Unterschied zwischen Phassa und Samphassa

1. In den meisten aktuellen Erklärungen zu Paticca Samuppada wird Phassa als „Kontakt“ übersetzt und keine Unterscheidung zwischen Phassa und Samphassa getroffen, zumindest nicht in sinnvoller Weise.

  • Allerdings hat Samphassa eine andere Bedeutung als Phassa. Samphassa stellt die Verbindung her, wie wir basierend auf unseren Gewohnheiten (Gathi) instinktiv auf äußere Sinneserfahrungen reagieren.

2. Wenn unsere Augen mit einem externen Objekt in Kontakt kommen, ist das nicht Phassa. Wie eine Kamera nimmt unser Auge ein Bild auf. Das  Bild wird im Gehirn verarbeitet und an den Geist gesendet. Der Geist macht dann Kontakt mit diesem „Schnappschuss“ und das ist wirklich Phassa: Es ist der geistige Kontakt.

  • Wenn der Geist mit diesem Bild des externen Objekts in Kontakt kommt, entsteht ein Citta  (eigentlich eine Reihe von Citta, was man Citta Vithi nennt, siehe Was ist ein Gedanke?).  Der kumulative Effekt vieler solcher Citta Vīthi in sehr kurzer Zeit ist unsere Erfahrung, was wir als „Gedanken“ bezeichnen.
  • Einige der sieben universellen geistigen Faktoren (Cetasika) entstehen zusammen mit dem Citta, identifizieren das Objekt und basierend auf unserem Gathi bzw. sansārischen Gewohnheiten helfen sie eine Meinung über das Objekt zu bilden. Zum Beispiel kann eine junge Frau ein Kleid betrachten und eine Vorliebe dafür bilden. Eine andere Person kann einen Feind sehen und wird deshalb Abneigung hervorrufen. Ein Teenager hört ein Lieblingslied und geht mit guter Laune durch den Tag usw.
  • Dieser geistige Kontakt geschieht augenblicklich. Wir haben keine Kontrolle darüber und es basiert lediglich auf unseren Gathi. Da unsere Handlungen auf der Grundlage dieser ersten Reaktion zeitverzögert folgen, können wir unsere verbalen oder körperlichen Handlungen kontrollieren. Auch wenn schlechte Gedanken in den Sinn kommen, können wir jede verbale oder körperliche Handlung stoppen. Dies ist Aufgabe in Kayānupassanā der Satipatthāna Bhavana.

3. Lassen Sie uns überlegen, was ein Arahant sieht oder hört. Er/sie wird das gleiche wie jede andere Person sehen oder hören. Aber da ein Arahant alle sansārischen Gewohnheiten bzw. Gathi entfernt hat, wird er/sie nicht von irgendwas angezogen oder abgestoßen.

  • Ein Arahant hat alle unreinen Gathi entfernt, die eng mit den Verlangen bzw.  Asava verbunden sind. Ein Arahant hat alle Asava entfernt; d.h. âsavakkhaya vollendet. Dies ist ein technisches Detail, das für Einige klar sein dürfte.

4. Wir können nun den Unterschied zwischen Phassa und Samphassa sehen.

  • Im Fall eines Arahant gibt es nur Phassa oder bloßen Kontakt mit dem externen Sinneseindruck. Ein Arahant wird also „sehen“,„hören“,„riechen“,„schmecken“ oder „fühlen“ wie jede andere Person. Aber ein Arahant wird nicht daran anhaften (mit Verlangen oder Abneigung).
  • Zum Beispiel erkannte der Buddha verschiedene Menschen. Aber er bildete keine besondere Sympathie für den ehrenwerten Ananda (sein persönlicher Assistent) oder verhasste Gedanken über Devadatta, der versuchte ihn zu töten. Er behandelte die ärmste Person in gleicher Weise wie einen König.
  • Der Buddha aß ohne Bevorzugung köstliches Essen der Könige und auch die mageren Speisen armer Menschen.
  • All diese Sinneskontakte waren nur Phassa, nicht Samphassa.

5. Auf der anderen Seite wird ein gewöhnlicher Mensch Vorliebe oder Abneigung für einige Sinneseindrücke erzeugen (aber nicht für alle).

  • Wenn beim Kontakt Vorliebe oder Abneigung im Spiel ist, dann ist dieser Sinneskontakt Sanphassa (san + phassa, wobei san das ist, was wir akkumulieren, siehe Was ist „San“? ). Es wird in der Regel Samphassa genannt.
  • Ob Vorliebe oder Abneigung im Spiel ist, hängt von der Person oder besser vom Gathi ab.

6. Samphassa ist eng mit dem Gathi oder Gewohnheiten verbunden, von denen die meisten aus vergangenen Leben stammen. Einige können gestärkt oder geschwächt werden, je nachdem was man in diesem Leben tut. Wir können auch neues Gathi  in diesem Leben bilden.

  • Es gibt auf dieser Webseite viele Beiträge, die Gathi besprechen. Sowohl Anapana als auch Satipatthāna drehen sich um das Entfernen von schlechtem Gathi und Pflege von gutem Gathi.
  • Samphassa ist auch eng mit den Beziehungen verbunden, die wir zu anderen Menschen und materiellen Dingen haben. Jede Art von Sinneseindruck von solchen Menschen/Dingen führt automatisch zu Samphassa. Auf der anderen Seite hat ein Arahant alle Bindungen zu Menschen/Dingen entfernt, somit entsteht nur Phassa.

