Die Sotapanna-Stufe

Es ist zwingend notwendig, das korrekte Dhamma von einem Ariya zu lernen, um die Sotapanna-Stufe zu erreichen (eine der vier Anforderungen); siehe Vier Bedingungen für Sotapanna Magga/Phala. Wir werden ein Gleichnis für den Weg zur Sotapanna-Stufe betrachten. Die Sabbāsava Sutta zeigt danach die Bedeutung der Beseitigung falscher Ansichten.

Ein Gleichnis für Samma Ditthi (Erreichen der Sotapanna-Stufe)

1. Angenommen, ein Mann lebt in einem Gebiet voller Sinnesfreuden. Aber gelegentlich gibt es Überschwemmungen, Dürren und Erdbeben. Wenn solche Katastrophen auftreten, wird er verstört und so ist sein Geist die meiste Zeit unruhig.

  • Dennoch hat er einen gewissen Reichtum angesammelt und im Hinterkopf glaubt er, dass „auf lange Sicht alles gut wird“.

2. Dann kommt eines Tages ein alter Freund zurück (der viele Jahre auf Reisen war) und sagt ihm, dass er lange nach einem besseren Ort zum Leben suchte. Er hat etwas geforscht und herausgefunden, dass dieses Land von Natur aus instabil ist und in einigen Jahren von einem Erdbeben zerstört wird.

  • Außerdem erzählt er von einem Ort, der sehr wohlhabend ist und wo es keine Überschwemmungen, Dürren oder Erdbeben gibt. Aber es sei eine lange Reise dorthin.

3. Der Mann sagt dem Freund, dass er auch von anderen Leuten von so wunderbaren Orten hörte. Er sei ihnen manchmal dorthin gefolgt, kam aber nach einiger Zeit wieder zurück, weil er keinen Nutzen darin sah. Außerdem sagt er, „wie kann ich wissen, dass du die Wahrheit sprichst? Ich weiß, dass alles hier nicht perfekt ist. Hast du Beweise für deine Theorie, dass es hier bald zu einem schrecklichen Erdbeben kommen wird? Und wie kann ich glauben, dass der Ort, von dem du sprichst, wirklich so wunderbar ist?“

4. Der Freund zeigt ihm alle Beweise, die er gesammelt hatte und warum die alte Heimat für das Leben auf lange Sicht nicht geeignet ist. Er zeigt auch Hinweise über den Wohlstand des neuen Ortes und beschreibt den Weg dorthin.

  • Die Beweise überzeugen den Mann, dem Rat des Freundes zu folgen und zu sehen, wohin das führt. Dies ist analog dazu, ein Sotapanna Magga Anugāmi zu werden.

5. Der Mann verbringt jetzt viel Zeit mit dem Lesen und Nachdenken über den neuen Ort. Dann beginnt er zu erkennen, dass es wahr ist, was der Freund sagt. Er entscheidet sich dafür, eine Entdeckungsreise auf diesem Weg zu unternehmen und bereitet sich darauf vor.

  • Ab und zu fragt er sich, ob all die Vorbereitung nicht doch Zeitverschwendung ist. Doch während er weiter die Hinweise betrachtet, wächst seine Überzeugung, dass er diese Reise machen muss.

6. Er beginnt seine Reise und wird durch den Anblick einiger „Orientierungspunkte“ ermutigt, von denen der Freund erzählte. Auch wenn er hin und wieder darüber nachdenkt, welche „Freuden“ er zu Hause verpasst,  ermutigen ihn diese Orientierungspunkte, weiter zu gehen und die vier „großen Haltestellen“ zu erreichen.

  • Sobald er die erste Haltestelle erreicht, wird er vollkommen überzeugt von der Beschreibung seines Freundes. Nun gibt es kein zurück mehr. Das ist die Sotapanna-Stufe.

7. Es ist sehr wichtig, alles über das Ziel (Nibbàna) herauszufinden, korrekte Anweisungen über den Weg zu sammeln und vor allem zu erkennen, warum es nicht klug ist, zu Hause zu bleiben (d.h. in dieser „Welt“). Der letztgenannte Punkt sollte zuerst kritisch untersucht werden, denn wenn man die Gefahren des Status quo sieht, wird man motiviert zu handeln.

