Warum genießen Menschen unmoralische Taten? – Ditthi ist der Schlüssel

1. Die meisten Menschen fühlen sich unwohl, wenn sie etwas Unmoralisches tun. Wir wissen auch, dass die Herzfrequenz steigt und der Körper angespannt ist, wenn wir wütend sind. Das sind definitiv keine schönen Momente.

  • Daher fühlen sich unmoralische Taten unangenehm an und in extremen Fällen steht man innerlich „in Flammen“. Das wird in Pali oder Sinhala als tapa („brennen“) bezeichnet. In der SatipattanaSutta bedeutet atapi sampajano die Denkweise zur Vermeidung solcher Taten. Siehe Satipatthana Sutta – Aufbau.
  • Wenn man sich von schlechten Taten fernhält, „kühlt sich das Herz ab“. Das bedeutet nivana oder niveema („Abkühlung“).

2. Wenn ein Gedanke in den Sinn kommt (meist ausgelöst durch Sehen oder Hören), basiert die automatische Entscheidung zu handeln auf dem Gathi der Person. Wenn ein „Feind“ auftaucht, fühlt man vielleicht Wut und „Feuer“ im Herzen. Hier dominiert das Dosa Cetasika. Solche automatischen Gedanken beruhen auf dem Gathi. Manchmal bezeichnet man sie als asankharika citta.

  • In anderen Fällen zögert man vielleicht, eine unmoralische Handlung auszuführen. Aber nach kurzem Nachdenken oder durch Ermutigung anderer macht man weiter. Solche Gedanken sind sasankharika citta.
  • Die stärkere Version von Lobha könnte auftauchen, wenn wir um etwas Wertvolles konkurrieren. Hier besteht der Wunsch, es nicht nur zu erwerben, sondern wir möchten auch nicht, dass andere es haben. Das „Feuer“ im Herzen wird deutlicher bemerkbar.
  • Es gibt also viele Schattierungen bei guten und schlechten Gedanken.
  • Selbst wenn wir hin und wieder eine schlechte Taten tun, wissen wir oft sofort, dass es falsch war. Je stärker die schlechte Tat, desto stärker das Brennen im Herzen.

3. Manche Menschen scheinen jedoch schlechte Taten zu genießen. Sie zeigen keine Hemmungen, falsch zu handeln. Manchmal wird ein Mensch mit vielen Stichwunden verletzt oder getötet. Der Angreifer schien es zu genießen. Das Töten einer Person erfordert aber nicht so viele Stiche. Sicher ist dies ein seltenes, widerliches Ereignis. Wir wollen eigentlich gar nicht daran denken.

  • Aber es gibt mildere Versionen, die eher „normal“ erscheinen.
  • Manche Menschen haben Spaß daran, andere leiden zu sehen, etwa in einem Kampf. Während der Gegner bewusstlos auf dem Boden liegt, wird nochmal zugetreten. Manche Leute sehen auch gerne „Hahnenkämpfe“.
  • Beim Angeln sehen die meisten nicht das Leiden des Fisches, wie er sich im Schmerz windet, am Haken  hängt und dabei um sein Leben kämpft. Das sind keine unmoralischen Menschen per se, aber ihre Wahrnehmung von Tieren ist so, dass sie Tiere nicht als fühlende Wesen sehen. Sie sehen nicht die wahre Natur der Welt.

4. Ditthi bzw. „falsche Sichtweisen“ spielen eine Schlüsselrolle bei dem, was man fühlt und wünscht. Wenn ein Kind lernt, dass Angeln keine unmoralische Tat ist, fühlt es sich vielleicht nicht unwohl, wenn es mit dem Vater angeln geht. Menschen angeln und jagen gern, weil sie das Töten von Fisch oder Reh nicht als unmoralisches Unterfangen ansehen.

  • Statt „Feuer im Herz“ fühlen sie eine gute Stimmung, wenn sie auf Wild anlegen oder die Angel auswerfen.
  • Das ist nicht auf eine bestimmte Religion beschränkt. Auch manche „Buddhisten“ angeln und jagen gern. Auf der anderen Seite betrachten „Buddhisten“ das Trinken von alkoholischen Getränken als unmoralisch, obwohl das „Trinken“ per se kein Akusala ist (natürlich kann übermäßiges Trinken zu unmoralischen Handlungen führen). Es kommt nur darauf an, welche Ditthis man pfegt.
  • In Teilen Indiens glauben die Menschen, dass das Waschen in einem bestimmten Fluss dazu beiträgt, schlechte Verdienste „wegzuspülen“. Aber dann sollten die Fische in diesem Fluss keine schlechten Verdienste haben, da sie ihr ganzes Leben im Wasser verbringen. Sogar solche „scheinbar harmlosen“ falschen Sichtweisen bedecken noch immer den Geist und hindern, die Realität zu sehen.
  • Viele Ditthis verbreiten sich von Generation zu Generation, ohne dass die Menschen den Sinn solcher Denkweisen in Frage stellen.

