Die fünf Gebote – Was der Buddha damit meinte

überarbeitet 22.12.2020

1. Die fünf oder acht Gebote, natürlich mit verschiedenen Bedeutungen, waren vor dem Buddha da. Es wird gesagt, dass am Tag der Geburt des zukünftigen Buddha, Prinz Siddhartha, seine Mutter die acht Gebote befolgt hatte. Siehe auch panca sila.

  • Die alten Könige verboten die sogenannten fünf unmoralischen Taten, um eine friedliche Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Diese waren: Töten (wahrscheinlich andere Menschen), Stehlen, sexuelles Fehlverhalten, Lügen und sich berauschen zu lassen.
  • Die vedischen Brahmanen erweiterten diese um das Töten von Tieren. Sie dehnten es auch auf acht Gebote aus, die es ihnen ermöglichten, weltliche Jhana zu erlangen.
  • Übrigens enthalten die Zehn Gebote der Christen auch viele dieser „unmoralischen Handlungen“ (außer die auf Gott bezogenen).

2. Genau wie er es mit vielen existierenden Begriffen zu seiner Zeit tat (Kamma, die vier großen Elemente von Patavi, Apo, Tejo, Vayo usw.), übernahm der Buddha diese Gebote, definierte sie aber neu.

  • Im Buddha-Dhamma sind alle möglichen unmoralischen Handlungen in den dasa akusala enthalten. Siehe Zehn unmoralische Taten (dasa akusala).
  • Deshalb sind all diese auch in den fünf Geboten enthalten. Wenn man Buddha Dhamma wirklich versteht, d.h. die Natur dieser Welt, wie sie in anicca, dukkha, anatta verkörpert ist, sieht man, dass diese Vorschriften natürlich aus den Gesetzen der Natur hervorgehen. In diesem Stadium lehnt der Geist automatisch alle dasa akusala ab, und so werden die fünf Gebote automatisch befolgt. Man muss nicht einmal darüber nachdenken.

3. Wenn man sich wie vom Buddha beschrieben auf den edlen Pfad begibt, sind die konventionellen fünf Gebote ein guter Anfang (Töten, Diebstahl, sexuelles Fehlverhalten, Lügen, Rausch).

  • Darüber hinaus muss man die fünf Gebote mit dem Verständnis rezitieren, dass es kein Versprechen sondern die Absicht ist, das Äußerste zu tun sie einzuhalten (andernfalls wäre die Handlung selbst musavada bzw. eine Lüge). Dies liegt daran, dass wir alle – außer ein Arahant – wenigstens einige von ihnen in ihren wahren Bedeutungen brechen werden.
  • Aber wenn man auf dem Pfad voranschreitet und die Vorteile sieht (Geistesfrieden oder frühe Stadien von niramisa sukha), sollte man versuchen, den Umfang dieser fünf Prinzipien mit den herkömmlichen Bedeutungen zu erweitern. Dies kann systematisch geschehen: Wenn man die Bedeutungen von anicca, dukkha, anatta wirklich versteht UND dass unsere Existenz nicht mit diesem Leben endet, beginnen tiefere Einsichten.
  • Wenn dies geschieht, werden die Gebote nicht als Ritual oder bloße Regeln befolgt. Vielmehr erkennt man, dass es keine andere moralische Art zu leben gibt.

4. Wenn man zum Beispiel erkennt, dass man in früheren Leben ein Tier oder schlimmeres war, sieht man Tiere nicht mehr nur als „bloße Dinge“, die zu unserem Vergnügen existieren. Darüber hinaus wird das Verstehen der Gesetze von Kamma dazu führen, dass man sich darüber Gedanken macht, nicht einfach nur mutwillig ein anderes Leben zu nehmen (erste Gebot).

  • Aber manche Leute gehen ins Extreme. Sie fangen an, ein Tierleben auf dem gleichen Niveau wie ein Menschenleben zu behandeln und kommen nicht mehr klar, wenn sie ein Spinnennetz bei der Reinigung ihres Hauses entfernen müssen. Es ist unvermeidlich, dass wir unbeabsichtigt viele kleine Kreaturen töten, wenn wir durch den Garten gehen oder Wasser kochen. Also muss man ein Gefühl für die relativen Gewichte von Kamma bekommen; siehe Gewichtung von verschiedenem Kamma.
  • Zuerst muss man auf jeden Fall das Töten aus Lust und Langeweile vermeiden (z.B. angeln, jagen usw.).

