Was ist Kamma? – Wird alles durch Kamma bestimmt?

1. Ein Schlüsselbegriff im Buddha-Dhamma ist Ursache und Wirkung; nichts passiert ohne Ursache.

  • Aber selbst wenn die Ursachen da sind, können wir sie davon abhalten, ihre Ergebnisse zu bringen, indem die BEDINGUNGEN blockiert werden (ein Samen hat das Potenzial einen Baum hervorzubringen, aber dafür muss der Samen in fruchtbarem Boden liegen, Wasser und Sonnenlicht vorhanden sein).
  • Deshalb bedeutet „paccaya“ in Paticca Samuppada NICHT „es wird geschehen“; siehe Was bedeutet „Paccaya“ in Paticca Samuppada?.

2. Die Natur erzwingt das Prinzip „Ursache – Wirkung“ durch fünf absolut unerschütterliche Gesetze (Niyama Dhamma oder manchmal auch Dhammata genannt): kamma niyama, citta niyama, utu niyama, beeja (auch bija niyama genannt) und dhamma niyama. Wir werden diese in einem anderen Beitrag ausführlich besprechen, aber der Punkt hier ist, dass Kamma NICHT deterministisch ist, außer für anantariya Kamma (die eigenen Eltern oder einen Arahant töten, einen Buddha verletzen, usw.); alles spielt sich in einem komplexen Prozess ab, der alle fünf Niyama Dhamma beinhaltet.

  • Da sind zuerst Handlungen von Individuen, die sofort zu schlimmen Konsequenzen führen: Springt man von einem hohen Gebäude, wird man verletzt oder schlimmer. Dies ist eine Konsequenz von Dhamma Niyama (das Gravitationsgesetz ist ein Dhamma Niyama). Hier lassen sich Ursache und Wirkung leicht erkennen. Paticca Samuppada ist das ultimative Dhamma Niyama. Es erklärt, wie und unter welchen Bedingungen Kamma Vipaka Ergebnisse hervorbringt.
  • Wenn etwas in dieser Welt entsteht, bleibt es nicht gleich. Es unterliegt Veränderungen (viparinäma) und wird schließlich zerstört. So wird alles in der Welt (Sankata) dem Utu Niyama unterworfen. Welche Ergebnisse auch immer Kamma Vipaka bringen mag, sie werden auch irgendwann verschwinden.
  • Beeja (oder bija) Niyama ist für die Funktionsweise der Pflanzensamen nicht relevant, wie einige Bücher erklären. Es bestimmt, wie KammaBeeja (Samen) zu ihren Früchten (Vipaka) führen: Ein „Punna Kamma Samen“ oder ein „guter Samen“ wird immer gute Ergebnisse hervorbringen; und ein „Päpa Kamma Samen“ oder ein „schlechter Samen“ wird immer ein schlechtes Ergebnis liefern. Ein Sotapanna hat all die schlechten Kamma-Samen, die zu Geburten in den Apayas führen, unwirksam gemacht. Daher wird ein Sotapanna NIEMALS in den Apayas geboren.
  • Citta Niyama beinhaltet Gesetze, die mit der Arbeit des komplexen Geistes verbunden sind und Kamma Vipaka in größerem Maße beeinflussen können. Wenn man zum Beispiel den Geist reinigt, kann man die Sotapanna-Stufe erreichen und auf diese Weise alle schlechten Kamma-Samen, die zur Geburt in den Apayas führen könnten, unwirksam machen.
  • Kamma Vipaka sind die Hauptursachen für alles, was in dieser Welt geschieht, aber ihre Auswirkungen können verändert und sogar gestoppt werden, indem man die anderen Naturgesetze nutzt. Das ist es, was ein Buddha entdeckt, wenn er die Erleuchtung erreicht. Alle Kamma Vipaka werden wirkungslos gemacht, indem man das volle Nibbana oder die Arahant-Stufe erreicht.

