Wie werden Paticca Samuppada Zyklen gestartet?

Paticca Samuppada (PS) Zyklen haben viele Varianten und können im Detail analysiert werden, wo sich subtile Aspekte zu unserem Verständnis über die Welt offenbaren.

1. Es gibt zwei große Kategorien von PS-Zyklen:

  1. Der Standard-Zyklus beschreibt, wie unsere Handlungen (Sankhara) zur Erzeugung von neuem Kamma führen. So könnte man sie Kamma erzeugende PS-Zyklen“ nennen.
  2. Die andere Kategorie von PS-Zyklen ist verantwortlich Kamma Vipāka wirken zu lassen. So könnte man sie  Vipāka erzeugende PS-Zyklen“ nennen. Diese Art wird im Tipitaka als avyākata PS bezeichnet.  Avyākata  bedeutet „kammisch neutral“; also kein neues Kamma erzeugend. Das Pali-Wort ist avyākata und das singhalesische Wort ist  avyākruta. Aber an vielen Stellen wird es  abyākata geschrieben.

2. Alles, was wir anfänglich erfahren, geschieht aufgrund von Kamma Vipāka und wird von einem avyākata PS eingebracht. Dieser PS-Prozess läßt uns sehen, hören, riechen, schmecken, körperliche Empfindungen wahrnehmen und neue Gedanken im Geist wahrnehmen.

  • Doch die Gefühle (Vedana), die wir aufgrund solcher Sinneseindrücke erleben, sind nicht die gleichen für verschiedene Personen, außer im Falle von körperlichen Empfindungen. Jeder fühlt das gleiche, wenn man geschlagen wird (Schmerz) oder eine gute Massage genießt (Vergnügen).
  • Bei den anderen fünf Sinneseindrücken hängen die Vedanā von der Person ab. Zum Beispiel kann ein Teenager einen Heavy-Metal-Song mögen, aber sein Großvater nicht.
  • In allen Fällen REAGIERT jede Person auf einen Sinneseindruck auf eigene Weise. Es ist diese Reaktion, die zu neuem Kamma führen kann und vom „Kamma erzeugenden PS-Zyklus“ beschrieben wird.

3. Wir haben keine Kontrolle über avyākata PS: sie bringen Kamma Vipāka durch neue Sinneseindrücke initiiert. Einmal gestartet, sind sie nicht zu stoppen. Auch ein Arahant kann nicht Kamma Vipāka vermeiden.

  • Aber die „Kamma erzeugenden PS-Zyklen“, die als unsere Antwort auf solche Sinneseindrücke auftreten, können von uns auf Grundlage unserer Gathi gesteuert werden. Dies ist die Grundlage von Satipatthana/Anapana Meditationen.
  • Avyākata PS bringen Kamma Vipāka, wenn passende Bedingungen zur Verfügung stehen. Siehe Annantara Samanantara Paccaya .

4. Je nachdem was wir aufgrund eines Kamma Vipāka sehen, hören, etc., können wir  Sankhara erzeugen und ein neuer „Kamma erzeugender PS-Zyklus“ startet. Dann generieren wir mehr Kamma Vipāka.

  • Wenn wir ein ansprechendes Objekt sehen, generieren wir vielleicht lobha (gierige) Gedanken (apunnābhi Sankhara). Wenn wir ein widerwärtiges Objekt sehen, generieren wir vielleicht dosa (hasserfüllte) Gedanken (apunnābhi Sankhara). Wenn wir einen Bettler auf der Straße sehen, generieren wir vielleicht alobha Gedanken (punnābhi Sankhara), die zu einer verdienstvollen Tat führen können (etwas Geld oder Nahrung zu geben).
  • All diese „Seh-Ereignisse“ entstanden aufgrund von avyākata  PS. Aber diese unterschiedlichen Reaktionen (Sankhara erzeugen) wurden durch „Kamma erzeugenden PS-Zyklen“ durchgeführt, die auf Basis von Gathi arbeiten (samsarische Gewohnheiten).

