Āhāra (Nahrung) im Udayavaya Ñāna

1. Der erste Teil des Udayavaya Nana beinhaltet die Ursachen für das Entstehen von Sankata (und damit das Entstehen der Pancakkhandha). Von den fünf  Faktoren (Avijja, Tanha, Kamma, Ahara, Nibbatti Lakkhana) untersuchten wir Nibbatti Lakkhana im vorherigen Beitrag der Serie.

  • Viele Beiträge auf der Webseite behandeln die ersten drei Faktoren. Jetzt schauen wir auf den verbleibende Faktor Ahara (Nahrung), der sowohl Ursache und Bedingung für das Entstehen der Pancakkhandha ist.

2. Wenn wir an Ahara  denken (was „Nahrung“ in Pali und Singhalesisch bedeutet), kommt uns sofort Essen in den Kopf, das wir zur Lebenserhaltung physisch zu uns nehmen. Jedoch ist aus vorherigen zwei Beiträgen klar, dass ein Körper nur eine Hülle ist, der von der Gandhabba „gesteuert“ wird.

  • Effektiv haben wir vier Arten von Körpern (Kaya): der physische Körper (Karaja Kaya) ist das, was ein Mensch in der Regel mit „ich“ assoziiert. Aber wir haben drei „geistige Körper“, die zusammen Manomaya Kaya bzw. Gandhabba sind. Diese drei sind Kammaja Kaya, Cittaja Kaya, Utuja Kaya.
  • In gewisser Weise ist der physische Körper nur eine Hülle, die wir für vielleicht 100 Jahre verwenden und beim Tod verlassen. Die Gandhabba verlässt den toten Körper und wartet auf eine geeignete Gebärmutter, um einen neuen physischen Körper aufzubauen, falls kammische Energie des Menschen-Bhava übrig ist.
  • Die Nahrung für den physischen Körper ist Kabalinka Ahara. Es gibt drei andere „geistige Nahrungen“, die alle von der Gandhabba verbraucht werden: Phassa Ahara, Mano Sancētanā Ahara, Viññāna Ahara.

3. Der Kammaja Kaya wurde im Cuti-Patisandhi-Moment von einem starken Kamma geschaffen und seine Energie wird mit der Zeit ausgeschöpft. Wenn zum Beispiel ein bestimmtes Menschen-Bhava eine kammische Energie für 1000 Jahre enthält, wird diese Energie langsam über die 1000 Jahre abgetragen. Kammaja Kaya benötigt keine zusätzliche Energie bzw. Ahara.

  • Alle drei Arten von geistiger Nahrung werden vom Cittaja Kaya konsumiert. Und ein Teil der Energie aus Kammaja und Cittaja Kaya wird zu Suddhashtaka (Materie) umgewandelt und bildet den feinstofflichen Körper der Gandhabba (Utuja Kaya).
  • Die kritische Komponente unter unserer Kontrolle ist Cittaja Kaya. Wir können unser lose vorher bestimmtes Schicksal (eingebettet im Kammaja Kaya) durch Kultivierung des Cittaja Kaya ändern, d.h. den Gedankenstrom und unser Verhalten (Gathi). Dies macht es möglich, Nibbàna zu erreichen!

4. Kabalinka Ahara hat zwei relevante Bedeutungen. Die erste Bedeutung kommt aus dem, was diese Art von Ahara tut: den physischen Körper mit Energie versorgen. In dem Fall kommt kabalinka von kayata bala dena in Pali oder Singhalesisch, mit kaya = “Körper“, bala = “Energie“ oder „Kraft“, dena = „verfügbar machen“.

