Pancakkhandha – Ein falsch verstandenes Konzept

Einführung

1. Entgegen vieler Meinungen sind die Pancakkhandha oder Panca Khandha (fünf Aggregate) vollkommen geistig. Diese Tatsache kann helfen, die Ghana Sanna loszuwerden, d.h. die Wahrnehmung der Welt um uns herum als fest und dauerhaft. 

  • Es wird  manchmal fälschlicherweise Pancaskhandha genannt. Das ist nicht richtig.

2. Zum Beispiel gibt es einen großen Unterschied zwischen Rupa (Materie) und Rupa Khandha, dem Aggregat der Materie. Rupa Khandha wird  gemeinhin zu Rupakkhandha verbunden, indem ein zusätzliches „k“ eingefügt wird.  Das gleiche gilt für die anderen vier Aggregate. Die richtige Interpretation sorgt für ein leichteres Verständnis anderer Konzepte.  

  • Rupa ist Materie (und Energie) und besteht aus den Satara Maha Bhuta (Patavi, Apo, Tejo, Vayo) und deren Derivaten (abgeleitete materielle Formen basierend auf den Maha Bhuta).
  • Rupakkhandha ist dagegen rein GEISTIG.
  • Ebenso gibt es einen Unterschied zwischen Vedana (Gefühle) und Vedanakkhandha (das Aggregat der Gefühle), auch wenn hier beide geistig sind. Die anderen drei Khandha (Sanna, Sankhara, Vinnana) verhalten sich ähnlich wie Vedana.

3. Der Schlüssel zur Erklärung von z.B. Rupakkhandha ist die Frage, warum der Buddha „khandha“ anfügte. Er hätte es auch Vergangenheits-Rupa, Zukunfts-Rupa, Sukuma Rupa, Olarika Rupa usw. nennen können, um die 11 Arten von Rupa zu beschreiben (siehe 11 Arten von Rupa im Rupakkhandha weiter unten). Warum gab es die Notwendigkeit „khandha“ hinzuzufügen? Der Grund liegt in der rein geistigen Natur aller Khandhas. Dazu müssen wir untersuchen, wie jeder von uns „die Welt“ erlebt. Jeder erlebt sie anders.

  • Jedes Wesen hat seinen eigenen Rupakkhandha bzw. die Art, wie man die Rupa dieser Welt empfindet. Der Rupakkhandha steht mit den anderen vier Khandhas in Verbindung. Panca Upadanakkhandha ist der kleine Teil der Pancakkhandha, wofür man Verlangen hat.
  • Als ich dieses Konzept begriff, ging ein Licht auf, wo vorher nichts war, nicht mal der Gedanke, daß da etwas sein könnte. Dies ist ein gutes Beispiel für Aloko Udapadi (sich ablösen von dieser Welt).

 

Was ist ein Khandha?

1. Ein großes Problem besteht im weit verbreiteten Gebrauch von Sanskrit-Wörtern anstatt Pali. Die Bedeutungen werden verzerrt. Ein gutes Beispiel ist  Paticca Samuppada, was  in Sanskrit als Pratittyasamutpada bezeichnet wird, aber die Bedeutung falsch vermittelt. Siehe Paticca Samuppada – “pati+ichcha” + “sama+uppada”.

2. Auch wird der Sanskrit-Begriff Skandha an Stelle von Khandha benutzt. Khandha ist ein Haufen und der singhalesische Begriff Kanda wird noch heute verwendet. Er bezeichnet einen Haufen oder Stapel.

  • Wenn wir die Welt erleben, tun wir das mit unseren sechs Sinnen. Diese Erfahrung wird als Gedanke registriert (Citta). Aber ein einzelnes Citta entsteht und vergeht in einem Sekundenbruchteil. Wir erleben die Aggregate von zahlreichen  Citta, die im Bruchteil einer Sekunde durch unseren Geist rasen.
  • Wir erleben ein Rupa (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Körperkontakt, Dhamma) mit Cittas und basierend auf diesen erzeugen wir geistige Aggregate von Vedana, Sanna, Sankhara und Vinnana. In jedem Citta analysiert der Geist all dies und das Citta ist sofort wieder weg.
  • Manasikara und Cetana Cetasika stellen den Inhalt jedes Citta in all diesen „Paketen“ zusammen, einschließlich unserer Erinnerung, und bieten uns eine allgemeine Erfahrung, die eine „Skizze” dessen enthält, was wir sehen, hören, riechen, … inklusive der zugehörigen Gefühle, Wahrnehmungen, Willensformationen (Handlung), Bewusstsein.
  • Dies kann man mit einer Metallkette vergleichen, wo einzelne Kettenelemente hintereinander verbunden werden. In früheren Tagen machten Hufschmiede Ketten, indem sie manuell ein Element mit dem nächsten verbanden. Der Schmied konnte nur jeweils zwei Elemente zur selben Zeit bearbeiten, aber wenn er einen Schritt zurücktrat, konnte er die ganze Kette sehen. In gleicher Weise werden die fünf Aggregate Moment für Moment zusammengesetzt.

