreinigt ist, verschmutzt das Glasgehäuse schnell. In gleicher Weise führen unsere verunreinigten Gedanken zur „Kontamination“ unseres physischen Körpers.
  • Viele körperliche Beschwerden, einschließlich Schmerzen und Krankheiten, können durch die Reinigung des Geistes reduziert werden. Natürlich entstehen diese zunächst aufgrund von Kamma Vipaka. Die Stärkeren können aber durch diesen Prozess nicht überwunden werden; siehe: Was ist Kamma? – Wird alles durch Kamma bestimmt?

6. Unsere Gedanken können mit dem brennenden Docht und der physische Körper mit dem Glas verglichen werden. Wenn die Gedanken verunreinigt werden, wird der Körper „kontaminiert“, was zu Unannehmlichkeiten und sogar Krankheiten führt. Wir werden die Ursachen unten besprechen.

  • Die Glasumhüllung der Lampe muss herausgenommen und gereinigt werden, um die Lampe wieder hell leuchten zu lassen, d.h. um den „Körper der Lampe“ wieder sauber zu machen.
  • Im Gegensatz dazu gibt es in uns einen eingebauten Mechanismus, um unseren Körper zu reinigen.
  • Dieser eingebaute Mechanismus ist unser Cittaja Kaya oder unsere Gedanken. Wir können den grundlegenden Mechanismus so ausdrücken: Die Javana Citta in unseren Gedanken (cittaja kaya) produzieren gute oder schlechte Energiefelder, die Utuja Kaya genannt werden. Das sind eigentlich Rupa auf Suddhashtaka-Niveau (sehr fein), analog zu elektromagnetischen Wellen in der Physik.
  • Schlechte Gedanken, die mit Dasa Akusala verbunden sind, führen zur Kontaminierung des Körpers. Gute Gedanken erzeugen Utuja Kaya, die solche Kontaminierungen auflösen.

7. Dieser Utuja Kaya beeinflusst unseren physischen Körper. Das ist der Grund, warum Menschen, die depressiv, stark wütend oder extrem gierig sind, eher Krankheiten und Leiden ausgesetzt sind. Menschen mit freundlicher Mentalität haben hingegen relativ gesunde Körper.

  • Dieser Effekt kann durch Niramisa Sukha verstärkt werden, was durch „moralisches Leben“ entsteht. Je mehr man sich von den Dasa Akusala fernhält, desto glücklicher wird man und beginnt im Körper selbst Sukha zu fühlen. Es passiert vielleicht nicht schnell, aber definitiv im Laufe der Zeit.
  • Es kann viel mehr durch das Begreifen von Tilakkhana verbessert werden. Der Unterschied hier ist, dass man sich vor allem deshalb von Dasa Akusala fernhält, weil man die Sinnlosigkeit und Gefahr erkennt, die sich hinter sinnlichen Freuden verbergen.

8. Unsere Gedanken beeinflussen also unser Wohlbefinden. Das Verständnis dieser grundlegenden Konzepte ist entscheidend, um tiefere Konzepte zu verstehen und Anapana und Satipattana Bhavana effektiv zu praktizieren, wie später in diesem Abschnitt diskutiert wird.

  • Wenn verunreinigte Gedanken zumindest für kurze Zeit unterdrückt werden (während einer Desana oder während des Lesens von Dhamma), wird der Geist freudvoll und man wird in der Lage sein, für eine kurze Zeit Samadhi zu erleben (tadanga pahäna).
  • Wenn man mehr und mehr Zeit mit solchen Aktivitäten verbringt, kann die Länge dieses ruhigen Geisteszustandes (samadhi) verlängert werden, sogar bis zu Wochen (vishkambana pahäna). Drei Arten von Pahäna werden hier besprochen: Leiden in diesem Leben – Anteil geistiger Unreinheiten.
  • Das mag noch kein Jhana sein. Aber es ist möglich in Jhanas zu kommen, indem man seine Bemühungen entweder durch Samatha– oder Vipassana-Meditation erhöht.
  • Für manche Leute ist es leichter in Jhanas zu kommen, weil sie in den letzten früheren Geburten Jhanas kultiviert haben.

