Vier Bedingungen für Sotapanna Magga Phala

1. In den Suttas (u.a. Dutiya Sariputta Sutta [Samyutta Nikaya 55,5]) sind die vier Voraussetzungen für die Sotapanna-Stufe genannt:

  • Dhamma-Vorträge hören (Lesen ist ausreichend für die Vorstufe Sotapanna Anugami; Hören ist erforderlich, um die Sotapanna-Stufe zu erreichen, siehe #3 unten).
  • Verbindung zu einem Kalyana Mitra (im Grunde ein „Edler Freund“, d.h. ein Ariya).
  • Handeln mit Yoniso Manasikāra (Verstehen von anicca, dukkha, anatta und Paticca Samuppada).
  • Dhammanudhamma Patipadā (dem Edlen Pfad folgen, siehe Was ist einzigartig in Buddha Dhamma?).

Wenn man beginnt, die obigen Bedingungen zu erfüllen, wird man ein Sotapanna Magga Anugāmi (bzw. eine Sotapanna Magga Anugāmika).

  • In diesem Prozess entfernt man drei der zehn Sanyōjana (oder Samyojana oder Fesseln). Die zehn Fesseln binden ein Wesen an den Kreislauf der Wiedergeburten. Siehe Entfernen von Verunreinigungen durch drei Runden und vier Stufen.

2. Zunächst ist es zwingend notwendig zu verstehen, was der Buddha meinte: „Mein Dhamma war der Welt nicht bekannt“ (außer zu Zeiten anderer Buddhas). Die meisten Menschen folgen dem, was sie für „Buddhismus“ halten. Ich rate dringend, die folgenden Beiträge zu lesen und darüber nachzudenken:

Was ist Buddha Dhamma?

Was ist einzigartig in Buddha Dhamma?

 Buddha-Dhamma-In-a-Chart1

  • Man wird ein Sotapanna Magga Anugāmi, nachdem man Fortschritte auf dem weltlichen (lokiya) Pfad gemacht hat. Dann startet man wirklich auf dem Edlen Achtfachen Pfad.
  • Auf dem weltlichen Pfad enthält man sich von unmoralischen Taten aus Angst vor schlechten Folgen. Aber wenn man anfängt, die Tilakkhana zu verstehen, vermeidet man unmoralische Taten, weil man die Sinnlosigkeit darin sieht: Welchen Sinn hat es, andere zu verletzen, um Sinnesfreuden zu haben, die letztlich kein dauerhaftes Glück bedeuten?

3.  Zuvor hatte ich gesagt, dass man heutzutage die Tilakkhana durch Lesen lernen kann. Das ist immer noch wahr und man kann damit Sotapanna Anugāmi werden.

  • Doch vor kurzem hörte ich eine Desana von Waharaka Thero, wo er erklärt, dass ein Sotapanna Anugāmi die Sotapanna-Stufe nur während dem Hören einer Desana von einem Ariya erreichen kann (d.h. mindestens ein Sotapanna).
  • Anscheinend hat ein Sōtadvāra Citta Vithi von einem Ariya (während einer Desana) die notwendige Javana-Kraft, um als Auslöser zu wirken. Ich suche noch eine Tipitaka-Referenz und würde mich freuen, wenn mir jemand diese Information geben könnte.
  • Allerdings sagte Waharaka Thero, dass eine elektronische Aufnahme einer Desana auch zählt, nach seine Meinung.

4. Man muss also zuerst herausfinden, warum der Buddha sagte: „Die größere Welt mit 31 Reichen“ ist mit Leiden gefüllt. Was wir als Sinnesfreuden wahrnehmen, hält uns vor allem an Kāma Loka gebunden, sehr oft an die vier Apāyas. Das ist die erste Edle Wahrheit.