3. Es funktioniert ähnlich einer Filmaufnahme, die non-stop von Geburt bis zum Tod andauert. Und wenn wir sterben, stoppt die Aufnahme nicht, sondern das neue Leben wird aufgezeichnet. Diese fünf Haufen bzw. Aggregate, die sich über alle früheren Leben ansammelten, sind dauerhaft als Namagotta gespeichert.

  • Natürlich erinnern wir uns nur an einen Bruchteil davon, schon im gegenwärtigen Leben. Aber einige Menschen können mehr erinnern: Jüngste Beweise für ununterbrochene Erinnerungen (HSAM).
  • Aber wir machen auch Pläne für die Zukunft. Und diese Haufen gehören auch zum Pancakkhandha, aber nicht zu Namagotta, wo nur die Vergangenheit gespeichert ist. Sobald der aktuelle Moment vergeht, werden weitere fünf Pakete in Namagotta gespeichert.
  • Pancakkhandha umfasst also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, während Namagotta nur den Teil des Pancakkhandha enthält, der zur Vergangenheit gehört.

Was wir erleben, kommt als „Paket“ bzw. „Haufen“ bzw. „Khandha

1. Eine einfache Sichtweise, wie wir die Außenwelt wahrnehmen, ist wie folgt: Die fünf physischen Sinne registrieren Bilder, Geräusche, Gerüche, Geschmäcker und Körperkontakt. Diese Sinneseindrücke werden via Nervensystem ans Gehirn gesendet. Das Gehirn analysiert die „Signale“ und hilft dem Geist (Hadaya Vatthu), die „Bedeutungen“ dieser Sinneseindrücke zu extrahieren.

  • Als Beispiel betrachten wir einen Kuchen. Das Auge ist wie eine Kamera, es nimmt ein Bild des Kuchens auf. Das Bild wird ans Gehirn gesendet und dort verarbeitet. Passt es zu schon im Geist gespeicherten Bildern, wird es vielleicht als “Schokoladenkuchen von Oma” identifiziert. Der Geist kann viele Bilder im Sekundenbruchteil analysieren.
  • Das glauben Wissenschaftler in ähnlicher Weise. Leider denken sie, dass das Gehirn das aktuelle Kuchenbild mit zig Millionen „im Gehirn gespeicherten“ Bildern vergleicht, was ich als ein Ding der Unmöglichkeit ansehe. Das Gehirn müsste dabei „sein Bilder-Lager scannen” und auch erkennen , dass es kein Brot oder ein Stück Holz ist, sondern eine Art von Kuchen und ob der von Oma gemacht ist oder im Laden gekauft wurde. Und dies passiert im Bruchteil einer Sekunde. Denken Sie darüber nach! Das ist echte Vipassana-Meditation! Wir wollen verstehen, wie die Natur funktioniert.

2. In Buddha Dhamma steht das Gehirn in ständiger Kommunikation mit der Hadaya Vatthu, die der Sitz des Geistes ist. Alle unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit sind in der Geist-Ebene (Manothalaya) „gespeichert“ und Hadaya Vatthu kann auf diese Informationen zugreifen. Details werden im Abschnitt Abhidhamma untersucht.

  • Dieses Bild, was von den Augen (und dem Gehirn) an die Hadaya Vatthu gesendet wird, erzeugt einen Abdruck von diesem Bild im Geist und der wird als Erinnerung aufgezeichnet. Das Bild ist der Rupakkhandha, der von diesem Objekt (Kuchen) erzeugt wurde. Das Bild ist nicht materiell, sondern eine Aufzeichnung im Geist.
  • Wenn es ein Geruch ist, der analysiert wird, dann ist es eine Aufzeichnung dieses Geruchs. So ist der Rupakkhandha eine Aufzeichnung des speziellen Geruchs. Rupakkhandha sind nur Aufzeichnungen oder Abdrücke im Geist. Alle fünf physischen Sinne erzeugen Rupakkhandha.
  • Der Geist empfängt jeweils einen Satz statischer Bilder. Viele solche Datensätze von den verschiedenen Sinneseingängen laufen jede Sekunde durch den Geist. Der Geist lässt es für uns als kontinuierlichen Film erscheinen, mit reibungslos fließenden Bildern, Klängen, Gerüchen …

