Vinnana kann verschiedene Formen haben

1. Vinnana ist einzigartig für Lebewesen. Pflanzen leben auch, haben aber kein Vinnana. Sie reagieren auf die Umgebung, können aber nicht „denken“. Lebewesen sind sich bewusst, dass sie am Leben sind. Nur das grundlegende Bewusstsein, „am Leben zu sein“, ist nicht wirklich Vinnana.

  • Die grundlegende Ebene von Vinnana (das Bewusstsein, am Leben zu sein) wird als Citta bezeichnet.
  • Ein Citta entsteht mit 7 universellen „geistigen Faktoren“ (Cetasika). Siehe Citta und Cetasika – Wie Vinnana (Bewusstsein) entsteht. Auch ein reines Citta enthält also immer diese 7 Cetasika.

Das Citta eines fühlenden Wesens wird jedoch durch weitere Cetasika „kontaminiert“. Während der Lebensdauer eines Citta (grob eine Nanosekunde) wird es zunehmend mit „guten“ bzw. „schlechten“ Cetasika kontaminiert. Dies geschieht in 9 Schritten! Siehe Gedanken (Citta), Bewusstsein (Vinnana) und Geist (Hadaya Vatthu) – Einführung.

2. Diese zusätzlichen Cetasika „färben“ das Citta: Wenn sobhana Cetasika zusammen mit dem Citta entstehen, wird es zu einem „guten Gedanken“ bzw. einem „guten Vinnana„. Wenn es sich um „asobhana Cetasika“ handelt, ist der Gedanke bzw. das Vinnana schlecht (sobhana und asobhana Cetasika mischen sich nicht). Es gibt auch neutrale Gedanken oder neutrale Vinnana, die weder gut noch schlecht sind.

  • Vinnana kann auf verschiedene Arten erlebt werden. Da es schwierig ist, für jeden Fall einen anderen Namen zu finden, werden sie alle als „Vinnana“ gebündelt. Wörter wie Citta, Vinnana, Mano sowie cakkhu vinnana, sota vinnana, vipaka vinnana werden unterschiedlichem Kontext verwendet und können verwirrend sein. Aber jeder Begriff hat seine eigene „subtile Identität“.

3. Vinnana wird oft als „Bewusstsein“ übersetzt, aber Vinnana kann je nach Kontext für „Unterbewusstsein“ oder „Bewusstseinsebenen“ verwendet werden.

  • „Unterbewusstsein“ (wie von Sigmund Freud eingeführt) oder „Yati Sitha“ auf Singhalesisch ist kein separates Citta (es gibt immer nur ein Citta in einem Moment). Aber jedes Citta kann „Bewusstseinsschichten“ enthalten. Manasikara Cetasika spielt hier eine Rolle.
  • Beispielsweise haben wir möglicherweise mehrere „unbewusste“ Vinnana: Wir haben möglicherweise Pläne, ein bestimmtes Auto zu kaufen, uns darauf vorzubereiten, nächste Woche auf eine Reise zu gehen, während wir ein Haus bauen, usw. All dies ist im Unterbewusstsein. Wenn wir ein interessantes Auto auf der Straße sehen, macht uns ein Vinnana darauf aufmerksam und „wir sehen genauer hin“.

Arten von Vinnana 

4. Vinnana ist komplex und kann verschieden kategorisiert werden. Man kann zum Beispiel in Beziehung zu Kamma oder Sankhara kategorisieren: Kamma Vinnana, Vipaka Vinnana und Kiriya (bzw. Kriya) Vinnana.

  • Vinnana, die durch Kamma (Sankhara) entstehen, werden Kamma Vinnana genannt. Wenn man zum Beispiel etwas stiehlt, ist man sich des Diebstahls bewusst. Das Kamma hat in diesem Fall schlechte Folgen.
  • Dann gibt es Vinnana, die als Kamma Vipaka entstehen. Darüber haben wir nicht viel Kontrolle. Sie passieren uns einfach und heißen Avyakata Vinnana bzw. Vipaka Vinnana. Findet man beim Spaziergang etwas Wertvolles, ensteht Cakkhu Vinnana (etwas sehen) und gleichzeitig Vipaka Vinnana (aufgrund eines früheren Kamma).
  • Der dritte Typ in dieser Kategorie heißt Kiriya Vinnana und ist nicht mit Kamma verbunden. Wenn wir etwas denken, sagen oder tun, was keine kammischen Folgen hat, dann geschieht dies mit Kiriya Vinnana. Denken wir daran ein Glas Wasser zu trinken oder fragen wir nach der Uhrzeit, sind diese Handlungen kiriya bzw. funktional.
  • Unsere Lebenserfahrungen gehören grundsätzlich zu einer dieser drei Kategorien.

