Dhammacakkappavattana Sutta (SN 56.11) – Einführung

Hier ist die Sutta als PDF-Datei:

Dhammacakkappavattana-Sutta

Ich habe die Sutta in 13 Abschnitte unterteilt. Davon werden wir hier einige besprechen. Wie in Sutta – Einführung dargelegt, gibt eine Sutta  nur eine kurze Zusammenfassung der ursprünglichen Desana wieder. Eine Sutta muss deshalb erklärt werden, da die tiefere Bedeutung nicht gleich sichtbar ist.

  • Hier ist eine Audio-Datei mit der Sutta gesungen vom ehrwürdigen Thero.

1. Das Singen einer Sutta kann viel effektiver sein, wenn man es richtig rezitiert und auch die Bedeutung zumindest teilweise versteht.

  • Eine Sutta liefert Dhamma-Wissen, was man braucht, um Magga Phala zu erreichen. Dazu muss es korrekt analysiert sein (Patineddesa Version). Die Dhammacakkappavattana Sutta ist besonders wichtig , da sie den „Bauplan“ von Buddha Dhamma enthält.

2. Natürlich war dies die erste Sutta vom Buddha, deren Desana er vor den fünf Asketen Kondanna, Bhaddiya, Vappa, Mahanama und Assaji hielt. Der Name der Sutta entsteht aus der Kombination von drei Begriffen: Dhamma, Cakka und Pavattana.  Dhamma  bedeutet hier Buddha Dhamma bzw. die wahre Natur der Existenz. Cakka bedeutet „Sehen“. Pavattana bedeutet „in Bewegung setzen“ UND „erhalten“.

  • Daher soll diese Sutta vermitteln, wie man die wahre Natur des Seins mit Weisheitsehen” kann (nicht mit dem physischen Auge). Nur ein Buddha kann die wahre Natur entdecken, aber ein Mensch kann es verstehen, wenn es erklärt wird.
  • Das Wort Dhammacakkappavattana entsteht also aus der Kombination der drei oben genannten Begriffe mit einem zusätzlichen „p“ vor Pavattana. Das ähnelt der Schreibweise von Pancakkhandha mit einem extra “k” zwischen panca und khandha.
  • Manchmal wird der Name auch als Dhamma Cakka Pavattana Sutta geschrieben.

3. Der Name der Sutta wird allgemein als „Das Rad der Lehre in Bewegung setzen” übersetzt. Cakka wird als „Rad“ übersetzt. Aber der Name der Sutta wird deutlich, wenn man Abschnitt 9 ansieht.

  • In Abschnitt 9 (siehe PDF) bedeutet dhammacakkhun udapadi: “Das Auge zum Sehen des Dhamma wurde geboren“. Gemeint ist der  Asket Kondanna (āyasmato Koṇḍaññassa), der den Stromeintritt erreichte. Es gibt keine Möglichkeit, hier ein „Rad“ zu assoziieren.
  • Es ist anzumerken, dass die Zusammenfassung der Sutta mit Abschnitt 8 endet. In den folgenden Abschnitten wird beschrieben, dass der Asket Kondanna die Sotapanna-Stufe erreichte und verschiedene Arten von Devas und Brahmas die Desana ebenfalls hörten. Es wird gesagt, dass eine große Anzahl von ihnen ebenfalls verschiedene Stufen von Nibbana erreichte.

4. Diese Sutta legt die Grundstruktur für Buddha Dhamma und wie man Befreiung von dieser Welt mit 31 Reichen erlangen kann. Dazu muss man „drei Runden“ der Bindung (Tiparivattaya) an diese Welt auflösen: ti bedeutet „drei“, vattaya bedeutet „Kreis“.

  • In Abschnitt 8 heißt es: „.imesu chatūsu ariyasaccesu evaṃ tiparivaṭṭan dvādasākāran yathābhutan ñāṇadassanan..”. Chatusu bedeutet „vier“ und ariyasaccesu die „Edlen Wahrheiten“. Durch das Verständnis der Vier Edlen Wahrheiten kann man die drei Runden der Bindung an diese Welt überwinden und die 12 Faktoren erfüllen (dvadasakaran). Diese 12 Faktoren werden in einem zukünftigen Artikel geklärt.

5. Die drei Runden der Bindung sind nachfolgend zusammengefasst als Tiparivattaya. Die Erste bindet einen an die satara Apaya (vier untersten Reiche). Mit der Sotapanna-Stufe entfernt man die falschen Ansichten über die Existenz in den 31 Reichen und löst sich für immer von den Apayas.

  • In der zweiten Runde befreit man sich von Kama Loka (Reiche Nr. 5 bis 11). Dies erfolgt über zwei Stufen: Als Sakadagami wird man frei von Geburten mit groben Körpern, die Krankheiten erleiden, d.h. frei von den unteren fünf Reichen (satara Apaya und Menschen-Reich). Als Anagami hat man Kama Raga und Patigha vollständig entfernt und ist frei von Geburten in Kama Loka.
  • In der dritten Runde löst man sich von allen 31 Reichen, indem man die höheren fünf Fesseln (Sanyoga) aufgibt und keine Geburt selbst in den 20 Rupi und Arupi Brahma Reichen möglich ist. Der Geist wird frei von jeder Anhaftung an Materie (Rupa), d.h. Arahantschaft.