  • Der Buddha sagte auch, dass wenn man die erste Edle Wahrheit wirklich begreift, dann wird man automatisch auch die anderen drei verstehen. Das ist die grundlegende Sichtweise oder eine erste Ahnung von Samma Ditthi.
  • Man kommt auf den Edlen Achtfachen Pfad mit einer groben Vorstellung von dieser Sichtweise, d.h. mit anicca, dukkha, anatta. Jetzt ist man ein Sotapanna Magga Anugāmi. Das Verstehen dieser grundlegenden Eigenschaften unserer Welt und das Hören einer Desana von einem Ariya führt zur Sotapanna-Stufe, d.h. Sotapanna Magga und Sotapanna Phala praktisch gleichzeitig im selben Citta Vithi; siehe Sotapanna Magga Anugami und Sotapanna.
  • Auf der Sotapanna-Stufe versteht man die erste Edle Wahrheit und damit alle vier Edlen Wahrheiten zu einem gewissen Grad; man hat Nibbāna „gesehen“. Jetzt braucht man keine weitere Hilfe, um zu Nibbàna zu gelangen, weil man den ganzen Pfad sieht und weiß, wie man dorthin kommt.

5. Mit dem eben Gesagten ist es einfacher zu verstehen, warum der Buddha die Bedeutung dieser vier Bedingungen betonte. Da Buddhas Botschaft einzigartig ist, muss diese wahre Botschaft von einem Buddha oder jemandem kommen, „der zurück bis zum Buddha verfolgt werden kann“. Das Folgende ist eine Analogie aus den Suttas.

6. Der Buddha kann mit einem großen, starken Baum verglichen werden. Alle anderen Menschen sind „Kletterpflanzen“, die einen Baum zum Klettern suchen. Solche Kletterpflanzen sind nicht stark genug, um selbst sicher zu stehen. Sie brauchen die Unterstützung einer anderen Pflanze oder einen Stock. Kletterpflanzen haben Ranken zur Stärkung der Wirtspflanze. Hier ein paar Beispiele.

  • Stellen wir uns einen Wald vor, wo es zahlreiche Kletterpflanzen gibt, aber nur einen Baum. Der einzige Weg für die Kletterpflanzen ist, den Baum zu finden und daran hochzuklettern und damit dem Untergang auf dem Boden zu entgehen.
  • Nur die Kletterpflanzen nahe am Baum können mit dem Klettern beginnen. Aber dann können auch Andere wiederum an diesen Kletterpflanzen nach oben wachsen. Wenn also immer mehr Kletterpflanzen auf dem Weg nach oben sind, wächst der „Zugangsbereich“.
  • Wenn wir also eine Kletterpflanze auf dem Weg nach oben finden, können wir diese immer zum ursprünglichen Baum zurückverfolgen. In gleicher Weise kann ein Ariya bzw. eine Edle Person (ein Sotapanna, Sakadagami, Anagami oder Arahant) immer auf die Linie zum Buddha zurückverfolgt werden.
  • Da die Botschaft einzigartig ist, muss sie von einem Buddha selbst oder jemandem kommen, der bis zum Buddha zurückverfolgt werden kann. Man kann nicht einmal die Sotapanna-Stufe erreichen, ohne die wahre Botschaft zu hören. Wenn man das erreicht hat, wird man die Botschaft kennen. Will man also ein Ariya werden, muss man die Botschaft von einem anderen Ariya hören.

7. Nun können wir die Logik der ersten beiden Bedingungen sehen. Man muss das korrekte Dhamma lernen, und es muss von einem Ariya kommen.

  • Der Ausdruck Kalyana Mitra ist eigentlich Sanskrit; in Pāli heißt es Kalana Mitta: ein Freund, der Verunreinigungen entfernen hilft (kāla = „schmutzig“ oder „schwärzlich“,  na = „entfernen“).
  • Viele Menschen denken bei Kalyana Mitra an einen „guten Freund“ im herkömmlichen Sinn. Aber es ist mehr als das. Man muss die Botschaft des Buddhas kennen, um sie anderen zu vermitteln.
  • Und natürlich muss man diese richtige Botschaft hören oder lesen, um sie dann in der Tiefe zu erfassen.

8. Einmal trat der Ehrwürdige Ananda, der persönliche Assistent des Buddhas für viele Jahre, an den Buddha heran und sagte : „Bhante (Ehrwürdiger), ich dachte darüber nach, dass die Zukunft des Buddha Sasana (Lehre) zumindest zu 50% von den Kalana Mittas abhängig sein muss“.

