Was bedeutet “Paccaya” in Paticca Samuppada?

Bevor wir die verschiedenen Formen von Paticca Samuppada besprechen (Abkürzung PS), sollten wir uns klarmachen, was mit Paccaya gemeint ist. Dies wird in Pattana Dhamma erklärt und wir werden das Konzept hier vorstellen.

1. Der PS-Zyklus beginnt mit: „avijja paccaya sankhara, sankhara paccaya vinnana, vinnana paccaya namarupa, namarupa paccaya salayatana,…“.

  • Und da PS die „Ursache und Wirkung“ in Buddha Dhamma beschreibt, denken viele Menschen „avijja paccaya sankhara“ bedeutet „Avijja verursacht Sankhara“ oder „Unwissenheit verursacht Handlungen, die schlechtes Kamma erzeugen“.
  • Selbst ein gewöhnlicher Mensch hat Avijja, er/sie wird aber nicht immer dementsprechend handeln. Die meiste Zeit handeln Menschen angemessen oder moralisch. Doch solange Avijja vorhanden ist, besteht die Wahrscheinlichkeit unangemessen bzw. unmoralisch zu handeln.
  • Ebenso viele Leute denken, dass „sankhara paccaya vinnana“ bedeutet „Sankhara verursacht Vinnana“ oder „schlechtes Kamma führt zu entsprechendem Bewusstsein“, usw. durch den gesamten PS-Zyklus.

2. Vieles klärt sich, wenn man versteht, dass PS sich nicht auf eine „direkte Verbindung“ bezieht: Nur weil wir viele schlechte Kamma (Sankhara) getan haben, bedeutet das nicht, das ALLE Kamma auch Vipaka verursachen werden (entweder ein Wiedergeburts-Vinnana oder ein Pavutti Vinnana während der Lebenszeit). Siehe Paticca Samuppada – Überblick.

  • Jede Wirkung muss eine Ursache haben. Aber es können mögliche Ursachen bestehen, ohne zu irgendwelchen Wirkungen zu führen. Andernfalls wäre Nibbana nicht möglich. Dies braucht etwas Kontemplation.

3. Die Ursachen für das Entstehen eines Baumes liegen eingebettet in einem Samen. Aber nur weil ein Samen vorhanden ist, wird noch kein Baum wachsen. Der Samen kann für lange Zeit an einem kühlen, trockenen Ort liegen oder in einem Feuer verbrennen. Ein Baum entsteht dann nicht.

  • Damit Ursachen auch Wirkungen bringen, müssen geeignete Bedingungen vorliegen. Das bedeutet Paccaya.
  • Wenn geeignete Bedingungen vorhanden sind, werden Ursachen entsprechende Effekte bewirken. Wenn also eine gewisse Wirkung hervorgerufen wird, nennt man das Paccuppanna, d.h. geboren (uppanna) via geeignete Bedingungen (paccaya).
  • In dem obigen Beispiel bedeutet das, wenn man den Samen (Ursache) in den Boden pflanzt und Wasser, Nährstoffe, Sonnenlicht usw. zur Verfügung steht (geeignete Bedingungen), dann wird der Samen keimen und zum Baum wachsen (Wirkung).

4. Deshalb ist Kamma nicht deterministisch. Siehe Was ist Kamma? – Wird alles durch Kamma bestimmt?.

  • Die Wirkung – falls es dazu kommt – steht in Übereinstimmung mit der Ursache. Die Ursache war auch die eigene Wahl: pati+ichcha führt zu sama+uppada. Einfacher gesagt: Wenn man anhaftet, führt das zu einer Geburt ähnlicher Art. Die Folgen sind also ähnlicher Natur wie die Ursachen.

5. Im Tipitaka sind 24 Paccaya bzw. Bedingungen genannt, die Wirkung hervorrufen können. Diese werden Pattana Dhamma genannt.

  • Lassen Sie uns drei davon kurz besprechen: Hetu Paccaya, Annantara Samanantara Paccaya  und Annamanna Paccaya.

6. Nichts geschieht ohne Ursache bzw. Hetu.

  • Zum Beispiel verursacht eine Bombe Schaden wegen des Sprengstoffs darin; aber jemand muss die Bombe auslösen. Wenn die Bombe irgendwo für lange Zeit liegt, kann der Sprengstoff degenerieren und damit die „Ursache“ verschwinden. Die meisten Kamma-Samen sind auch so.
  • Somit kann es ohne Grundursache nicht zur Explosion kommen. Das ist Hetu Paccaya.

7. Mein bevorzugtes Beispiel für Annantara Samanantara Paccaya ist die Keimung eines Samens aus #3 oben. Nur weil ein Apfelsamen vorhanden ist, wird kein Apfelbaum erscheinen.

  • Ein Apfel-Samen kann an einem kühlen, trockenen Ort ohne Keimen für viele Jahre aufbewahrt werden. Erst mit dem passenden Boden, Wasser, Sonnenlicht wird daraus ein Apfelbaum; siehe Annantara und Samanantara Paccaya für weitere Einzelheiten.
  • Natürlich wird auch der Apfelsamen degenerieren, wenn er zu lange nur auf Lager liegt und damit seine Wirksamkeit verlieren. Hetu Paccaya  muss immer erfüllt sein.

8. Annamanna Paccaya bedeutet voneinander abhängig: Zum Beispiel sind Vinnana und Namarupa voneinander abhängig:

  • Normalerweise heißt der Schritt „viannana paccaya namarupa“ bzw. „Vinnana führt bei passenden Bedingungen zu Namarupa“. Zum Beispiel verursacht ein Vinnana im Cuti Citta (Todesmoment) ein passendes Namarupa für die nächste Geburt: ein hasserfüllter Gedanke könnte zur Geburt in der Niraya oder im Tierreich führen.
  • Allerdings ist umgekehrt Vinnana abhängig von der Art des Namarupa: mit dem Namarupa eines Tieres ist es unmöglich, in Jhanas zu kommen. Nur bestimmte Arten von Namarupa unterstützen bestimmte Arten von Vinnana.
  • In Abhängigkeit von den Situationen kommen ein oder mehr der 24 Paccaya gleichzeitig ins Spiel.

9. Mit anderen Worten sind die Beziehungem zwischen Ursache und Wirkung sehr komplex. Wir können nur die wichtigsten Beziehungen erkennen. Nur ein Buddha kann alle Komplexitäten aussortieren.

  • Aber es gibt keine Notwendigkeit alles im Detail zu analysieren, um die Botschaft des Buddhas zu verstehen. Man kann Sotapanna werden, indem man nur die Tilakkhana (anicca, dukkha, anatta) erfasst.

10. Warum gebe ich hier Informationen zu diesem komplexen Thema?

  • Es hilft beim Aufbau von Saddha (Glaube) in Buddha Dhamma. Jeder kann diese Konzepte prüfen und erkennen, dass es für alles, was wir erleben, eine vollständige Erklärung liefert.
  • Zweitens ist es intellektuell befriedigend zu sehen, wie alle Stücke in das „große Bild“ passen: Ich hoffe, dass andere auch das Gefühl der Freude daran haben, wie sich das Puzzle zusammensetzt.
  • Diese „Selbstkonsistenz“ ist von entscheidender Bedeutung im Prozess des Aussortierens, welche Version von Buddha Dhamma die richtige ist. Der Buddha selbst wies darauf hin, dass jede Version, die nicht selbstkonsistent ist, zu verwerfen ist. Siehe Saddharma Pundarika Sutra (Lotus Sutra) – Eine tiefere Analyse.

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