5. Ditthi ist eines der wichtigsten unmoralischen Cetasika (geistige Faktoren), und das Gegenteil von Samma Ditthi bzw. Panna (Weisheit), was natürlich ein sobhana Cetasika ist.

  • Moralische und unmoralische Cetasika treten NIE zusammen in einem Citta auf. Ein Gedanke ist entweder moralisch oder unmoralisch. Ein moralischer Gedanke enthält ein oder mehrere sobhana Cetasika wie alobha, adosa, usw. Ein unmoralischer Gedanke enthält ein oder mehrere asobhana Cetasika wie lobha, dosa, usw.

6. Das Piti Cetasika („Freude“) kann entweder in einem kusala oder akusala Gedanken enthalten sein. Das Gleiche gilt für die Cetasika Chanda (Verlangen) und Viriya (Anstrengung). Diese drei Cetasika sind in den sechs Arten von Cetasika enthalten, die als „Gelegentliche“ bezeichnet werden. Siehe Cetasika (Geistesfaktoren).

  • Wenn man also nicht glaubt, dass das Töten von Fischen oder anderen Tieren unmoralisch ist und in zukünftigen Leben zu schlechten Ergebnissen führen kann, dann kann eine Person mit diesem Ditthi auch Freude am Angeln/Jagen haben (piti), eine Vorliebe dafür kultivieren (chanda) und mit Begeisterung Vorbereitungen für die Aktivität treffen (viriya).
  • Andererseits wird sich jemand mit Samma Ditthi definitiv unwohl fühlen, wenn er/sie diese Aktivität unterstützen soll. Die Person  wird das nicht mögen und nicht danach streben. Jemand mit samma ditthi wird eher Freude daran haben, Aktivitäten mit moralischen Cetasika zu tun.

7. Daher gibt es viele Arten von micca ditthi, die Menschen zu unmoralischen Handlungen verleiten.

  • Das Wort ditthi wird im Buddha Dhamma verwendet, um spezifisch micca ditthi bzw. „falsche Sichtweisen“ zu bezeichnen. Das Gegenteil ist samma ditthi bzw. panna (Weisheit).
  • Einige Menschen haben kein Problem damit, andere Menschen zu töten. Sie nehmen an, es sei gut, „Ungläubige“ zu töten. Sie haben schon als Kind gelernt, dass solche Taten gut sind und den Weg in den Himmel ebnen.
  • Es ist erstaunlich, wie man durch Konditionierung im Laufe der Zeit bestimmte Aktivitäten als „akzeptabel“ wahrnehmen kann. Das wird auch als „Gehirnwäsche“ bezeichnet. Darum ist es auch sehr schwierig dies zu durchbrechen. Mit einer entschlossenen Einstellung kann man jedoch ditthis brechen.
  • Man sollte beide Seiten des Problems kritisch bewerten. Ist es sinnvoll zu sagen, man kommt in den Himmel, indem man bestimmte Menschen tötet? Enthält diese Aussage mehr als das Versprechen von irgend jemandem? Gibt es eine Lehre, die gut erklärt, wie das Töten von Ungläubigen den Weg in den Himmel ebnet?
  • Das Hauptproblem ist, dass der Geist gerne „den einfachen Weg geht“. Es ist einfacher, die eigene Sichtweise zu rechtfertigen, als sich eingehender mit dem Thema zu befassen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Aber man muss über die Konsequenzen nachdenken, die unvorstellbar lange andauern können.

8. Manche mögen es einfach, andere Menschen zu töten. Serienmörder sind ein Beispiel. Solche Leute haben extrem Moha. Sie sind moralisch blind.

  • Während ein durchschnittlicher Mensch nachts nicht schlafen könnte, schlafen solche Serienmörder tatsächlich ganz gut mit einem zufriedenen (aber perversen) Geist.
  • Menschen wie Pol Pot und Hitler planten jahrelang das systematische Töten von Millionen Menschen. Laut ihrer Sichtweise war das nur richtig. Viele ihrer Anhänger glaubten auch daran.

9. Deshalb ist der erste Schritt auf dem weltlichen achtfachen Pfad, diese Ditthi loszuwerden und Samma Ditthi auf einem Basisniveau zu etablieren, um dann den edlen Pfad zu betreten. Siehe Was ist einzigartig in Buddha Dhamma?.

  • Falsche Sichtweisen können sehr gefährlich sein, da man oft nicht bemerkt, dass man aufgrund dieser Ditthi falsch handelt. Solche Ditthi können mit dem Lernen von Buddha Dhamma entfernt werden. Man wird zum Sotapanna, indem man zuerst die falschen Sichtweisen beseitigt und dann die drei Merkmale der Natur erfasst. Die drei Sanyoga (oder Samyojana), welche der Sotapanna entfernt, entstehen alle aufgrund von Micca Ditthi (sathkaya ditthi, vicikicca, silabbata paramasa).

