Kilesa – Verbindung zu Akusala, Kusala und Puñña Kamma

Kilesa bedeutet „Verunreinigungen“, die im Geist verborgen sind. Sie können synonym als Anusaya, Saṁyojana, Asava oder asobhana Cetasika ausgedrückt werden.

Pāli-Wortanalyse (Pada Nirutti)

1. Wenn man weiß, wie Pāli-Begriffe zusammengesetzt sind (pada nirutti), erhält man einen Einblick in die Bedeutung der Worte.

  • Kusala kommt von ku + sala, wobei „ku“ sich auf kunu bzw. kilesa oder „Übel“ bezieht und „sala“ für „entfernen“ steht.
  • Akusala ist das Gegenteil von kusala. Damit sammelt man Kilesa an. Siehe Zehn unmoralische Taten (Dasa Akusala).
  • Kamma ist eine Handlung mit kammischen Folgen.
  • Kriya ist eine Handlung ohne kammische Folgen (z.B. Zähneputzen).

Was sind Kilesa?

2. Dies ist ein wichtiger Begriff, der kaum diskutiert wird. Diese Verunreinigungen gehören jeweils zu einem Lebensstrom. Sie befinden sich nicht im Gehirn. Sie gehören zur Hadaya Vatthu (Sitz des Geistes).

  • Diese Verunreinigungen (kilesa) können unterschiedlich dargestellt werden, zum Beispiel als die zehn Arten von Saṁyojana oder sieben Arten von Anusaya (siehe Āsava, Anusaya, Gati). Natürlich verändern die sich mit der Zeit. Wenn die Hadaya Vatthu stirbt, werden diese Entitäten auf die nächste Hadaya Vatthu „übertragen“.
  • Yuganaddha Sutta (AN 4.170) besagt, dass die Beseitigung aller Anusaya und Saṁyojana zu Nibbāna führt.
  • Ein Sotapanna hat zwei Arten von Anusaya und drei Saṁyojana beseitigt. Während ein Sotapanna auf dem edlen Pfad fortschreitet, reduzieren sich die Verunreinigungen auf jeder weiteren Stufe. Somit ist ein Arahant frei von allen Kilesa. Siehe Bedingungen für die vier Stufen von Nibbāna.

Kilesa – gestärkt durch Akusala Kamma und beseitigt durch Kusala Kamma

3. Wir können sehen, dass akusala Kamma Verunreinigungen stärkt. Diese Kamma erzeugen kammische Energien, die tief sitzende Verunreinigungen (anusaya/saṁyojana) mit Nahrung versorgt und den Wiedergeburtsprozess aufrechterhält. Siehe Bhava – kammische Energie als Treibstoff für Existenz.

  • Kusala Kamma reduziert und entfernt Anusaya bzw. Saṁyojana und führt so zu Nibbāna.

Pāpa Kamma und Kusala Kamma

4. Pāpa Kamma sind schlimmere Formen von akusala Kamma, die zur Wiedergeburt in den Apāyās führen. Pāpa bedeutet in Pāli und Sinhala „böse“ oder „sündig“, also Taten wie: Töten eines Menschen oder routinemäßiges Töten von Tieren, Vergewaltigung und niyata micchā Diṭṭhi.

  • Puñña Kamma sind das Gegenteil von pāpa Kamma und bringen Wiedergeburt in den „guten Reichen“ wie Menschenreich oder höher. Das Wort „puñña“ bezieht sich auf Freude. Das singhalesische Wort „pina“ (පින) bezieht sich auf „pinaveema“ (පිනවීම) bzw. „das Herz freudig machen“. Puñña Kamma erfreut das Herz.
  • Der entscheidende Punkt ist, dass puñña Kamma im Gegensatz zu kusala Kamma Verunreinigungen nur reduzieren, aber NICHT entfernen.

Unterschied zwischen Puñña Kamma und Kusala Kamma

5. Puñña Kamma sind verdienstvolle/gute Taten, die zur Wiedergeburt in den höheren Reichen führen.

  • Aber das führt NICHT zu Nibbāna. Daher zählen Puññābhisaṅkhāra auch zu „avijjā paccayā saṅkhāra“ des akusala-mula Paṭicca Samuppāda.
  • Ziel eines Buddhisten ist jedoch Nibbāna. Das erfordert den kusala-mula PS Prozess, der mit „kusala-mula paccayā saṅkhāra“ beginnt. Avijjā wird dabei durch kusala-mula ersetzt.
  • Um von Akusala zu Kusala zu wechseln, muss man daher Avijjā auflösen, indem man die Gefahren des Wiedergeburtsprozesses begreift. Synonym stehe dafür die vier edlen Wahrheiten, Paṭicca Samuppāda, Tilakkhana.
  • Der Durchschnittsmensch fürchtet Nibbāna, weil die Gefahren des Verbleibs in Samsara  nicht bekannt sind.

Puñña Kamma kann zu Kusala Kamma werden

6. Wenn man beginnt, die Gefahren der Wiedergeburt zu verstehen, wird so manches puñña Kamma zu kusala Kamma. Der Unterschied liegt im Verständnis der wahren Natur dieser Welt.

  • Wenn man einem Bhikkhu eine Speise anbietet, ist das zunächst puñña Kamma für einen durchschnittlichen Menschen. Auch wenn man sich nicht ausdrücklich ein „gutes Vipāka“ als Gegenleistung wünscht, ist eine solche Erwartung im Hintergrund vorhanden, ohne dass man es weiß.
  • Wenn man als Sotapanna beginnt, die Gefahren des Verbleibens im Wiedergeburtsprozess erkennt, führt das zur Beseitigung von Diṭṭhianusaya (zusammen mit den drei Saṁyojana: sakkāya diṭṭhi, vicikicchā, silabbata parāmāsa). So kann das obige puñña Kamma zu kusala Kamma werden und damit restliche Kilesa reduzieren.
  • Da die meisten Menschen nicht sicher sind, ob sie Sotapanna-Anugāmi sind (oder höher), ist es am besten, „gutes Kamma“ zu kultivieren. Daraus werden mit weiterem Verstehen kusala Kamma.

