Phassa – Kontakt mit Pasāda Rupa

Paṭicca Samuppāda (PS) beginnt mit salāyatana paccayā phasso bzw. „ein Ayatana hat Kontakt“. Dieser Kontakt besteht zwischen einem externen Rupa und einem der sechs Ayatana (cakkhu, sota, gandha, jivhā, kāya, mano). Auf fundamentaler Ebene hat ein externes Rupa Kontakt mit dem Geist über eines der fünf Pasāda Rupa bzw. direkt mit dem Geist (hadaya vatthu).

Bedeutung von Phassa (Kontakt) 

1. Der Standard-PS-Zyklus beginnt mit avijjā paccayā saṅkhārā. Wir erzeugen jedoch nicht grundlos Saṅkhāra. Außerdem ist Avijjā nicht ständig vorhanden. Nur wenn ein verlockendes „Gedankenobjekt“ (ārammaṇa) auftaucht, beginnen wir aufgrund von Avijjā, Saṅkhāra zu erzeugen. Avijjā bedeutet, dass wir dem externen Objekt (rupa) einen Wert beimessen, weshalb Sankhara sinnvoll erscheinen.

  • Wenn wir zum Beispiel etwas Leckeres essen, können wir mit lustvollen Gedanken (saṅkhāra) mehr essen, auch wenn wir nicht hungrig sind. Wenn wir einen Feind X sehen, erzeugen wir vielleicht wütende Gedanken (vaci saṅkhāra) über diese Person.
  • Entsteht Phassa zwischen Essen und Zunge bzw. zwischen Augen und Person X? Mit anderen Worten: Entsteht Vedanā („toller Geschmack“) auf der Zunge? Entsteht „Sehen von Person X“ in den Augen? Nein.
  • Manche sagen, Vedanā entsteht im Gehirn. Aber auch das Gehirn besteht aus leblosen Atomen/Molekülen. Diese können nichts spüren! Das „Erleben“ findet im Geistkörper statt (gandhabba).
  • Doch nur ein Buddha kann den tatsächlichen Wahrnehmungsprozess genau beschreiben.

Kontakt entsteht zwischen Rupa und Āyatana (Pasāda Rupa)

2. Wenn wir eine Person X sehen, entsteht Kontakt (phassa) zwischen innerem Ayatana (cakkhu pasāda rūpa) und äußerem Ayatana (ein Bild von Person X). Das beschreibt der Vers „cakkhuñca paṭicca rūpe ca uppajjāti cakkhuviññāṇaṃ„. Das Wort „paṭicca“ bezieht sich hier auf Kontakt (phassa).

  • Der Kontakt löst eine Reihe von Citta Vithi aus. Siehe Citta Vithi – Verarbeitung von Sinnesreizen.
  • Das führt zum geistigen Phänomen des Bewusstseins (hier cakkhu viññāna). Wir identifizieren Person X sofort als „Feind“. Das ist erstaunlich, denn das vom Auge aufgenommene Bild ist winzig.

Cakkhāyatana ist Cakkhu Pasāda Rupa

3. Cakkhāyatana sind nicht die Augen. „Sehen“ geschieht im Geist und der „Sitz des Geistes“ ist Hadaya Vatthu. Das von den Augen aufgenommene Bild hat Kontakt mit cakkhu pasāda rupa, von wo die Information zur Hadaya Vatthu weitergeleitet wird.

  • Alle fünf physischen Sinne funktionieren auf diese Weise (cakkhu, sota, ghāna, jivhā, kāya).
  • Erinnerungen und andere Dhamma gelangen via Mana Indriya zum Geist.

Was bedeutet „cakkhu, bhikkhave, aniccaṃ„?

4. In den Suttas heißt es: „cakkhu, bhikkhave, aniccaṃ„, und ähnlich für sota, ghāna, jivhā, kāya. Es ist klar, dass sich cakkhu auf cakkhu pasāda rupa im Geistkörper bezieht, was viele tausend Jahre bestehen kann.

