Vinnana (Bewusstsein)

A. Basisebene von Viññāna

1. Viññāna ist das Bewusstsein: wie man die Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt „sieht“. Damit ist es die Erfahrung eines Wesens in diesem Augenblick. Im Viññāna sind auch einige „Erwartungen“ basierend auf Erfahrung eingebaut.

  • Viññāna wird durch die geistigen Faktoren wie Vedanā, Sanna, Cetana „gefärbt“  (zusammen 52 Faktoren, siehe Cetasika (Geistige Faktoren) ). Wenn eine Anzahl von Menschen ein bestimmtes Objekt betrachtet, nehmen sie es auf viele verschiedene Arten wahr und erzeugen so unterschiedliche Gefühle, Wahrnehmungen und Absichten (Sankhara). Wir werden die wichtigsten geistigen Faktoren in diesem Abschnitt besprechen.
  • Wie alles andere auch ändert sich Viññāna von Moment zu Moment.

2. Es gibt verschiedene „Basisebenen“ von Viññāna je nach Existenz des Wesens (Bhava). Die Basisebene des Viññāna eines Menschen liegt viel höher im Vergleich zu einem Tier.

  • Unter den Menschen gibt es wiederum Unterebenen: Viññāna korreliert nicht mit dem „Buchwissen“ einer Person. Es bezieht sich auf das Niveau des Verstehens über die „wahre Natur der Welt“.
  • Es gibt vier festgelegte Ebenen von Viññāna entsprechend dem Magga Phala: Viññāna steigt zu höheren Niveaus beginnend bei der Sotapanna-Stufe, gefolgt von Sakadagami-, Anagami- und schließlich der Arahant-Stufe.
  • Auf der Arahant-Ebene hat man vollkommen gereinigtes Viññāna (Pabhassara Citta); siehe Pabhassara Citta, strahlender Geist und Bhavanga .
  • Wenn man also die wahre Natur dieser Welt begreift (anicca, dukkha, anatta), wird das Viññāna mehr und mehr gereinigt. Sieht man ein Objekt, wird die Wahrnehmung des Objekts unterschiedlich sein. Während eine unmoralische Person sogar tötet, um einen wertvollen Gegenstand zu bekommen, hat ein Arahant keine Lust irgendetwas zu besitzen – egal wie wertvoll es ist.

3. Somit ist offensichtlich, warum das Viññāna-Basisniveau sich nicht von Existenz zu Existenz überträgt. Wenn ein Mensch stirbt und als Reh wiedergeboren wird, dann stirbt die menschliche Viññāna-Ebene und eine untere Ebene passend für ein Reh wird wirksam (siehe Sankhara, Kamma, Kamma Beeja und Kamma Vipaka).

4. Solange man nicht zumindest die Sotapanna-Stufe erreicht, kann das „Basisniveau“ von Viññāna zwischen dem untersten Reich (Niraya) bis zum höchste Brahma Loka variieren. Es wird vollständig durch Kamma Beeja bzw. das Bhava bestimmt, was im Moment des Todes ergriffen wird.

5. Der Wert eines Lebens kann grob über die Viññāna-Basisebene kategorisiert werden:

  • Ein Arahant hat den höchsten Wert, da keine Verunreinigungen übrig sind. Anagami, Sakadagami, Sotapanna folgen sukzessive darunter. Diese vier sind die höchsten Viññāna-Basisebenen überhaupt.
  • Wesen in den vier Arūpa Loka und den 16 Rūpa Loka haben Viññāna, was nicht von Gier oder Hass kontaminiert ist. Dies sind jhānische Zustände. Wesen in diesen Reichen haben „Viññāna-Ebenen“ unterhalb eines Sotapanna.
  • Viññāna von Devas in einem der sechs Deva Lokas haben keinen Hass.
  • Viññāna der Wesen in jedem der vier untersten Reiche (Apayas) haben alle drei Arten von Verunreinigungen: Gier, Hass und Ignoranz.
  • Der Mensch stellt einen Sonderfall dar. Ein Mensch kann alle drei Arten von Verunreinigung haben (Gier, Hass und Ignoranz) oder alle drei loswerden und Arahant sein.

6. Kamma Vipāka in Bezug auf das Töten eines Wesens wird variieren, je nach der Viññāna-Ebene des Wesens, was getötet wurde. So hat das Töten eines Arahants die schlimmsten Folgen. Die Schwere des Kamma verringert sich bei Mord an einem Anagami, Sakadagami und Sotapanna entsprechend.

