Satipattāna Sutta (DN 22) – Aufbau

Dies ist der wichtigste Beitrag zur Mahā Satipattana Sutta. Hier sollten 99% der Leser beginnen.

1. Es gibt mehrere Webseiten, die die Pāli-Version der Sutta anbieten und/oder eine englische Übersetzung. Ich glaube, dass alle Übersetzungen falsch sind und werde das Warum erklären.

  • Hier ist eine Webseite, die Pāli und Englisch nebeneinander anbietet:  http://www.tipitaka.org/stp-pali-eng-parallel
  • Es ist nicht die Schuld der Übersetzer, die mit guten Absichten diese Texte schrieben. Vielmehr wird diese Sutta und andere seit mehr als tausend Jahren so interpretiert.
  • Ich werde nicht die Sutta der Reihe nach durchgehen. Den relevanten Abschnitten kann man aber folgen. Ich hoffe trotzdem den Inhalt weitgehend darzustellen.

2. Wie schon im Beitrag Sutta – Einführung gesagt, gibt es drei Möglichkeiten der Darstellung von Dhamma: Uddēsa, Niddesa, Patiniddēsa .

  • Die meisten Suttas verfügen nicht über die sehr kurze Zusammenfassung bzw. uddēsa, aber die Mahā Satipattana Sutta hat eine Zusammenfassung am Anfang; siehe den Link oben in Nr. 1.
  • Dann werden im Hauptteil der Sutta die Konzepte erläutert. In einem verbalen Diskurs (Dēsanā) werden Konzepte im Detail mit Beispielen beschrieben. Dies tue ich in dieser Reihe von Beiträgen, d.h. die Konzepte im Detail zu beschreiben.

3. Die Uddēsa (oder Uddeso) beginnt mit „Ekāyano ayaṃ, bhikkhave, maggō sattānaṃ visuddhiyā, sokaparidevanaṃ samatikkamāya, dukkhadomanassanaṃ atthangamāya, nāyassa adhigamāya, nibbānassa sacchikiriyāya, yadidaṃ cattāro satipaṭṭhāna

  • Die Übersetzung lautet: „Dies ist ein garantierter Weg, Mönche, für die Reinigung der Wesen, zur Überwindung von Sorge und Klage, zum Verlöschen von Leiden und Kummer, der Edle Weg zum Erlangen von Weisheit, für die Verwirklichung von Nibbāna: die vierfache Etablierung moralischer Denkweise“.

Der Hauptunterschied zur konventionellen Übersetzung im Link oben (siehe #1) sind die zwei fett hervorgehobenen Formulierungen:

  • Es ist nicht der einzige Weg zu Nibbāna; Menschen erreichten Nibbàna bevor der Buddha diesen Diskurs lieferte. Aber es ist ein systematischer, garantierter Weg zu Nibbàna,  mit dem Spektrum „nur Abkühlung“ bis hin zur Arahant-Stufe.
  • Übersetzung von „nāyassa adhigamāya“ und „satipatthana“: „ya“ kommt von „nàna“ oder Weisheit und „adhigama“ ist „adhi“ + “gama“ oder ‚höherer Weg‘. Satipattana als „moralische Denkweise“ zu übersetzen, ist gar nicht so schlecht. Die Betrachtung folgt im nächsten Beitrag.
  • Der Vers hat die Essenz: Das in der Satipattana Sutta beschriebene Verfahren ist ein garantierter Weg, Nibbàna zu erreichen, über die Reinigung des Wesens bzw. des Geistes.

4. Der nächste Satz ist „Katame cattāro? Idha, bhikkhave, bhikkhu kāye kāyānupassi viharati ātāpī sampajānō, satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam.  Vedanāsu vedanānupassi viharati ātāpī sampajānō, satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam. Citte cittänupassī viharati ātāpī sampajānō, satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam. Dhammesu dhammānupassi viharati ātāpī sampajānō, satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam.“

  • Cattaro Katame?“ bedeutet  „Welche vier?“.
  • Und dann werden die vier Verfahren genannt: Kāyānupassanā, Vēdanānupassanā, Cittānupassanā, Dhammānupassanā. Beachten Sie, dass der Ausdruck „ātāpī sampajānō, satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam“ nach jeder Benennung der vier Verfahren erscheint.
  • Dies weist auf die entscheidende Bedeutung des Ausdrucks hin. Dies ist der Beginn des Reinigungsprozesses; siehe Satipattana Sutta – Relevanz zum Leiden in diesem Leben. Man muss durch diesen Prozess gehen, um die Sotapanna-Stufe zu erreichen.

