Was sind Rupa? (Beziehung zu Nibbana)

1. In Buddha Dhamma kann alles in „dieser Welt“ mit 31 Reichen in zwei Kategorien eingeteilt werden: Manasa bzw. Mano (Geist) und Rupa (materielle Form).

  • Der Geist ist Citta (Gedanken) und Cetasika (mentale Qualitäten).
  • Alles andere ist Rupa (materielle Form).

2. Schauen wir uns nun die Rupa an: Viele Leute denken, dass Rupa nur der Körper und „materielle Dinge“ sind. Eine bessere Übersetzung für Rupa ist „Materie und Energie“. Alles in dieser Welt ist Rupa, außer Citta oder Cetasika.

  • Es gibt fünf Arten von Rupa, die wir mit unseren fünf Sinnen erleben: Mit dem Auge (cakkhu) erleben wir die Vanna Rupa (Sichtbares); mit dem Ohr (sota) erleben wir Töne (sadda); mit der Nase (ghana) erleben wir Gerüche (gandha); mit der Zunge (jivha) erleben wir Geschmack (rasa); mit dem Körper (kaya) erleben wir Berührung (pottabba).

3. Wir können sehen, dass Gerüche auf winzige Materiepartikel zurückzuführen sind, die in die Nase eindringen; Geschmack kommt von Speisen und Getränken, die die Zunge berühren; Berührung ist Kontakt zwischen „materiellen Dingen“.

  • Aber was ist mit sichtbaren Objekten? Wir brauchen Licht, um irgendwelche Objekte zu sehen. Ohne Licht können wir nicht sehen. So beinhaltet „Sehen“ Materie und Energie. Das gleiche gilt für Geräusche. So sind Vanna Rupa (oder Varna Rupa) wirklich „Materie und Energie“, und letztlich nur Energie. Seit der Wende des 20. Jahrhunderts hat die Wissenschaft bestätigt, dass Materie nur Energie ist: Sie sind durch Einsteins berühmte Formel von E = mc² verwandt.
  • So ist mit „cakkhunca paticca rupeca uppaddati cakkhu vinnanan“ gemeint: das Licht (Vanna Rupa), das auf das Auge (als Indriya) trifft, um uns das Gefühl von Sehkraft zu vermitteln. So sind die mit den 5 Sinnen wahrgenommenen Rupa (vanna, sadda, gandha, rasa und pottabba) wirklich Energie bzw. Teilchen.

4. Bei den Rupa kann die Dichte variieren, von fast reiner Energie bis hin zu festen Objekten, die wir mit dem Auge sehen können.

  • Sie durchlaufen drei Stufen: Auf der Gathi-Stufe ist es Energie; auf der Bhuta-Stufe sind sie verfestigt, aber das menschliche Auge kann sie immer noch nicht sehen (deshalb werden einige Wesen, die Menschen nicht sehen können, in Pali oder Singhalesisch als Bhuta bzw. Gespenst bezeichnet); nur auf der Dhathu-Stufe kann das menschliche Auge Rupa sehen.
  • Beim Parinibbana (Tod eines Arahant) ist der Geist an kein Rupa in irgendeiner Form gebunden, egal ob Dhathu, Bhuta oder Gathi.

5. Wenn man irgendwo in den 31 Reichen geboren wird, ist es das Vinnana (unreines Bewusstsein), was den Geist an einen materiellen Körper bindet. Wenn das Reinheitsniveau des Geistes anwächst, steigt man auf von den unteren Reichen mit dichten Körpern hin zu höheren Reichen mit weniger dichten Körpern.

  • In den unteren Reichen ist der Geist normalerweise an einen dichten Körper gebunden, den das menschliche Auge sehen kann. Dies ist eine dichte Dhatu-Form.
  • In den Deva Loka (Reiche 6-11) sind die Körper feiner. Ihre Gedanken sind ohne Hass und damit reiner. In den Reichen 6-11 sind die Körper aus Rupa noch in der Dhatu-Form, aber weniger dicht.
  • In den Rupa Loka und Arupa Loka ist der Geist frei von Hass und Gier und somit noch reiner. In den Rupa Loka (Reiche 12-27) sind die Körper der Wesen viel weniger dicht als die der Devas und befinden sich in der Bhuta-Form.
  • In Arupa Loka (Reiche 28-31) gibt es keine Rupa im Sinne von Bhuta. Aber die vier Maha Bhuta sind immer noch mit dem Gathi verbunden. Dort sind Rupa nicht unterscheidbar von Energie.
  • Wenn man den Geist reinigt, wird Vinnana zu anidassana Vinnana, dem Vinnana eines Arahants (Panna wird optimal). Ab dann gibt es keine Assoziation des Geistes mit Rupa jeglicher Art. Der Geist ist vollständig von Rupa getrennt. Er wird rein und frei. Wenn man Arahantschaft erlangt, lebt man noch bis zum Tod mit dem „festen Körper“ eines Menschen. Beim Parinibbana wird der Geist völlig frei von Rupa.

6. Auf einer tieferen Ebene beruht die Anicca-Natur darauf, dass jedes Rupa nicht nur dem Zerfall (Unbeständigkeit) unterliegt, sondern auch unerwarteten Veränderungen (viparinama). Diese Tatsache ist im zweiten Hauptsatz der Thermodynamik enthalten.

7. Um Nibbana zu erreichen, muss man den Geist reinigen. Der gereinigte Geist weigert sich, mit einem physischen Körper belastet zu werden,  welcher zum Zerfall und zu Wiedergeburt führt (und somit zu Dukkha).

8. In den 31 Reichen wird man entweder mit einem dichten Körper (in Kama Loka), einem feinstofflichen Körper (in Rupa Loka) oder nur mit einer Spur von Materie in Form von Gathi geboren (in Arupa Loka). Nibbana wird erreicht, wenn der Geist frei von einem Körper wird. Dies ist eine weitere Möglichkeit Nibbana zu verstehen.

9. Im Buddha-Dhamma kann irgendein gegebenes Ding oder Konzept aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Sie sind alle konsistent. Es ist eine vollständige Weltsicht. Die Wissenschaft fängt gerade erst an, diese Komplexität zu erkennen.

  • Die erstaunliche Tatsache ist, dass der Buddha dies alles mit seinem Geist wahrgenommen hat und alles stimmig präsentieren konnte.

 

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