  • Kabalinka Ahara bedeutet hier, die Nahrung, die wir essen, um den Körper wachsen zu lassen und mit Energie zu versorgen. Ohne Nahrung kann ein physischer Körper nicht zu einem Baby, Jugendlichen und Erwachsenen heranwachsen. Ohne Kabalinka Ahara kann das Sankata nicht überleben. Es ist ein wesentlicher Faktor für die Pancakkhandha.
  • Kabalinka Ahara  ist essentiell für das Überleben von Mensch und Tier (auch Devas). Devas verbrauchen nur eine Art von Kabalinka Ahara, genannt Amurtha: das Getränk hinterlässt keine Rückstände. So brauchen Devas sich nicht um Schweiß, Urin und Stuhlgang zu kümmern.
  • Kabalinka Ahara  wird in Kāma Loka benötigt. Wenn man das Verlangen nach Kabalinka Ahara verliert, wird man nie wieder in Kāma Loka geboren, d.h. man ist ein Anagami.
  • In Rūpa Loka oder Arupa Loka gibt es keine festen physischen Körper (Karaja Kaya). In Rūpa Loka gibt es nur den Thrija Kaya bzw. die drei geistigen Körper (Kammaja Kaya, Cittaja Kaya, Utuja Kaya).  So sind die Wesen dort im Grunde Gandhabbas, aber dieser Begriff ist für Menschen und Tiere reserviert, wenn sie in Paralowa auf eine Gebärmutter warten; siehe Die versteckte Welt der Gandhabba: Unterwelt (Paralowa).
  • Im Arūpa Loka gibt es auch keine Utuja Kaya. Mit Ausnahme der Hadaya Vatthu (Sitz des Geistes) gibt es keine Rūpa, die mit einem Arūpa Brahma verbunden sind.
  • Es ist nicht wichtig, all diese Einzelheiten zu wissen. Details sind nur notwendig, um das „große Bild“ zu vervollständigen.

5. Die zweite Bedeutung von Kabalinka Ahara  geht tiefer. Hier ist es eine Ursache für die Entstehung von zukünftigen Sankata. Verlangen nach Kabalinka Ahara bedeutet Hoffnung auf Wiedergeburt in Kāma Loka, um diese Nahrung zu genießen; siehe Wie vom Geist gemachte Sinnesvergnügen zu Dukkha führen.

  • Je stärker das Verlangen, umso schwieriger ist die Flucht aus Kāma Loka.
  • Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie (Abhi)Sankhara oder starke Verlangen/Wünsche zu passendem Bhava und damit Geburten führen.
  • In Paticca Samuppada folgt auf den Schritt Avijja paccaya Sankhara der Schritt Sankhara paccaya Viññāna und dann Upadana paccaya Bhava. So führen (Abhi)Sankhara  für  Kabalinka Ahara  zu Wiedergeburten in Kāma Loka, aber meist in unerwarteter Weise.

6. Man muss den Körper mit Kabalinka Ahara versorgen, um gesund zu bleiben. Wenn man sich jedoch sehr nach schmackhaften Lebensmitteln sehnt, kann Kabalinka Ahara  eine Ursache für künftige Geburten in Kāma Loka werden.

  • Nicht der Verzehr von leckeren Speisen führt unbedingt zu Kāma Bhava. Es ist die übermäßige Gier nach schmackhaften Lebensmitteln (Kāma Asvāda). Siehe Assāda, Adinava, Nissarana.
  • Diese zweite Art von Pada Nirukthi oder „der Herkunft des Begriffs“ Kabalinka Ahara kommt von „kaya bali karana“, d.h. „führt zum deformierten Körper“. Hier passt das Wort „bali“ oder „verzerrt/deformiert“, weil der Körper in einem zukünftigen Leben aufgrund der gierigen Sankhara ganz anders sein kann, als erwartet. Das ist die tiefere Bedeutung von Kabalinka Ahara im Udayavaya Nana.

7. Übermäßige Gier nach Nahrung entspricht dem Gathi von Prētha-Wesen. Wenn also ein solch gieriges (Abhi)Sankhara kultiviert wird, führt das zum passenden Prētha-Bhava und damit Prētha-Jathi.

  • Wenn manche Menschen leckeres Essen vor sich haben, verlieren sie jeden Sinn für Anstand. Die Gefräßigkeit beim Essen einer solchen Mahlzeit zeigt sich als Tier-Verhalten, wobei so eine Person vielleicht Essen verschüttet oder im ganzen Gesicht verteilt. Die passende Geburt könnte später im Tierreich als Schwein erfolgen.
  • Dann gibt es andere Menschen, die nicht gern ihr Essen teilen und sogar verstecken. Damit kann man Sankhara passend für einen „bissigen Hund“ kultivieren. Wir kennen solche Hunde, die schon knurren, wenn ein anderer Hund in die Nähe ihrer Nahrung kommt.