5. Wir werden „kaye kāyānupassi viharati“ usw.  in den folgenden Beiträgen besprechen. Lassen Sie uns jetzt den wichtigen Ausdruck betrachten: ātāpī sampajānō, satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam. Er lässt sich in zwei Teile zerlegen  „ātāpī sampajānō“ und „satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam“.

  • Tāpa“ bedeutet Hitze. Wenn wir wirklich gestresst sind, fühlen wir ein „Feuer“ im Herzen. Wenn es wirklich schlimm wird, sagt man auch: „Mein Herz brennt“, wenn z.B. eine besonders ergreifende Nachricht reinkommt.
  • Und „ātāpi“ bedeutet das Entfernen des Feuers aus dem Herzen und Stress aus dem Geist. Der Geist beruhigt sich. Dies ist die „Abkühlung“, „Niveema”, „Nivana” oder frühe Stadien von Nibbàna.
  • Wenn man Satipatthana kultiviert, fühlt man nicht mehr das „Brennen“, auch nicht bei tragischen Nachrichten. Man hat „die Dinge im Griff“ auch ohne drastische Maßnahmen.
  • Sampajāna kommt von san + pajāna oder „San aussortieren“. Das sind die Dinge, die den Geist stressen. Siehe Was ist “San”?. Die schlimmsten Formen von San kennen wir instinktiv als unmoralisch: Töten, Stehlen, sexuelles Fehlverhalten, Lügen und Rausch.
  • Sampajāna ist eng verbunden mit “sampādēta“, wie in den letzten Worten des Buddha: „.. appamadēna sampādēta“ oder „beeilt euch und sortiert San aus”. Hier bedeutet sampādēta san + pādēta oder wiederrum “San aussortieren.
  • Wenn man sampādēta getan hat, wird man zum „sampajannō“: Man weiß automatisch, was richtig und was falsch ist. Es wird zur Gewohnheit.

6. „Atāpī sampajānō“ bedeutet „das Feuer aus dem Geist entfernen, durch Achtsamkeit auf San bzw. unmoralische Tendenzen”. Eine andere Bezeichnung von San ist auch Kilesa und asōbhana Cetasika. Siehe Was sind Kilesa (geistige Verunreinigungen)? – Verbindung zu Cetasika.

  • Während man Fortschritte macht, schwinden die Tendenzen für extreme Sinnesfreuden. Man bemerkt es manchmal erst nach Wochen, dass bestimmte Handlungsweisen einfach weg sind. Man vermisst sie nicht.

7. Dann haben wir „satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam“. Dies ist eine hoch verdichtete Aussage über die Natur dieser Welt. Es muss analysiert werden als „sati ma vineyya lōke abhijjhā dōmanassam“, d.h. satima besteht eigentlich aus zwei Wörtern: sati + ma.

  • Die Ursache allen Leidens ist extreme Gier oder Abhijja (abhi + iccha bzw. starkes Verlangen oder starke Anhaftung). Wenn etwas nicht erreicht wird (was früher oder später geschieht), wird man deprimiert. Das ist domanassa. Handlungen aus Hass tut man mit Domanassa-Mentalität, weil man traurig, enttäuscht und wütend ist.
  • Vineyya lōke“ bezieht sich auf diese Welt, wo wir via Schulden „aneinander gebunden“  sind. Siehe Kamma, Schulden, und Meditation.
  • Und „satimā“ kommt von sati + ma, wobei ma für das Entfernen steht, aber nicht das Entfernen von Sati.  Es verbindet Sati mit dem Rest des Ausdrucks „vineyya lōke abhijjhā dōmanassam“. 
  • Also bedeutet „sati ma vineyya lōke abhijjhā dōmanassam“ die Kultivierung moralischen Denkens und Verhaltens um frei von der verschuldeten Welt und frei von Abhijja und Domanassa zu sein. Dies  ist der Schlüssel zur „Abkühlung“.

8. Der Vers „ātāpī sampajānō, satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam” bedeutet „das Feuer im Geist loswerden durch Achtsamkeit auf Kilesa (Verunreinigungen) und durch Entfernen extremer Gier (Abhijja), die zu einem deprimierten Geist führt (Domanassa)“.

  • In der ersten Stufe muss man von unmoralischen Aktivitäten oder Dasa Akusala Abstand nehmen.
  • Während man Fortschritte macht, lässt man ab von extremen Sinnesfreuden, die andere verletzen. Zu dem Zeitpunkt wird klar, wie und warum extreme Sinnesfreuden zu „Feuer im Geist“ führen.
  • Daher ist der Vers „ātāpī sampajānō, satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam“ der Schlüssel für Satipattana und Anāpāna Bhavana.
  • Der Rest des Satipattana Sutta  dreht sich um die Details, wie man das Ziel erreicht.

