Gathi (Gati), Anusaya und Āsava

Hier werden einige Beiträge bzgl. Gathi und Asava zusammengeführt. Siehe Gewohnheiten, Ziele und Character (Gathi), Das Gesetz der Anziehung, Gewohnheiten, Charakter (Gathi) und Verlangen  (Asava), Sansarische Gewohnheiten, Charakter (Gathi), Verlangen (Asava) “.

Es ist schwierig Übersetzungen für einige Pāli-Wörter zu finden, die der Buddha verwendete. Man muss aber nur verstehen, was mit diesen Begriffen gemeint ist. Sobald die Idee verstanden wird, kann man sogar nur den Pāli-Begriff verwenden.

1. Anusaya wird normalerweise als „latente Tendenzen“ übersetzt, Asava als „mentale Fermentationen“. Das Wort Gathi wird kaum in aktuellen Texten erwähnt, ist aber ein Schlüsselbegriff in Buddha Dhamma.

  • Asava sind in der Tat „mentale Fermentationen“, die tief in uns gären. Man kann Asavas mit Schlamm auf dem Boden von einem Glas Wasser vergleichen.
  • Wenn das Wasser im Glas mit einem Strohhalm aufgewühlt wird, kommt etwas Schlamm an die Oberfläche. Das entspricht den Anusaya, die aufsteigen, wenn wir von einem starken Gefühlsereignisse gestört werden. Wenn das passiert, zeigen wir unseren wahren Charakter/Gewohnheiten oder Gathi (oder Gati) .

2. Alle Lebewesen durchlaufen Samsāra  bzw. den Wiedergeburtsprozess, von Bhava zu Bhava. Innerhalb eines Menschen- oder Tier-Bhavas kann man mehrmals als Mensch bzw. Tier wiedergeboren werden. Siehe Bhava und Jathi – Existenz und Geburten.

  • Durch all diese Bhavas wird sich das physische Erscheinungsbild eines Wesens drastisch ändern, vor allem beim Wechsel des Bhava.
  • Allerdings bleiben unsere Asava während der samsarischen Reise erhalten. Natürlich ändern sie sich während eines Bhava. Die meisten Änderungen geschehen während eines Menschen-Bhava. Dieses Thema besprechen wir später.

3. Asava unterteilt man in vier Haupttypen: Ditthāsāva (ditthi asava), Kāmāsava (kāma asava), Bhavāsava (bhava asava) und Avijjāsava (avijja asava).

  • Ditthāsava werden auf der Sotapanna-Stufe entfernt, Kāmāsava auf der Anagami-Stufe. Alle Asava werden auf der Arahant-Stufe entfernt.
  • Welche Arten von Asava „ausgelöst” werden, ist abhängig vom Bhava. In Kāma Loka sind alle Asava „im Spiel“, d.h. können durch Sinneseindrücke ausgelöst werden. In Rūpa oder Arupa Brahma Loka werden Kāmāsava nicht ausgelöst. Bis man Anagami ist, hat man noch Kāmāsava, und die können „ins Spiel kommen“, wenn man in Kāma Loka wiedergeboren wird.
  • Also kommen keine Kāma Anusaya an die Oberfläche, wenn man in Rūpa oder Arupa Reichen lebt. Daher wird man dort auch kein Kāma Gathi zeigen.

4. Dies ist ein weiterer Grund, warum der Buddha die Begriffe „Selbst“ und „Nicht-Selbst“ ablehnte. Charakter oder andere Qualitäten unterscheiden sich stark von Bhava zu Bhava. Auf der anderen Seite bleiben die Asavas erhalten und ändern sich beständig.

5. In beiden Sprachen Pāli und Singhalesisch bedeutet saya einen Lagerort (oder Speicher); jalāsaya bedeutet Wasserspeicher; amasaya bezeichnet den Magen, wohin unsere Nahrung geht; gabbāsaya ist die Gebärmutter.

  • Saya bedeutet auch „schlafend“ wie in sayanaya.
  • Deshalb bedeutet Āsaya „schlafend“ oder „auf Lager“ mit einigen dominanten Eigenschaften. Es wird allgemein alsAsava” bezeichnet.
  • Wie oben erwähnt gibt es vier Haupttypen von Asava. Innerhalb eines jeden Typs kann es eine unendliche Vielfalt geben. Kāmāsava enthält Asava für Sinneseindrücke über fünf physische Sinne.
  • Anu“ ist Nahrung oder Verunreinigung abhängig vom Kontext. Wenn ein starker Sinneseindruck reinkommt, werden “schlafende” Verunreinigungen aufgewühlt und zur Oberfläche aufsteigen; daher der Name Anusaya (anu+saya).