  • Der Buddha antwortete: „Ananda, sag das nicht. Das Buddha Sasana wird zu 100% von den Kalana Mittas abhängig sein“. Jetzt können wir sehen, warum.
  • Wenn diese Linie gebrochen wird, ist das das Ende des Buddha Sasana. Die Worte können noch da sein, aber es wird niemand mehr sein, der die wahre Bedeutung der Schlüsselbegriffe erklären kann.
  • Allerdings erklärte der Buddha, dass sein Buddha Sasana 5000 Jahre andauern wird. Wir sind nur halb durch. Innerhalb dieser Zeit würde es Zeiten des „Hungers“ geben, wo nur wenige Ariyas leben. Es gibt auch Zeiten, in denen Buddha Sasana mit zahlreichen Ariyas in der Welt erstrahlen wird.
  • Der Schlüssel hier ist, dass ab und an Jati Sotapannas geboren werden, die ihr Paramita erfüllen und die Botschaft des Buddhas zurückbringen, wie der Ehrwürdige Mahinda etwa 600 Jahre nach dem Buddha. Sie sind nicht nur Jati  Sōtapannas, sondern haben auch das Patisambhidā Nana, um die wahre Bedeutung von Schlüsselbegriffen herauszufinden, wie anicca, dukkha, anatta und paticca samuppada.
  • Ich glaube, dies ist so eine Zeit. Es ist noch zu früh, um Details zu besprechen, aber es gibt viele Ariyas in Sri Lanka und anderen Ländern. Der Dank geht zum großen Teil an Waharaka Thero: Parinibbāna von Waharaka Thero. Und es gibt viele „Kletterer“ auf der ganzen Welt, die bereits begonnen haben zu „klettern“.

9. Die dritte Bedingung ist, mit Yoniso Manasikāra zu handeln (yoni = „Ursprung“, so = „sich selbst“,  manasikara = „in diesem Sinne“).

  • Im Vibhangapakarana (Buch 2, S.234) wird Ayōniso Manasikāra beschrieben als „Wahrnehmung von anicca als nicca, dukkha als sukha und anatta als atta“. Somit erfordert das Handeln mit Yoniso Manasikāra das Verstehen von anicca, dukkha, anatta.
  • Kurz gesagt, wenn man glaubt, dass es Dinge in dieser Welt gibt, die dauerhaftes Glück bieten, dann handelt man mit Ayōniso Manasikāra. Zum Handeln mit Yoniso Manasikāra muss man die Fruchtlosigkeit dieser Anstrengung sehen, etwas zu erreichen, was nicht erreichbar ist, und darum fleißig daran arbeiten, in Richtung zumindest der Sotapanna-Stufe zu gehen, denn dieses Leben ist so kurz.
  • Aber ein bessere Sichtweise entsteht, wenn man die „Ursprünge der verschiedenen Geburten oder Jathi“ sieht (d.h. Wiedergeburten). Yōni in Pāli und Singhalesisch bedeutet Geburtskanal. Damit bedeutet Yoniso Manasikāra  das „Verständnis der Ursprünge“: Jemand mit Yoniso Manasikāra kennt die Ursachen, die zu Geburten in verschiedenen Reichen führen, d.h. Bhava und Jathi entsprechen dem Gathi eines Wesens.
  • Mit diesem Verständnis wird man motiviert, gutes Gathi zu kultivieren, um gute Entscheidungen zu treffen (entweder automatisch oder nach eingehender Betrachtung). Mit anderen Worten, man wird in der Lage sein, mit der moralischen Sichtweise bessere Entscheidungen zu treffen und mit Panna (Weisheit) zu handeln.
  • Außerdem wird man in der Lage sein, automatisch jene Taten zu vermeiden, die zur Wiedergeburt in den Apāyas führen.
  • Yoniso Manasikāra hat also eine tiefere Bedeutung als nur „angemessene Aufmerksamkeit“. Insbesondere ein Sotapanna begreift, dass pati + icca zu sama + uppada führt; siehe Paticca Samuppada – ‚pati+ichcha‘ + ’sama+uppada‘.

10. Wenn man die ersten drei Bedingungen erfüllt, wird man automatisch die vierte Bedingung erfüllen: dhammanudhamma patipadā (dhamma + anu + Dhamma, mit anu = „entsprechend“). Das zweite „Dhamma“ ist das Buddha Dhamma. Das Erste ist das „dhamma“, dem man folgt. Patipadā heißt „Verfahren“. Damit bedeutet es: den Verfahren folgen, die im wahren und reinen Buddha Dhamma angelegt sind. Man lebt sein Leben nach dem Dhamma des Buddha.