8. Wenn man die Grundidee erfasst, wird man leicht verschiedene Arten von Prētha- und Tier-Sankhara wahrnehmen.

  • Solche extremen Gathi sind die Folge der Unwissenheit über Buddha Dhamma, speziell Paticca Samuppada. Siehe Paticca Samuppada – „pati+ichcha“ + “sama+uppada“.
  • Solche Sankhara können nicht durch schiere Kraftanstrengung unterdrückt werden. Man muss Dhamma lernen und erkennen, dass solche Sankhara  schlimme Folgen haben.

9. Es gibt auch „gute Geburten“ in Kāma Loka: im Menschen- und Deva-Reich. Bhava in diesen Reichen passt auch zu den (Abhi)Sankhara, die wiederum natürlich aus dem dominanten Gathi stammen.

  • Menschen- und Deva-Bhavas folgen aus der Vorliebe für Sinnesvergnügen ohne übermäßige Gier. Die Mentalität ist hierbei aber nicht „Mögen alle guten Dinge zu mir kommen, aber nicht zu den anderen“. Diese Wesen sind recht zufrieden mit dem, was sie bekommen und teilen auch mit anderen.
  • Um frei von Kāma Loka zu werden, muss man die Sinnlosigkeit solcher Sinnesfreuden begreifen, aber auch die Gefahr.

10. Auf einer tieferen Ebene verschwindet die Tendenz für solche extreme Gier automatisch, wenn man die Anicca-Natur begreift.

  • Diese Veränderung in der Mentalität und die Änderung des persönlichen Verhaltens lässt sich nicht in kurzer Zeit bewerkstelligen. Aber während man Dhamma lernt, wird man die Veränderung im Laufe der Zeit wahrnehmen: in ein paar Wochen oder Monaten.
  • Der Buddha verglich diesen „allmählichen Übergang“ mit dem Wachstum eines Baumes. Man kann die Veränderung der Pflanze nicht täglich wahrnehmen. Es hat auch keinen Sinn dies jeden Tag zu prüfen. Aber wenn man den Baum pflegt, wird man das Wachstum nach Wochen oder Monaten erkennen. Eines Tages wird man die Vorteile all der Arbeit ernten, wenn der Baum  blüht und Früchte trägt.

11. Daher liegt der Schlüssel zum Erfolg im Lernen und Kontemplieren von Dhamma. Aber es ist wichtig, das richtige Dhamma zu lernen.

  • Ein Beispiel für die falsche Weise der Meditation ist oft Patikūla Manasikara Bhavana. Viele übersetzen „patikūla“ als „pilikul“ in Singhalesisch: „abzulehnen, weil es abstoßend ist“. Sie meditieren über die Abscheulichkeit des Körpers (Schweiß, Blut, Gedärme, Erbrochenes, Urin, Kot).
  • Aber der Buddha lehrte das nicht. So wie wir nicht extreme Sinnesfreuden genießen sollten, sollten wir auch nicht vom Körper abgestoßen werden. Beides erzeugt Tanha: das Erstere erzeugt Verlangen (Raga), das Zweitere erzeugt Abneigung (Patigha). Gleichmut (Upekkha) entstammt dem Verständnis der wahren Natur der Welt.

12. Nun können wir sehen, dass Kabalinka Ahara im Udayavaya Nana zwei Facetten hat:

  • Eine Bedeutung ist die Erhaltung des physischen Körpers, den wir aufgrund vergangener Ursachen erschaffen haben. Wenn wir nicht achtsam sind, bei dem was und wie wir essen, kann es schlimme Folgen haben. Wenn wir achtsam handeln, können wir den Körper optimal für unsere Ziele einsetzen, ob weltlich oder transzendent. Natürlich braucht es Kabalinka Ahara, um nicht zu sterben.
  • Die andere Bedeutung liegt in der Erzeugung zukünftiger physischer Körper via (Abhi)Sankhara. Man kann dauerhaft die Ursachen für physische Körper entfernen, indem man Upadana oder Verlangen nach Kabalinka Ahara los wird.
  • Man kann Anagami werden (d.h. Wiedergeburten in Kāma Loka verhindern), wenn man die wahre Natur von Kabalinka Ahara versteht. Damit verliert man das Verlangen nach irgendwelchen Sinnesfreuden im Kāma Loka. Aber diese Einstellung ist unergründlich für einen normalen Menschen, der nur die unmittelbare Sinnesbefriedigung anstrebt.

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