8. Die inhärente Instabilität „dieser Welt“ zu erkennen, ist gleichbedeutend mit dem wahren Verständnis der drei Merkmale: anicca, dukkha, anatta. Er erkennt, dass es keinen Sinn im Kampf um dauerhaften Frieden in der Welt gibt, die von Natur aus keine Stabilität garantieren kann (siehe Die große vereinheitlichte Theorie). Nibbàna bedeutet ultimativer, dauerhafter Frieden des Geistes. Nur diese Erkenntnis führt zum „Punkt-ohne-Rückkehr“, die Sotapanna-Stufe.

9. Eines Tages fragte der Buddha den ehrenwerten Sariputta, was mit Sota und Sotapanna gemeint ist. Sariputta sagte: Sota ist der Edle Achtfache Pfad und ein Sotapanna ist einer, der dem Pfad folgt. Um dem Pfad zu folgen, muss man zuerst eine Karte „der Existenz“ haben.

  • Was wir mit unseren begrenzten Sinnesfähigkeiten beobachten können, ist nur ein sehr kleiner Teil einer viel komplexeren Welt. Wir beginnen gerade erst, ein bisschen mehr von dieser größeren Welt zu sehen, indem wir den technologischen Fortschritt der Wissenschaft nutzen. Aber es ist immer noch ein unbedeutender Teil des Gesamtbildes.
  • Das ganze Bild ist sehr komplex, aber wir brauchen nicht alles zu wissen. Wenn man  Zeit hat, sollte man Abhidhamma lesen und feinere Details erfahren. Der Buddha kondensierte das Wesen der Existenz in dieser größeren Weltsicht durch die drei Merkmale (Tilakkhana): anicca, dukkha, anatta. Wenn man diese Merkmale begreift, kann man „sehen“, was vor einem liegt und was zu tun ist.
  • So erlangt man die Sotapanna-Stufe nur mit Samma Ditthi, die korrekte Ansicht der größeren Welt.

10. Nach dem Erreichen der Sotapanna-Stufe weiß man, was getan werden muss und wie. Dann folgt man fleißig dem Pfad und erreicht die nächsten drei Stufen, was in Nibbàna kulminiert.

Der Weg zur Sotapanna-Stufe

Der Schlüssel ist, dass man ohne Wissen über die Weltanschauung des Buddhas nicht das sansarische Leiden versteht. Das meiste Leiden entsteht, wenn man in einem der vier untersten Reiche geboren wird. Um Glauben in die Weltsicht des Buddhas zu haben, muss man einige Zeit die Hinweise untersuchen.

1. Wenn man deutlich die Unfruchtbarkeit sieht, in „dieser Welt“ mit 31 Reichen zu bleiben, so sieht man die wahre Natur, d.h. die drei Merkmale anicca, dukkha, anatta.

  • Diese korrekte Sichtweise bzw. Samma Ditthi bringt den Geist zur Feststellung, dass es keinen Sinn macht, sich unmoralisch zu verhalten (und damit Wiedergeburten in den vier untersten Reichen zu verursachen).

2. Wir streben nach „Dingen“ oder Besitz in dieser Welt, weil wir glauben, dass es Glück bringt. Dies ist Sakkāya Ditthi oder Sathkāya Ditthi (beides sakka und sath bedeutet „gut“ oder „fruchtbar“ und kāya bedeutet Kriya oder Taten; Ditthi bedeutet „falsche Sichtweise“: also bedeuten beide „die falsche Sichtweise, dass unsere Handlungen, um ‚Dinge‘ zu erwerben oder ’nach Glück zu streben‘, gut und fruchtbar sind“.

  • Wenn man wirklich anicca, dukkha, anatta versteht, wird diese falsche Ansicht entfernt. Man erkennt, dass nichts „in dieser Welt“ zu dauerhaftem Glück führt.

3. Weiterhin wird der Geist keine ernsthaft falsche Taten zulassen (Vicikicca = vi + ci + ki + ichcha = Vorliebe für falsche Handlungen oder Dinge), die Geburten in den unteren vier Reichen verursachen. Es gibt keine Zweifel in Bezug auf die „Weltsicht“, die man erkannt hat. Vicikicca wird auf der Sotapanna-Stufe entfernt.

4. Alles, was benötigt wird, ist Kontemplation über die wahre Natur dieser Welt. Das wird den Geist reinigen. Nur das Befolgen von bestimmten Ritualen oder Geboten wird nicht helfen.