9. Diese „Abkühlung“ wird auf vier Arten getan:  Kāyānupassanā, Vēdanānupassanā, Cittānupassanā, Dhammānupassanā.

  • Diese Nennung ist eigentlich eine Reihenfolge in dem Sinne, dass man am Anfang die Hauptquellen für Abhijjā und Domanassa mit Kāyānupassanā angeht. Es ist im Grunde das Gleiche wie Sila bzw. moralisches Verhalten. Man macht sich bewusst, dass die eigenen körperlichen und verbalen Handlungen moralisch sein müssen, d.h. die Dasa Akusala bestmöglich vermeiden.
  • Sobald dies zu einem gewissen Grad erreicht ist, wird moralisches Verhalten automatisch zunehmen. Man wird „fühlen“, wenn man im Begriff ist, falsch zu handeln. Man wird sensibilisiert. Aber zunächst braucht es eine Anstrengung, um über die Konsequenzen des Handelns nachzudenken.
  • Mit dem Geist frei von den schlimmsten Hindernissen wird es einfacher, Dhamma zu lernen, mit Dhammānupassanā. Es wird leichter nicht auf Gefühle zu reagieren (Vēdanānupassanā), sondern sich Zeit zu nehmen und Konsequenzen zu bewerten und automatisch unmoralische Gedanken zu erkennen, die im Geist erscheinen (Cittānupassanā).
  • Das alles ist ein allmählicher Prozess. Jeder Fortschritt hilft Vertrauen in die eigenen Handlungen zu gewinnen, hilft nicht nur einfach auf Gefühle zu reagieren, hilft mit klarem Geist zu denken, was wiederum den Verständnis-Prozess fördert.

10. Der Prozess des Verstehens von anicca, dukkha, anatta beginnt mit Kāyānupassanā. Aber alle vier Prozesse können gleichzeitig kultiviert werden. Es wird gesagt, dass man mit totalem Fokus innerhalb von sieben Tagen die Arahantschaft erreichen kann. Wenn man weniger Engagement aufbringt, kann man laut Aussage des Buddha entweder die Arahant- oder zumindest die Anagami-Stufe innerhalb von sieben Jahren erreichen.

11. Der Ausdruck „ātāpī sampajānō, satimā vineyya lōke abhijjhā dōmanassam“ wurde durch Aufteilung in vier Komponenten analysiert, die verbunden sind mit viriya indriya, paññā indriya, sati indriya, samādhi indriya  in der Lakkhaṇahāravibhaṅga der Nettiprakarana:

„..Tasmātiha tvaṃ bhikkhu kāye kāyānupassī viharāhi ātāpī sampajānō satimā vineyya l­ōke abhij­jhā­dō­manas­saṃ”. “Ātāpī”ti vīriyindriyaṃ, “sampajānō”ti paññindriyaṃ, “satimā”ti satindriyaṃ, “vineyya lō­ke abhij­jhā­dō­manas­san”ti samādhindriyaṃ, evaṃ kāye kāyānupassinō viharato cattārō satipaṭṭhānā bhāva­nā­pāri­pūriṃ gacchanti.“.

  • Hier ist ātāpī“ der viriya indriyasampajānō ist  paññā indriyasatima  ist  sati indriya und  „vineyya loke abhijjhādomanassan“  ist  samādhi indriya.
  • Man sortiert San aus mit Paññā, hält Achtsamkeit mit Sati  und unternimmt Anstrengung  (Viriya), um fern von schlechtem San“ bzw. Dasa Akusala zu sein. So wird der Geist frei von Abhijjā und Domanassa und gelangt zu Samadhi. Das sollte immer getan werden, nicht nur in der formalen Meditation. Dann ist man immer in Samādhi.

12. Schließlich verhindert Kāyānupassanā im Grunde die Dasa Akusala bzgl. Taten und Sprache (Bewegung von Körperteilen), wie wir im nächsten Beitrag sehen werden. Der schwierigere Teil ist der mit dem Geist getane, vor allem Micca Ditthi.

  • Es gibt zwei Ebenen von Micca Ditthi: Eine ist Micca Ditthi, welche  über den weltlichen Pfad entfernt werden. Das tiefere Entfernen kommt mit dem Verstehen von anicca, dukkha, anatta.
  • Wir können schon die kritische Rolle von Paññā Indriya (Weisheit) sehen. Man kann alle vier Arten von Anupassanā starten, aber Cittānupassanā und Dhammānupassanā kultiviert man erst richtig, wenn man gut in Kāyānupassanā ist.
  • Der Schlüssel liegt also vorerst bei Kāyānupassanā und der Anstrengung (Viriya). Dann wächst Weisheit (Paññā) zusammen mit Achtsamkeit (Sati) und mit gesteigertem Samādhi wird man automatisch die anderen drei Anupassanā beginnen.

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