6. Wenn ein Asava  durch einen solchen Auslöser geweckt wird, kommt es als Anusaya an die Oberfläche und zeigt sich durch Taten. Dann sprechen wir davon als Verlangen oder Gathi.

  • Zum Beispiel kann eine ruhige Person mit versteckten Kāmāsava durch den Anblick einer schönen Frau X getriggert werden, die zu seinem Gathi passt. Er kann unruhig werden, wenn er X nur sieht. Aber der Anblick einer anderen Frau löst nichts aus, auch wenn sie schön ist.
  • Und wenn er anhaltend über diese Frau nachdenkt, wird das Asava fermentiert und wächst. Deshalb wird Asava auch als „mentale Fermentation“ übersetzt.
  • Wie stark jemand durch einen Trigger abgelenkt wird, hängt von den Asava und der Stärke des Sinneseindrucks ab. Zum Beispiel kommen Vergewaltigungen vor, wenn beide stark sind.

7. Asava kann mit einem Streichholz verglichen werden. Der Streichholz selbst ist harmlos und verursacht kein Feuer. Aber er hat das Potenzial ein Feuer zu entzünden.

  • Wenn das Streichholz gegen eine rauhe Oberfläche gerieben wird (ein Sinneseindruck), sorgt die Reibung für den Zündvorgang und Feuer entsteht (Anusaya kommen hoch).
  • In gleicher Weise wecken starke Sinneseindrücke die Asavas und lassen sie als Anusaya aufsteigen.
  • Gathi wird durch wiederholten Gebrauch kultiviert. Anusaya sind abhängig von Asava und Gathi.
  • Ein Arahant hat alle Arten von Asava entfernt. Egal wie stark ein Sinneseindruck ist, es wird nichts auslösen. Ein Streichholz ohne intaktes Schießpulver kann nicht gezündet werden, egal wie hart man den Streichholz reibt.
  • Ein Arahant  kann noch Gathi haben, die frei von Verunreinigungen sind, wie im Beispiel des jungen Arahant mit der Gewohnheit über Pfützen zu springen.

8. Asaya oder Asava sind die Dinge, die wir für lange Zeit durch unzählige Leben gemocht und gepflegt haben. Sie sind die tief verwurzelten Verlangen.

  • „Unmoralisches Gathi“ aufgrund von Asavas lässt den akusala-mula Paticca Samuppada Zyklus ablaufen und erschafft Bhava für den sansarischen Prozess. Diese „unmoralischen Gathi“ sind die San Gathi in “tinnan san gathi phasso”; siehe Tanha – Wie wir via Gier, Hass und Ignoranz anhaften.

9. Es gibt sieben Arten von Anusaya: ditthānusaya (falsche Ansichten), vicikiccānusaya (Tendenz unklug zu handeln),  kāmarāgaanusaya (Verlangen nach Sinnesfreuden), patighanusaya (Verlangen nach Hass), bhvarāganusaya (Verlangen nach Existenz), mānanusaya (Vorstellung von „ich/mein“ und Eitelkeit/Arroganz) und avijjānusaya (Ignoranz). Siehe Dutiya anusaya Sutta (AN 7,12).

  • Es gibt vier Hauptkategorien von Asava: Ditthāsava, Kamāsava, Bhavāsava, Avijjāsava. Siehe Asava Sutta (AN 6,58).

10. Diese Asava können Anusaya hervorbringen.

  • Ditthānusaya und Vicikiccānusaya entstehen aus Ditthāsava.
  • Kāmarāgaanusaya und Patighanusaya entstehen aus Kamāsava.
  • Bhvarāganusaya entstehen aus Bhavāsava.
  • Avijjānusaya und Mānanusaya entstehen aus Avijjāsava.
  • Zuerst muss man Ditthāsava  entfernen (Sotapanna-Stufe). Erst dann lassen sich die anderen drei Asava entfernen.

11. Ditthāsava ist Verlangen oder Anhaftung an bestimmte Weltanschauungen. Deshalb ist es schwer andere Ansichten zu akzeptieren oder überhaupt  zu betrachten. Auch hier gibt es Ansichten über zahlreiche Themen: Religion, Philosophie, Politik und viele Kombinationen davon.