5. Das zweite Gebot (Stehlen) meint nicht nur banalen Diebstahl, sondern beinhaltet auch Gewinne durch unmoralische Mittel. Um eine funktionierende Gesellschaft zu erhalten, müssen wir miteinander Geschäfte machen. Wir müssen nur sicherstellen, dass wir keinen Vorteil aus einer anderen Person ziehen und uns dieser Person gegenüber „moralisch verschulden“.

  • Die Vinaya-Regeln für Mönche (vi + naya, wobei naya Schulden sind und vinaya „frei von Schulden“ bedeutet) zeigen, wie sie ihr Leben führen können, indem sie für gespendete Nahrung von Laienanhängern zurückzahlen.
  • Der Buddha sagte, dass er jede Tat oder jedes Konzept mit „dhamma und vinaya“ testen wolle. Jedes Konzept muss mit Paticca Samuppada (Ursache und Wirkung) übereinstimmen und auch mit „raga vinaya, dosa vinaya, moha vinaya„, d.h. sich nicht über Gier, Hass und Ignoranz verschulden.
  • Wenn wir von jemandem durch ungerechte Mittel gewinnen, müssen wir diese Schuld bezahlen, wenn nicht in diesem Leben, dann in zukünftigen Leben. Siehe Kamma, Schulden und Meditation.

6. Das dritte Gebot, „kamesu miccacara veramani sikkha padan samadiyami„, wird allgemein mit „sexuelles Fehlverhalten vermeiden“ übersetzt. Aber kāma ist nicht nur sexuelle Aktivität. Kāma beinhaltet alle Sinnesfreuden, die in Kamaloka verfügbar sind. Miccacara bedeutet Fehlverhalten im Sinne von „ins Extreme gehen“. Daher ist die wahre Bedeutung, Sinnesfreuden nicht übermäßig zu frönen.

  • Also sind übermäßiges Trinken, Glücksspiel usw. in diesem Gebot enthalten.
  • Wir müssen die fünf physischen Sinne nutzen, um in dieser Welt zu leben. Aber wir müssen Einschränkungen machen, damit wir sie nicht in dem Maße missbrauchen und wir uns selbst oder andere verletzen. Als einfaches Beispiel sei übermäßiges Essen und damit Gewichtszunahme genannt. Das führt zu Gesundheitsproblemen, die nicht nur einem selbst schaden, sondern der ganzen Familie.
  • Die ersten drei Gebote beinhalten alle drei akusala kamma, die mit dem Körper getan werden.

7. Das vierte Gebot, musavada (lügen), beinhaltet alle Missbräuche durch Sprechen, einschließlich harter Rede, Verleumdung und leerer Rede, was andere verletzen kann.

  • Das vierte Gebot umfasst also alle vier akusala kamma, die mit Sprache getan werden.

8. Das fünfte Gebot ist ein großes, das fast immer fehlinterpretiert wird. Wenn es nur Trinken beinhaltet, wäre es „surameraya veramani ……„. Das war wahrscheinlich der ursprüngliche Vers.

Aber im Buddha Dhamma heißt es „surameraya majjapama dattana veramani …..„.

In dem Wort sura steht ra für raga oder Verlangen, daher bedeutet sura „mit übermäßigem Verlangen“. Meraya ist köstlich. Majja bedeutet „Rausch“ und majjapama meint „durch Rausch verzögert“. Dattana bedeutet „diese Denkweise“. „Veramani sikkha padan samadiyami“ bedeutet „Ich entscheide mich, solche Dinge nicht bereitwillig zu tun“.

Daher sollte es so interpretiert werden: „Vermeide die Denkweise, von Alkohol, Drogen, Geld, Macht usw. berauscht zu sein, denn es lässt dich zurückfallen.“

  • All dies geschieht im Geist. Man wird mit gierigen Gedanken berauscht und wenn man nicht bekommt, was man will, erzeugt man Hass. Und all dies geschieht, weil man die wahre Natur dieser Welt nicht versteht, d.h. man hat micca ditthi oder falsche Sichtweisen.
  • Um es anders auszudrücken: Man sollte darauf achten, sich nicht von den fünf Sinneseindrücken bzw. kama assada berauschen zu lassen; siehe Was ist Kama? – Es ist nicht nur Sex.
  • Man glaubt, dass (i) die eigenen Handlungen keine Konsequenzen haben, und (ii) deshalb muss man nur darüber nachdenken, wie man das bekommt, was man will (weil es so viele verlockende Dinge gibt, die es zu haben gibt!). Man merkt nicht, das alles nur vorübergehend ist.
  • Um dem fünften Gebot wirklich zu folgen, muss man also an seinem Geist arbeiten. Alle drei akusala, die mit dem Geist getan werden, sind in diesem fünften Gebot eingeschlossen. Siehe Zehn unmoralische Taten (dasa akusala).

