Zwei Versionen der 37 Faktoren der Erleuchtung

1. Es gibt zwei Versionen der 37 Faktoren der Erleuchtung (Bodhipakkhiya Dhamma) und zwei Versionen des achtfachen Pfades.

2. Menschen können in drei große Kategorien eingeteilt werden:

  • Die einen haben eine oder mehrere Arten von Micchā Diṭṭhi: Drei Arten von Diṭṭhi, achtfache Pfade und Samādhi.
  • Andere kennen irgendeine Form des Buddha-Dhamma und haben Micchā Diṭṭhi entfernt. Sie haben eine weltliche (lokiya) Version von Samma Diṭṭhi.
  • Einige haben transzendentes (lokuttara) Sammā Diṭṭhi, d.h. sie verstehen wirklich die wahre Natur der 31 Reiche (anicca, dukkha, anatta).

3. Wenn man Buddha Dhamma durchdringt, kann man die Notwendigkeit einer umfassenden Weltsicht mit 31 Reichen verstehen, und dass die Lebewesen aufgrund ihrer Taten (kamma) in all diesen wiedergeboren werden. Damit verliert man Micchā Diṭṭhi. 

  • Verliert man Micchā Diṭṭhi, gelangt man zu weltlichem Samma Diṭṭhi: Man weiß, dass man zukünftige Geburten in den Apāyā vermeidet, wenn man unmoralische Taten (akusala kamma) stoppt und moralische/heilsame Taten kultiviert (punna kamma).
  • Mit weltlichem Samma Diṭṭhi entscheidet man sich eher für puñña kriya bzw. gute Taten. Das führt zu āyu (langes Leben), vaṇṇa (Gesundheit), sukha (weltliches Glück), bala (Stärke) und paññā (Weisheit) in zukünftigen Leben. Damit kann man auch die Tilakkhana in zukünftigen Leben begreifen, falls man es in diesem Leben noch nicht schafft.
  • Normalerweise haben Menschen mit tihetuka patisandhi diese Qualitäten schon in diesem Leben.

4. Betrachten wir nun speziell die weltlichen 37 Faktoren der Erleuchtung, die mit weltlichem Samma Diṭṭhi verbunden sind. Es gibt keine bestimmte Reihenfolge, aber der Einfachheit halber können wir die folgende Anleitung verwenden:

Es gibt vier offensichtliche Dinge, die zu tun sind, wenn man weiß, was richtig (moralisch/kusala) und was falsch ist (unmoralisch/akusala). Diese werden Cattāro Sammappadhāna genannt, was konventionell mit vier höchste Anstrengungen übersetzt wird. Man bemüht sich darum:

  • unmoralische Qualitäten, die noch nicht entstanden sind, nicht entstehen zu lassen
  • unmoralische Qualitäten, die entstanden sind, aufzugeben
  • moralische Qualitäten, die entstanden sind, zu erhalten und zu kultivieren
  • moralische Qualitäten zu initiieren, die noch nicht entstanden sind

Übrigens sind diese Vier mit Viriya in anderen Kategorien der 37 Faktoren verwandt: Cattāro Iddhipada, Pañca Indriya, Pañca Bala, Satta Bojjhaṅga, und der edle achtfache Pfad.

5. In gewisser Weise kann man eine ganze Menge Fortschritte machen (ob weltlich oder lokuttara), indem man sich auf die Cattāro Sammappadhāna konzentriert. Das Wort sammappadhāna kommt von san + ma + padhāna. Hier steht samma bzw. san + ma für das „Entfernen von Verunreinigung“. Das Wort padhāna oder pradhāna bedeutet „dominant“ oder „führend“; cattāro bedeutet „vier“.

  • Daher bedeutet Cattāro Sammappadhāna die vier Anstrengungen zur Beseitigung von Verunreinigungen, d.h. zur Reinigung des Geistes.
  • Wenn wir uns die Vier zur Gewohnheit machen, dann folgt die Reinigung des Geistes unweigerlich mit der Zeit.

6. Cattāro Satipaṭṭhāna (vier Grundlagen der Achtsamkeit) hilft bei den vier höchsten Anstrengungen, indem man achtsam ist. Diese werden in der Maha Satipaṭṭhāna Sutta in mehreren Teilen ausführlich besprochen.