6. Abschnitt 11 ist lang und nimmt einen bedeutenden Teil der Sutta ein. Die 6 Deva-Reiche und 15 von 16 Rupi Brahma Reichen werden erwähnt. Der größte Teil dieses Abschnitts wird in vielen Veröffentlichtungen gekürzt dargestellt, obwohl dieser Abschnitt wichtig ist.

  • Der Abschnitt zeigt deutlich, dass der Buddha in der Tat eine „größere Welt“ beschrieb, als die, die wir erleben.
  • Zweitens heißt es, dass Wesen aus vielen dieser Reiche anwesend waren, als der Buddha die Desana über Nacht abhielt (über viele Stunden). Ausgehend von 6 Deva-Reichen werden auch 15 Rupi Brahma Reiche genannt (mit Ausnahme des Asanna-Reichs, wo Wesen nur einen Körper haben, ohne Geist und somit unfähig zum Hören einer Desana).
  • Abschnitt 11 beginnt mit „Bhummānan devānan saddam sutvā Cātummahārājikā devā sadda manussāvesun…“. Bhummanan devanan bedeutet bhummatta deva. Sie gehören zum Catummaharajika Deva Reich, nahe der Erdoberfläche (auch wenn wir sie nicht sehen können). Sie hörten als erste von der Desana des Buddha und benachrichtigten höher gelegene Reiche. Abschnitt 11 beschreibt, wie sich die Nachricht verbreitete und wie sich schließlich Devas aus allen 21 oberen Reichen versammelten.
  • Diese Reiche entsprechen den Bezeichnungen im unten genannten Link (beachten Sie, dass in der Sutta alle als Devas bezeichnet werden, unabhängig davon, ob sie zu den sechs  Deva-Reichen gehören oder Rupi Brahma sind):

31 Ebenen der Existenz (engl.)

  • Natürlich waren bei der Desana nur 5 Menschen anwesend (die fünf Asketen). Kein Wesen der Apayas kann Dhamma begreifen. Auch die Brahmas in den 4 Arupi Reichen waren nicht anwesend, denn sie haben keine Ohren zum Hören. Abschnitt 11 nennt also 21 Reiche. Nicht aufgeführt sind die vier untersten Reiche (Apaya), das Asanna Reich und die vier Arupi Brahma Reiche. Diese werden aber in vielen anderen Suttas beschrieben.

7. Wie bereits erwähnt gibt die Sutta nur einen kurzen Überblick über die Desana, welche mehrere Stunden andauerte.

  • Die Sutta beginnt mit dem üblichen „Evaṃ me sutaṃ“ (“So habe ich es gehört”), gesprochen von Ananda beim Dhamma Sangayana, wo diese Suttas in Abschnitte unterteilt wurden. So entstand der Tipitaka.
  • Abschnitt 1 nennt die beiden Extreme, die zu meiden sind: kāmasukhallikānuyogo (übermäßige Sinnesfreuden)  und  attakilamathānuyogo  (nutzlose Tätigkeiten ausüben, die zu sinnlosen Härten führen). 
  • Beide Extreme sind als anattasanhito genannt. Folgt man einem der beiden Extreme, kennt man nicht die Anatta-Natur dieser Welt. Man hat dann Sanna oder Wahrnehmung, die zu anatta führt, d.h. man ist hilflos in Sansara.
  • Und beide sind dukkho und anariyo: man leidet und ist somit kein Ariya oder Edler.
  • Zusätzlich wird kāmasukhallikānuyogo auch gekennzeichnet als hīno, gammo, pothujjaniko. Hino bedeutet “niedrig”, gammo bedeutet „ungebildet“ oder „plump“. Pothu bedeutet “Rinde” oder “äußere Schale eines Baumstamms” und janika bedeutet “erzeugen”. Also meint pothujjaniko eine Person, die in nutzlosen und unproduktiven Tätigkeiten engagiert ist. So beschrieb der Buddha jene, die Sinnesvergnügen wertschätzen und sich danach sehnen.

8. Die meisten Menschen sind im kāmasukhallikānuyogo Modus, wenn auch nicht extrem. Tatsächlich rückt man näher zur „Mitte“, wenn man schrittweise Sotapanna anugami, Sotapanna,… Sakadagami, …Anagami wird. Letztlich findet man die „Mitte“ als Arahant.

  • Majjhima Paṭipadā hat eine tiefere Bedeutung als nur „mittlerer Weg“. Man muss die Gefahren der Trunkenheit in dieser Welt erkennen (majji = berauscht oder berauscht mit Sinnesfreuden). Ma  steht für “frei von”, wie in samma = san + ma.
  • Wenn man von Sinnesfreuden „berauscht“ ist, wird man hino, gammo, pothujjaniko. Diese Einstellung kann man ändern, indem man das Dhamma lernt, was “der Welt zuvor nicht bekannt war” (pubbe ananussutesu dhammesu). Dieser Satz wird oft in den Abschnitten 4 bis 7 wiederholt.
  • Darum kann man dieses Dhamma nicht auf herkömmliche Weise begreifen. Man muss die wahre Natur der Welt realisieren: anicca, dukkha, anatta.

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