Abhidhamma – Einführung

1. „Abhi“ bedeutet „höher“ oder „erweitert“. So kann Abhidhamma als eine tiefere, ultimative Beschreibung von Buddha Dhamma betrachtet werden.

  • Das Endergebnis ist dasselbe, wenn man es mit dem Material in den Suttas vergleicht, aber Abidhamma stellt eine grundsätzliche Beschreibung der Existenz bereit, bestehend aus 82 Basiseinheiten innerhalb der vier ultimativen Dinge (Citta, Cetasika, Rupa, Nibbanam). Das ist eine gewaltige Aufgabe. Es dauerte fast 500 Jahre bis zum dritten buddhistischen Konzil, diese abzuschließen.
  • Die 81 Basiseinheiten sind 1 reines Citta, 52 Cetasika und 28 Rupa-Arten. In Abhängigkeit der Kombinationen von Cetasika, die zusammen mit einem Citta entstehen, ergeben sich 89 (bzw. 121) Arten kontaminierter Citta (bzw. Vinnana).

2. Im Sutta Pitaka erklärte der Buddha die Dhamma-Konzepte in Alltagssprache. Es ist für die meisten Menschen möglich, Nibbana ohne Abhidhamma zu erreichen. 

  • Wenn man jedoch nicht genug Glauben bzw. Vertrauen in Buddha Dhamma hat, könnte man Abhidhamma studieren und sich davon überzeugen, WARUM Buddha Dhamma keine Religion ist, sondern die absolute Erklärung der Natur, die Große Vereinheitlichte Theorie. Es hat tausendfach mehr Aussagekraft als die moderne Wissenschaft. Und diejenigen, die den Dingen auf den Grund gehen möchten, werden Abhidhamma mögen.

Nehmen wir als Beispiel das Backen eines Kuchens:

  • Alles was man wissen muss, sind die Zutaten und die richtige Vorgehensweise beim Backen. Das ist analog in den Sutta enthalten.
  • Beim Abhidhamma starten wir auf der atomaren Ebene mit den Zutaten, wie diese grundlegenden Einheiten zu Mehl, Öl, Eier usw. werden und warum diese in einer bestimmten Art und Weise gemischt und gebacken werden. Es ist wirklich umwerfend, was Abhidhamma erreichen kann.
  • Anstatt jedoch ein langweiliges „Rezeptbuch“ zu sein (wie Abhidhamma heutzutage gesehen wird), kann das Lernen von Abhidhamma eine hilfreiche Erfahrung sein, was ein viel tieferes Verständnis des Dhamma ermöglicht.

3. Abhidhamma bietet die vollständige, konsistente Beschreibung der gesamten Existenz. Mit dieser Beschreibung gibt es auf keiner Ebene unerklärliche Phänomene. Ein Logiker wie der verstorbene Dr. Kurt Gödel hätte viel Freude daran.

  • Der Umfang des Abhidhamma kann abgeschätzt werden, wenn man betrachtet, was Wissenschaftler mit der Großen Vereinheitlichten Theorie versuchen, um das Verhalten lebloser Materie zu beschreiben. Einstein widmete den letzten Teil seines Lebens dieser Entwicklung, fand jedoch keine Lösung. Die Wissenschaft ist noch weit davon entfernt. Und selbst wenn, wird man nur in der Lage sein, das Verhalten von lebloser Materie zu beschreiben, nicht aber das Verhalten von Lebewesen, geschweige denn die 31 Reiche der Existenz.

4. Abhidhamma ist die Große Vereinheitlichte Theorie des Buddha. In diesem Abschnitt sollen weiterführende Informationen gegeben werden.

  • Studenten sollten Lernmaterial nicht auswendig lernen, sondern den Sinn erfassen. Viele Studenten (und natürlich auch Erwachsene) versuchen die Beschreibung eines Konzepts zu wiederholen, können das Konzept aber nicht anwenden.
  • Der Ansatz soll hier auch gelten. Zum Beispiel können alle Citta-Arten in den Tabellen nachgelesen werden. Es gibt keine Notwendigkeit auswendig zu lernen. Viel wichtiger ist das Verstehen, z.B. welche Citta-Arten unmoralisch sind und Wiedergeburt in den Apaya erzwingen.
  • Abhidhamma kann süchtig machen. Wenn man zu begreifen beginnt, wie diese komplexe Welt wirklich funktioniert, sorgt schon etwas mehr Verständnis für Freude im Herzen.