Animationsvideo

1. Um eine Idee zu bekommen, was geschieht, können wir den Ablauf eines Films anschauen. Der Film ist eine Reihe von statischen Bildern. Wenn man einen Film macht, werden tatsächlich viele statische Bilder aufgenommen und dann schnell genug wiedergegeben. Wenn die Wiedergabegeschwindigkeit zu langsam ist, können wir einzelne Bilder erkennen, aber ab einer gewissen „Projektionsrate“ sieht es aus wie echte Bewegung. Hier ist ein Video zur Veranschaulichung (engl.):

2. Wenn wir die Außenwelt erleben (sehen, hören, …), geschieht das in ähnlicher Weise wie oben. Am Ende des Videos wird gesagt, dass der „Film“ eine Illusion ist. Der Buddha erklärte, dass es auch im wirklichen Leben so ist. Wenn wir jemanden auf uns zukommen sehen, sehen wir tatsächlich eine Reihe von „statischen Bildern“ oder Citta mit sehr hoher Geschwindigkeit im Geist projiziert. Das verschafft uns die Erfahrung einer Film ähnlichen Handlung.

  • Auch wenn im obigen Video gesagt wird, dass alle Informationen von den „vorhergehenden statischen Bildern“ vom Gehirn zusammengesetzt werden, ist das nur zu einem gewissen Grad richtig.
  • Das Gehirn stellt die einzelnen Bilder zusammen, aber ohne die „Erinnerungen“ ist es nicht möglich, die tieferen Einzelheiten zu erkennen, was gesehen wird.
  • Wir „sehen“ nicht nur das Video, wir erkennen auch, was zu sehen ist (z.B. ein bestimmter Schauspieler, Erinnerungen aus anderen Filmen, den Hintergrund der Szene usw.). All diese Informationen sind nicht unmittelbar für das Gehirn verfügbar. Dies ist ein Punkt, der eine Menge Kontemplation braucht.
  • Nach Abhidhamma geschieht folgendes: Das Gehirn sendet regelmäßig Pakete von erfassten Daten zur Hadaya Vatthu. Citta Vithi entstehen unmittelbar und nehmen die Informationen vom Gehirn an. Der Geist bearbeitet diese Informationen (mit Hilfe der Manasikara und Cetana Cetasika). So erleben wir jeden Sinneseindruck.

3. Während der Geist die Informationspakete analysiert, erzeugt er Gefühle (Vedana), Wahrnehmung (Sanna) und ein Gesamt-Bewusstsein (Vinnana). Falls der Geist den Sinneseindruck mag oder ablehnt, werden passende Sankhara generiert.

  • Je nach Art von Sinneseindruck (Rupa) wird ein weiteres Paket von den anderen Khandhas erzeugt (Sanna, Vedana, Sankhara, Vinnana). Alle fünf Khandhas werden innerhalb des selben Citta Vithi (Gedankenprozess) erzeugt.

Unsere Erfahrung ist in den Khandhas gespeichert

1. Unsere Erfahrungen sind in fünf “Haufen” in der Geistebene gespeichert (Rupa, Vedana, Sanna, Sankhara, Vinnana). Einige dieser „Pakete“ aus den fünf Haufen können erinnert und im Geist abgespielt werden, wie ein Film auf dem Bildschirm. Wenn wir das tun, können wir einzelne Erlebnisse nochmal “durchleben”.

  • Die Summe aller Pakete einer bestimmten Art wird als Khandha bezeichnet. All dies sind Aufzeichnungen unserer Erinnerung von dem, was wir sehen, hören, riechen, schmecken, berühren und denken.
  • Doch man kann nicht nur Erinnerungen aus diesem Leben abrufen, sondern auch aus früherem Leben, wenn man Abhinna-Kräfte entwickelt. So konnte Buddha Gotama die Szene in lebhaften Details beschreiben, als ihm Äonen zuvor der Buddha Deepankara erklärte, dass er in der Zukunft ein Buddha sein werde.

2. Der Geist analysiert jede Sekunde mehrfach Sinneseindrücke. Wenn wir einen Film anschauen, sehen wir das Bild, hören die Geräusche und schmecken nebenbei Popcorn.