Der normale Mensch tut nur Puñña Kamma, Akusala Kamma, Pāpa Kamma

7. Solange kein neuer Buddha geboren wird, hat niemand eine klare Vorstellung davon, (i) dass es einen Wiedergeburtsprozess gibt, (ii) dass die meisten Wiedergeburten in den Apāyās stattfinden und (iii) wie man diesen Wiedergeburtsprozess stoppen kann. Andere Yogis oder Religionen lehren den Wiedergeburtsprozess, aber niemand außer einem Buddha lehrt, wie man diesen stoppt.

  • Die meisten Religionen lehren, wie man ein moralisches Leben führt. Sie lehren, wie man puñña Kamma tut.
  • Nur wenn man die vier edlen Wahrheiten versteht und dem edlen Pfad folgt, tut man kusala Kamma und stoppt damit (schlechte) Wiedergeburten.
  • Sowohl pāpa Kamma als auch puñña Kamma fallen in die Kategorie von akusala Kamma, die den Wiedergeburtsprozess mit akusala-mula Paṭicca Samuppāda aufrechterhalten. Diese Abhisaṅkhāra umfassen auch puññābhisaṅkhāra (siehe Vb 6)

8. Daher reicht es nicht aus, puñña Kamma zu tun, um zukünftiges Leiden zu verhindern.

  • Das wird in der Sabhiya Sutta (Snp 3.6) klar gesagt:
    Kosāni viceyya kevalāni“, 
    Dibbaṁ mānusakañca brahmakosaṁ; 
    Sabbakosamūlabandhanā pamutto
    Kusalo tādi pavuccate tathattā.“
  • Übersetzt:  „Nachdem ich alle Möglichkeiten der Wiedergeburt untersucht habe, himmlische, menschliche, sogar die Brahma-Reiche, kann ich sagen, man ist erst dann wirklich frei, wenn man von allen frei ist, das erfordert die Kultivierung von Kusala“.

Kusala Kamma beginnt ab der Sotapanna Anugāmi Stufe

9. Niemand ist sich überhaupt des kusala Kamma bewusst, bis man die vier edlen Wahrheiten/Paṭicca Samuppāda/Tilakkhana versteht.

  • Viele versuchen, dem Leiden zu entgehen, indem sie moralisch richtig handeln oder Jhāna kultivieren. Diese Kamma können vorübergehende Erleichterung bringen, wenn man in den guten Reichen oder bei guten Familien wiedergeboren wird. Aber solange der Wiedergeburtsprozess nicht stoppt (Parinibbāna), endet auch das Leiden nicht.
  • Anusaya Sutta (SN 18.21) besagt, dass der Schlüssel zu Nibbāna in der Erkenntnis liegt, dass nichts in den fünf Aggregaten (rupa, vedana, sanna, sankhara, vinnana) als „mein“ betrachtet werden kann. Das entspricht dem Entfernen von Sakkāya Diṭṭhi.
  • Der Buddha definierte Nibbāna als rāgakkhayo dosakkhayo mohakkhayo-idaṁ vuccati nibbānan“ti. Übersetzt: „das Ende von Gier, Hass und Unwissenheit wird Nibbāna genannt.“ Siehe z.B. Nibbānapañhā Sutta (SN 38.1).
  • Somit ist das Auslöschen der zehn Saṁyojana oder sieben Arten von Anusaya usw. gleichbedeutend mit der Beseitigung von Rāga, Dosa, Moha.

Zusammenfassung

10. Akusala Kammā sammeln Verunreinigungen an; pāpa Kammā sind die stärkste Art von Akusala, die Wiedergeburt in den Apāyās bewirken.

  • Punna Kammā sind das Gegenteil von pāpa Kammā und führen zu Wiedergeburten in den „guten Reichen“ (sugati).
  • Kusala Kamma können nur die tun, die sich auf dem edlen Pfad befinden.
  • Arahants tun nur kriyā Kamma (Taten ohne kammische Folgen).

11. Verunreinigungen (kilesa) können auf verschiedene Weise beschrieben werden: Anusaya und Saṁyojana sind zwei gute „Indikatoren“.

  • Solange man nicht mindestens Sotapanna Anugāmi ist, hat man Kilesa in verschiedener Ausprägung. Diese ändern sich ständig, werden aber niemals beseitigt, erst wenn man als Sotapanna Anugāmi auf dem edlen Pfad beginnt. Auf der Arahant-Stufe sind alle Kilesa ausgelöscht.
  • Die Lebewesen verbringen die meiste Zeit ihrer saṁsārischen Reise in den Apāyās. Selbst wenn eine „gute Geburt“ stattfindet, dauert das Leben nur eine begrenzte Zeit. Danach wird Wiedergeburt in den Apāyas unvermeidlich, es sei denn, man erreicht die Sotapanna Anugāmi-Stufe. Die einzige Option, zukünftiges Leiden zu vermeiden, ist also der edle achtfache Pfad.

12. Weitere Details zu verschiedenen Arten von Kamma in Sechs Ursachen – Loka Samudaya (Entstehen der Welt) und Loka Nirodhaya (Nibbāna).

Hinweis: Dieser Text ersetzt einen alten Beitrag mit dem Titel Kusala und Akusala Kamma, Puñña und Pāpa Kamma.

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