9. Das folgende Szenario wird als Beispiel angeführt, um die Sinnlosigkeit blind befolgter Verhaltensweisen zu veranschaulichen: Es gibt viele Menschen, die ihr ganzes Leben leben, ohne absichtlich zu töten, zu stehlen, sexuelles Fehlverhalten auszuüben, zu lügen oder sich zu berauschen. Aber ihr Geist ist mit Gier, Hass oder Unwissen belastet. Abhängig von ihrem Geisteszustand, bekommen sie vielleicht in der nächsten Runde nicht einmal eine Geburt als Mensch.

  • Es gibt da diese Geschichte über eine alte Frau, die diese konventionellen fünf Gebote buchstabengetreu befolgt hat. Obwohl sie arm war, war sie gierig und behielt ihr ganzes Geld unter ihrem Kopfkissen. Es wird gesagt, dass sie als Laus auf diesem Kissen wiedergeboren wurde, wegen ihrer Anhaftung an das Geld im Kissen.
  • Und wenn man diese Regeln einhält, dann würde eine Kuh oder ein Pferd, die isoliert leben, sicher auch Nibbana erlangen. Sie töten nicht, stehlen nicht, lügen nicht oder werden nicht berauscht, und wenn ihr Besitzer kein anderes Tier dieser Art hat, besteht auch keine Chance, sich sexuell daneben zu benehmen.
  • Es geht darum den Geist zu reinigen. Ein reiner Geist gewinnt Weisheit und erlaubt keine schädliche Handlung durch Sprache oder Tat. Ein solcher Geist ist nicht belastet, sondern hat sich „abgekühlt“. Das ist das Glück von Nibbana.

10. Der Weg zu Nibbāna beginnt mit dem weltlichen achtfachen Pfad, mit sīla, samādhi, paññā (in dieser Reihenfolge). Dann beginnt man die edlen Wahrheiten, Tilakkhana, Paṭicca Samuppāda zu verstehen und wird Sotapanna Anugāmi. Damit beginnt lokottara Sammā Diṭṭhi auf dem lokottara magga bzw. edlen Pfad. Jetzt verschiebt sich die Sequenz zu paññā, sīla, samādhi mit Weisheit (paññā) vorneweg.

  • In den Tagen des Buddha predigte ein Brahmane mit dem Namen Nigantanathaputta, dass alles aufgrund von Kamma geschieht. Er riet seinen Anhängern dazu die fünf Gebote einzuhalten, sonst führte das UNVERMEIDLICH zur Geburt in den Apaya. Er predigte auch, dass beim Einhalten aller Gebote diese Person NICHT in der nächsten Geburt in den Apaya geboren wird.
  • Der Buddha sagte, dass beides falsch ist. Wir haben sowohl gutes als auch schlechtes Kamma in unseren früheren Leben angesammelt, und die nächste Geburt wird von den relativen Stärken dieser Kamma-Samen und dem, was wir in diesem Leben tun, bestimmt sein. Zum Beispiel konnte Angulimala, der fast 1000 Menschen tötete, innerhalb einer Woche die Arahantschaft erreichen. Und Buddha gab Beispiele von denen, die ein vollkommen moralisches Leben führten, aber in den Apaya geboren wurden, weil sie schlechtes Kamma Vipaka aus früheren Leben hatten. Siehe Mahākammavibhaṅgasutta (MN 136).
  • Darüber hinaus sagte der Buddha, dass man wegen solcher Missverständnisse micca ditthi hat und in den apaya geboren werden kann, nur wegen dieser Sichtweisen. Es ist von entscheidender Bedeutung diesen Punkt herauszufinden. Ich treffe viele Leute (sogar Buddhisten), die sagen: „Ich habe niemandem etwas Schlechtes getan; daher glaube ich nicht, dass mir etwas Schlimmes zustoßen wird“. Das ist micca ditthi. Der einzige Weg um zu garantieren, dass man von der Geburt in den Apaya befreit ist, ist das Erreichen der Sotapanna-Stufe von Nibbana.

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