  • Damit ist die Wahrnehmung eines Objekts die Summe vieler Gedanken (Citta) pro Sekunde. Und jedes Citta hat in sich eingebettet die Gefühle (Vedana), Wahrnehmungen (Sanna), Willensformationen (Sankhara) und ein allgemeines Bewusstsein (Vinnana).
  • Mit anderen Worten, alle unsere Sinneserfahrungen können durch fünf Haufen oder Khandhas beschrieben werden. Die Gesamtheit unserer Erfahrung bzw. „unsere Welt“ sind die Pancakkhandha.
  • Wichtig ist zu verstehen, dass Rupa im Sinne von „Materie“ verwendet wird, aber auch im Sinne von „Aufzeichnungen der Materie“.

3. Die geistigen Komponenten nannte der Buddha Khandha. Rupakkhandha enthält keine materiellen Gegenstände, Geräusche, Gerüche, Geschmäcker, oder Körperkontakte, sondern nur die geistigen Aufzeichnungen oder Abdrücke dieser Sinneseindrücke.

  • Während des Lebens sammeln wir kontinuierlich Khandhas oder Bündel von Sinneseindrücken.
  • Ebenso akkumulieren wir Bündel von Vedana (Vedanakkhandha), Sanna (Sannakkhandha), Sankhara (Sankharakkhandha) und Vinnana (Vinnanakkhandha).

4.  In der Tat sind diese Khandhas alles, was wir je erlebt haben und in Zukunft erleben werden.  Die fünf Khandhas umfassen unsere (wechselnde) Identität und unser Erleben der Welt da draußen. In ihnen eingebettet liegen alle unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit und auch die Hoffnungen für die Zukunft.

  • Die Pancakkhandha sind unsere ganze Welt. Und diese Aufzeichnungen bestehen seit anfangloser Zeit!

Elf Arten von Rupa im Rupakkhandha (das Gleiche gilt für die anderen Khandhas)

1. Dies ist in vielen Suttas beschrieben, obwohl die wahre Bedeutung all die Jahre versteckt blieb. Insbesondere die Khandha Sutta fasst zusammen, was in jedem Aggregat enthalten ist.

  • Elf Arten von Rupa (Sinneseindrücke) sind im Rupakkhandha: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, nah, fern, fein (sukuma), grob (olarika), Zuneigung (paneeta), Abneigung (appaneeta), intern (ajjatta) und extern (bahidda). Hier sind mit internen Rupa die Sinneseindrücke der eigenen Körperteile und mit externen Rupa die Sinneseindrücke von externen Objekten gemeint.
  • Damit wird klar, dass Rupakkhandha alles umfasst, was wir jemals erfahren haben (einschließlich früherer Existenzen/Geburten), jetzt erfahren und hoffen/fürchten, in der Zukunft zu erleben. Die zur Vergangenheit gehörenden Aufzeichnungen heißen Namagotta. Jedes zur Zukunft gehörende Rupa ändert sich mit der Zeit (z.B. Gedanken über den Kauf von einem Fahrrad).
  • Die anderen vier Khandhas enthalten die gleichen 11 Arten.
  • Eine Kurzfassung der Khandha Sutta ist hier verfügbar:  Khandha Sutta: Aggregates (engl.)
  • Auch wenn im Link das Konzept nicht erklärt wird, kann man doch die 11 Komponenten jedes Khandha erkennen. Es heißt auch nicht Skandha Sutta, sondern Khandha Sutta.

2. Jetzt können wir noch mal sehen, dass Buddha Dhamma in den letzten zweitausend Jahren so verunreinigt wurde. Glücklicherweise haben wir noch den Tipitaka als weitgehend ursprüngliche Form. Der Buddha erklärte, dass sein Buddha Sasana 5000 Jahre andauern wird. Er sorgte dafür, indem er die Suttas komponierte, wie in Sutta – Einführung beschrieben.

  • Weiterhin sind die Abschnitte Abhidhamma und Vinaya sowie drei ursprüngliche Kommentare noch intakt im Tipitaka erhalten; siehe Historischer Hintergrund.
  • Das Hauptproblem auch mit der Theravada-Version des „Buddhismus“ ist die Verwendung des Visuddhimagga als Grundlage anstelle des Tipitaka. Buddhaghosa erreichte keinen Magga Phala und sein „Wunsch“ war, im nächsten Leben ein Deva zu sein als Verdienst aus dem Schreiben des Visuddhimagga!
  • Auch wenn der Tipitaka genutzt wird, sind meist die falschen Interpretationen von Schlüsselwörtern wie anicca, dukkha, anatta,  sowie khandha und paticca samuppada im Spiel. Dieses Problem ist offensichtlich in der singhalesischen Übersetzung des Tipitaka, die vor einigen Jahren mit Unterstützung der srilankischen Regierung durchgeführt wurde.

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