Der Hauptpunkt hier ist, dass die meisten schlechten Konsequenzen vermieden werden können, indem man Dhamma versteht, ein moralisches Leben führt und achtsam ist (Yoniso Manasikara).

3. In dieser anfangslosen langen Reise der Wiedergeburten (Sansara) hat jeder von uns unzählige gute und schlechte Dinge getan. Wenn wir eine gute oder eine schlechte Tat tun, entsteht aus der kammischen Energie, die mit diesem Akt verbunden ist, ein Samen, der als Kamma-Samen bezeichnet wird. Es ist eine Energie (nicht eine physische Sache), die in unserem Geist bleibt, bis sie eine Chance hat zum Erfolg zu führen. Genau wie ein Apfel-Samen nicht keimen und zu einem Apfelbaum wachsen wird, bis die richtigen Bedingungen (Boden, Wasser, Sonnenlicht, etc.) auftauchen, bleiben unsere Kamma-Samen liegen und warten auf die richtigen Bedingungen. Sind die Bedingungen zu einem Zeitpunkt gegeben, müssen wir das Ergebnis eines bestimmten Kammas oder Kamma Vipaka erfahren.

  • Unsere Kamma-Samen (kamma beeja) werden dem oben erwähnten Beeja Niyama unterworfen. In jedem Fall führt ein Samen zu einer Pflanze oder einem Vipaka entsprechend der Art des Samens. Jemand, der etwas Schlechtes getan hat, was nur ein Tier tun würde, wird dafür eine Geburt im Tierreich bezahlen. Jemand, der einen Akt der Großzügigkeit getan hat, kann entsprechend belohnt werden.
  • Wir können einen Apfelsamen (zum Beispiel) an einem trockenen, kühlen Ort für lange Zeit aufbewahren. Einige Samen sind seit Tausenden von Jahren aufbewahrt worden. Sie werden nicht keimen, bis die Bedingungen in Form des fruchtbaren Bodens, Wasser und Sonnenlicht verfügbar sind. Auf die gleiche Weise kann ein Kamma-Samen (gut oder schlecht) lange Zeit ruhen, bis die Bedingungen für das Keimen richtig sind. Wir alle haben über diese wiederholten Wiedergeburten zahlreiche Kamma-Samen angehäuft. Wir müssen Bedingungen schaffen, damit die guten Kamma-Samen keimen können, und KEINE Bedingungen schaffen, damit schlechte Samen keimen können.
  • So ist Kamma die Handlung UND Kamma Vipaka ist das Ergebnis dieser Handlung. Aber da die richtigen Bedingungen für einen Kamma-Samen auftreten müssen um zu „keimen“, kann sich Vipaka erst später im selben Leben, im nächsten Leben oder sogar viele Leben später zeigen.
  • Deshalb ist es für die Menschen nicht einfach zu verstehen, dass ihre Taten Folgen haben. Kamma Niyama ist nicht das einzige Gesetz, das in Kraft ist. Es gibt vier weitere wie oben erwähnt und sie arbeiten alle zusammen. Es ist ein sehr kompliziertes Netzwerk. Da es ein Citta Niyama (Prinzip der Gedanken) gibt, haben wir auch eine gewisse Kontrolle über dieses Kamma Vipaka. Wir können keines der fünf Niyama ändern, aber wir können eine Ursache (eine Kraft) aufgrund eines Niyama überwinden, indem wir eine entgegengesetzte Kraft aufbauen.