5. All unsere Handlungen werden durch avyākata  PS-Zyklen eingeleitet, aber nicht alle avyākata PS-Zyklen führen zu „Kamma erzeugenden“ PS-Zyklen. Sie können darüber nachdenken und sehen, dass es in der Tat wahr ist.

  • Tausende von Menschen sehen ein Produkt auf einer Werbung in einem Geschäft. Viele werfen höchstens einen Blick darauf und denken nicht weiter darüber nach. Einige werden anhalten und nochmal draufschauen, da sie es mögen. Es könnte auch jemand dabei sein, der den Artikel wirklich will, aber kein Geld hat und sogar über einen Diebstahl nachdenkt!
  • Es gibt keine „feste Person mit Avijja“. Avijja kann in jedem normalen Menschen entstehen (ohne Magga Phala ), wenn der Sinneseindruck stark genug ist!
  • Ob  Avijja  entsteht, hängt vom jeweiligen Sinneseindruck und der Person ab (besser gesagt vom Gathi der Person).

6. Wir nennen normalerweise eine Person „moralisch“, wenn sie sich die meiste Zeit moralisch verhält. Allerdings bedeutet das nicht, dass eine „moralische Person“ nicht manchmal unmoralische Gedanken erzeugt. Wenn ein verlockender Sinneseindruck erscheint, kann man mit Avijja handeln und einen akusala-mula PS starten.

  • In ähnlicher Weise kann eine als Krimineller bekannte Person (wegen ihrer früheren Taten) jemanden in Gefahr sehen und mit Freundlichkeit eine verdienstvolle Tat initiieren.
  • Deshalb sagte der Buddha, dass es kein „unveränderliches Selbst“ gibt, aber es gibt auch kein „Selbst“. Was zu einem bestimmten Zeitpunkt geschieht, hängt davon ab, welche Art von PS-Zyklus „ausgelöst“ wird, und welches Niveau von Avijja vorliegt.  Avijja reicht von Moha (moralisch blind) bis „nur die Anicca-Natur nicht kennen“.
  • Eine Person kann als „moralisch“ angesehen sein, handelt aber mit Moha und begeht eine stark unsittliche Tat, wenn der Auslöser nur verlockend genug ist.

7. Alle unsere Sinneseindrücke kommen zu uns über Kamma Vipāka. Durch das anfanglose Samsāra haben wir „endlose Mengen“ von Kamma Vipāka angesammelt, groß und klein. Jedes „Seh-Ereignis“, „Hör-Ereignis“, usw. basiert auf Kamma Vipāka.

  • Die meisten dieser Sinneseindrücke bemerken wir nicht mal. Wenn wir in einem Auto fahren, sehen wir Millionen Dinge, aber nur ein paar davon „erregen unsere Aufmerksamkeit“. Nur diese wenigen Ereignisse leiten „Kamma erzeugende PS-Zyklen“ ein.
  • Aber auch nur der Start eines „Kamma erzeugenden PS-Zyklus“ kann wiederum viele nachfolgende PS-Zyklen einleiten. Gehen wir z.B. spazieren und sehen ein Haus von der Straße aus, das wir wirklich mögen (aufgrund von Kamma Vipāka), könnten wir daran anhaften (Tanha) und dann über den Bau eines ähnlichen Hauses nachdenken. Dann könnten wir uns an ein schönes Haus erinnern, was einem Freund gehört. Dann könnten wir über diesen Freund nachdenken usw. Ganz plötzlich haben wir einen stärkeren „Kamma erzeugenden PS-Zyklus“ begonnen, der zu einem schlechteren Kamma Vipāka führen kann.
  • Dies ist der „Kreisprozess“, den wir im Beitrag Nibbana – schwierig zu verstehen?  besprochen haben. Unsere sansarische Reise wird durch unzählbare „Kamma erzeugende PS-Zyklen“ angetrieben.

