Sotapanna Magga Anugami und Sotapanna

Hier geht es um den Unterschied zwischen einem Sotapanna und einer Person, die nach der Sotapanna-Stufe strebt und auf dem richtigen Pfad ist (Sotapanna Anugami).

1. Das Wort Sangha wird heute in Bezug auf Bhikkhu verwendet. Doch sangha besteht aus san + gha, d.h. „San loswerden“. Das sind diejenigen, die San erfolgreich loswerden und die, die das schon geschafft haben. Nach dieser Definition muss man kein Bhikkhu sein, um zum Sangha zu gehören; siehe Was ist ‚San‘?.

In der Anrede des Sangha werden die Personen als atta purisa puggala bezeichnet (atta = „acht“, purisa = „mit höheren Tugenden“ und puggala = „Person“) oder „acht Personen mit höheren Tugenden“. Es sind also acht Arten von Personen, die zum Sangha gehören. Wer sind die acht?

  • Vier erfüllen die Voraussetzungen für die vier Stufen von Nibbana: Sotapanna, Sakadagami, Anagami, Arahant. Sie sind auf der jeweiligen Magga-Stufe. Und es gibt vier, welche die Früchte erhalten haben (Phala).
  • Ein besonderer Fall von Kamma und Kamma Vipaka geschieht für diese edlen Kamma: „was getan werden musste, ist getan“ und das Vipaka folgt im nächsten Citta innerhalb einer Milliardstel Sekunde. Kommt man also zur Sotapanna Magga Stufe, folgt Sotapanna Phala im nächsten Citta und somit wird man praktisch gleichzeitig zum Sotapanna.
  • Wenn man jedoch die Tilakkhana anfängt zu verstehen (anicca, dukkha, anatta), wird man zum Sotapanna Anugami (d.h. auf dem Weg zur Sotapanna-Stufe) und somit frei von den Apaya. In späteren Kommentaren werden diese Personen auch als Chula Sotapanna oder „Junior-Sotapanna“ bezeichnet.

2. Der Citta Vithi für Magga Phala wird im Text Citta Vithi – Verarbeitung von Sinnesreizen“ besprochen:

B B B „BC BU MD P U A G Pa Fr Fr“ B B B

  • Ein Sōtapanna Anugāmi nähert sich dem „Wechsel der Abstammung“ (G). Die vorherigen Stufen P, U, A können schrittweise erreicht werden. Sobald diese Ebene des Verstehens abgeschlossen ist, vollzieht man den Übergang (G), vollendet lokottara Kamma und erreicht sofort phala.
  • Im strengen Sinne ist ein Sōtapanna Anugāmi also ein Sōtapanna Magga Anugāmi (jemand der Magga Citta anstrebt).
  • Die acht edlen Personen (Ariyā) sind in der Paṭhama Puggala Sutta (AN 8.59) und in der Puggala Sutta (AN 9.9) genannt. In beiden Suttā wird der  Sōtapanna Anugāmi als „sotāpatti phala sacchikiriyāya paṭipannō“ beschrieben. Jemand auf dem Weg zum Anāgāmi wird „anāgāmi phala sacchikiriyāya paṭipannō“ genannt, usw. In der zweiten Sutta wird ein durchschnittlicher Mensch als Puthujjanō bezeichnet.

3. Damit sind die atta purisa Puggala acht Ariya (Edle): Sotapanna Anugami, Sotapanna, Sakadagami Anugami, Sakadagami, Anagami Anugami, Anagami, Arahant Anugami, Arahant.

  • Der Übergang vom Status eines „Durchschnittsmenschen“ (puthujjano) zum Status einer edlen Person (Ariya) findet mit dem gotrabu citta statt (gotra ist der Clan bzw. die Abstammungslinie), vor dem Sotapanna magga/phala.
  • Auf jeder Stufe zu Nibbana werden verschiedene Arten von Asava beseitigt: Der Weg zu Nibbana – Entfernen von Asavas.

4. Ein Sotapanna hat Nibbana gesehen, nicht vollständig, aber eine Idee davon. Man wird Sotapanna durch Beseitigung eines Teils von Avijja (Ignoranz) über den wahren Zustand der Dinge in „dieser Welt der 31 Reiche“. Mit diesem Verständnis wird der Geist soweit gereinigt, das unmoralische Taten verhindert werden, die zu Geburten in den vier unteren Reichen führen (apaya). Man wird auch keine Anhaftung mehr für solch unmoralisches Kamma aus der tiefen Vergangenheit haben.

Die anderen drei Stufen haben ähnliche „Abgrenzungen“.

