Gedanken (Citta), Bewusstsein (Vinnana) und Geist (Hadaya Vatthu) – Einführung

1. Hier sollen einige Pali-Schlüsselwörter in ihrer Bedeutung geklärt werden. Letztlich spielen Worte keine Rolle. Es kommt darauf an, die Konzepte zu erfassen. Doch das setzt korrektes Verständnis der Begriffe voraus. Das ist ein Problem, da es keine deutschen Wörter gibt, welche die Bedeutung der Pali-Schlüsselwörter wiedergeben, wenn es um den Geist geht.

2. Citta wird weithin als „Gedanke“, Vinnana als „Bewusstsein“ und Mano als „Geist“ übersetzt. Als Pali-Wort für „Geist“ verwende ich auch hadaya vatthu.

  • Am „Sitz des Geistes“ (hadaya vatthu) entstehen Citta (Gedanken). Hadaya Vatthu ist die „Verbindung“ zwischen Mano Loka (Gedankenebene) und „materieller Welt“, egal ob es sich um Kama Loka, Rupa Loka oder Arupa Loka handelt (d.h. irgendwo in den 31 Reichen). Hadaya-Vatthu hat sehr feine Rupa (Materie). In technischer Hinsicht wird Hadaya Vatthu beim Patisandhi als Vatthu Dasaka gebildet.
  • Hadaya Vatthu ist die einzige Spur von Materie, die mit einem Lebewesen in Arupa Loka verbunden ist. Vatthu Dasaka ist viel kleiner als ein Atom, nur eine Form von Suddhashtaka in Form eines Dasaka (eine „Einheit aus 10 Teilen“).
  • Wenn zum Beispiel ein Cuti-Patisandhi-Übergang von einer Katze zu einem Menschen stattfindet, stirbt die „Katzen Hadaya Vatthu“ und es entsteht eine „Menschen Hadaya Vatthu„. Das nächste Citta gehört zur „Menschen Hadaya Vatthu„.

3. Im absoluten Sinne (paramatta) gibt es vier Entitäten: Citta, Cetasika, Rupa, Nibbana. Nibbana gehört nicht zu „dieser Welt“. Daher gibt es in dieser Welt nur Citta, Cetasika und Rupa.

  • Citta und Cetasika sind Nama und alle greifbaren Dinge sind Rupa.
    Es gibt 89 (bzw. 121) Arten von Citta, 52 Arten von Cetasika und 28 Arten von Rupa. Siehe Tabellen und Übersichten.

4. Ein Citta (Gedanke) entsteht nicht allein, sondern zusammen mit Cetasika (geistige Faktoren). Es gibt 7 Cetasika, die mit JEDEM Citta entstehen, die sogenannten Universellen. Siehe Cetasika (geistige Faktoren).

  • Es gibt „schöne“ und „nicht schöne“ Cetasika (sobhana und asobhana). Die bekannten sind Lobha, Dosa, Moha und Alobha, Adosa. Diese bestimmen, ob ein gegebenes Citta ein „gutes“ (punna) Citta oder ein „schlechtes“ (apunna) Citta ist. Es gibt entweder gute oder schlechte Cetasika in einem Citta. Sie mischen sich nicht.

5. Obwohl ein Citta in weniger als einer Milliardstel Sekunde entsteht und vergeht, wird es während dieser extrem kurzen Zeit kontaminiert. Ausgehend vom „reinen Citta“ (pabasvara citta) mit 7 universellen Cetasika wird es allmählich verunreinigt, indem weitere Cetasika hinzugefügt werden. Letztlich wird die Vinnana-Stufe erreicht. Ohne auf Details einzugehen, sind die neun Stufen:

  • citta, mano, manasan, hadayan, pandaran, mana indriyan, manayatan, vinnana, vinnanakkhandho. Diese Verunreinigung geschieht während der Lebenszeit des Citta selbst gemäß dem Gathi des Wesens. Deshalb können wir anfängliche Gedanken nicht stoppen. Wenn sich diese anfänglichen Gedanken jedoch zu Sprache und körperlichen Handlungen weiterentwickeln, haben wir möglicherweise Zeit, die Kontrolle zu erlangen.
  • Wir verwenden jedoch trotzdem den Begriff „Citta“, um das Endergebnis der Verunreinung zu bezeichnen. Zur Unterscheidung nennen wir den Anfang „reines Citta“ bzw. „Pabasvara Citta„.
  • Am Ende kommen wir im Grunde zu Vinnanakhandha (vinnana). Dieser „Kontaminationsprozess“ kann anfänglich nicht willentlich kontrolliert werden. Es geschieht automatisch basierend auf dem Gathi der Person. Wir müssen also das Gathi ändern bzw. entfernen, um die Verunreinigung zu stoppen.