4. Wir können viele Schritte unternehmen, um das schlechte Kamma Vipaka zu unterdrücken, und AUCH um gutes Kamma Vipaka zu verwirklichen. Wie oben betont, haben wir alle grundsätzlich eine unbegrenzte Anzahl von gutem und schlechtem Kamma Vipaka, was darauf wartet Früchte zu tragen. Anstatt dem schlechten Vipaka nachzugeben und zu sagen „was soll man machen, das ist mein Kamma„, können wir Wege finden dies zu vermeiden. Und anstatt zu sagen „Ich habe kein gutes Kamma getan, das ist mein Schicksal“, können wir diese verborgenen guten Kamma-Samen erforschen, ausfindig machen und kultivieren. Betrachten wir einige Beispiele:

  • Wenn man sich nicht um seinen physischen Körper kümmert, kann er fruchtbarer Boden für viel schlechtes Kamma Vipaka werden. Wenn wir gesund essen und uns fit halten, ist der Körper nicht anfällig für Krankheiten oder Verletzungen.
  • Das Gehirn braucht auch gutes Essen und Bewegung. Eine gesunde Körper- und Geistesübung wie das Lösen von Problemen, auch Kreuzworträtsel, hält das Gehirn in gutem Zustand. Aber das Beste ist Meditation. Vipassana– oder Einsichtsmeditation ist besser als Samatha-Meditation. Selbst wenn in der eigenen Familie die Alzheimer-Krankheit schon mehrfach aufgetreten ist, kann man das möglicherweise vermeiden, indem man das Gehirn aktiv und gesund hält.
  • Man kann wegen einem früheren Kamma in die Armut geboren werden, das im Tod des vorherigen Lebens verwirklicht wurde. Aber das ist KEIN Grund aufzugeben. Jede Person hat eine unbegrenzte Anzahl von gutem Kamma Vipaka, das auch verwirklicht werden will. Es stimmt, dass eine Geburt in eine arme Familie keine optimalen Bedingungen schafft. Aber man hat die Kontrolle über das Citta Niyama, das am Anfang erwähnt wurde (siehe „Das Gesetz der Anziehung, Charakter (Gathi) und Verlangen (Asavas)„). Man kann seinen Geist nutzen, um diese Bedingung zu überwinden und den Hintergrund kultivieren, um Erfolg zu haben.
  • Deshalb ist die Umwelt für jeden kritisch. Man muss sich mit optimistischen, moralischen Menschen umgeben, die dabei helfen, die guten Qualitäten zu kultivieren. Gleichzeitig muss man „schlechte Gesellschaft“ vermeiden, die einen in die falsche Richtung ziehen könnte. Es ist nicht so, dass eine Person an sich gut oder schlecht ist. Vielmehr zeigen manche Menschen in jeder Lebensphase oder sogar in einem Großteil dieses Lebens ihre „schlechten Gewohnheiten“, die in den Vordergrund getreten sind. Wenn man mit solchen Menschen in Verbindung tritt, wird man negativ beeinflusst, eigene schlechte Gewohnheiten (oder Gathi in Pali oder Singhalesisch) hervorzubringen.
  • Die Umgebung ist für junge Menschen von entscheidender Bedeutung, schon wenn sie gerade im Mutterleib mit der Entwicklung beginnen. Sogar der Fötus im Mutterleib wird beeinflusst von einer liebenden Mutter und einem Vater, die sich gegenseitig lieben oder wenn die Mutter vom Vater missbraucht wird. Es ist wichtig, eine pflegende Umwelt innerhalb der Familie und auch in der Schule und in jeder anderen Tätigkeit zu haben. Ein signifikanter Teil des Charakters eines Individuums kann in den ersten 10-15 Lebensjahren geformt werden. Das ist die Zeit, in der sie Gewohnheiten erwerben können, und sobald sie erworben sind, braucht es viel Mühe diese zu ändern. Es ist die Pflicht der Eltern, gute Gewohnheiten zu vermitteln: moralisches Verhalten, gutes Essen, Bewegung, Umgang mit guten Freunden, schlechte Freunde vermeiden, positive Einstellung zum Lernen usw.

