Bedeutung von Vaci Sankhara

Bewusste Gedanken sind auch Vaci Saṅkhāra

1. Vacī saṅkhāra wird als vitakka vicārā vacī saṅkhāra definiert. Vacī saṅkhāra sind vitakka und vicārā. Siehe Cūḷavedalla Sutta (MN 44).

  • Vacī saṅkhāra sind neben hörbarem Sprechen auch bewusste Gedanken.
  • Der Geist initiiert all unser Handeln und Sprechen via javana citta.

2. Vitakka ist ein cētasika, was den Geist auf ein bestimmtes Gedankenobjekt (ārammana) lenkt. Vicāra cētasika hält den Geist mit diesem Gedankenobjekt beschäftigt, d.h. erzeugt neue Gedanken darüber. Abhidhamma enthält die folgende Analogie. Eine Biene, die zu einer bestimmten Blume fliegt, ist wie vitakka (das ārammana ansteuern). Dann  summt sie um die Blume herum, während sie Nektar trinkt. Das ist wie vicāra (sich mit dem ārammana beschäftigen).

  • In ähnlicher Weise erzeugen wir viele Gedanken über ein Objekt, wenn wir den Geist darauf konzentrieren. Das sind bewusste, gewollte Gedanken und keine manō saṅkhāra, die automatisch entstehen.
  • Wenn wir zum Beispiel an eine unliebsame Person denken, könnten wir Minuten oder sogar Stunden damit verbringen, schlechte Gedanken (also vacī saṅkhāra) über diese Person zu denken. Wir tun das Meiste davon im stillen Denken und sprechen nur mit uns selbst. Aber natürlich kann man auch hörbar darüber sprechen.

Savitakka / Savicāra sind in „guten Gedanken“ präsent

3. Vitakka und Vicāra beinhalten jedoch unreine Gedanken oder neutrale Gedanken darüber, Dinge zu tun, um dieses Leben zu leben.

  • Wenn man Gedanken erzeugt, die speziell nicht kāma rāga oder andere akusala betreffen sondern die Gegensätze (nekkhamma bzw. kusala), werden diese als savitakka und savicāra bezeichnet.
  • So kommt man zu Jhāna: indem man vitakka/vicāra eliminiert (oder unterdrückt) und savitakka/savicāra kultiviert.
  • Das zeigt sich in jeder Sutta, die jhāna beschreibt, siehe Tapussa Sutta (AN 9.41): “So kho ahaṃ, ānanda, vivicceva kāmehi vivicca akusalehi dhammehi savitakkaṃ savicāraṃ vivekajaṃ pītisukhaṃ paṭhamaṃ jhānaṃ upasampajja viharāmi.” Wenn man im jhāna ist, fehlen vitakka/vicāra mit kāma rāga/akusala, und nur savitakka/savicāra wird vorhanden sein.
  • In dem obigen Vers bedeutet „vivicceva kāmehi vivicca akusalehi dhammehi“, dass kāma rāga/akusala im Geist fehlen, während man im jhāna ist.

Mano Saṅkhāra entstehen automatisch je nach gati

4.  Manō Saṅkhāra entstehen AUTOMATISCH gemäß dem Gati einer Person. Wir haben keine Kontrolle über manō saṅkhāra, außer durch Reinigung des Geistes.

  • Relevant ist der Unterschied zwischen manō und vacī saṅkhāra. Bewusste Gedanken sowie hörbares Sprechen sind vacī saṅkhāra.

Kāya Saṅkhāra erzeugen körperliche Handlungen

5. Kāya saṅkhāra beinhaltet Kamma mit körperlichen Handlungen getan. Man kann also zu dem falschen Schluss kommen, dass hörbares Sprechen auch kāya saṅkhāra ist, da Körperteile bewegt werden (Zunge, Lippen, Gesichtsmuskeln).

  • Sprechen benötigt vaci vinnati rūpa, die sich von jenen rūpa unterscheiden, die für Körperbewegungen gebraucht werden (kaya vinnati rupa). Siehe Tabelle rupa.