  • Grundsätzlich achtet man darauf, keine unmoralischen Handlungen mit dem Körper zu tun (kāyānupassanā), und man wird gut darin, nicht automatisch auf Gefühle (vedanānupassanā) oder Gedanken (cittānupassanā) zu reagieren. Bei Zweifeln bzgl. der Angemessenheit einer bestimmten Handlung, die man vorhat, vergleicht man mit dem Buddha Dhamma (dhammānupassanā).
  • Wir haben dhammānupassanā noch nicht besprochen, und wir können noch sehr in die Tiefe gehen. Aber eine einfache Herangehensweise ist diese: Dhamma ist das, was man trägt. Wenn man sich auf Handlungen einlässt, die zu großem Leid für andere führen (z.B. Vergewaltigung oder Mord), dann sammelt man „schlechtes Dhamma“ an, was in zukünftigen Leben entsprechende Ergebnisse hervorbringen wird. Handelt man hingegen mit Herzlichkeit und Güte, sammelt man Dhamma an, um im Menschenreich oder höher geboren zu werden.
  • Daher sollte man die Konsequenzen schlechter Taten bedenken und sie unterlassen. Andererseits kann man sich über gute Taten freuen und Verdienste erwerben, die zu āyu, vaṇṇa, sukha, bala, paññā führen, wie oben in Nr. 3 besprochen.

7. Dann gibt es Cattāro Iddhipada bzw. die vier Grundlagen der geistigen Kraft. Siehe: Die vier Grundlagen der geistigen Kraft (cattāro iddhipada). Wenn jemand ein festes Ziel hat, entwickelt er Chanda (Vorliebe), Citta (Gedanken/Entschluss), Viriya (Energie), und Vīmaṁsā (Analyse).

  • Das vervollständigt die „drei Vierergruppen“ der 37 Faktoren der Erleuchtung. Als nächstes folgen „zwei Fünfergruppen“.

8. Die Pañca Indriya (fünf geistige Fähigkeiten) sind: saddha (auf Wissen basierender Glaube), viriya (Anstrengung), sati (Achtsamkeit), samādhi (Fokus/Sammlung) und paññā (Weisheit).

  • Die fünf Faktoren helfen, auf dem Dhamma-Pfad voranzukommen. Es ist wie ein Fahrzeug mit vier Rädern und einem Fahrer: Sati sitzt am Steuer, saddha und paññā sind die Vorderräder, viriya und samādhi sind die Hinterräder.
  • Alle Fünf müssen zusammen kultiviert und ausbalanciert werden, sonst fährt das Fahrzeug im Kreis (bzw. endlos in Sansara).

9. Werden die Pañca Indriya kultiviert, wachsen sie zu Pañca Bala bzw. den Fünf Mächten.

10. Als nächstes folgt Satta Bojjhaṅga bzw. die Sieben Faktoren der Erleuchtung.

  • Diese sieben Faktoren sind dhammavicaya (was eng mit vīmaṁsā und paññā verbunden ist), viriya (Anstrengung), piti (Freude), passaddhi (Ruhe), samādhi (Fokus/Sammlung/Einspitzigkeit) und upekkha (Gleichmut).
  • Auch hier sollte Sati im Vordergrund stehen. Die anderen sechs werden besser in zwei Gruppen kultiviert: siehe Magga Phala und Ariya Jhanas durch Kultivierung von Satta Bojjhaṅga. In diesem Text gelten die Satta Bojjhaṅga für den lokuttara-Pfad, aber wie bereits erwähnt, gleichen sich die Faktoren, nur mit tieferen Bedeutungen.

11. Schließlich gibt es noch den Ariya Attangika Magga bzw. den edlen achtfachen Pfad.

  • Die Tabelle 37 Faktoren der Erleuchtung zeigt, wie sich viele Faktoren in verschiedenen Kategorien überschneiden.
  • Es ist nicht nötig, jeden Faktor einzeln zu kultivieren. Vielmehr sollte man sich auf eine Kategorie konzentrieren: z.B. Cattāro Samppadhana oder Cattāro Satipaṭṭhāna. Natürlich umfasst der edle achtfache Pfad alles.

12. Die Kultivierung von weltlichem Samma Diṭṭhi zusammen mit der Kontemplation von Anicca, Dukkha, Anatta führt allmählich zum transzendenten (lokuttara) Samma Diṭṭhi.

  • Wie ein Zug, der an einer Weiche sanft das Gleis wechselt, wird man irgendwann auf das lokuttara Gleis übergehen. Es geschieht in einem Citta Vithi, und man bemerkt es vielleicht eine Zeit lang nicht. Wenn die Bedeutungen von anicca, dukkha, anatta einsinken, wird man beginnen, die tieferen Aspekte der 37 Faktoren zu sehen.

13. Tatsächlich wird man von diesem Punkt an die vier edlen Wahrheiten wirklich begreifen.

  • Dies ist wiederum der Grund, warum die ersten drei edlen Wahrheiten nicht zu den 37 Faktoren der Erleuchtung gezählt werden. Das Verständnis von anicca, dukkha, anatta, zumindest bis zu einem gewissen Grad, ist nötig, um die erste edle Wahrheit zu erfassen (dukkha sacca). Nur die lokuttara Version der 37 Faktoren erfordert das Begreifen der Tilakkhana bzw. der vier edlen Wahrheiten.
  • Auf dem weltlichen Pfad kann man aber die Gefahren eines verunreinigten Geistes klar erkennen und wird motiviert, diesem Pfad mit weltlichem Samma Diṭṭhi zu folgen.

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