  • Verstehen von anicca, dukkha, anatta führt automatisch zum Entfernen von Ditthāsava.
  • Kāmāsava ist das Verlangen nach Sinnesfreuden via die fünf physischen Sinne. Innerhalb dieser breiten Kategorie hat jede Person spezifisches Verlangen: einige mögen Musik, andere gutes Essen, andere wollen nur Party machen usw. Die Kombinationen sind endlos.
  • Bhavāsava ist das Verlangen nach Existenz. Ganz gleich wo man in den 31 Reichen geboren wird, man will immer leben. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten: Die Meisten mögen Kamaloka mit allen fünf Sinnen, Andere genießen jhānische Vergnügen und haben Geburten in Arūpalōka nur mit dem Geist, usw.
  • Avijjāsava ist natürlich die Ursache für alle Asavas: Damit versteht man nicht die wahre Natur dieser Welt, d.h. anicca, dukkha, anatta und die Vier Edlen Wahrheiten.

12. Diese vier Asavas werden schrittweise auf den vier Stufen zu Nibbàna entfernt:  Ditthāsava auf der Sotapanna-Stufe; Kamāsava wird auf der Sakadagami-Stufe reduziert und auf der Anagami-Stufe entfernt. Bhavāsava und Avijjāsava werden auf jeder Stufe verringert, aber nur auf der Arahant-Stufe völlig entfernt.

  • Wenn Asava entfernt werden, dann verschwinden auch die Anusaya spurlos. Man wird nie durch irgendetwas verstört sein; das ist der ultimative Zustand der „Abkühlung“ bzw. Nibbàna .

13. Es sollte jetzt klar sein, wie unser Charakter (Gathi) durch die Anusaya und letztlich durch Asava definiert ist.

  • Alle drei verstärken sich gegenseitig. Man hat einen bestimmten Charakter, weil man einen passenden Satz von Asava und Anusaya hat. Auf der anderen Seite ändert sich keiner der drei Aspekte, solange der Charakter nicht bewusst geändert wird.
  • Es gibt einen vierten Parameter von Gewohnheiten (genannt gathi purudu in Singhalesisch), der am unteren Ende der Hierarchie liegt. Manche Leute sprechen bspw. hart oder laut, auch wenn ihr Geist nicht stark abgelenkt/agitiert ist. Es ist eine Gewohnheit.
  • Erst muss man schlechte Gewohnheiten loswerden und gute pflegen, um seine Asava zu kontrollieren und schließlich loszuwerden.

14. Es gibt zwei wichtige Aspekte um Gewohnheiten zu ändern:

  • Man muss die negativen Folgen der schlechten Gewohnheiten und die positiven Folgen der guten Gewohnheiten betrachten. Das ist Satipatthāna.
  • Man muss die schlechten Gewohnheiten bewusst vermeiden und gute Gewohnheiten bewusst kultivieren. Das ist Anapana.
  • Man muss beide Aktivitäten zusammen praktizieren Satipatthāna / Anapana.

15. Dies ist der vom Buddha beschriebene Pfad. Man könnte ein wenig auf dem Pfad gehen und ein „Gefühl des Friedens“ erreichen; man könnte weitergehen und bessere Wiedergeburten anstreben; man könnte auch den ganzen Pfad gehen und alle vier Asava entfernen und somit die Arahantschaft erreichen.

  • Asavakkhaya Nāna  oder das “Wissen über das Entfernen von Asava” wurde vom Buddha beim Erreichen der Buddhaschaft entwickelt. Das Wissen steckt in den Vier Edlen Wahrheiten und der Weg um Asavakkhaya zu praktizieren ist der Edle Achtfache Pfad.
  • Wir haben das Glück in einer Zeit zu leben, wo die Wissenschaft Beweise und Möglichkeiten findet, diesen Prozess zu verstehen.

17. Wo sind diese Asaya gespeichert? Sie sind im Kamma Bhava oder in unserem Nāma Loka.

  • Wir haben zwei „Welten“: Die eine ist Rūpa Loka, die wir mit unseren Augen sehen können.
  • Die andere Welt ist Nāma Loka, die Energien unterhalb der Suddhashtaka-Stufe und auch Nama Gotta enthält. Nama Gotta enthält keine Energie aber Aufzeichnungen unserer Erinnerungen. Wir greifen mit unserer Mana Indriya auf Nāma Loka zu. Siehe Was sind Rūpa? – Dhamma sind auch Rūpa!
  • Für diejenigen, die tiefer graben wollen: Unsere zwei Welten: Materie und Geist und Was sind Dhamma? – Eine tiefere Analyse.
  • Ein Synonym für Anusaya ist: “Viññāna im Kamma Bhava“, d.h. im Nāma Loka.

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