  • Mit Ende des aktuellen Menschen-Bhava erhalten wir neue cakkhu pasāda rupa entsprechend der neuen Existenz.
  • Welche Art von Bhava wir jedoch bekommen, hängt NICHT von unseren Vorlieben und Erwartungen ab. Kamma wird im uppatti PS-Prozess die neue Existenz diktieren. Deshalb ist das Auge anicca.

Vēdanā und Saññā können ohne Geist entstehen

5. Es gibt eine Reihe von geistigen Faktoren (cetasika), die ohne „Geist“ entstehen können. Grobe Versionen von Vēdanā und Saññā können auch in Pflanzen entstehen.

  • Vēdanā kommt von + danā, was in Singhalesisch so geschrieben wird: වීම දැනවීම. Das bedeutet „sich etwas bewusst machen“. Wenn wir über die sechs Sinne Kontakt mit einem äußeren Ayatana haben, werden wir uns dieser äußeren Rūpā bewusst. Das ist Vēdanā.
  • Auf der grundlegenden Ebene bedeutet Saññā das „Erkennen“ eines Objekts bzw. einer Person oder eines Konzepts. Im Allgemeinen ist es das Erkennen eines „äußeren Ayatana“ bzw. „äußerer Rūpā“.
  • Daher haben Pflanzen und Bäume eine grobe Grundform von Vēdanā und Saññā. Eine Pflanze kann „wahrnehmen“, wenn Sonnenlicht auf sie fällt und dies als nützlich für ihr Überleben „erkennen“.

Bewusstheit in lebenden Dingen (Pflanzen) und in Lebewesen

6. Daher scheinen auch Pflanzen und Bäume die Außenwelt wahrzunehmen und sie können darauf reagieren. Zum Beispiel kann sich eine Pflanze oder ein Baum dem Sonnenlicht „zuwenden“. Ihre Wurzeln wachsen in Richtung von Wasserquellen und weg von trockenem Boden. Man könnte fragen: „Wie dreht sich eine Pflanze dann dem Sonnenlicht zu?“.

  • Pflanzen sind wie Roboter. Ein sich bewegender Roboter kann Sensoren haben, die Hindernisse auf dem Weg erkennen können. Dazu gehören Vēdanā und Saññā im elementaren Sinne.
  • Ein Roboter hat einen eingebauten Computer, der anweisen kann, wie z.B. ein Hindernis zu umfahren ist.
  • Die Funktionsweise einer Pflanze ist ähnlich. Ein Pflanzensamen enthält in seinen Zellen notwendige „Programme“, um mit der äußeren Welt umzugehen.

Pflanzen erzeugen keine Saṅkhāra und Viññāṇa

7. Daher können einige „lebende Dinge“ wie Pflanzen rudimentäre Versionen von Vēdanā und Saññā erzeugen. Allerdings kann eine Pflanze keine Saṅkhārā in Form von Gedanken erzeugen.

  • Saṅkhārā entstehen durch avijjā paccayā saṅkhārā. Basierend auf Avijjā erzeugt ein Geist unreine Gedanken. Pflanzen haben keinen Geist, um Avijjā zu haben. Daher erzeugen Pflanzen keine Saṅkhārā und Viññāna über avijjā paccayā saṅkhārā und saṅkhārā paccayā viññāna.
  • Leblose Dinge wie Steine haben natürlich auch kein Vēdanā und Saññā.

Lebewesen haben alle vier Nāma Dhammā (Vedanā, Saññā, Saṅkhāra, Viññāṇa)

8. Ein Sinneskontakt (via phassa) führt zu einer geistigen Aktivität. Wir freuen uns über angenehme Dinge und lehnen unangenehme Dinge ab.