10. Wenn wir akusala citta analysieren, können wir sehen warum. Alle unmoralischen Handlungen werden mit nur 12 Typen von akusala citta ausgeführt: 8 basierend auf Lobha (Gier), 2 basierend auf Patigha (Abneigung) und 2 basierend auf Moha (Unwissenheit).

  • Alle Apayagami-Taten (Taten, die zur Geburt in den Apaya führen) werden mit den ersten vier Lobha Citta und dem Vicikicca Citta ausgeführt.
  • Diese ersten vier akusala citta sind mit „ditthi sampayutta“ bzw. „mit falschen Sichtweisen“ verbunden. Das Vicikicca Cetasika entsteht, weil man die wahre Natur der Welt nicht kennt, d.h. anicca, dukkha, anatta. Somit entstehen alle fünf akusala Citta, die auf der Sotapanna-Stufe entfernt werden, aufgrund von Micca Ditthi.

11. Wenn man glaubt, dass man nicht unmoralisch handelt, obwohl man es tut, so sind wahrscheinlich auch piti, chanda und viriya beteiligt (Freude, Verlangen/Wunsch, Anstrengung).

  • Natürlich ist Unkenntnis der Rechtslage keine Entschuldigung, oder latein: „ignorantia juris non excusat“. Das gilt auch für die Naturgesetze.
  • Schlimmer noch, laut Buddha Dhamma sind unmoralische Taten, die man mit Freude ausführt, die Schlimmsten. Deshalb sind von diesen vier lobha citta die beiden ersten, die mit Freude getan werden, die absolut Schlimmsten: somanassa sahagata ditthi sampayutta citta und somanassa sahagata ditthi sampayutta sasankharika citta.
  • Übersetzt: „Handeln mit Freude und falscher Sichtweise aufgrund von Gathi“ und „Handeln mit Freude und falscher Sichtweise aufgrund anderer Faktoren„. Das erste Citta ist das Schlimmste, da man automatisch handelt. Das zweite Citta entsteht nach einigem Nachdenken und hat daher weniger Potenz bzw. Javana.

12. Wir erkennen jetzt, warum manche Menschen mit Freude unmoralisch handeln: sie haben falsche Sichtweisen bzw. Ditthi. Deshalb ist es so wichtig, Dhamma zu lernen.

  • Wie der Buddha sagte: „Mein Dhamma war der Welt zuvor noch nicht bekannt.“ Keiner von uns wird also genau wissen, was moralisch oder unmoralisch ist, ohne etwas darüber zu hören oder zu lesen.
  • Als Menschen haben wir jedoch das angeborene Gefühl, ungefähr zu wissen, was moralisch/unmoralisch ist. Das stammt aus früheren Leben. Je nach ​​Umfeld haben wir aber oft bestimmte falsche Sichtweisen erworben.
  • Aus diesem Grund ist es wichtig, Kindern moralisches Denken und Verhalten beizubringen und sie mit „guten Freunden“ in Verbindung zu bringen. In jungen Jahren erlernte Gewohnheiten können ein Leben lang Bestand haben, es sei denn, sie werden durch eine bestimmte Anstrengung geändert.
  • Ditthis unterscheiden sich von Person zu Person. Man sollte Zeit investieren und prüfen, welche Ditthis auf lange Sicht falsch sind. Viele Menschen glauben nicht an Wiedergeburt, was aber laut Buddha Dhamma ein Micca Ditthi ist, was zu negativen Ergebnissen führen kann. Man muss die Hinweise untersuchen und selbst entscheiden.

13. Schließlich gilt auch das Gegenteil: moralische Taten, die mit Freude und Wissen bzw. den „richtigen Sichtweisen“ (samma ditthi) getan werden, bringen höchste Verdienste.

  • Falsche Sichtweisen loswerden bedeutet, korrekte Sichtweisen erlangen bzw. samma ditthi kultivieren. Freude und Weisheit nähren sich gegenseitig. Natürlich wachsen auch Chanda und Viriya gleichzeitig.
  • So ist das somanassa sahagata nana sampayutta citta bzw. ein „Gedanke mit Freude und Weisheit, der automatisch kommt“ das stärkste moralische Citta (kusala Citta). Das nächstfolgende ist das somanassa sahagata nana sampayutta sasankharika citta bzw. ein „Gedanke mit Freude und Weisheit, durch andere Faktoren angeregt„.
  • Weisheit beginnt auf der Ebene von weltlichem Samma Ditthi und nimmt zu, wenn man sich auf den Sotapanna Magga begibt, dann auf Sotapanna Phala und so weiter, bis zur Arahant-Stufe.
  • Die Kraft bzw. Javana eines Kusala Citta wird durch verbesserte Weisheit verstärkt. Somit ist die Kraft eines Citta von einem Arahant viel stärker als die eines Sotapanna, und die Javana eines Sotapanna viel stärker als die einer normalen Person.
  • Natürlich ist die Javana in einem akusala Citta mit Unwissenheit (moha) auch stark und verschlechtert so die Tat noch, was unerträglich schlechte Ergebnisse einbringt (vipaka).

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