5. Wenn wir mit dem Zug unterwegs sind und aus dem Fenster schauen, sehen wir viele verschiedene Dinge. Aber das meiste davon beachten wir nicht, obwohl wir es wahrnehmen. Es sind Vipaka Vinnana: sie werden uns „präsentiert“.

  • Dann sehen wir plötzlich etwas, was unser Interesse weckt: ein schönes Haus in traumhafter Umgebung. Dann lenken wir die Aufmerksamkeit darauf und schauen, bis es außer Reichweite gerät. Das ist ein Vipaka Vinnana, was zu unserem Gati passt. Wir können dann Kamma hinzufügen, indem wir via Sankhara ein KammaVinnana initiieren (sankhara paccaya vinnana). In dem Fall oben könnten unsere Gedanken über der Möglichkeit kreisen, solch ein Haus zu erwerben und dort zu wohnen. Dieses „Kreisen“ bedeutet (Abhi)Sankhara bzw. Kamma-Vinnana

6. Vinnana kann auch in anderer Form beschrieben werden. Es gibt eine Einteilung in sechs Kategorien, diesmal basierend auf der Sinnestür: cakkhu vinnana (Sehbewusstsein), sota (Ton), ghana (Geruch), jivha (Geschmack), kaya (Berührung), mano (Geist) vinnana.

  • Im Beispiel oben wurden alle drei Arten von Vinnana von Cakkhu Vinnana initiiert, einem „Sehereignis“.
  • Wenn uns ein Mitreisender im Zug berührt, drehen wir uns um und sehen diese Person. Auslöser war aber Kaya Vinnana (auch ein Vipaka Vinnana).
  • Wenn sich herausstellt, dass dies versehentlich geschah, belassen wir es dabei (kiriya vinnana).
  • Wenn es jedoch jemand war, mit dem wir in der Vergangenheit eine romantische Beziehung hatten, können wir Kamma Vinnana (mano/vaci Vinnana) erzeugen.
  • ALLE Erfahrungen lassen sich in eine dieser „Abteilungen“ einsortieren, d.h. Vipaka Vinnana, Kamma Vinnana, Kiriya Vinnana oder Einteilung nach den Sinneskontakten.

7. Schauen wir jetzt auf den Bezug zu Paticca Samuppada.

  • Der akusala mula PS-Zyklus beginnt mit „avijja paccaya sankhara“ und „sankhara paccaya vinnana“. Diese Vinnana sind KEINE Vipaka-Vinnana oder Kiriya-Vinnana, sondern immer Kamma Vinnana.
  • Vipaka Vinnana enthält kein Avijja (Unwissenheit bzw. moha cetasika).
  • Wenn wir uns jedoch basierend auf dem Objekt und unserem Gati entschließen, auf den Sinneseindruck zu reagieren, dann erzeugen wir je nach Stärke unseres Engagements Kamma Vinnana.

8. Normalerweise werden wir täglich mit Sinneseindrücken über alle sechs Sinne bombardiert. Wir neigen dazu, vielen davon unsere Aufmerksamkeit zu schenken, „damit wir nichts verpassen“. Damit mangelt es uns aber an „Frieden“ im Geist. Wenn wir viele Verlangen habe, wird der Geist in alle Richtungen gezerrt, um all den Sinneseindrücken zu folgen.

  • Indem wir aufregende Umgebungen vermeiden, können wir diesen Effekt reduzieren. Aber wir können immer noch nicht den sechsten  Sinneseingang stoppen (den Geist), außer wir reinigen ihn. Es ist nicht möglich, „Seelenfrieden“ zu haben, wenn der Geist mit Gier, Hass und Unwissenheit (falsche Sichtweisen bzw. Micca Ditthi) belastet ist.

9. Ein Arahant hat einen friedlichen Geist haben, selbst wenn er am aufregendsten Ort ist. Ein Sotapanna kann das bis zu einem gewissen Grad auch.

  • Noch bevor Magga Phala erreicht wird, kann man leicht zu Samadhi und dann zu Jhanas gelangen, indem man die mit „falschem Sehen“ verbundenen Unreinheiten allmählich beseitigt (durch Lernen von Buddha Dhamma).
  • Dann wird die Anzahl der Vinnana, die einen verfolgen, verringert („Klingt, als würde das Auto meiner Nachbarin abfahren, ich frage mich, ob sie shoppen geht?“, „Ich frage mich, was Mina heute vorhat.“ „Ich wünschte, ich könnte so einen Körper haben!“, „Wieso habe ich nicht so ein schönes Haus?“, Das sind alles Vinnana, mit denen wir unseren Geist belasten.)
  • Natürlich ist es anfangs nicht leicht, diese einfach auszuschalten. Sie hören automatisch auf zu entstehen, wenn wir den Geist reinigen, indem wir Buddha Dhamma lernen („Was nützt es, über unnötige Dinge nachzudenken? Solche Gedanken führen zu Leiden“).

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