8. Dieser Teufelskreis von Vipāka, was zu Kamma führt, was wiederum zu mehr Vipāka führt, ist der Prozess, der uns an Sansara bindet und unser Leiden aufrechterhält.

  • Der Buddha beschrieb dies als „kamma vipaka vaddanti, vipākō kamma sambhavō, taśma punabbhavō hoti, evan loko pavattati„.
  • Das heißt: „Kamma führt zu Vipāka, Vipāka wiederum führt zu Kamma und damit zu Wiedergeburt (punabbhavō), und das ist es, wie die Welt (Existenz) aufrechterhalten wird“.
  • sambhava “ ist „san“ + „ bhava“ oder „Hinzufügen von mehr Existenzen“,  „loka“ ist „Welt“ und „pavatta“ bedeutet „erhalten“.

9. Der entscheidende Punkt ist, dass man mit Avijja auf dem Niveau von Moha handeln kann, solange man nicht zumindest die Sotapanna-Stufe erreicht hat. Mit Moha erzeugt man Kamma (Sankhara) entsprechend Kamma Bhava für die unteren vier Reiche (Apāyas).

  • Mit anderen Worten, abhängig vom Trigger ist es möglich, dass die Pancanīvarana „den Geist bedecken“ und starke akusala-mula PS-Zyklen initiieren, solange man nicht die Sotapanna-Stufe erreicht hat.
  • Zum Beispiel haben wir von Menschen mit „gutem moralischen Hintergrund“ gehört, die Vergewaltigungen begingen. Ihr Geist war in dem Augenblick von Kāmacchanda Nivarana bedeckt. Kāmacchanda kommt von „kāma + icca + anda“, wobei icca Vorliebe/mögen und anda blind bedeutet. Somit bedeutet Kāmachanda: „geblendet durch Kāma oder Sinnesvergnügen“.
  • Wir haben auch Geschichten über Morde gehört, die von „moralischen Menschen“ begangen wurden, die in Wut gerieten, als sie ihren Partner im Bett mit einer anderen Person erblickten. Hier bedeckte das zweite Nivarana, Vyāpada, ihren Geist.
  • Diese beiden Nivarana sind die stärksten, aber wir können auch Fälle sehen, wo auch die anderen drei Nivarana zu unmoralischen Handlungen führen: thina middha (gefrorener oder träger Geist), uddacca kukkucca (Tendenz niedere Dinge mit Hochmut zu tun), und vicikicca (Tendenz unklug zu handeln, aus Ignoranz der Anicca-Natur).

10. Wenn man die Sotapanna-Stufe erreicht, werden einige dieser Pancanīvarana dauerhaft entfernt (einige Komponenten werden reduziert unter Nivarana-Niveau).

11. Verschiedene Arten von PS-Zyklen werden diskutiert bei Paticca Samuppada Zyklen.

  • Es können viele weitere Arten eingeleitet werden. Aber man kann im Beitrag eine gute Vorstellung bekommen, wie PS in verschiedenen Situationen arbeitet und dadurch das Verständnis dieser Schlüsselprozesse erfassen.

12. Schließlich gibt es einen weiteren Weg, wie wir neues Kamma erzeugen. Das geschieht, wenn wir „zufällige Gedanken“ haben, die uns auf angenehme Sinnesvergnügen lenken.

  • Wir können bspw. mit irgendwas beschäftigt sein und plötzlich erscheint ein Gedanke im Geist über einen Film oder über einen Freund/Feind. Diese werden initiiert von “manaca paticca dhammēca uppadati manō viññānam“, wobei Dhamma in unserem Geist erscheinen. Siehe Was sind Rūpa? – Dhamma sind auch Rūpa! 
  • Diese sind auch Kamma Vipāka. Aber sie sind häufiger als nur einen Freund durch Zufall zu sehen oder Musik zu hören, die man mag usw.
  • In jedem Fall müssen wir stets achtsam sein und diese „neue Kamma-Erzeugung“ einfangen. Dies ist der Schlüssel zu Anapana/Satipatthana Bhavana.

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