5. Doch selbst wenn man die Gesamtheit der Abhidhamma-Theorie auswendig lernt, wird man nicht die Botschaft des Buddha verstehen, wenn man nicht die wahre Bedeutung von anicca, dukkha, anatta versteht.

  • Abhidhamma kann offene Punkte aus dem Sutta Pitaka klären und das Wissen vertiefen, was berauschend sein kann.
  • Auf der anderen Seite hatte ich so viele offene Fragen zu Teilen von Abhidhamma, bis ich die ersten Desana von einem meiner zwei Lehrer Theros am 30. Juli 2013 zu anicca, dukkha, anatta hörte. Es war wie das Verschwinden eines Nebels. Am Ende dieser Desana wusste ich, dass ich die offenen Punkte klären kann, was mein Verstehen stark verbessern würde.

6. Hier nun ein kurzer Überblick darüber, wie der Abhidhammapitaka des Tipitaka über grob 250 Jahre von Bhikkhus entwickelt wurde (beginnend mit Sariputta). Sariputta war einer der beiden Hauptschüler des Buddha. Während Moggallana sich durch übernatürliche Kräfte auszeichnete, brillierte Sariputta im Dhamma-Wissen.

  • Die Details über die Struktur eines Citta Vithi mit 17 Gedankenmomenten, wobei jedes Citta weniger als eine Milliardstel Sekunde dauert, sind nur von einem Buddha zu erkennen. Der Buddha beschrieb Sariputta solche unglaublichen Details. Er und seine Gruppe von Bhikkhus (und deren anschließende Linie) übernahmen die monumentale Aufgabe, eine vollständige Beschreibung der Dhamma-Theorie mit den grundlegenden Einheiten zu verfassen.
  • Wie bereits erwähnt, ist dies eine Million mal komplexere Aufgabe als eine Große Vereinheitlichte Theorie über leblose Materie, wie sie heute von der Wissenschaft angestrebt wird. Ein Lebewesen hat einen leblosen Körper und einen komplexen Geist, der diesen leblosen Körper „lebendig“ macht.
  • Nur eine Grundstruktur der Theorie wurde auf dem ersten buddhistischen Konzil nur drei Monate nach dem Parinibbana des Buddhas vorgestellt. Mehr wurde auf dem zweiten Konzil hinzugefügt und die Aufgabe konnte erst beim dritten Konzil abgeschlossen werden. Beim vierten Konzil wurde der Tipitaka um das Jahr 29 v.u.Z niedergeschrieben. Siehe Bewahrung des Dhamma.
  • Ein häufiges Missverständnis in vielen Büchern ist die Vorstellung, dass Abhidhamma nach dem Parinibbana des Buddha von Bhikkhus „erfunden“ wurde. Jedoch sind die winzigen Details der sehr schnellen Citta Vithi nur für den Geist eines Buddha erkennbar.
  • Auch der letzte Teil des Abhidhamma Pitaka wurde von Arahants auf dem Dritten Konzil zusammengefasst. Das Fehlen von Arahants (in großer Zahl) begann um das zweite Jahrhundert u.Z. und fiel zusammen mit dem Aufstieg des Mahayana und der „Verunreinigung“ des Theravada, was im Visuddhimagga von Buddhaghosa gipfelte. Siehe Chronologie von Edward Conze.

 

VERWEISE

1. „A Comprehensive Manual of Abhidhamma“ von Bhikkhu Bodhi (2000).

2. „A Manual of Abhidhamma“, von Narada Thero (1979).

3. „Buddha Abhidhamma – Ultimate Science“, Dr. MEHM Tin Mo. Das ist eine gute kostenlose Publikation (der Link führt zur PDF).

Leider sind einige Konzepte in allen drei Referenzen nicht korrekt: Insbesondere kommen die falschen Interpretationen von anicca, anatta vor, wie in fast allen Theravada-Texten (Ausnahme ist natürlich der Pali Tipitaka selbst). Auch Anariya Jhanas mit Kasinas und Atem-Meditation werden als buddhistische Meditation genannt. 

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