5. Es ist auch möglich, viele schlechte Kamma-Samen zu entfernen. Wenn wir einen „schlechten Kamma Samen“ erwerben, werden wir einem anderen Wesen gegenüber verpflichtet. So wie man schuldenfrei sein kann, indem man bestehende Schulden abzahlt, kann man alte Schulden, die im Kreislauf der Wiedergeburten angesammelt wurden, durch „Übertragung von Verdiensten“ „zurückzahlen“, indem man gute Taten tut, und auch indem man Ariya Metta Bhavana praktiziert. Siehe Übertragung von Verdiensten (Pattidana) – Wie funktioniert das? und Ariya Metta Bhavana (Meditation der Liebenden Güte).

6. Die Welt ist sehr komplex. Weil all diese fünf Niyamas gleichzeitig agieren, um Ursache und Wirkung zu erzwingen, ist es nicht möglich, jedes einzelne Ereignis isoliert zu betrachten und zu sagen: „Dies ist der Grund für dieses besondere Ereignis“. Es kann in einigen Fällen eine dominante Ursache geben, aber meistens ist es eine Kombination von mehreren, und die meisten sind aus der Vergangenheit.

  • Wichtig ist zu erkennen, dass JEDE Handlung von uns Konsequenzen haben wird (Kamma-Gesetz). Man kann sich nicht verstecken. Selbst wenn wir ein Gericht manchmal täuschen können, kann die Natur nicht getäuscht werden.
  • Wir müssen Anstrengungen unternehmen, um schlechte Gewohnheiten loszuwerden und gute Gewohnheiten zu erwerben und zu pflegen. Eine Gewohnheit kann sich zu einer sansarischen Gewohnheit entwickeln, gut oder schlecht (in Verbindung mit dem Citta-Gesetz und dem Beeja-Gesetz). Die Umgebung ist ein wichtiger Faktor, um schlechte Gewohnheiten loszuwerden und gute Gewohnheiten zu erwerben/zu pflegen.
  • Wir müssen uns ständig bewusst sein, dass es Zillionen von Kamma Beeja (gute und schlechte) gibt, die darauf warten zu keimen. Wir sollten keine Bedingungen für „schlechtes Saatgut“ schaffen (d.h. schlechte Gesellschaft, schlechte Freunde/Umgebung, Menschen mit viel Kama Raga oder hasserfüllte Menschen (mit Dosa) usw.) sondern Bedingungen für „gutes Saatgut“ bereitstellen (d.h. Sinnvolles lernen, eine gute Arbeit suchen mit ausreichend Lohn, Dhamma lernen und praktizieren, sein Leben auf Notwendiges beschränken, Gesellschaft mit geistig offenen Menschen suchen usw.). Ich bin mir sicher, dass Sie diese Prinzipien auf Ihr eigenes Leben anwenden können. Jeder ist anders.
  • Dann gibt es Dinge, die durch scheinbar zufällige Ereignisse geschehen: Überschwemmungen, Wirbelstürme, Erdbeben usw. Diese gehören zu Utu Niyama: Ereignisse, die aufgrund physikalischer Ursachen in der Umwelt auftreten. Wenn dies geschieht, können Tausende scheinbar „unverbundener“ Menschen auf dieselbe Weise betroffen sein. Auch dies ist teilweise auf die unvorstellbare Anzahl von Kamma zurückzuführen, die wir in diesem anfangslosen Wiedergeburtsprozess angesammelt haben. Es gibt IMMER etwas aus der tiefen Vergangenheit, das zu jedem Umstand passt.

7. Schließlich gibt es eine falsche Vorstellung, dass man alles Kamma (genauer gesagt Kamma Vipaka) loswerden muss, um Nibbana zu erreichen. Das ist völlig falsch. Man erreicht Nibbana durch das Entfernen tiefsitzender Verunreinigungen (Asavas). Siehe Der Weg zu Nibbana – Entfernen von Asavas. Allerdings kann man viel schlechtes Kamma Vipaka durch Kultivierung von Ariya Metta Bhavana entfernen; siehe Nr. 5 oben.

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