9. Die Kraft der Javana Citta erhöht sich, wenn man in Samadhi ist, und steigert sich weiter, wenn man zum Jhana kommt. Der „Körperreinigungseffekt“ wird verstärkt und man beginnt Freude im Gesicht zu fühlen (piti), Sukha im Körper.

  • Dies kann mit dem Docht in der Öllampe verglichen werden, der ein „Hochleistungslaserlicht“ erzeugt, das automatisch Schmutz vom Glas entfernt.
  • Diese hellen Utujaya Kaya, die man auch Kirana (oder elektromagnetische Wellen in der Physik) nennt, können diese lange angesammelten „schlechten Ablagerungen“ in unserem Körper verbrennen und auch das Nervensystem „ausrichten“.
  • Dies ist die erste Bestätigung der Wirkung des Geistes auf den Körper für jemanden, der auf dem Pfad beginnt. Man kann sich tatsächlich davon überzeugen, dass der Körper von den Gedanken beeinflusst werden kann.

10. All dies kann nur dadurch geschehen, dass man die Pancanivarana für lange Zeit UNTERDRÜCKT, siehe Schlüssel zur Beruhigung des Geistes – Die fünf Hindernisse.

  • Sogar vor dem Buddha konnten uralte Yogis in Jhanas gelangen, indem sie unreine Gedanken oder Pancanivarana unterdrückten. Sie taten dies hauptsächlich, indem sie sich von sinnlichen Objekten fernhielten (normalerweise im Wald oder an einem isolierten Ort).
  • In der Tat konnten sie mächtige Abhinna kultivieren und sogar durch die Luft reisen. Daher ist es möglich, dass diejenigen, die in das vierte anariya Jhana kommen, auch ein „weißes Licht“ wahrnehmen, was sie umgibt.
  • Solange man seinen Geist von gierigen und hasserfüllten Gedanken fernhalten kann, können solche Zustände von Samadhi und Jhana für lange Zeit aufrechterhalten werden (Vishkambana Pahäna).
  • Dies hängt mit der Tatsache zusammen, dass Menschen zu Anariya-Meditationszentren (Atemmeditation) gehen und ein Gefühl von Frieden für viele Tage am Stück erleben können. Wenn sie jedoch wieder in den hektischen Alltag zurückkehren, verblasst das Gefühl langsam.

11. Das Problem ist, dass diese Effekte bei Anariya Jhanas nur temporär sind. Die Ursachen für Gier und Hass sind nicht beseitigt. Sie bleiben als Anusaya/Samyojana tief verborgen.

  • Dies wird ausführlich in Macht des menschlichen Geistes – Anariya oder gewöhnliche Jhanas besprochen.
  • Anariya Jhanas gehören zu den 31 Reichen: Sila, Samadhi, Panna zu Panna, Sila, Samadhi.

12. Jetzt nähern wir uns dem Unterschied zwischen Anariya und Ariya Jhana.

  • Der Hauptunterschied zwischen ihnen ist, dass Ariya Jhana permanent sind, da sie durch ENTFERNEN erreicht werden und nicht durch UNTERDRÜCKEN einiger Anusaya/Samyojana .
  • Werden sie einmal durch Weisheit (Panna) auf der Sotapanna-Stufe entfernt, sind einige dieser Anusaya/Samyojana dauerhaft aus dem Geist entfernt (Ucceda Pahäna).
  • Egal wie stark dann ein attraktiver/hasserfüllter Sinnesreiz auftritt, es können sich keine stark verunreinigten Gedanken für einen Sotapanna ergeben. Siehe Apayagami Citta vermeiden.

13. Der verbleibende Schlüssel zum Rätsel ist, dass man schon via Samadhi zu Magga Phala gelangt und nicht notwendigerweise via Jhana.