  • Die Idee Silabbata Paramasa oder „Nibbàna kann durch Rituale erreicht werden“  wird auf der Sotapanna-Stufe entfernt. Man erkennt, was der Buddha mit sanvarattena seelan meinte, d.h. Sila oder moralisches Verhalten wird durch Zähmung von Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper und Geist erreicht, und zwar zu jeder Zeit, nicht durch ‚Befolgen von Ritualen oder Geboten‘ an bestimmten Tagen oder zu religiösen Festen.

5. Jemand, der Dassanena Sampanno ist (einer mit wahrer und klarer Sichtweise), ändert seine Geisteshaltung nicht durch formale Verfahren, sondern durch das Verständnis der Sinnlosigkeit, Gebote zu brechen oder unmoralische Taten auszuführen. Selbst wenn man eine falsche Handlung tut, wird der Fehler erkannt und künftig vermieden.

6. Bitte beachten Sie, dass diese Aussagen kein Anreiz sein soll, Menschen von der Befolgung von Vorschriften als Formalität abzuhalten. Dies ist eine gute Sache für diejenigen, die auf dem Pfad beginnen, und auch eine gute Gewohnheit für Kinder. In buddhistischen Ländern ist es in Familien üblich, in den Tempel zu gehen und Pancasila an PoyaTagen (Vollmond) zu befolgen.

Wichtige Punkte aus der Sabbāsava Sutta

Der Schlüssel, um Nibbàna zu erreichen, ist das Entfernen der Asavas (Rückstand aus der Gärung von schlechten Gedanken/Gewohnheiten über viele sansarische Geburten).

Die Sabbāsava Sutta enthält sieben Schritte, um die Asavas zu entfernen und den Geist zu reinigen, um den Weg zu Nibbāna vorzubereiten. Diese sieben Schritte sind nachfolgend aufgeführt:

1. Entfernen durch klare Sicht (dassanena pahathabba, mit dassana = Sicht und pahathabba = Entfernen). Das bedeutet klares Verständnis von anicca, dukkha, anatta.

2. Entfernen durch Zügelung der Sinne (sanvarena pahathabba, mit sanvara = diszplinierte Nutzung der Sinnesfakultäten: nicht schwelgen in Sinnesvergnügen).

3. Entfernen durch gute und häufige Bindung (patisevana pahathabba, mit sevana = Verbindung: z.B. mit guten Freunden, guten Taten …).

4. Entfernen durch Toleranz und Geduld (adhivasana pahathabba). Selbst wenn man aus Hunger stehlen möchte, sollte man die Konsequenzen in Erwägung ziehen und den Hunger ertragen.

5. Entfernen durch Vermeidung von „schlechten Einflüssen und Umgebungen“ (parivajjana pahathabba). Man muss schlechte Gesellschaft, schlechte Orte zum Leben meiden, usw.

6. Entfernen durch Beseitigung (vinodana pahathabba). Man muss schlechte Gedanken loswerden, z.B. Gedanken mit Gier,  Hass, usw.

7. Entfernen durch Meditation (bhavana pahathabba). Wenn man die klare Sicht von Nr.1 hat, wird man wissen, worüber man meditiert.

Die klare Sicht ist die Nr. 1 auf der Liste. Um Nibbana zu suchen, braucht man Kenntnisse über die Weltsicht des Buddhas.

  • Es gibt vier Asavas: Kāmāsava (Verlangen nach Sinnesfreuden), Ditthāsava (Verlangen wegen falscher Sichtweisen), Bhavāsava (Verlangen nach Existenz) und Avijjāsava (Verlangen aufgrund von Unwissenheit).

Ditthāsava wird durch klare Sichtweise entfernt. Sobald man die wahre Natur „dieser Welt“ zu einem gewissen Grad versteht, wird man keine unmoralischen Handlungen begehen, um etwas in „dieser Welt“ zu gewinnen. Siehe Anicca, Dukkha, Anatta. Das allein rettet einen vor künftigen Wiedergeburten in den unteren vier Reichen.

  • Ein Sotapanna hat immer noch die anderen drei Asavas. Diese werden vor allem durch Meditation über die Saptha Bojjanga entfernt.

Die anderen fünf Schritte in der Sabbāsava Sutta sind Dinge, die einem auch so in den Sinn kommen. Sie müssen jederzeit befolgt werden. Tatsächlich können diese Schritte von jedem genutzt werden, um die Lebensqualität zu verbessern und schlechte Gewohnheiten loszuwerden (z.B. Alkohol- oder Drogenkonsum, übermäßiges Essen).

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