Was ist ein Gedanke?

1. In Buddha Dhamma ist ein Gedanke oder ein Citta der kürzeste Moment des Bewusstseins, den ein fühlendes Wesen erlebt. In einem Augenblick können Milliarden von Citta entstehen und vergehen. Ein Citta dauert weniger als eine Milliardstel Sekunde.

2. Ein reines Citta enthält nur sieben universelle Cetasika (Phassa, Sanna, Vedana, Cetana, Ekaggata, Jivitindriya, Manasikara). Siehe Cetasika (geistige Faktoren). Das ist die reinste Form eines „Gedanken“. Ein einzelnes Citta ist aber nicht wahrnehmbar.

  • Niemand erlebt also einen einzigen Gedanken, wenn man mit „Gedanken“ ein Citta meint. Wenn man also sagt, „ich habe gerade einen Gedanken“, erlebt man eigentlich viele Milliarden Citta. Die kürzeste Wahrnehmung liegt wahrscheinlich im Bereich von einem Sekundenbruchteil. Die Wissenschaft geht von grob 10 Millisekunden aus. Aber diese 10 Millisekunden braucht vor allem das Gehirn zur Verarbeitung des Sinneseindrucks. Sobald dies geschehen ist, folgt eine sehr schnelle Abfolge von jeweils 17 Citta in weniger als einer Milliardstel Sekunde. Das wird im Geist registriert. Details dazu betrachten wir später.
  • Diese Serie mit 17 Cittas ist ein sogenannter Citta Vithi.
  • Selbst ein einziges Citta durchläuft drei Stufen: uppada (Anstieg), thithi (Maximum wird erreicht, ändert sich aber immer noch) und bhanga (Auflösung). Ein Citta entsteht und vergeht also sehr schnell.
  • Nur ein Buddha kann diese Details „sehen“. Selbst Menschen mit höchsten Abhinna Kräften (via Jhanas) kommen dem nicht mal nahe.
  • Aus diesem Grund ist Abhidhamma ein besonderer Teil von Buddha Dhamma, der so hingenommen werden muss, wie er ist, d.h. wir müssen glauben, was der Buddha sagte. Wir können diese Details nicht durch eigene Erfahrung überprüfen (z.B. die Anzahl von Citta in einem Citta Vithi). Doch Abhidhamma ist sehr wertvoll, denn es klärt jedes Problem bis ins kleinste Detail.

3. Ein reines Citta mit anfangs 7 Cetasika wird unmittelbar verunreinigt, entweder durch „schlechte“ Cetasika wie Lobha (Gier), Dosa (Hass), Issa (Neid) oder durch „gute“ Cetasika wie Saddha (Glaube) oder Sati (Achtsamkeit).

  • Bevor es vergeht, durchläuft es neun Stufen um schließlich Vinnanakkandhö zu erreichen (dies ist nicht das Aggregat Vinnakkhandha, sondern hier koppelt der Geist die Informationen der vorherigen Stufen dieses Citta mit Vergangenheits-Vinnana und Zukunfts-Vinnana zu einem „Verbund“).
  • Allerdings nennt man diesen ganzen Prozess immer noch Citta.
  • All dies geschieht in weniger als einer Milliardstel Sekunde! Der Prozess wiederholt sich in den nachfolgenden Citta und er ist kumulativ, d.h. je mehr Citta der gleichen Art entstehen, umso stärker wird unser Bewusstsein über das Ereignis und wir beginnen es tatsächlich wahrzunehmen.

4. Wir erleben also die kumulative Wirkung zahlreicher Citta Vithis. Deshalb sprach der Buddha von Kandhas („Haufen“ in Pali oder Sinhala): Vedanakkhandha, Sannakkhandha, Sankharakkhandha, Vinnanakkhandha. Diese „Haufen“ nehmen wir als „Gedanken“ wahr.

  • Wenn Citta so schnell entstehen und die sechs möglichen Sinneseindrücke abfängt (fünf physische Sinne und der Geist selbst), wie erleben wir die „Erfahrung“ des Sehens, Hörens, usw. „gleichzeitig“ und sortieren dabei auch noch aus?

5. Das ist möglich, weil der Geist das mächtigste Ding in dieser Welt ist. Alle fünf physischen Sinne bieten nur Spuren von Eindrücken und Milliarden davon entstehen und vergehen jede Sekunde. Der Geist behält Aufzeichnungen aller vergangenen Ereignisse und konstruiert von Moment zu Moment eine neue Sinneserfahrung .

  • Während wir zum Beispiel das Wort „Apfel“ hören, wird jeder einzelne Buchstaben vom Geist über Milliarden von Cittas erfasst.
  • Wenn das ganze Wort aufgenommen wurde, gleicht der Geist automatisch diesen Sinneseindruck mit Erinnerungen aus der Vergangenheit ab und erschafft sofort ein mentales Bild eines Apfels. Erinnerungen aus der Vergangenheit und Hoffnungen für die Zukunft werden vom Mansikara Cetasika abgerufen und vom Cetana Cetasika in das aktuelle Citta integriert.
  • Jetzt „weiß“ der Geist, was die andere Person sagte und hat dafür ein mentales Bild eines Apfels erzeugt.
  • Wenn man das Wort „Zitrone“ hört, könnte man sogar den sauren Geschmack auf der Zunge „spüren“, denn die passenden Erinnerungen werden abgerufen.
  • Auch wenn wir nur die Umrisse einer vertrauten Person sehen, füllt der Geist automatisch die „Lücken“ und ein Bild der Person erscheint im Geist.

6. Der Geist kann mehrere Sinneseindrücke verarbeiten (über die fünf Sinne) und eigene geistige Prozesse ausführen (Denken und schlussfolgern). Das tut er so schnell, dass es wie „Echtzeit“ wirkt.