6. Wir können die folgende Analogie anwenden: Nehmen wir ein Glas mit sauberem Wasser, was einem reinen Citta mit nur 7 universellen Cetasika entspricht. Wenn wir ein wenig Zucker (mano) und Salz (manasan) hinzufügen, wird es ein bisschen kontaminiert, aber wir können die Kontamination nicht wirklich sehen. Jetzt fügen wir ein bisschen braunen Zucker hinzu und wir können sehen, wie das Wasser dunkler wird. Das gleicht der Hadayan-Stufe. Dann fügen wir Kakao, Milch usw. hinzu. Das Wasser wird jetzt echt verunreinigt. Aber es ist immer noch viel Wasser. Ein kontaminiertes Citta ist auf der Vinnana-Stufe.

  • Citta eines Arahant werden nicht über die Masanan-Stufe hinaus verunreinigt. Während ein Arahant im Arahant Phala Samapatti nibbanische Glückseligkeit genießt, hat er nur Pabasvara Citta bzw. reine Citta. Alle anderen Wesen erreichen die Vinnana-Stufe. Natürlich ist der Grad der Verunreinigung viel geringer, wenn man Sotapanna ist, da man alle mit den Apaya verbundenen Gathi beseitigt hat. Auch bei normalen Menschen kann sich der Grad der Verunreinigung in weiten Bereichen unterscheiden.
  • Einen so schnellen Prozess kann man nicht durch bloße Willenskraft kontrollieren. Der Geist muss schrittweise von Verunreinigung befreit werden.
  • Jetzt wird auch klar, warum Mano nicht der Geist sein kann. Mano ist ein wenig „kontaminiertes“ Citta. Ein Citta wird nach und nach kontaminiert bis Vinnana erreicht ist. Dann sind alle relevanten Cetasika für ein Arammana (Gedankenobjekt) erfasst.
  • Auf der letzten Stufe passiert etwas Tiefgreifendes. Das Manasikara Cetasika bringt alle relevanten vergangenen Vinnana (nama gotta) sowie „Hoffnungen und Pläne“ für die Zukunft ins Spiel. Wenn zum Beispiel ein Gedanke zu einem schönen Haus auftaucht, was man gerade sieht, wird man das Haus mit ähnlichen Häusern vergleichen, die man zuvor gesehen hat, UND das „Traumhaus“ visualisieren, was man noch bauen/kaufen möchte. Daher ist ein Citta in der „endgültigen Version“ eine komplexe Einheit, die nicht nur die „Natur des gesehenen Objekts“ widerspiegelt, sondern auch eigenen Vorlieben und Abneigungen. Diese letzte Stufe (vinnana) ist das „zusammengesetzte Bewusstsein“ für ein bestimmtes Ereignis.

7. Wir können kein einzelnes Citta wahrnehmen. Vielmehr nehmen wir die Summe vieler vinnanakkandhö als „Gedanken“ wahr. Das nennen wir aber immer noch Citta.

  • Sinneserfahrungen nennt man alternativ Citta, Gedanken, Bewusstsein oder Vinnana.
  • Wichtig ist, dass der Begriff Vinnana im Allgemeinen die Summe vieler Citta meint. Im PS-Schritt avijja paccaya vinnana bedeutet vinnana diese Summe aus vielen Citta oder genauer die Summe vieler vinnanakkhandhö.

8. Noch zwei Konventionen:

  • Die Begriffe „Gedanke“ und „Denken“ haben auch im Deutschen viele Bedeutungen: Wiki: Denken
  • Normalerweise bezeichnet Citta einen Gedanken, und Vinnana das mit einem Gedanken verbundene „Bewusstsein“.

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