Nāmarūpa paccayā Salāyatana

1. Lassen Sie uns zunächst den Unterschied zwischen Ayatana und Indriya betrachten.

  • Wir haben sechs Sinnesfähigkeiten: Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper und Geist. Dies sind die Indriya. Es gibt kein äquivalentes deutsches Wort für Ayatana, also werden wir Indriya und Ayatana beibehalten.
  • Je nachdem wie wir diese Indriya verwenden, können sie Ayatana werden. Die anfänglichen Sinneseindrücke (was wir sehen, hören, riechen usw.) geschehen aufgrund von Kamma Vipāka und wir erleben diese mit unseren Sinnesfähigkeiten als Indriya. Aber basierend auf diesen ersten Sinneserfahrungen, können wir diese Indriya bewusst verwenden, um mehr dieser Handlungen zu tun. Nun werden die Indriya zu Ayatana. Da es sechs Sinnesfähigkeiten gibt, werden sie Salāyatana genannt.

2. Zum Beispiel geht man auf der Straße und sieht ein schönes Haus. Es passierte zufällig aufgrund eines Kamma Vipāka, und die Augen arbeiten als Indriya. Sie präsentieren dem Geist nur ein Bild von dem Haus. Es ist ein neutrales Ereignis.

  • Aber wenn man jetzt für eine Weile das Haus ansieht und darüber nachdenkt, wie schön das Haus ist und wie gern man in dem Haus leben würde, dann werden die Augen und der Geist zu Ayatana. Man bildet gierige Gedanken über das Haus und akkumuliert neues Kamma (via Sankhara).

3. In einem anderen Beispiel bietet uns jemand ein Stück leckeren Kuchen an (Kamma Vipāka). Da wir den Kuchen gern essen, könnten wir alle sechs Ayatana einsetzen und mehr Kamma ansammeln (riechen, berühren, das Rezept erfragen, darüber nachdenken, …). Eine Randbemerkung: diese sind keine Abhisankhara (die zu Wiedergeburt oder Patisandhi führen), sondern nur Pavutti Kamma, was zu Pavutti Kamma Vipāka führt.

  • Die meiste Zeit nutzen wir unsere Sinnesfähigkeiten als Indriya und ignorieren viele Sinneseindrücke. Aber wenn wir etwas wahrnehmen, wofür wir ein Verlangen haben (Anusaya), dann nutzen wir die Sinnesfähigkeiten als Ayatana. Der akusala-mula Paticca Samuppada Zyklus arbeitet nur, wenn wir unsere Sinnesfähigkeiten als Ayatana verwenden.
  • Ein Arahant verwendet die Sinnesfähigkeiten immer als Indriya. Er/sie sieht, hört, schmeckt usw. genau wie wir, haftet aber an nichts.

4. Ebenso wie Nāmarūpa im vorhergehenden Artikel hat Salāyatana jeweils eine etwas andere Bedeutung im Pavutti und Patisandhi Paticca Samuppada Zyklus.

  • Bei der Geburt (vor allem in einem neuen Bhava), erhalten wir „neue Sinnesfähigkeiten“ bzw. Indriya. Wenn zum Beispiel ein Mensch als Brahma wiedergeboren wird, hat der Brahma nur Augen, Ohren und Geist, also nur drei Indriya (oder Ayatana). Aber wir behalten den Begriff „Salāyatana“ bei. Damit haben wir es im Patisandhi Paticca Samuppada  mit Nāmarūpa aus starken Kamma-Samen zu tun, die eine neue Existenz definieren. Dies sind Nāmarūpa, die der Geist der sterbenden Person im Augenblick des Todes erfasst.
  • Im Pavutti Paticca Samuppada Zyklus sind wir hingegen mit den Ayatanas beschäftigt, die sich selbst von Moment zu Moment je nach Nāmarūpa in dem Augenblick ändern können.

Nāmarūpa paccayā Salāyatana beim Patisandhi

5. Am Ende einer Existenz (Bhava) macht ein gegebener Lebensstrom einen Quantensprung von einer Art von Existenz zu einer anderen. Das kann man genauer definieren: Das Ausgangsniveau von Viññāna macht einen Quantensprung und das ist im Grunde das Nāma des Nāmarūpa. Der Entwurf für den neuen physischen Körper ist das Rūpa von Nāmarūpa.

  • Beim Übergang der Existenz z.B. von einem Reh zu einem Menschen springt die Grundstufe des Viññāna auf das viel höhere Niveau eines Menschen. Diese neue Ebene des Viññāna erschafft zusammen mit dem Rupa für die neue menschliche Form das neue Nāmarūpa der Gandhabba, die aus dem Körper des toten Rehs kommt.
  • Wenn diese Gandhabba in die Gebärmutter einer Menschen-Mutter gezogen wird, beginnt das menschliche Baby zu wachsen. Sechs Sinnesfakultäten (Indriya) geeignet für einen Menschen wachsen ebenso. Diese werden irgendwann in der Zukunft nach der Geburt zu Salāyatana.

6. Nehmen wir als weiteres Beispiel einen Menschen, der seine kammische Energie für das menschliche Bhava beim Tod erschöpft hat und als Brahma in einem Arupa/Rupa Loka geboren wird. Am Cuti-Patisandhi Übergang im letzten Citta Vithi des Menschen stirbt die Menschen-Gandhabba und eine Brahma-Gandhabba wird geboren.

  • In den Brahma-Reichen werden alle Brahmas ohne Hilfe eines Mutterleibes vollkörperlich geboren. Dies wird opapatika Geburt genannt. Der Mensch stirbt, sein Körper wird leblos wie ein Stück Holz und und in dem Augenblick wird ein voll ausgebildeter Brahma in der entsprechenden Brahma-Welt gebildet.
  • Dieser Brahma hat Sinnesfakultäten entsprechend dem Bhava: Augen, Ohren und Geist. Dies sind die Indriya für die neue Existenz. Diese Indriya können manchmal Ayatana werden, je nach Aktivitäten des Brahma.

Nāmarūpa paccayā Salāyatana während der Lebenszeit

7. Während der Lebenszeit eines Rehs, Menschen oder Brahma hat dieser Lebensstrom  die grundlegenden Indriya passend zur Existenz.

  • Aber während dieser Lebenszeit ändern sich die Ayatana geringfügig je nach Aktivität (im Vergleich zu den drastischen Veränderungen beim Patisandhi). Solche Änderungen werden durch den Pavutti Paticca Samuppada  Zyklus beschrieben.

8. In den vorangegangenen Beiträgen betrachteten wir den Fall eines Diebes, der einen Diebstahl plant. Wir sahen, wie sein Viññāna für den Diebstahl zur Bildung entsprechender Nāmarūpa führt, die geistigen Bilder in seinem Geist.

  • Während er den Diebstahl plant, wird er seine Sinnesfähigkeiten als Ayatana verwenden, um die „Vorarbeiten“ auszuführen. Er liest vielleicht über den Ort des Raubs, fragte nach relevanten Informationen, usw. Jedes Mal, wenn er das tut (denken, sehen, hören, …), läuft ein separater Paticca Samuppada Zyklus.
  • Wenn er im Begriff ist den Diebstahl durchzuführen, passen sich die Indriya an die Aufgabe an und werden damit zu Ayatana: alle Sinne sind in höchster Alarmbereitschaft. Er beobachtet sorgfältig alles Unerwartete und sein Körper wird mit Adrenalin geflutet.
  • An den Planungs- und Ausführungsstufen des Diebstahls sind viele Paticca Samuppada Zyklen beteiligt.

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