7. Eigentlich geschieht die Verarbeitung eines sensorischen „Ereignisses“ nicht in einem einzelnen Citta. Ein sensorisches Ereignis über die fünf physischen Sinne wird von einem einzigen Citta erfasst, aber diese Information wird von 17 Cittas bearbeitet, was man Citta Vithi nennt. Ein Citta Vithi zum „Sehen“ wird als Citta Vithi an der ‚Augen-Tür‘ bezeichnet. Ein Citta Vithi zum Hören nennt man Citta Vithi an der ‚Ohr-Tür‘  usw.

  • Wenn ein Citta Vithi einen sensorischen Input liefert, wird diese Information dann durch drei Citta Vithis verarbeitet, die nur den Geist beinhalten. Diese Citta Vithi an der „Geist-Tür“ sind variabel und enthalten grob 12  Citta. Aber während eines Jhāna Samapatti sind nur Citta Vithi an der „Geist-Tür“ beteiligt, wobei dann riesige Mengen von Citta ohne Unterbrechung durchlaufen. Man ist dabei im Jhana und registriert nicht mehr die Außenwelt, denn Pancadvara Citta Vithi kommen nicht vor.
  • Somit sind bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken zwei Arten von Citta Vithi beteiligt: ein langer mit 17 Citta, um einen Sinneseindruck der fünf physischen Sinne einzufangen (pancadvara = „5 Türen“), und drei  Manodvara Citta Vithi (an der Geist-Tür) mit je etwa 12  Citta. Beide Typen sind somit beim Erkennen bzw. bei der Bildung von Bewusstsein involviert.
  • Nur ein Citta Vithi läuft zu einem Zeitpunkt. Sie überlappen sich nicht bzw. es wird nicht parallel verarbeitet.

8. Daher ist es kaum vorstellbar, mit welch irrsinniger Geschwindigkeit der Geist arbeitet.

  • Ein Film wird durch eine Abfolge von statischen Bildern erzeugt. Die Projektionsrate liegt bei etwa 30 Bildern pro Sekunde und wir sehen den Film als einen kontinuierlichen Prozess. Ist die Projektionsrate zu niedrig, können wir einzelne Bilder bzw. „Informationspakete“ separat sehen. Bei ausreichend schneller Projektion sehen wir aber keine Lücken und alles wirkt kontinuierlich.
  • In gleicher Weise hören wir ein gesprochenes Wort, obwohl das Erkennen viele Citta Vithi an der Ohr-Tür erfordert. Die dazugehörige visuelle Szene scheint gleichzeitig abzulaufen. Doch nichts davon geschieht „zur gleichen“ Zeit.
  • Genau wie im Film, mit einer Projektionsrate von z.B. 30 Bildern je Sekunde, werden viele Citta Vithi pro Sekunde erzeugt. Der Strom der Citta Vithi wird durch die Verarbeitungszeit des Gehirns von grob 10 Millisekunden ausgebremst. Dennoch nehmen wir Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Berühren, Denken als „gleichzeitig“ wahr.
  • Der Geist verarbeitet wahrscheinlich weniger als 100 Sinneseindrücke pro Sekunde. Jedoch dauert jeder Citta Vithi mit 17 Citta (für die fünf Sinnesfähigkeiten) und jeder Manodvara Citta Vithi mit je 12 Citta weniger als eine Milliardstel Sekunde. Auch wenn das Gehirn für die Verarbeitung eines Sinneseindrucks etwa 10-20 Millisekunden braucht, so wird diese Information vom Geist in weniger als einer Milliardstel Sekunde erfaßt.

9. Genau wie auf einer Filmrolle zeichnet in der „Geistebene“ ein Band (nicht physisch) alle Vorgänge auf. Das ist der Ursprung von Nama Gotta. Siehe Unterschied zwischen Dhamma und Sankhara. Das Band existiert für immer und erlaubt es den Wesen mit Abhinna-Kräften in der Vergangenheit zu jedem Zeitpunkt zurückzublicken. Siehe Jüngste Beweise für Ununterbrochene Erinnerungen (HSAM).

10. Es gibt nur ein Citta zu einem Zeitpunkt. Und es gibt Erinnerung. Diese liegt oft verborgen, weil der Geist von Verunreinigungen bedeckt ist.

  • Entwickelt man Abhinna-Kräfte durch Anariya Jhanas, sinkt nur der geistige Unrat zu Boden und man sieht die oberen Schichten. Entwickelt man aber Abhinna-Kräfte durch Ariya Jhanas, entfernt man tatsächlich die Verunreinigungen und kann viel tiefer in die Vergangenheit eindringen.

11. Somit ist jede einzelne Sinneserfahrung von sehr kurzer Dauer (ein Citta Vithi). Der Geist setzt alles zusammen und präsentiert uns ein „Film ähnliches“ Erleben. Das meinte der Buddha, als er zu Bahiya Daruchiriya sagte: „Ditté ditta manatan, suté suta mantan, muté muta manatan, vinnaté vinnana mantan“ oder „Sehen ist nur eine Spur von Sehen, Hören ist nur eine Spur von Hören, Genießen nur eine Spur von Genuss, Erleben ist nur eine Spur von Erleben“

  • Mantan bedeutet Matra in Singhalesisch oder „Spur“ auf Deutsch. Somit ist „Sehen“ nur eine Spur eines visuellen Ereignisses und dauert nur eine Milliardstel Sekunde bevor das nächste Ereignis hereinkommt. Es gibt nichts Beständiges darin. Der Geist lässt alles fest, dauerhaft und stabil erscheinen. Das ist der tiefere Sinn des Verses.

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