  • Es gibt viele Arten von Menschen basierend auf ihren Gathi (Persönlichkeiten) und Fähigkeiten: Saddha, Viriya, Samadhi, Sati, Panna. In der Tat sind die Suttas im Tipitaka in fünf Nikayas getrennt, so dass jeder Einzelne passende Suttas für sich studieren kann, siehe Nikaya im Sutta Pitaka.
  • Ohne ins Detail zu gehen, können Menschen mit überwiegend Panna Indriya zu Magga Phala gelangen, ohne durch ein Jhana zu gehen.
  • Andere gehen normalerweise durch Jhanas um Magga Phala zu erlangen. Das ist nicht klar getrennt, es soll hier nur die Idee rüberkommen.

14. Die Quintessenz ist, dass Jhanas hilfreich sein können, um zu Magga Phala zu gelangen. Außerdem kann man beides innerhalb kurzer Zeit erreichen. Aber Magga Phala (zumindest die Sotapanna-Stufe) kommt bevor ein Ariya Jhana erreicht wird.

  • Der Grund ist, dass das in # 12 erwähnte Ucceda Pahäna für Ariya Jhana notwendig ist, aber nicht stattfinden kann, außer man hat die Tilakkhana „gesehen“ und die Sotapanna-Stufe erreicht.
  • Normalerweise erreicht man Ariya Jhana, indem man sich an die Stufe von Nibbana erinnert, die man gesehen hat, und an die „Abkühlung“, die man damit erlebt hat; siehe Macht des menschlichen Geistes – Ariya Jhanas.

15. Für Menschen mit hohem Panna-Niveau reicht sogar der kurze Zustand des Samadhi aus, um die Sotapanna-Stufe zu erreichen (tadanga pahana, siehe #8 oben). Ein berühmtes Beispiel ist Bahiya Daruchiriya, der die Arahantschaft durch nur einen einzigen gehörten Vers erreichte.

  • Dann gibt es Berichte von vielen Menschen, die die Sotapanna-Stufe über Vishkambana Pahäna erreichten (siehe #8 und #10 oben), hauptsächlich während sie eine Desana vom Buddha hörten.
  • Zum Beispiel bedrohte Alavaka Yaksa (nicht ein Niraya Yaksa, sondern ein Deva Yaksa) den Buddha, kurz bevor er sich setzte, um eine Desana zu hören und die Sotapanna-Stufe während dieser Desana zu erreichen. Angulimala verfolgte den Buddha mit der Absicht ihn zu töten, erreichte aber sofort die Sotapanna-Stufe.

16. Daher kann es Menschen mit Magga Phala ohne Anariya oder Ariya Jhana geben.

  • Wenn es Menschen mit Magga Phala ohne Jhana gibt, können sie nicht das „jhanische Sukha“ im Körper erfahren. Obwohl sie keine „schlechten Gedanken“ erzeugen, um ihren Körper weiter zu verunreinigen, haben sie die alten Schadstoffe nicht entfernt. Jhanische Javana Citta (die für lange Zeit kontinuierlich aufrechterhalten werden, verglichen mit nur 7 Javana Citta in einem normalen Citta Vithi) sind wie Laserstrahlen, die Verunreinigungen im Körper selbst in einem Anariya Jhana reinigen können; siehe Citta Vithi – Verarbeitung von Sinnsreizen.
  • Im Gleichnis von # 5 oben ist dies wie ein Docht, der keinen Rauch mehr ausstößt, aber das Glasgehäuse ist noch nicht gereinigt.
  • Natürlich wäre es für eine Person mit Magga Phala einfacher, Ariya Jhana zu erlangen. Sie werden keine Anariya Jhana erreichen.

17. Schließlich scheint aus der obigen Diskussion der einzige Weg zur Bestätigung der Sotapanna-Stufe darin zu bestehen, festzustellen, ob man die drei Samyojana (Sanyojana) von Sakkaya Ditthi, Vicikicca und Silabbata Paramasa entfernt hat; siehe, Ist Sakkaya Ditthi der Glaube ein „Selbst“ zu sein?.

  • Und das kann niemand anders tun als die Person selbst.

Dies ist ein kritischer Beitrag, der für viele Menschen auf dem Pfad von Bedeutung ist. Wenn ich Fehler gemacht habe, muss ich sie korrigieren. Also, zögern Sie bitte nicht zu kommentieren, wenn Sie etwas Inkonsequentes oder Falsches sehen.

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