6. Der physische Körper ist wirklich mechanisch. Es gibt kein „Leben“ darin, außer wenn eine Gandhabba diesen Körper „bewohnt“. Gandhabba ist ein wichtiges Konzept im Buddha Dhamma. Es wurde vernachlässigt, weil es im bekannten Visuddhimagga und anderer Literatur von Buddhaghosa nicht diskutiert wird. Siehe  Fehlinterpretationen.

Gandhabba (Geistkörper) kontrolliert den physischen Körper

7. Der physische Körper besteht aus 32 Körperteilen, genau wie ein Roboter aus verschiedenen Teilen besteht. Gandhabba gibt dem physischen Körper Leben.

  • Obwohl eine Gandhabba eine vernachlässigbar kleine „Masse“ hat, breitet sich ihr feinstofflicher Körper wie ein Netz über den physischen Körper aus. Es ist mehr ein Energiefeld. Gandhabba überlappt das physische Nervensystem und enthält auch die hadaya vatthu und fünf pasāda rūpa.

Aufgabe des Gehirns

8. Wie kann Gandhabba einen schweren physischen Körper bewegen? Gandhabba ist eher eine Signalquelle, die Kommandos ausgibt. Das Gehirn (ein sehr hoch entwickelter Computer) übersetzt diese Befehle in Signale, die zum physischen Nervensystem gesendet werden.

  • Die Energie zur Bewegung der Körperteile kommt von der Nahrung, die wir essen.

9. Wenn jemand beschließt, seinen Arm zu bewegen, ist es tatsächlich der Geistkörper (gandhabba),  welcher diese Entscheidung trifft (und entsprechend vacī saṅkhāra erzeugt). Dann geht dieses Signal zum Gehirn und das Gehirn wandelt dieses „mentale Signal“ in chemische/elektrische Signale um. Die wiederum übertragen sich über das Nervensystem auf die Muskeln im Arm und bewegen den Arm.

  • Energie aus der Verdauung von Nahrung fließt in die Energieversorgung des Gehirns und in die Bewegung von Körperteilen.
  • Gandhabba braucht also einen vernachlässigbaren Teil der Energie, die zum Bewegen von Körperteilen benötigt wird. Das ähnelt der winzigen Menge an Energie, die ein Computer für die Steuerung eines Kampfjets verbraucht. Der Treibstoff liefert Energie, um den schweren Jet zu bewegen.
  • Wir erzeugen diese winzige Energiemenge zur Steuerung in Javana Citta.

Kāya und Vaci Viññatti Rūpa

9. Die Befehle der Gandhabba sind Signale bzw. winzige Energiemengen. Diese gibt es in zwei Varianten: kāya viññatti rūpa und vacī viññatti rūpa. Das sind zwei der 28 Arten von rūpa im Abhidhamma.

  • Kāya viññatti rūpa steuern körperliche Bewegungen und vacī viññatti rūpa steuern das SprechenJavana cittā erzeugen diese rūpa bzw. „Energiesignale„.

10. Das Sprechen via vacī viññatti rūpa unterscheidet sich vom Bewegen der Körperteile. Das Sprechen beinhaltet komplexe Muskelbewegungen. Das Bewegen von Körperteilen via kāya viññatti rūpa ist einfacher.

  • Hinter vacī viññatti rūpa stecken vitakka und vicārā cētasika, die in javana citta für das Sprechen verantwortlich sind. Wenn wir jedoch lautlos „mit uns selbst sprechen“, sind die javana citta schwächer als bei hörbarem Sprechen. Aber beiden cētasika sind in beiden Arten von javana citta enthalten.
  • Alle Kamma werden via javana citta ausgeführt. Siehe Zeitliche Entwicklung eines Gedankens (citta) und Javana eines Citta – Wurzel der geistigen Kraft.

Vottapana Citta – Entscheidung, Maßnahmen zu ergreifen

11. Die anfängliche Entscheidung, vacī oder kāya saṅkhāra zu erzeugen, erfolgt tatsächlich mit vottapana citta, was kurz vor den sieben javana citta in einem citta vithi liegt. Siehe Citta Vithi – Verarbeitung von Sinneseindrücken.

