2. Grundlagen der Meditation

1. Wer die Atemmeditation oder die Beobachtung des Hebens und Senkens der Bauchdecke kennt, weiß um die beruhigende Wirkung auf den Geist. Manche können nicht einmal ein paar Minuten einen ruhigen Geist behalten und schon beginnen „Dinge aufzutauchen“.

  • Dieses „Auftauchen“ ist auf die fünf Hindernisse (Pancanivarana) zurückzuführen. Dies sind die grundlegenden „Rückstände“ oder „Dreck“, die wir tief in unserem Geist haben. Diese sprudeln an die Oberfläche, wenn wir uns hinsetzen um zu meditieren.

2. Lasst uns das Gleichnis von einem Brunnen nehmen, der mit all den faulen Sachen verunreinigt ist, die über viele Jahre hinweg hineinfielen. Unser Geist hat diesen Dreck über viele Wiedergeburten angesammelt. Wenn wir uns mit stressigen alltäglichen Aktivitäten beschäftigen, wird der Dreck aufgewühlt und trübt den Geist. 

  • Die beiden grundlegenden „faulen Dinge“, die wir haben, sind die ersten beiden auf der Liste der fünf Hindernisse: Kamachanda (übertriebene Gier) und Vyapada (tiefer Hass).
  • Vicikicca ist ein Paket von Dingen, die man „mag“ und das können materielle Dinge sein ODER Dinge, die man gerne „hasst“. Man tut dies wegen der Ignoranz von anicca, dukkha, anatta. Vicikicca ist eine Art von „Lieblingsliste“ aus den wichtigsten Zutaten von übermäßiger Gier und tiefem Hass, die ersten beiden Hindernisse. Kanka Vicikicca ist eine schlimmere Form von Vicikicca, die durch mutwillige Missachtung der richtigen Ansichten entsteht.
  • Die anderen zwei sind eher wie „Rührer“, die diese schlechten Gewohnheiten aufwecken: Thina Middha („gefangener“ oder „gefrorener“ Geist), Uddhacca-Kukkucca (Tendenz des Geistes zerstreut zu sein bzw. unruhiger Geist).
  • Thina Middha oder Unfähigkeit sich auf Dhamma-Konzepte zu konzentrieren, kann nach einer Mahlzeit erhöht sein, aber es kann auch ein persönliches Merkmal oder eine Gewohnheit sein. Wir nenen das den „faulen Geist“. Ein „unbeständiger“ oder „unruhiger“ Geist (uddhacca-kukkucca) entsteht, wenn man sich im Vergleich zu anderen „überlegen“ oder „minderwertig“ fühlt. Es muss beachtet werden, dass ein „geschrumpfter Geist“ mit Minderwertigkeit verbunden ist und nicht mit einem „unscheinbaren Charakter“ verwechselt werden sollte.
  • Die fünf Hindernisse werden im Abschnitt Moralisches Leben ausführlich besprochen.

3. Wenn wir uns mit alltäglichen Aktivitäten beschäftigen wie sehen, hören, riechen, schmecken, berühren und auch über alle möglichen Dinge nachdenken, sind all dies „externe Rührer“, die unseren Geist wirklich wie einen Whirlpool aussehen lassen. Sie haben sich zusammengerottet, um den Geist zu stressen und „aufzuheizen“. Das ist die Spannung, die wir an einem anstrengenden Tag fühlen. Wir müssen „abkühlen“; wir brauchen Niveema.

  • Ein Weg zur Abkühlung besteht darin, die externen Rührer vorübergehend auszuschalten. Das tut man auch in einer Atem-Meditation: man geht zu einem ruhigen Ort und schließt die Augen. Dies wird vor allem die fünf physischen Sinne ausschalten (d.h. sehen, hören, riechen, schmecken, berühren). Das hilft wirklich einigen Menschen den Geist zu beruhigen, besonders wenn sie viel geübt haben.
  • Aber es ist nicht möglich den sechsten auszuschalten, den Geist selbst. Deshalb ist es ratsam zu versuchen, den Geist auf ein Objekt zu fokussieren, z.B. den Atem oder das Heben und Senken der Bauchdecke.
  • Tatsächlich versuchen manche Leute, „den Geist abzuschalten“ bzw. Gedanken zu stoppen. Das ist gefährlich. Wir müssen den Geist reinigen, aber nicht abschalten. Der Buddha hatte den vollkommen reinen, aber sehr aktiven Geist. Wenn man dem Pfad folgt, wird der Geist schärfer, nicht inaktiv.

4. Wenn wir aber zu viel Dreck in unserem Geist haben, dann werden unsere Gedanken auch ohne die Hilfe eines Rührers kontaminiert. Es ist wie ein alter Brunnen, der aufgegeben wurde. Er hat schmutziges Wasser und man muss das vorhandene Schmutzwasser zuerst entfernen.

  • Wenn man sich mit unmoralischem Verhalten beschäftigt (die Großen Acht: Töten, Stehlen, Sexualvergehen, Lügen, Tratschen, Verleumden, harte Rede und „Trunkenheit“ nicht nur mit Drogen oder Alkohol, sondern auch mit Reichtum, Ruhm, Macht, Position …), dann ist der Geist wie ein Brunnen, der immer schmutziges Wasser hat. Auch wenn der Brunnen ungestört bleibt, kann das Wasser nicht sauber werden, indem man an einem ruhigen Ort sitzt und die physischen Sinne abschaltet.