  • Wenn man das wahre Dhamma von einem Ariya lernt, beginnt man zu begreifen:

(i) was wirklich mit Leiden gemeint ist (Dukkha),

(ii) dass Leiden aus der AniccaNatur entsteht

(iii) dass man nirgends in den 31 Reichen Zuflucht finden wird (Anatta).

  • Dann erkennt man, dass man für die einzige Zuflucht (Nibbāna) mit Yoniso Manasikāra handeln und Dhammanudhamma Patipadā folgen muss.
  • In einer Reihe von vier Anudhamma Sutta (Samyutta Nikaya) wird Dhammanudhamma Patipadā als das Leben mit einer klaren Vision der Anicca-Dukkha-Anatta-Natur des Pancakkhandha beschrieben (Rupa, Vedana, Sanna, Sankhara, Vinnana). 

11. Dhammanudhamma Patipadā oder der ‚Dhamma Pfad‘ beginnt mit weltlichem Samma Ditthi, oder der Unterscheidung zwischen Unmoral und Moral. Dann wird man Moha los (moralische Blindheit) und der Geist wird bereit, anicca, dukkha, anatta zu verstehen.

  • Wenn ein „moralischer Geist“ dem wahren Dhamma ausgesetzt wird, folgt die zweite Stufe bzw. Sotapanna Magga/Phala an einem bestimmten Punkt.

12. Nehmen wir ein Beispiel. Niemand wird sich absichtlich schneiden, weil man die Gefahren kennt. In gleicher Weise enthalten sich moralische Menschen von unmoralischen Handlungen, weil sie die Folgen kennen.

  • Aber es gibt Menschen, die sich zum Vergnügen schneiden (wenn auch selten). Sie sind vergleichbar mit denen, die aufgrund von Moha höchst unmoralisch handeln.
  • Hier können wir sehen, warum es vergleichsweise einfach ist, auf den weltlichen achtfachen Pfad zu kommen.

13. Der transzendente (lokottara) Achtfache Pfad ist schwieriger zu sehen. Aus diesem Grunde ist ein Buddha nötig oder jemand, der die Botschaft des Buddhas kennt und sie vermittelt.

  • Auf einer Party genießen die Gäste gutes Essen und Getränke, die aber vergiftet sind. Das Gift wirkt tödlich, aber es braucht Zeit, bis es seine schlechte Wirkung zeigt. So kann jeder das Essen genießen und eine gute Zeit haben.
  • Dann kommt jemand und sagt: „Das Essen ist vergiftet. Je mehr ihr esst, umso mehr Gift nehmt ihr auf“.
  • Die meisten Leute ignorieren schlicht die Nachricht. Sie verstehen nicht, warum da jemand die Party ruiniert. Aber ein paar Leute bitten um weitere Informationen und versuchen herauszufinden, ob diese Person die Wahrheit spricht.
  • So ist es für die meisten Menschen schwer, die „langfristige Perspektive“ zu erfassen, dass es „nicht nur fruchtlos, sondern auch gefährlich“ ist, an den Sinnesvergnügen dieser Welt zu haften.

14. Anfangs ist es ggf. sehr schwer, diese Nachricht zu erfassen. Selbst wenn man beginnt, die Nachricht zu erkennen (wenn man ein Sotapanna Magga Anugāmi wird), kann es schwer sein, Disziplin zu wahren und die Botschaft im Detail anzuschauen. Eine gute Analogie ist ein Juckreiz. Man kann kaum widerstehen und sich nicht kratzen, obwohl man damit vielleicht eine blutende Wunde erzeugt. Man genießt es, sich zu kratzen. Auf gleiche Weise genießt man eher die Sinnesfreuden und vermeidet die detaillierte Betrachtung der Gefahren im Wiedergeburtskreislauf.

  • Als Lösung könnte man etwas Salbe auf die juckende Stelle reiben und so den Juckreiz mildern. Lesen, Hören und Kontemplieren von Dhamma-Konzepten beruhigt den Geist.

 

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