  • Diese „anfängliche Reaktion“ auf einen Sinneseindruck erfolgt AUTOMATISCH mit vottapana citta, und die Art dieser Reaktion hängt vom gati ab.

Kammaṭṭhāna (Meditationsobjekt) kann still sein

12. Wenn man sich ein Kammaṭṭhāna vornimmt (Meditationsobjekt), kann man entweder die Verse laut aussprechen oder im Stillen rezitieren. Beides bedarf vaci saṅkhāra.

  • Ein Kammatthāna kann auf eine dieser beiden Arten durchgeführt werden, und beide beinhalten vacī saṅkhāra.
  • Je besser man das Konzept des Kammatthana versteht, desto mächtiger werden die javana citta und desto effektiver wird die Meditation.
  • Wenn man mit der Meditation beginnt, ist es besser, die Verse laut auszusprechen, weil es einfacher ist, den Geist beim Thema zu halten. Wenn man besser wird, kann man es still rezitieren.
  • Dies ist ein Beispiel für punnābhi saṅkhāra (verdienstvolle Tat), die vacī saṅkhāra beinhaltet.

Vorsicht mit lautlosen Vaci Saṅkhāra

13. Betrachten wir nun apunnābhi saṅkhāra (unmoralische Taten), die vacī saṅkhāra beinhalten. Man beginnt, schlechte Gedanken über einen Feind oder eine Person zu erzeugen, die man nicht mag. Man könnte intern eine Menge solcher vacī saṅkhāra erzeugen, ohne ein einziges Wort zu sagen. Wenn die Gefühle jedoch stark anwachsen, kommen die Worte über die Lippen raus, weil die Javana unkontrollierbar werden.

  • Obwohl die Javana-Kraft von „stillen vacī saṅkhāra“ geringer ist als die von hörbarer Sprache, kann man viel mehr von diesen „stillen vacī saṅkhāra“ erzeugen und somit mehr kamma ansammeln.
  • Genau wie im vorherigen Beispiel wird die Kraft der javana citta mit vacī saṅkhāra höher sein, wenn der Hass auf die Person größer ist. Deshalb wird es schwieriger, sich im Umgang mit dieser Person zu beherrschen.

Sammā Saṅkappa bezieht Vacī Saṅkhāra ein

14. Auf dem edlen Pfad befasst sich Sammā Saṅkappa nur mit einer Komponente von vacī saṅkhāra, nämlich den bewussten Gedanken ohne hörbares Sprechen. Um alle vacī saṅkhāra loszuwerden, sind sowohl Sammā Saṅkappa als auch Sammā Vācā nötig.

  • Saṅkappa in Pāli oder sankappanā in Singhalesisch bedeutet bewusste Gedanken, die san beinhalten bzw. Dinge, die zur sansarischen Reise beitragen (Wiedergeburtsprozess). Hier kommt sankappanā von san + kappanā, wobei kappanā bewusste Gedanken bedeutet. Wenn man weiter über etwas nachdenkt, sind diese Gedanken sankappanā.
  • Samma saṅkappa oder sammā sankappanā bedeutet daher, schlechte bewusste, absichtliche Gedanken zu entfernen und moralische Gedanken zu kultivieren.
  • Sammā vācā beinhaltet das Stoppen unmoralischer Sprache und das Erzeugen moralischer Sprache.

15. Man sollte also sehr vorsichtig sein, wenn man lange Zeit hasserfüllte (oder gierige) bewusste Gedanken erzeugt. Wenn man solche Gedanken bemerkt, kann man sie aufhalten. Das ist Grundlage von Anāpāna und Satipaṭṭhāna Bhāvanā.

  • Wir denken immer erst bewusste Gedanken (vacī saṅkhāra), bevor wir basierend darauf handeln (kāya saṅkhāra)!
  • Das Erleben angenehmer Sinnesobjekte (kāma guna genannt) ist nicht kāma. Das Erzeugen von vaci saṅkhāra (oder kāma sankappanā) über kāma guna ist kāma. Siehe Kāma Guna, Kāma, Kāma Rāga, Kāmaccanda.

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