  • Ein Sakadagami wird nie wieder im Menschenreich oder darunter geboren werden. Er/sie kann immer noch in den Deva-Welten geboren werden (d.h. innerhalb kama loka). Aber diese Devas haben keinen Körper aus „Fleisch und Blut“, der Beschwerden und Krankheiten unterliegt. In Deva Loka haben die Wesen feinstoffliche Körper, die nicht altern und unter Krankheiten leiden.
  • Ein Anagami hat Kamaloka überwunden, d.h. die 11 unteren Reiche. Kama Raga (Verlangen nach Sinnesfreuden) und Patigha (Abneigung/Reibung) sind beseitigt.
  • Ein Arahant hat kein Verlangen nach Existenz in den 31 Reichen und wird daher nicht mehr „in dieser Welt“ geboren. Nibbana ist vollständig.

5. Tipiṭaka-Kommentar Paṭisambhidāmagga, Unterabschnitt 1.1.55. Āsavakkhayañāṇaniddesa (gegen Ende von Abschnitt 1.1. Ñāṇakathā) beschreibt drei Arten von Nāṇa, die auf dem Weg zur Arahantschaft erreicht werden: “Anaññātaññassāmītindriyaṁ kati ṭhānāni gacchati, aññindriyaṁ kati ṭhānāni gacchati, aññātāvindriyaṁ kati ṭhānāni gacchati? Anaññātaññassāmītindriyaṁ ekaṁ ṭhānaṁ gacchati—sotāpattimaggaṁAññindriyaṁ cha ṭhānāni gacchati—sotāpattiphalaṁ, sakadāgāmimaggaṁ, sakadāgāmiphalaṁ, anāgāmimaggaṁ, anāgāmiphalaṁ, arahattamaggaṁAññātāvindriyaṁ ekaṁ ṭhānaṁ gacchati—arahattaphalaṁ.”

  • Darin heißt es Folgendes. Das erste Nāṇa ist Anaññātaññassāmītindriya, erlangt auf der Sōtapanna Anugāmi Stufe. Das zweite, Aññindriya, wird auf den sechs Zwischenstufen (sotāpattiphala bis arahattamagga) erlangt und optimiert. Das dritte, Aññātāvindriya, wird im Arahant phala Moment erlangt.
  • Es geschieht also etwas Endgültiges, wenn man Sōtapanna Anugāmi erreicht.

6. Zuerst muss man die wahre Botschaft des Buddhas hören, bevor man Sotapanna Magga erreichen kann, d.h. man muss über den weltlichen achtfachen Pfad hinaus gehen.

7. Schauen wir auf ein Gleichnis zur „Abgrenzung“ zwischen Sotapanna Magga Anugami und Sotapanna.

  • Angenommen, da ist ein sehr wertvoller Schatz auf dem Gipfel eines Berges, aber es ist nicht bekannt, wo der Berg liegt. Das ist so ziemlich der Status des Buddha Dhamma heute: viele Menschen ahnen, dass es wertvoll ist, aber sie wissen nicht, wie sie die richtige Version finden können.
  • Der Buddha sagte in seiner ersten Rede: „Mein Dhamma war der Welt nicht bekannt“. So braucht es einen Buddha oder einen wahren Jünger des Buddha, um zu erfahren, was Nibbana ist und wie man dort hinkommt (d.h. zur Sotapanna-Stufe). Dies ist ein kritischer Punkt.
  • Wenn jemand Informationen über den richtigen Berg mit dem Schatz bekommt, dann weiß diese Person, in welchem Land sie suchen muss und was nötig ist. Diese Person ist auf dem Weg, ein Sotapanna zu werden, d.h. ein Sotapanna Magga Anugami. Er/sie weiß genau, wohin man gehen muss und hat eine detaillierte Karte. Die Informationen kommen von einem Buddha oder einem wahren Schüler eines Buddha, der zumindest selbst den Berg gesehen hat (Sotapanna) oder sogar am Gipfel war (Arahant).
  • Jetzt begibt sich die Person selbst auf die Reise zum Land, wo der Berg zu finden ist. Auf dem Weg dorthin kann man Sehenswürdigkeiten finden, von denen der „Freund“ sprach. In ähnlicher Weise wird ein Sotapanna Magga Anugami die neu erlernten Konzepte betrachten (anicca, dukkha, anatta, Paticca Samuppada, die 31 Reiche usw).
  • So gewinnt die Person Vertrauen und nähert sich dem Berg. Irgendwann ist der Berg zu sehen. An diesem Punkt hat die Person „die Grenze überschritten“ und ist selbst Sotapanna. Er/sie hat einen Blick auf Nibbana geworfen. Jetzt kann der Sotapanna die Reise selbständig vollenden, ohne fremde Hilfe, auch wenn die Karte verloren geht (d.h. in zukünftigen Leben).

8. Es gibt verschiedene Versionen des „Buddhismus“, die verschiedenen geografischen Standorten auf der ganzen Welt entsprechen. Unterschiedliche Gruppen von Menschen machen sich auf die Reise über weite Strecken und mit viel Aufwand, um verschiedene Berge zu erkunden. Alle liegen in abgelegenen Regionen und die Reise ist beschwerlich.