7. Lassen Sie uns mit einigen Beispielen illustrieren, wie Samphassa entsteht. Wir betrachten zuerst Verbindungen mit Menschen/Dingen, wo wir besondere Beziehungen haben oder upadana, d.h. entweder daran festhalten oder davon wegbleiben.

  • Denken Sie an den schlimmsten „Feind“. Wenn Sie selbst über diese Person X nachdenken, erzeugen Sie unangenehme Gefühle. Aber die Familie von Person X wird liebevolle Gedanken haben. Hier würden Sie und die Familie von X beim Kontakt mit Person X ganz unterschiedliches Samphassa erzeugen.
  • Wenn man mit dem Zug reist und aus dem Fenster schaut, sieht man zig Dinge, aber das ist nur „Sehen“ bzw. Phassa. Aber wenn man ein schönes Haus sieht, weckt das ggf. Interesse und man wird vielleicht zweimal hinschauen und vielleicht darüber nachdenken … Das ist Samphassa.

8. Unsere sansārischen Gewohnheiten (Gathi) spielen eine Schlüsselrolle bei der Erzeugung von Samphassa.

  • Manche Menschen genießen es Tiere zu quälen; sie zahlen für den Besuch bei einem Hahnenkampf. Andere werden durch soetwas abgestoßen. Das sind sansārische Gewohnheiten. So führt die Szene von zwei um ihr Leben kämpfenden Tieren zum Genuss bei Einigen und zu Abscheu bei Anderen. Beide Kontakte sind Samphassa, aber einer ist offensichtlich unmoralisch. Der andere Kontakt ist moralisch, hält einen aber auch in Sansara gefangen. Diese letztere Aussage braucht Zeit zum Verdauen.
  • Damen mögen im Allgemeinen schöne Kleidung, Schmuck, Villen usw. Männer mögen eher Technik und Sport. Wenn ein Mann den ganzen Tag Sport im Fernsehen sieht, hat die Frau vielleicht kein Interesse daran und kann auch genervt sein, da der Mann sich nicht um Reparaturen am Haus kümmert.
  • Diese und zig andere Dinge stammen aus sansārischen Gewohnheiten.

9. Nun wollen wir sehen, wie die Wahrnehmung von „Wertvollem“ zu Samphassa führt. Angenommen jemand erbt von seinem Vater einen Edelstein. Jedes Mal, wenn er/sie den Edelstein erblickt oder darüber nachdenkt, wird er/sie glücklich. Aber der Geist wird auch dadurch belastet, da man besorgt ist den Edelstein zu verlieren. Man wird den Stein an einem sicheren Ort aufbewahren oder eine Alarmanlage im Haus installieren.

  • Angenommen der Besitzer geht eines Tages zu einem Experten, um den Stein bewerten zu lassen. Dabei findet er heraus, dass der Stein eigentlich wertlos ist. Der Besitzer kann das anfangs nicht einmal glauben, aber sobald die Tatsache in den Geist sinkt, wird er sich von ihm „lösen“. Er wird den Stein nicht länger sicher verwahren oder sogar angewidert wegwerfen.
  • Jetzt wird er entweder neutrale oder hasserfüllte Gedanken über das gleiche Objekt erzeugen, das er einmal so sehr liebte. Nichts hat sich an dem „Edelstein“ geändert. Die Änderung betrifft nur die Wahrnehmung des Objekts.

10. Nehmen wir ein anderes Beispiel, wie von einem meiner Lehrer Theros gelehrt. Dies zeigt deutlich den Übergang von Phassa zu Samphassa.

Diese Geschichte spielt vor vielen Jahren in Sri Lanka. Eine Mutter musste nach Übersee gehen, als ihr Sohn weniger als ein Jahr alt war. Sie blieb viele Jahre im Ausland und kam dann zurück, um ihren Sohn zu treffen. Anscheinend hatte sie nicht einmal ein Foto des Jungen gesehen, der jetzt ein Teenager war. Als sie nach Hause kommt, wird ihr gesagt, dass der Junge einen Nachbarn besucht und sie geht zu Fuß dorthin. Auf dem Weg stößt sie mit einem Teenager zusammen. Der junge Mann entschuldigt sich und sie geht weiter. Dann sagt eine andere Person auf der Straße: „Hast du deinen Sohn nicht erkannt? Wie kannst du auch? Du warst zu lange weg von hier.“ Als sie das hört, sagt sie. „Oh, das ist mein Sohn?“ und läuft sofort zurück um ihn zu umarmen.

  • Sie sah den Jungen deutlich, als er mit ihr zusammenstieß und sich entschuldigte. Aber das war nur „Sehen“, also Phassa.
  • Aber mit dem Erkennen, dass es „ihr“ Junge war, machte die Wahrnehmung einen Quantensprung. Jetzt sieht sie den gleichen Jungen mit einem ganz neuen Satz von „geistigem Gepäck“. Nun ist es kein Teenager, sondern ihr Sohn. Anhaftung ist beteiligt. Das ist Samphassa.

11. Jetzt können wir auch sehen, wie Samphassa zu Vedanā führt.

  • Sie hatte neutrale Gedanken (möglicherweise sogar etwas Verärgerung), als der Junge mit ihr zusammenstieß. Aber als sie erfuhr, dass es ihr Sohn war, wandelte sich ihr Gefühl sofort in Freude.
  • Treiben wir es ein Stück weiter: Wenn dieser Sohn dann von einem Auto angefahren wird, würde sich die Freude sofort zu Sorge wandeln.

 

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