5. So wäre es schwer, sogar mit der Atemmeditation Ruhe zu erlangen, wenn man sich aktiv in der GROSSEN ACHT engagiert (es sei denn, man hat viel Übung gehabt, aber selbst dann dauert die Ruhe nur solange der Fokus anhält).

  • Das ist im Grunde Kayanupassana, der erste Schritt in Satipatthana.
  • Wenn jemand in einer oder mehr dieser acht Aktivitäten engagiert ist, ist das erste Ziel zu versuchen sie loszuwerden. Zuerst sollte man mit dem Schlimmsten beginnen und allmählich fortfahren, bis alle entfernt sind. Es ist wie das Entleeren des Brunnens mit schmutzigem Wasser.
  • Das ist ein großer Schritt. Es kann eine Weile dauern, je nachdem wieviel Reinigung nötig ist. Aber es ist nicht gut zu hetzen und zu versuchen, viel zu tun. Das könnte auch stressig sein. Das Beste ist, sich von ein oder zwei großen Sachen zu trennen, und die „Abkühlung“ zu erleben, die daraus resultiert.
  • Sinnloses Reden ist eine Gewohnheit, die man frühzeitig loswerden sollte. Man tut nichts Gutes für sich selbst oder die anderen. Es ist unvermeidlich, dass man etwas Unangemessenes sagen wird (evtl. verleumdet und lügt, was auch zur Großen Acht gehört). Das loszuwerden wird helfen, den Geist schnell zu beruhigen.   
  • Der Geist muss die Vorteile sehen, bevor er wirklich mitmacht. Aus diesem Grund muss es zunächst eine Menge Entschlossenheit geben um dran zu bleiben.
  • Es ist wichtig, sich nicht an die Atemmeditation zu gewöhnen. Wenn Sie es gewohnt sind, würde ich dringend bitten allmählich aufzuhören und die hier beschriebenen Verfahren zumindest für ein paar Monate zu versuchen. Wir wollen langfristige Ergebnisse. Es gibt viele Menschen, die süchtig nach Atemmeditation sind um vorübergehende Erleichterung zu bekommen. DAS IST EIN FEHLER.

6. Loswerden von schlechten alten Gewohnheiten und Installation neuer guter Gewohnheiten ist ein Schlüssel in der Meditationspraxis. Wir werden über Gewohnheiten sprechen (Gathi, die im Laufe der Zeit zu Asava werden). Hier sind einige grundlegende Ideen, die helfen:

  • Um eine neue Angewohnheit zu bilden, braucht es zunächst etwas Aufwand. Ich habe es ausprobiert, indem ich eine neue Gewohnheit machte, Orangen mit meiner linken Hand zu schälen (ich bin rechtshändig). Zuerst war es hart und das Hauptproblem war, dass ich vergaß die linke Hand zu benutzen. Ich musste mir einen Alarm setzen, um mich zuerst zu erinnern. Aber nach ein paar Tagen begann ich mich zu erinnern. Nach ein oder zwei Wochen war es eine neue Gewohnheit. Jetzt mache ich es automatisch und es ist ein bisschen seltsam, Orangen mit der rechten Hand zu schälen!
  • Wenn wir eine neue Gewohnheit schaffen, fängt eine Reihe von Neuronen im Gehirn an, sich für diese Aufgabe zu verdrahten. Je mehr wir es tun, desto stärker werden die neuronalen Verbindungen. Dies passiert auch, wenn wir lernen, ein Fahrrad zu fahren, ein Auto zu fahren, oder Zillionen von anderen Dingen, die wir tun, ohne darüber nachzudenken.
  • Zum Bruch einer Gewohnheit muss man das Gegenteil machen. Wenn man immer weniger raucht, werden die neuronalen Verbindungen für diese Aufgabe schwächer und schwächer. Nach einer Weile wird es einfacher nicht zu rauchen, denn der Geist wird das Signal nicht mehr geben. Man muss die Entschlossenheit haben, den anfänglichen Drang zum Rauchen zu stoppen. Versuchen Sie, diese Aktivität mit etwas anderem zu ersetzen. Verlangen nach einem bestimmten Lebensmittel kann auf die gleiche Weise entfernt werden, und vieles mehr, einschließlich unserer schlechten Gewohnheiten wie Lügen, Tratschen, etc. Es ist das gleiche Prinzip.

7. Die grundlegende formale Meditationstechnik wird im nächsten Abschnitt beschrieben. Diejenigen, die Zeit brauchen, um sich von der GROSSEN ACHT zu befreien, können den Fortschritt überwachen, indem sie solche formalen Meditationssitzungen machen. Es ist wichtig zu erkennen, dass alle Verunreinigungen erst auf der Arahant-Stufe völlig entfernt werden. Es macht also keinen Sinn, sich entmutigen zu lassen. Es braucht Zeit um schlechte Gewohnheiten zu stoppen. Der Schlüssel ist, Fortschritte zu machen und nicht rückwärts zu gehen.

  • Manchmal, wenn man mit der Ariya Bhavana anfängt, sieht es noch schlimmer aus, bevor es besser wird. Es ist wie der Versuch, ein heißes Bügeleisen zu kühlen, indem man Wasser drauf spritzt. Dann kommt all der Dampf hoch und man ist vielleicht für eine Weile verwirrt. Aber man muss hartnäckig sein. Man muss bedenken, dass unzählige Wesen „Abkühlung“ erreicht haben, indem sie dem Buddha glaubten und seinem Pfad folgten.

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