  • Wenn wir etwas Leckeres essen, generieren wir ggf. Verlangen und essen mehr, auch ohne Hunger. Wenn wir einen unliebsamen Mitmenschen sehen, erzeugen wir vielleicht ärgerliche Gedanken über diese Person.
  • In beiden Fällen entsteht aber zuerst ein Bewusstsein darüber, ob wir diesen Kontakt mögen oder nicht. Das sind Manosaṅkhāra. Dann entscheiden wir, wie wir mit diesem Sinneseindruck umgehen. Das sind Vacisaṅkhāra, auch wenn wir das im Stillen nur denken. Die Cetasika Vitakka und Vicāra sind hier beteiligt.
  • Wenn man diesem Arammaṇa wirklich „zugetan“ ist (Sympathie oder Abneigung), kann man auch physisch handeln. Das sind dann Kāyasaṅkhāra.

Zwei Arten von Viññāṇa

9. Beim Auftauchen eines sichtbaren Objekts startet cakkhudvāra citta vithi, d.h.  ein Bild des Objekts entsteht im Geist. Das ist Cakkhu Viññāṇa bzw. eine visuelle Wahrnehmung und damit Vipaka Viññāṇa. Die enthaltenen Citta haben keine Javana-Kraft, um neues Kamma zu generieren. Nur die Anwesenheit externer Rupa wird erlebt (Sichtbares, Geräusche, Geschmack usw.). Somit sind Cakkhu, Sota, Ghāna, Jivhā, Kāya Viññāṇa IMMER Vipaka Viññāṇa.

  • Wenn wir in dem Objekt einen Wert sehen (aufgrund von Avijjā) und daran anhaften (tanha), beginnen wir Vaci und Kāya Saṅkhāra zu erzeugen. Damit läuft der akusala PS mit avijjā paccayā saṅkhāra, saṅkhāra paccayā viññāṇa, was  zu Kamma Viññāṇa führt. Solche Kamma Viññāṇa sind AUSSCHLIESSLICH Mano Viññāṇa. Der einzigartige Aspekt hier ist die Anwesenheit von Javana Citta.
  • Diese Kamma-Erzeugung geschieht mit Javana Citta in der zweiten Phase eines Citta Vithi. Allerdings kann Mano Viññāṇa auch Vipaka Viññāṇa sein (zum Beispiel, wenn wir Erinnerungen abrufen).
  • Arahants erzeugen kein neues Kamma. Allerdings erleben sie Vipaka Viññāṇa.
Referenz

Āyatanavibhaṅga erklärt āyatana wie folgt:

Dvādasāyatanāni— cakkhāyatanaṃ, sotāyatanaṃ, ghānāyatanaṃ, jivhāyatanaṃ, kāyāyatanaṃ, manāyatanaṃ, rūpāyatanaṃ, saddāyatanaṃ, gandhāyatanaṃ, rasāyatanaṃ, phoṭṭhabbāyatanaṃ, dhammāyatanaṃ.

Tattha katamaṃ cakkhāyatanaṃ? Yaṃ cakkhu catunnaṃ mahābhūtānaṃ upādāya pasādo attabhāvapariyāpanno anidassano sappaṭigho, yena cakkhunā anidassanena sappaṭighena rūpaṃ sanidassanaṃ sappaṭighaṃ passi vā passati vā passissati vā passe vā, cakkhumpetaṃ cakkhāyatanampetaṃ cakkhudhātupesā cakkhundriyampetaṃ lokopeso dvārāpesā samuddopeso paṇḍarampetaṃ khettampetaṃ vatthumpetaṃ nettampetaṃ nayanampetaṃ orimaṃ tīrampetaṃ suñño gāmopeso. Idaṃ vuccati “cakkhāyatanaṃ”.

  • Die anderen Ayatana werden in gleicher Weise erklärt.
  • In dem obigen Vers bedeutet anidassano „nicht sichtbar“. Somit ist mit cakkhāyatana nicht das physische Auge gemeint. Es bezieht sich auf cakkhu pasāda rupa im Geistkörper (gandhabba), was nicht gesehen werden kann. Bei außerkörperlichen Erfahrungen kann Gandhabba den physischen Körper kurzzeitig verlassen und ohne physische Augen sehen.

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