7. Wenn man die Gefühle eines Menschen verletzt, kann das schlimmere Folgen haben als ein Tier zu töten. Dies bedeutet nicht, dass es in Ordnung ist, Tiere zu töten. Auch innerhalb des Tierreiches ändert sich die Viññāna-Ebene, aber wir haben nicht die Fähigkeit solche Unterschiede zu beurteilen.

8. Wir müssen uns bewusst sein, dass unsere aktuell höhere Bewusstseinsebene auf dieses Leben bzw. diese Existenz begrenzt ist. Im nächsten Leben kann sich das ändern: höher in Richtung Deva/BrahmaViññāna oder tiefer bis zum Viññāna eines Wesens in der Hölle. Bis ein Wesen Nibbàna erreicht, wandert es innerhalb der 31 Reiche ohne Pause.

B. Viññāna während der Lebenszeit

1. Der Abschnitt A oben zeigt eine Art von Viññāna, nämlich die Basisebene der Existenz. Der uppatti Paticca Samuppada Zyklus beschreibt die Veränderung der Basisebene von Viññāna von Leben zu Leben; siehe Akusala-Mula Paticca Samuppada.

2. Aber innerhalb eines Lebens bezeichnet Viññāna normalerweise den sich ständig ändernden Strom des „Bewusstseins“ bzw. der „Erfahrung“. Es gibt zwei mögliche Arten von Viññāna:

  • Viññāna, was aufgrund von Kamma (und akkumuliertem Avijja) innerhalb einer Lebensdauer entsteht. Dies wird beschrieben in Akusala-Mula Pavutti (oder Pravurthi) Paticca Samuppda. Wenn man ein auffälliges Objekt sieht, geschieht das aufgrund von Kamma Vipāka. Selbst ein Arahant wird sehen, dass es sich um ein auffälliges Objekt handelt. Diese erste Art von Vinnana heißt Vipaka Vinnana.
  • Dies wird auch hier beschrieben: Vedanā (Gefühle) entstehen auf zwei Arten. Es gibt meist mehrere Möglichkeiten um das gleiche Phänomen zu beschreiben und das ist ein gutes Beispiel für die wunderbare Selbstkonsistenz von Buddha Dhamma.
  • Die andere Art von Viññāna entsteht während einer bestimmten Lebenszeit, wenn man Sankhara via Gier und Hass erzeugt bzw. durch Anhaftung. Im obigen Beispiel des auffälligen Objekts kann man Gefühle der Anhaftung haben, was neues Viññāna durch Sankhara erzeugt. Ein  Arahant wird dieses Viññāna nicht generieren. Diese zweite Art von Vinnana heißt Kamma Vinnana.

C. Viele Varianten von Viññāna während der Lebenszeit

1. Die obige Erörterung weist auf wichtige Attribute von Viññāna hin. Aber Viññāna kann abhängig von der Situation viele Variationen haben. Der Buddha sagte: Unabhängig davon wie es gestartet wurde, ob mit Holz, Stroh oder Papier, ein Feuer ist ein Feuer.

2. Eine andere Einstufung von Viññāna wird entsprechend der Sinnestür vorgenommen: Cakkhu Viññāna  (Sehbewusstsein) entsteht, wenn man die Augen verwendet um Informationen über ein Objekt zu erhalten. Ähnliches gilt für Sota, Jivhā, Gandha, Kāya und Mano Viññāna.

  • Eine weitere Klassifizierung erfolgt nach der Erfahrung: angenehm (sukha), unangenehm (dukha) oder neutral (upekkha). Diese Klassifizierung ist sehr persönlich. Drei Personen können beim Betrachten des selben Objektes je eine dieser drei Arten von Viññāna haben. Jede Person hat ihr eigenes Bewusstsein.
  • Dann gibt es kusala, akusala oder upekkha (neutrales) Viññāna. Zum Beispiel gibt man einem Bettler zu Essen und hat dabei kusala Viññāna; man stiehlt ein Kunstwerk mit einem akusala Viññāna. Man nimmt vielleicht ein Bad mit einem kammisch neutralen Viññāna. Und basierend auf diesen Sankhara folgt später wieder Vipāka Viññāna.

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