  • Offensichtlich verschwenden viele Menschen ihre Zeit und suchen den „falschen Berg“. Wie kann man wissen, welcher der Richtige ist? Man muss die falschen/inkonsistenten Versionen von Buddha Dhamma aussortieren. Siehe Warum ist es wichtig, das reine Buddha Dhamma zu finden?.

9. In technischer Hinsicht kommt man zum Sotapanna Magga Phala, wenn man anicca, dukkha, anatta  zu einem gewissen Grad begreift (d.h. die drei Merkmale dieser Welt bzw. Tilakkhana), wo man erkennt, dass es nichts in „dieser Welt“ gibt, was sinnvolles und bedingungsloses Glück bietet.

  • Wenn man anicca, dukkha, anatta in dem Ausmaß erkennt, dass man diese Konzepte „sieht“, hat man anuloma nana. Anu bedeutet hier „mit Verstehen der Tilakkhana“, lo bedeutet „Verlangen nach weltlichen Dingen“ und ma bedeutet „beseitigen“. Anuloma bedeutet „Beseitigen des Verlangens nach weltlichen Dingen (zu einem gewissen Grad) mit dem Verstehen der Tilakkhana“.
  • Wir kennen anu auch von anupassana. Siehe Was bedeuten all diese verschiedenen Meditationstechniken?. Lobha kommt von lo + bha oder „versunken im Verlangen nach weltlichen Dingen“.

10. Lassen Sie uns anhand eines Beispiels über anicca, dukkha, anatta nachdenken.

  • Wenn man jung ist, scheint man noch alles zu bekommen, wenn man nur hart genug arbeitet. Aber wir alle sehen, wie unsere Eltern oder Großeltern das Alter mit verschiedenen Krankheiten verbringen und schließlich hilflos sterben.
  • Sie haben viele Dinge „erreicht“. Aber sie verbrachten ihr ganzes Leben damit, diese Dinge zu erreichen und müssen letztlich alles zurücklassen.
  • Man kann einen schönen Körper haben, wenn man jung ist. Aber für wie lange? Selbst die berühmtesten Filmstars altern. Einige von ihnen begehen Selbstmord, weil es deprimierend ist, die „gute alte Zeit“ nur aus der Erinnerung zu kennen, als man noch die Aufmerksamkeit der Welt genoss.
  • Dies ist anicca und anatta: egal was wir tun, wir gewinnen nur eine kurze Zeit in dieser Welt (auf der sansarischen Zeitskala) und sind auf lange Sicht völlig hilflos. Irgendwann erkennt man dies und wird verzweifelt.

11. Wenn man die wahre Natur dieser Welt erkennt, tauchen anfangs vielleicht so traurige Gedanken auf. Doch Menschen, die dem Pfad folgen, erkennen, dass „alle Dinge in dieser Welt“ diesem Entstehen und Vergehen unterliegen. Da ist keine Ausnahme. Das Verstehen selbst führt zu einer Leichtigkeit des Geistes. Eine stärkere Version dieser „Leichtigkeit“ kommt als anuloma shanthi, wenn man anuloma nana erlangt.

  • Der Schlüssel zum anulōma Nāna liegt im Erkennen der vergänglichen Natur dieser Welt, d.h. sankata.

12. Mit anulōma Nāna weiß man, dass man auf Dauer unmöglich dem Leiden entkommen kann. Der nächste Schritt ist zu erkennen, dass man nur mit Nibbana dauerhaft nicht leidet. Zu diesem Zeitpunkt schmeckt man auch Niramisa Sukha und kultiviert „etan santan, etan paneetan …“: die Befreiung durch diese Erkenntnis und den Wert von Nibbana. Dann startet man wirklich auf dem edlen Pfad und kommt zum sammatta niyama und zu Sotapanna phala.

  • Man erkennt dann Nibbana als nicca, sukha, atta, nachdem man erkannt hat, dass diese Welt anicca, dukkha, anatta ist. Ein Sotapanna versteht beides.
  • Alles in dieser Welt (außer namagotta) ist sankata, d.h. es entsteht aufgrund von Ursachen, existiert für eine Zeit und vergeht unweigerlich. Das Entstehen eines Sankata wird udaya genannt, die Zerstörung ist vaya. Udayavaya Nāna ist das Wissen über diesen Prozess.
  • Nibbana ist das einzige Asankata, es wird durch Beseitigung aller Ursachen erreicht.
  • Viele Menschen haben sogar die Arahantschaft erreicht, ohne je von diesen Begriffen gehört zu haben. Man muss die Tilakkhana oder die Sinnlosigkeit des Verlangens nach sankata (via sankhara) über wahre Meditation erkennen. Ein Sotapanna hat natürlich auch udayavaya nana.

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